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Liquiditätsrisikosteuerung in Kreditinstituten durch Stresstests

Stresstests

AutorAnonym
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl68 Seiten
ISBN9783640673940
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis20,99 EUR
Bachelorarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich BWL - Bank, Börse, Versicherung, Note: 1,7, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Sprache: Deutsch, Abstract: Im Schatten von Marktpreis-, Zinsänderungs- und Kreditrisiken wurde dem Liquiditätsrisiko lange Zeit lediglich eine geringe Aufmerksamkeit geschenkt. In Folge der Finanzkrise erfuhr das Liquiditätsrisiko ein Art von Renaissance. Es wurden zahlreiche Publikationen veröffentlicht, die Empfehlungen zur Messung, Steuerung und Kontrolle von bankbetrieblichen Liquiditätsrisiken enthielten. Die Arbeit gibt in Kapitel 2 eine Einführung zum bankbetrieblichen Liquiditätsrisiko. Dabei werden die Besonderheiten bankbetrieblicher Liquidität und die damit einhergehenden Risiken näher untersucht. Insbesondere die unterschiedlichen Ausprägungsformen nehmen in der Liquiditätsrisikosteuerung eine herausragende Stellung ein. Dabei ist eine trennscharfe Abgrenzung der unterschiedlichen Formen nur bedingt möglich. Nationale aufsichtsrechtliche Regularien, denen Institute bei der Liquiditätsrisikosteuerung ausgesetzt sind, stellen den Übergang zum Schwerpunkt - Stresstests - der Arbeit (Kapitel 3 und 4) dar. Aufsichtsrechtliche Anforderungen im Bereich von Stresstests und deren wachsende Bedeutung in der Liquiditätsrisikosteuerung sind die Grundlagen, bevor anschließend die unterschiedlichen Ausprägungsformen von Stresstests beschrieben werden. Dabei handelt es sich vorwiegend um historische, hypothetische und hybride Szenarien. Eine besondere Form stellen die reversen Stresstests dar. Diese liefern der Liquiditätsrisikosteuerung enorm wichtige Erkenntnisse und zeigen auf, welcher Maximalwirkung das Institut standhält. In Kapitel 4 soll der Bezug zur Praxis hergestellt werden. Dies geschieht anhand eines Fallbeispiels. Zunächst werden deren institutsspezifische Liquiditätsrisikofaktoren analysiert, bevor plausible exogene und endogene Stressszenarien entwickelt werden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Auswirkung der formulierten Szenarien auf die Ertrags- und Liquiditätslage der Sparkasse. Der Liquiditätsnotfallplan rundet die Stressszenarien ab. Es werden unterschiedliche Maßnahmen genannt. Welche Maßnahmen ergriffen werden, sollte sich dabei an der 'Schwere der Liquiditätskrise' ausrichten.

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Leseprobe

3. Stresstests als Ergänzung der Liquiditätsrisikosteuerung


 

3.1 Definition und Nutzen


 

Stresstests dienen vor allem der Früherkennung von Risiken, die aus seltenen aber plausiblen und somit möglichen zukünftigen Ereignissen entstehen können.[102] Sie zeigen dem Institut auf, inwieweit sich künftige Veränderungen sich negativ auf das Eigenkapital (Risikotrag-fähigkeit) bzw. die Liquidität auswirken und ob das Institut dem standhält.[103] Die daraus gewonnenen Erkenntnisse informieren und warnen die Geschäftsleitung vor negativen Ent-wicklungen unterschiedlichster Ausprägungen.[104] Dies kann bspw. eine Verteuerung der Refi-nanzierung zur Folge haben oder zu einer angespannten Lage im Rahmen der Risikotrag-fähigkeit führen. Darüber hinaus sollten sie die Risiken aller Geschäftsbereiche abdecken.

