Sie sind hier
E-Book

Long Way Round

Der wilde Ritt um die Welt

AutorCharley Boorman, Ewan McGregor
VerlagPiper Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl320 Seiten
ISBN9783492956475
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Ewan McGregor und sein Kumpel Charley Boorman machen, wovon andere nur träumen: Gemeinsam umrunden die beiden Freunde auf ihren Motorrädern die ganze Welt. Auf ihrer 115 Tage dauernden Reise - von England aus geht es ostwärts bis nach Asien und nach einem Sprung über die Beringstraße quer durch Nordamerika - erleben sie eine atemberaubende Naturkulisse, überwältigende Gastfreundschaft und treffen unterwegs auf herrlich komische Menschen. Eine Reise voller Wunder!

Ewan McGregor, 1971 in Schottland geboren, ist einer der gefragtesten Schauspieler Hollywoods. Der Durchbruch gelang ihm mit Trainspotting, weltweiten Ruhm erntete er als Obi-Wan Kenobi in Star Wars. Ewan besitzt eine wachsende Sammlung von Motorrädern - nur die KTM musste letztlich dran glauben, sie wurde verkauft. Ewan McGregor lebt mit seiner Frau Eve und seinen drei Töchtern in London. 

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe

2

Leidenschaft pur:

AUF DEM BIKE

EWAN: Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt – in unserem Fall im Jahre 1997 in Sixmilebridge im County Clare. Damals in Casey’s Pub, eher Wohnzimmer als Bar, ging Charley direkt auf mich zu. Mit gewinnendem Lächeln kam er gleich zur Sache.

»Du fährst Motorrad«, sagte er.

»Ja«, erwiderte ich zögernd, verblüfft von diesem geselligen Fremden mit den langen Haaren.

Wir waren beide mit unseren Frauen und Töchtern am irischen Drehort für Der Schlangenkuss in Ferienhäusern untergebracht. An diesen Dreh erinnere ich mich immer wieder gerne wegen der langen Nächte, in denen wir tranken, feierten und über Motorräder sprachen. Es war die Einstandsparty am Vorabend des ersten Drehtags, und obwohl Charley und ich es noch nicht wussten, hatten wir viel gemeinsam. Wir waren beide verheiratet, hatten beide nur wenige Monate alte Töchter, waren seit einiger Zeit erfolgreiche Schauspieler und hatten eine wochenlange enge Zusammenarbeit vor uns. Es gab viel, über das wir hätten reden können, aber Charley hat einen Riecher dafür, die üblichen Konventionen beiseite zu lassen und direkt das Thema anzusprechen, das einem am Herzen liegt. Auch damals machte er keine Ausnahme. Charleys Leutseligkeit hatte mich aus der Reserve gelockt.

»Ja … ja, ich fahr eine Motoguzzi Baujahr ’78«, sagte ich in Gedanken an mein erstes Motorrad, eine schwere italienische Maschine, die wie ein Traktor gebaut war. Und damit war der Bann gebrochen. Der Abend ging über in eine lange Nacht voller Bikeranekdoten und voller Geschichten, die wir uns über das Vatersein erzählten – so lernten wir uns näher kennen.

Während der nächsten Tage und Wochen erkannte ich allmählich, dass unsere erste Begegnung ganz Charleys Wesen entsprach. Er schien ein Gespräch immer aus der völlig entgegengesetzten Richtung als alle anderen zu beginnen, ein beneidenswerter Zug, der rasch das Eis brach. Der Dreh ging sehr langsam, wir hatten mehr Leerlauf als auf einem Filmset üblich. Daher gingen wir oft in Casey’s Pub, wo wir uns Pete Postlethwaite und anderen Mitwirkenden anschlossen, pokerten, Pints mit Guinness oder Harp hinunterstürzten und herumfabulierten. Es war eine tolle Zeit und eine großartige Gelegenheit, um zu entspannen und in einer ansonsten ruhigen irischen Kleinstadt mitten auf dem Land etwas Spaß zu haben. Je näher wir uns kennen lernten, desto mehr Gemeinsamkeiten entdeckten wir. Wir hatten die gleiche Einstellung zu unseren Aufgaben als Eltern: volle Einbindung der Kinder in unser Leben. Als Kind hatte Charley viel mit seinem Vater gemeinsam erlebt – er reiste von Filmset zu Filmset um die Welt, wechselte alle paar Monate die Schule –, so wie es auch meinen Kindern wohl bevorstand. Wir kamen derart gut miteinander aus, dass ich Charley bei der Abschlussparty bat, Taufpate für meine Tochter Clara zu werden.

