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E-Book

Meine Reisen in die Vergangenheit

AutorGeorg Markus
VerlagAmalthea Signum Verlag GmbH
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl299 Seiten
ISBN9783902998538
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR
Wenn Georg Markus in die Vergangenheit reist, bringt er viele faszinierende Geschichten mit: Seine Reisen führten ihn zu berühmten Leuten, in die Welt der Liebe, des Theaters und der Musik, an den Hof des Kaisers und zu den großen Schauplätzen der Weltgeschichte. Markus gewährt seinen Lesern aber auch zum ersten Mal Einblick in die Geheimnisse seiner historischen Berichte. Und er setzt mit dem Fortsetzungskapitel seines Bestsellers 'Die Enkel der Tante Jolesch' einen amüsanten Abschluss für dieses Buch.

Georg Markus, einer der erfolgreichsten Schriftsteller und Zeitungskolumnisten Österreichs, lebt in Wien, wo er sich als Autor von Sachbüchern und großer Biografien einen Namen machte. Seine Bücher Unter uns gesagt, Die Enkel der Tante Jolesch, Adressen mit Geschichte, Die Hörbigers und Was uns geblieben ist führten monatelang die Bestsellerlisten an. In seiner Kolumne Geschichten mit Geschichte schreibt er historische Berichte für die Zeitung Kurier, von März 2000 bis März 2008 gestaltete und moderierte er im RadioKulturhaus des ORF die Ö1-Sendreihe Das war's, Erinnerungen an das 20. Jahrhundert. Aufsehen erregte Georg Markus, als er 1992 den Grabraub der Mary Vetsera aufdeckte, nachdem das Skelett der Geliebten des Kronprinzen Rudolf bei Nacht und Nebel aus ihrer Gruft in Heiligenkreuz bei Wien entwendet worden war. Weltweite Beachtung fand auch seine im März 2009 im Kurier erschienene Artikelserie, in der er zum ersten Mal über den unehelichen Sohn John F. Kennedys mit einer gebürtigen Österreicherin berichtete. Mutter und Sohn leben heute in den USA. Hunderte Zeitungen und TV-Sender in aller Welt übernahmen den Exklusivbericht von Georg Markus. Georg Markus ist Mitglied des P.E.N.-Clubs und des Österreichischen Schriftstellerverbandes. Die Bücher von ihm wurden u. a. ins Englische, Französische, Spanische, Ungarische, Polnische, Tschechische und Japanische übersetzt.

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Leseprobe

»ALLES GERETTET!«


Der Brand des Wiener Ringtheaters


Kurz vor seinem Tod im Jahre 1880 hatte Jacques Offenbach jenes Werk geschaffen, das seinen Namen unsterblich machen und in alle Welt tragen sollte: Hoffmanns Erzählungen.

Diese Oper ist aber nicht nur in die Geschichte der Musik, sondern auch in die der großen Theaterkatastrophen eingegangen. Denn kurz vor Beginn der zweiten Wiener Aufführung am 8. Dezember 1881 kam es im Ringtheater zu einem der größten und folgenschwersten Brände aller Zeiten: 386 Menschen starben, weit mehr noch erlitten schwere Verletzungen.

Bühnenhäuser waren in jenen Tagen prinzipiell extrem gefährdet. Die Flammen der Gasbeleuchtung, die leicht brennbaren Vorhänge und Kulissen, die großen Menschenansammlungen, die die Beweglichkeit der Feuerwehr stark beeinträchtigten – all das hatte immer wieder zu Katastrophen geführt: So brannte 1823 das Hof- und Nationaltheater in München ab, zwanzig Jahre danach war es das Königliche Opernhaus in Berlin, das den Flammen zum Opfer fiel. 1847 forderte der Brand des Hoftheaters von Karlsruhe 63 Todesopfer, 1863 brannte das Wiener Treumann-Theater, zwei Jahre später gingen das berühmte Surrey Theatre in London und das Stadttheater Breslau in Flammen auf, gefolgt von der Pariser Oper und dem Hoftheater in Dresden.

Gelernt hatte man aus all den tragischen Ereignissen gar nichts. Auch das Wiener Ringtheater war so gebaut worden, dass die Katastrophe nicht vermieden werden konnte. Das Haus war sieben Jahre vor seiner Vernichtung als »Komische Oper« am Schottenring feierlich eröffnet worden, und zwar nach den neuesten – und doch unzureichenden – Erkenntnissen.