 

Denkbar ist auch, dass erst bei der Durchführung von Stresstests Risikokonzentrationen erkannt werden. Anhand der gewonnen Erkenntnisse kann die Geschäftsleitung bzw. das Management Risikovorsorge insofern betreiben, dass sie sich bei der Entscheidungsfindung daran orientiert. Darüber hinaus vermitteln Stresstests dem Risikomanagement andere Blickwinkel im Gegensatz zu bisherigen Risikoinstrumenten (wie bspw. der Value at Risk) und ermöglichen dadurch neue Erkenntnisse über die Auswirkungen von möglichen Stressszenarien auf das Institut und die Wechselwirkungen der Risikoarten untereinander. Dadurch, dass Stresstests die Auswirkungen u. a. auf die Risikotragfähigkeit oder die zukünftige Liquiditätssituation aufzeigen, unterstützen sie die Institute, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Hierdurch können Informationen gewonnen werden, ob bei dem Institut zu einem gewissen Zeitpunkt in einem simulierten Szenario Zahlungsprobleme auftreten oder sogar die Zahlungsunfähigkeit droht. Institute können aufgrund der Simulation von Stresstests auf Krisen, die sich in der Zukunft ergeben können, eventuell besser reagieren und somit ihre Liquiditätssteuerung verbessern. Stresstests geben weiter Aufschluss darüber, wie widerstandsfähig das Institut ist und können der Geschäftsleitung dadurch die Möglichkeiten einräumen, wie die zukünftige Geschäfts-strategie (bei bspw. Produkte, Märkte oder Risikoarten) aussehen sollte. Ein weiterer denk-barer Nutzen für die Institute könnte sein, dass durch den Einsatz von Stresstests eine gute Diskussionsgrundlage gegenüber der Aufsicht geschaffen wird. Eventuelle Anregungen zur Verbesserung und neue Perspektiven können die Simulationen der Institute ergänzen und tragen so zu einer stetigen Optimierung bei.

 

Der Nutzen von Stresstests und die daraus resultierenden Erkenntnisse sind für Institute teils unverzichtbar und von enormer Bedeutung. Allerdings ist der damit verbundene Aufwand für die einzelnen Institute nicht zu unterschätzen. Auch aufsichtsrechtlich ergeben sich aus den derzeit gültigen MaRisk vom August 2009 einige Anforderungen an Stresstests und Konse-quenzen für die Liquiditätsrisikosteuerung, die im nachstehenden Kapitel beschrieben werden.

 

3.2 Aufsichtsrechtliche Anforderungen an Stresstests


 

3.2.1 MaRisk-Novelle

 

Schwerpunkt im Risikomanagement bildet, ausgelöst durch die Finanzkrise, das Thema Stresstest. Deutliche Schwächen in der Durchführung von Stresstests veranlassten den Baseler Ausschuss sich diesem Thema besonders zu widmen. Daraufhin veröffentlichte er im Mai 2009 die „Principles for sound stress testing practices and supervision“.[105] Im Rahmen der neuen MaRisk gingen diese Prinzipien in nationale Regularien über.[106] Dabei wurde vorrangig als Oberbegriff für „Szenariobetrachtungen“ das Wort „Stresstest“[107] eingeführt.[108] Die Methodenfreiheit in den MaRisk ist auch bei den Stresstests gegeben. Damit können die Methoden und Modelle für die Simulation durch die Institute frei gewählt und bestimmt werden, es kann sich somit um rein quantitative als auch um qualitative Methoden handeln. Der zwingende Einsatz rein mathematisch-statistischer Methoden ist nicht gefordert. Die Ergebnisse, die sich aus den simulierten Stresstests ergeben, sind durch die Institute frei interpretierbar –  eine klare Abgrenzung zwischen „bestanden“ und „nicht bestanden“ gibt es nicht. Die aktuellen aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Stresstests, die sich aus der Novellierung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement ergeben, wurden maßgeb-lich von den o. g. Baseler Prinzipien für fundierte Stresstestverfahren beeinflusst und werden nachstehend erläutert.

 