Viele Freundschaften auf dem Filmset flackern hell, aber nur kurz auf und glühen bald nach Drehschluss aus. Andere werden zu dauernden Freundschaften, doch nur mit sporadischen Treffen und Gesprächen. Bei Charley war es anders. Wir blieben in Verbindung und trafen uns regelmäßig im Familienkreis. Und unsere Beziehung umfasste bald etwas weitaus Tieferes als nur eine gemeinsame Leidenschaft für Motorräder und fröhliches Feiern.

Ich war nach Chicago und Los Angeles geflogen, um bei einer Folge der Krankenhausserie ER mitzuwirken. Während ich in Amerika drehte, mit Schläuchen in der Nase in einem Krankenhausbett lag, wurde – schreckliche Ironie des Schicksals – meine Clara in ein Hospital in London eingeliefert. Zuerst dachte ich, sie hätte nur eine schlimme Erkältung oder Grippe, aber dann hieß es, sie leide an schwerer Hirnhautentzündung.

Ich flog sofort nach Hause und verbrachte die nächsten vierzehn Tage im Krankenhaus, wo ich mit meiner Frau Eve am Bett meiner kleinen Tochter saß. Es war eine schreckliche Zeit, deshalb wandte ich mich an Charley. Er hatte kurz vor unserem Kennenlernen in Irland selbst eine schwierige Phase durchgemacht: Seine älteste Tochter Doone wurde durch einen Mangel an weißen Blutkörperchen sehr krank. Charley und seine Frau Olly waren eine große Hilfe. Eines Nachmittags, als Charley uns im Chelsea and Westminster Hospital besucht hatte, begleitete ich ihn hinaus. Was Clara oben widerfuhr, war sehr ernst. Charley wusste, wie ich litt und wie schrecklich es war, mit dem Kind im Krankenhaus zu sein. Er sagte einfach: »Kopf hoch! Das kann besser werden.« Er erinnerte mich daran, dass alle Kinder irgendwann krank und manche sogar schwer krank werden. Von all meinen Bekannten verstand Charley genau, wie beängstigend und einsam es sein kann, wenn du ganz allein die Krankheit deines Kindes bewältigen musst. Er hatte einfach die richtigen Worte. Er umarmte mich fest, schwang dann das Bein über seine Honda XR600R, fädelte sich in den Verkehr ein, riss das Vorderrad hoch und machte einen gewaltigen Wheelie die ganze Fulham Road hinunter. Irgendwie ging mir das ans Herz. Dieser Wheelie war so wunderbar unangemessen und spontan, dass er meine Ängste und Sorgen durchbrach und meine Laune stärker hob als alle Worte. Und er passte voll zu Charleys angeborenem Optimismus. Es war eine sonderbare Zeit, aber ich werde nie vergessen, wie er auf seinem Hinterrad davonbrauste. Gerade als ich es brauchte, heiterte Charley mich auf. Dieser Moment besiegelte unsere Freundschaft.