Meine Bemühungen, historische Ereignisse möglichst durch Gespräche mit lebenden Zeitzeugen zu dokumentieren, waren in diesem Fall zum Scheitern verurteilt, zumal sich die Katastrophe vor weit mehr als hundert Jahren ereignet hatte. Und doch sollte ich auf dieser Reise in die Vergangenheit einen Mann treffen, der mir über den Brand des Ringtheaters so detailliert Auskunft erteilen konnte, als wäre er selbst dabei gewesen: Walter Krumhaar, Oberbrandrat der Wiener Berufsfeuerwehr und begeisterter Feuerwehrhistoriker, entstammte nicht nur einer richtigen Feuerwehrdynastie, sondern hatte auch einen sehr persönlichen Zugang zu der Katastrophe: Sein Großvater war einer der Hauptangeklagten in jenem Prozess, der nach dem Theaterbrand am Schottenring abgehalten wurde. Krumhaars Großvater hieß Leonard Heer und war Exerziermeister der Wiener Feuerwehr.

Von seinem zunächst angeklagten und später freigesprochenen Großvater hat Walter Krumhaar, der sich mit dem Ringtheaterbrand schon aus Gründen der Familientradition sein Leben lang befasste, Abschriften von Verhandlungsprotokollen des Gerichtsprozesses, zeitgenössische Darstellungen und weitere Direktinformationen geerbt, die sich in keinem Archiv finden. Darunter auch die in Kurrent geschriebenen Zeilen im Brandjournal des Jahres 1881, die vom »Einsatz No. 665« am 8. Dezember berichten:

»6.55 Uhr durch die Polizei gemeldet: Dachfeuer, 1., Schottenring. Angetroffen: Theaterfeuer. Als die Feuerwehr am Brandort anlangte, standen bereits die Bühne und der Zuschauerraum in Flammen, welche schon über dem Schnürboden beim Dache herausschlugen …«

Das Protokoll zeigt auch schon den ersten fatalen Fehler auf: Da von der Polizei vorerst nur ein Dachfeuer, keineswegs jedoch ein Theaterbrand gemeldet wurde, hielt man den Alarm bei der Feuerwehr für einen Routinefall. Dass es sich bei der nicht näher definierten Adresse (»1., Schottenring«, ohne Angabe der Hausnummer) um das Ringtheater handelte, war aus der ersten Meldung nicht ersichtlich. Also rückte die Mannschaft unter Führung des Exerziermeisters Heer von der nahen Feuerwehrzentrale Am Hof lediglich mit einer Spritze und zwei Wasserwagen aus, wie dies bei kleineren Brandfällen üblich war.

Der Oberbrandrat Krumhaar blätterte in seinen Aufzeichnungen und berichtete: »Erst am Ring angekommen, stellte sich für meinen Großvater und die mit ihm ausgerückten 15 Männer heraus, dass der so genannte ›Dachbrand‹ in Wirklichkeit ein Theaterbrand war. Das Publikum – 1760 Personen befanden sich im Saal – wartete auf den Beginn der Vorstellung.«

Die kleine Truppe unter »Großpapa« Heer kam gegen 19 Uhr, rund zehn Minuten nach Ausbruch des Feuers, im Fiaker an. Leonard Heer war Unteroffizier – geschulte Offiziere gab es zu diesem Zeitpunkt in der Millionenmetropole Wien noch nicht!

Als auslösendes Moment für den Brand sollte sich eine defekte als Bühnenbeleuchtung in Betrieb gewesene Gassoffitte erweisen. Verhängnisvoll war, dass der Bühnenvorhang Feuer fing und die Drahtcourtine – Vorgängerin des eisernen Vorhangs – nicht sofort heruntergelassen wurde. Weiters wurde der Brandmelder vom Theaterpersonal nicht betätigt, der die Feuerwehr automatisch verständigt hätte. In diesem Fall wäre sofort bekannt gewesen, dass der Brand im vollbesetzten Ringtheater ausgebrochen war. Dafür schaltete ein Bühnenarbeiter entgegen den Vorschriften die gesamte Theaterbeleuchtung durch Schließen des Gas-Haupthahnes aus, wodurch im ganzen Haus eine entsetzliche Panik entstand. Und die Türen des Zuschauerraums ließen sich – welch folgenschwere Bausünde – nur nach innen öffnen. Die ins Freie drängenden Publikumsmassen versperrten sich auf diese Weise selbst den Weg zur Straße.