Neuerdings fordern die MaRisk die regelmäßige Durchführung von Stresstests für wesen-tliche Risiken und somit auch für das Liquiditätsrisiko.[109] Aufgrund der Veränderung der Risikofaktoren mit der Zeit erscheint eine regelmäßige Durchführung von Stresstests sinnvoll, da andernfalls das Risiko nicht mehr adäquat abgebildet und erfasst wird. Bei längerfristigen Szenarien, stabilen Portfolien oder für einzelne Risikoarten mit langen Erhebungsperioden ist eine jährliche Durchführung durchaus angemessen.[110] Anschließend müssen die wesentlichen Risikofaktoren[111] für die wesentlichen Risiken identifiziert werden, welche durch bestimmte Stresssituationen maßgeblich beeinflusst werden.[112] Ebenfalls neu sind die Anforderungen, dass Stresstests für die wesentlichen Risikoarten auf Gesamtinstitutsebene durchzuführen sind.[113] Dies bedeutet, dass Stresstests nicht auf einzelne Organisationseinheiten oder Geschäftszweige beschränkt werden dürfen. Hilfreich ist dies für die Geschäftleitung inso-fern, da ihr bei der Begutachtung der Institutsanfälligkeit aufgezeigt wird, wie sich das Ge-samtinstitut/Institutsgruppe bei schlagartigen Veränderungen/Entwicklungen verhält. Diese Erkenntnisse sollten dann ferner in der Beurteilung der Risikotragfähigkeit Berücksichtigung finden. Aufgrund beobachteter Fehlentwicklungen wurden die MaRisk um den Zusatz der außerbilanziellen Gesellschaftskonstruktionen (wie z. B. Liquiditätsfazilitäten gegenüber Zweckgesellschaften, sogenannten SPV = Special Purpose Vehicle)[114] ergänzt. Dies zielt u. a. auf die Durchführung von Stresstests auf Institutsebene ab. Dabei wurde im Rahmen des Fachgremiums MaRisk klargestellt, dass die Anforderungen nicht auf die Durchführung gesonderter Stresstests für Risikokonzentrationen und Risiken aus außerbilanziellen Geschäften abstellen.[115]

 

Die Stresstests sollen außergewöhnliche, aber plausible Szenarien abbilden. AT 4.3.2. Tz. 4 stellt Anforderungen daran, wie die Szenarien ausgestaltet werden sollen. Die Außer-gewöhnlichkeit kann sich zum einen auf die Schwere des Ereignisses beziehen oder auf dessen – eher unwahrscheinlichen – Eintritts. Da die betrachteten Szenarien per definitionem außergewöhnliche und seltene Extremereignisse darstellen sollen, würden sich über dessen Eintrittswahrscheinlichkeiten[116] ohnehin nicht mehr als bloße Vermutungen anstellen lassen. Auch wenn die Vermutungen über die Eintrittswahrscheinlichkeiten irrelevant für die Szenarioauswahl sind, so trägt doch die Plausibilitätsanforderung Sorge dafür, dass keine völlig abwegigen Ereignisse betrachtet werden.[117] Zum Nachweis der Plausibilität eines Szenarios empfiehlt es sich, dieses entsprechend zu dokumentieren.[118] Eine Möglichkeit, die Plausibilität gegenüber der Aufsicht zu belegen, besteht darin, die fiktiven Kausal- oder Wirkungsketten zu beschreiben und deren Zustandekommen nachvollziehbar zu erläutern.[119]

 

Weiter unterscheiden die MaRisk zwischen historischen und hypothetischen Szenarien[120] bei der Verwendung geeigneter Szenarien. Historische Szenarien sind bereits in der Historie schon einmal eingetreten, während hypothetische Szenarien auf reinen Annahmen und Expertenmeinungen beruhen. Bei Liquiditätsrisikostresstests sollen diese sowohl instituts-spezifischer als auch marktspezifischer Natur sein.[121]

 

Im AT 4.3.2 Tz. 5 verlangen die MaRisk von den Instituten eine mindestens jährliche Überprüfung der Angemessenheit (und wenn nötig eine Anpassung) der Stresstests und den zugrunde liegenden Annahmen[122].

 

Den Umgang mit den gewonnenen Ergebnissen aus den Stresstests und dessen angemessene Berücksichtigung bei der Beurteilung der Risikotragfähigkeit regelt AT 4.3.2 Tz. 6. Hiermit beabsichtigen die Mindestanforderungen, dass die Resultate aus den angewandten Stresstests kritisch reflektiert werden und einen eventuellen Handlungsbedarf aufdecken.

 

Die Berichterstattung über die Risikosituation des Instituts und die Ergebnisse der Stresstests, sollen in angemessenen Abständen an die Geschäftsleitung erfolgen.[123] Die Berichtsfrequenz sollte dabei mit den Einzelheiten und zeitlichen Abständen, die in den BTR 1 bis BTR 4 der MaRisk geregelt sind, übereinstimmen. Somit können Risikoberichte auch außerhalb der normalen Abfolge in Erwägung gezogen werden. In Bezug auf die...

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