CHARLEY: Als ich Ewan in Casey’s Bar kennen lernte, erkannte ich sofort einen verwandten Geist. Jemand mit großen Leidenschaften im Leben, allen voran das Motorradfahren. Ein Faible für Bikes hatte ich schon Zeit meines Lebens. Ich wuchs auf einem Bauernhof im County Wicklow in Irland auf. Ein paar Häuser weiter wohnte ein Typ mit Motorrad, den ich immer vorbeidonnern sah. Ich war damals etwa sechs Jahre alt und dachte bloß: »Wahnsinn!« In jener Zeit drehte mein Vater, John Boorman, Zardoz mit Sean Connery, der während der Dreharbeiten in Irland bei uns im Haus wohnte. An einem Wochenende kam Seans Sohn Jason zu Besuch. Jason war ein gutes Stück älter als ich und zwang mich immer, ihn auf seinem kleinen Monkey Bike anzuschieben, bis der Motor ansprang. Schließlich, nachdem Jason lange genug auf dem Hof umhergekurvt war, ließ er mich mal ran. Ich flog prompt auf die Schnauze, doch dieser eine Augenblick, das Drehen am Griff, das Aufheulen des Motors, der Geruch nach Auspuffgas und Benzin und der Rausch der Geschwindigkeit genügten. Ich hatte Blut geleckt und bestürmte meine Eltern, meiner aufkeimenden Leidenschaft nachzugeben. Bald darauf hatte ich sie so weit: Ich durfte mir eine Yamaha 100 kaufen, eine Miniatur-Geländemaschine, die ich bis zum heutigen Tag noch habe und damals von den Einnahmen als Komparse in Der große Eisenbahnraub kaufte. Es war großartig.

Fast jeden Tag schoss an unserem Bauernhof ein Nachbar auf einer Maico 500 vorbei, einem deutschen Motorrad, das damals das Größte war. Tommy Rochford, der Mann auf dem Bike, wurde bald mein Idol. Sein Vater Danny war Gärtnermeister und kümmerte sich um die Beete meiner Eltern. Tommy war wie sein Vater nett und großzügig. Doch was am wichtigsten war: Ich durfte zu ihm radeln und auf seiner Maico herumdüsen. Tommy hob mich aufs Motorrad, ließ es an und hielt es gerade, bis ich losfuhr. Ich war damals noch klein und kam mit den Füßen noch nicht auf den Boden, also kachelte ich auf dem Feld herum, bis ich genug hatte. Dann raste ich auf Tommy zu, zog die Bremsen und sprang ab, sobald das Motorrad umkippte.

Mit zwölf hatte ich eine 125er und beschäftigte mich wie Tommy mit Motocross, wenn ich beim Film gerade nichts zu tun hatte. Etwa zur selben Zeit lernte ich Kaz Balinski kennen, ein angehender Motorradfan wie ich, der auf der anderen Seite des Flusses wohnte. Kaz besaß eine Yamaha YZ-80 und hatte sich eine Motocross-Bahn gebaut, die bald zu Tommys und meinem beliebtesten Spielplatz wurde. Wir fuhren mit unseren Motorrädern runter zum Ende der Felder meiner Eltern, durch den Fluss aufs Feld der Balinskis und den Hügel rauf zur Motocross-Bahn von Kaz. Dort tobten wir uns aus, sausten herum, stürzten und bretterten weiter, bis es dunkel wurde.

Einige Jahre später wollte ich eine größere Maschine, eine 250er. Papa sagte, sie sei zu groß und ich zu jung, aber ich setzte mich durch und wurde schließlich stolzer Besitzer einer Yamaha YZ-250. Als ich das erste Mal auf diese 250er stieg, spielte mein Vater draußen gerade mit einem Nachbarn Tennis. Das Motorrad war mein größter Wunsch gewesen, und ich war entschlossen, mich von seiner Größe und Kraft nicht einschüchtern zu lassen. Ich raste über einen Feldweg am Tennisplatz vorbei und fabrizierte im Vorbeifahren, meinem Vater zum Trotz, einen gewaltigen Wheelie. Hierbei grinste ich ihn an, wie um zu prahlen: »Siehst du, ich kann dieses Ding fahren!« Ich fand mich supercool, bis ich nach vorn blickte und wenige Meter vor mir eine Steinmauer mit Stacheldraht obendrauf auf mich zurasen sah. Ich drückte das Bike nach unten und zog die Bremsen, aber auf dem dichten, feuchten und beinahe kniehohen Gras war nichts mehr zu machen. Ich spürte, wie mir das Motorrad entglitt, während ich weiter meinem Verderben entgegenrutschte. Dann knallte ich gegen die Mauer, flog obendrüber und verfing mich im Stacheldraht. Mein Vater kam angerannt, als ich hilflos am Boden lag, doch sein Blick verriet, dass er mir keineswegs helfen würde. Er stand über mir und schrie mir ins Gesicht: »Du verdammter Knallkopf! Ich hab dir doch gesagt, du bist zu klein dafür!« Weil das Motorrad noch immer mit sägendem Motor neben mir lag, konnte ich kaum etwas anderes tun, als resigniert zu winseln: »Okay, du hast ja Recht. Aber hilfst...