In seinen, vor der Eröffnung der Gerichtsverhandlung handschriftlich verfassten Aufzeichnungen beschreibt Leonard Heer einen weiteren Grund für die Ohnmacht der einlangenden Hilfstruppen: »Wegen Sauerstoffmangels sind nun, sobald wir ins Haus vordringen wollten, unsere Fackeln ausgegangen. Wir konnten daher das Gebäude zunächst nicht betreten.« Aus einem anderen Bericht aus Krumhaars Archiv erfährt man anhand der Schilderungen eines Augenzeugen, wie sich die Katastrophe fortsetzte:

»Endlich, knapp vor sieben Uhr, war die erste Spritze erschienen und begann ihre Tätigkeit zu entwickeln. Mittlerweile waren auf dem kleinen Rasenplatz, wo der Zugang zu den Galerien befindlich ist, die Herren Erzherzog Albrecht und Wilhelm sowie der Polizeirat Landsteiner und einige Minuten danach auch Ministerpräsident Graf Taaffe, letzterer in voller Amtsuniform, erschienen.

Erzherzog Albrecht ließ sich sofort die Meldungen über das Entstehen und den Stand des Brandes bringen, und es wurde ihm von der Polizei die erfreuliche Auskunft zuteil, dass ›Alles gerettet!‹ sei und niemand sich mehr in dem brennenden Gebäude befinde, was übrigens von dem Erzherzog mit sehr ungläubiger Miene entgegengenommen wurde.

Es vergehen einige Minuten. Ein kleines Häuflein Menschen verlässt das Theater durch den Ausgang in der Heßgasse, ebenso wurde man jetzt einer Menge Leute auf dem Balkon zur Ecke der Heßgasse gewahr, welche jammernd um Hilfe rief. Tumultartig rannte nunmehr alles durcheinander, ein Teil der umstehenden Menge wollte sich mit Gewalt in das brennende Gebäude stürzen, um die Rettung der im Theater befindlichen Menschen zu beschleunigen. Doch daran wurden sie durch die Interventionen der Sicherheitswache gehindert, mit dem Bedauern, dass es ja doch niemanden mehr zu retten gebe.

Nach weiteren fünf Minuten kommt atemlos ein zweiter Polizeikommissär bei dem Erzherzog Albrecht mit der Meldung an, dass die Stiege zur zweiten und zur dritten Galerie voll von Toten sei. Bleiche Angst bemächtigte sich der Umstehenden, welche die Meldung mit angehört hatten.

Immer aufs Neue vermehrten sich jetzt die Informationen, immer größer war die Anzahl der Toten, welche man aus dem brennenden Gebäude herausschaffte, in welches nunmehr die Löschmannschaften eindringen konnten. Die meisten der Leichen waren schrecklich verstümmelt, mit vom Leibe gerissenen Kleidern, das Gesicht verzerrt, Schaum vor dem Munde, Hände und Füße krampfhaft zusammengekrümmt, aufgefunden worden. In furchtbarer Anzahl häuften sich die Leichen, so dass der Raum im Hofe zu eng wurde und man dieselben aufeinander schlichten musste. Alle Anwesenden zitterten und bebten vor Angst und Aufregung. Greise sah man weinen.

Bis dreiviertel elf Uhr abends wurden über 116 Leichen deponiert, von denen nur eine einzige agnosziert werden konnte. Es war ein junges, schönes Mädchen, welches von dem Vater an einem Ringe, den es an der rechten Hand trug, erkannt wurde. Um halb zwölf Uhr wurde das Werk der Totenlese eingestellt, obwohl noch zahllose Leichen auf der dritten und vierten Galerie im brennenden Hause zurückgelassen werden mussten, da es nicht mehr möglich war, die Räume ohne äußerste Lebensgefahr zu betreten. Das Feuer brannte fort, und die Dampfspritzen und viele andere Löschapparate schleuderten unablässig ihre Wassermassen in die sich fortwälzende Glut.«

Da sich die Erste-Hilfe-Maßnahmen der Stadt Wien als völlig unzureichend erwiesen hatten, gründeten...

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