Blick ins Buch

Weitere E-Books zum Thema: Sport - Sporttheorie - Sportpsychologie

Geschlossene Fonds - simplified

E-Book Geschlossene Fonds - simplified
Sachwert-Alternativen ohne Bank & Co. Format: PDF

Geschlossene Fonds sind komplizierte Produkte, ein Thema, das bislang noch nie systematisch behandelt wurde. Dabei tut umfassende, objektive und vor allem neutrale Aufklärung Not. Aufgrund ihrer…

Führung im Spitzensport

E-Book Führung im Spitzensport
Von Strategien erfolgreicher Trainer profitieren Format: PDF

Jan Mayer erläutert die zentralen Elemente erfolgreicher Führung im Bereich des Trainings von Spitzensportlern und -mannschaften. Der Trainer im Spitzensport hat eine sehr spezielle Rolle - sein…

Vermarktung von Basketball

E-Book Vermarktung von Basketball
Format: PDF

Inhaltsangabe:Einleitung: Die deutsche Basketball Nationalmannschaft – Europameister 1993 in Deutschland, Bronzemedaillengewinner bei der Weltmeisterschaft 2002 in den USA und Silbermedaillengewinner…

Weitere Zeitschriften

FESTIVAL Christmas

FESTIVAL Christmas

Fachzeitschriften für Weihnachtsartikel, Geschenke, Floristik, Papeterie und vieles mehr! FESTIVAL Christmas: Die erste und einzige internationale Weihnachts-Fachzeitschrift seit 1994 auf dem ...

Augenblick mal

Augenblick mal

Die Zeitschrift mit den guten Nachrichten "Augenblick mal" ist eine Zeitschrift, die in aktuellen Berichten, Interviews und Reportagen die biblische Botschaft und den christlichen Glauben ...

BEHINDERTEPÄDAGOGIK

BEHINDERTEPÄDAGOGIK

Für diese Fachzeitschrift arbeiten namhafte Persönlichkeiten aus den verschiedenen Fotschungs-, Lehr- und Praxisbereichen zusammen. Zu ihren Aufgaben gehören Prävention, Früherkennung, ...

Computerwoche

Computerwoche

Die COMPUTERWOCHE berichtet schnell und detailliert über alle Belange der Informations- und Kommunikationstechnik in Unternehmen – über Trends, neue Technologien, Produkte und Märkte. IT-Manager ...

Das Hauseigentum

Das Hauseigentum

Das Hauseigentum. Organ des Landesverbandes Haus & Grund Brandenburg. Speziell für die neuen Bundesländer, mit regionalem Schwerpunkt Brandenburg. Systematische Grundlagenvermittlung, viele ...

Die Versicherungspraxis

Die Versicherungspraxis

Behandlung versicherungsrelevanter Themen. Erfahren Sie mehr über den DVS. Der DVS Deutscher Versicherungs-Schutzverband e.V, Bonn, ist der Interessenvertreter der versicherungsnehmenden Wirtschaft. ...

IT-BUSINESS

IT-BUSINESS

IT-BUSINESS ist seit mehr als 25 Jahren die Fachzeitschrift für den IT-Markt Sie liefert 2-wöchentlich fundiert recherchierte Themen, praxisbezogene Fallstudien, aktuelle Hintergrundberichte aus ...