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Mobbing und Emotionen – Aspekte einer Organisationssoziologie

AutorInga Mittelstaedt
VerlagRainer Hampp Verlag
Erscheinungsjahr1998
Seitenanzahl242 Seiten
ISBN9783879883264
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis23,55 EUR
Die vorliegende Arbeit stellt eine konkrete und ausführlich beschriebene Analysemöglichkeit vor, die den sozial-dynamischen Strukturen des Mobbing- Phänomens nachzuspüren versucht. Bei dieser Analyse stehen die Emotionen der Menschen im Mittelpunkt. Jeder Mobbing-Fall scheint ein enormes emotionales Potential in sich zu bergen, und deswegen liegt es nahe, diese Art der Konflikteskalation daraufhin zu analysieren, welche Rolle den Emotionen in ihrem Verlauf zukommt. Folglich gilt es die Ebene der Emotionen als einen wichtigen Fokus zu betrachten, wenn man nach den Gründen für die menschliche Wahrnehmung der Umwelt und menschliches Verhalten fragt. Schikanierendes Verhalten am Arbeitsplatz kann jedem von uns jederzeit begegnen, und wenn wir verstehen wollen, wie menschliches Verhalten sich derartig entwickeln kann, kommt man um die Betrachtung von menschlichen Emotionen im Organisationsalltag nicht herum.

Darüber hinaus bietet die Betrachtung der Emotionen in der Gesellschaft eine Erklärungsmöglichkeit für den enormen Stellenwert von Mobbing in der momentanen öffentlichen Diskussion.

Die Autorin

Inga Mittelstaedt, Jg. 1969, abgeschlossene kaufmännische Lehre, abgeschlossenes Studium der Soziologie an der Universität Hamburg, Studiumschwerpunkte im Bereich der Wirtschafts- und Betriebssoziologie, Ökonomie, Arbeits- und Betriebspsychologie sowie der Wirtschafts- und Sozialgeschichte. 

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Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis und Darstellungsverzeichnis
  2. 1.) Emotionen - Ein Thema in der Soziologie?
  3. 2.) Die Einbindungsformen der Emotionen in die Gesellschaft
  4. 3.) Emotionen in Organisationen
  5. 4.) Eine Emotionsanalyse in einem realen organisationalen Lebensbereich - Mobbing und Emotionen -
  6. 5.) Wie erklärt sich die gegenwärtig enorme gesellschaftliche Aufmerksamkeit gegenüber dem "Mobbing"?
  7. Literaturverzeichnis
Leseprobe
4.) Eine Emotionsanalyse in einem realen organisationalen Lebensbereich - Mobbing und Emotionen (S. 108-109)

Nachdem bis zu dieser Stelle dieser Arbeit die Relevanz der Emotionen für den organisationalen Alltag herausgearbeitet werden sollte, wird im folgenden konkret ein Alltagsbereich aus Organisationen im Hinblick auf die Bedeutung der Emotionen betrachtet werden. Da die organisationssoziologische Forschung bisher noch wenig über die Bedeutung der Emotionen in Organisationen aussagen kann, soll nun ein konkretes Strukturmerkmal/-element von Organisationen genauer betrachtet werden, nämlich das der Konflikte, um in diesem Bereich, als einem Teil des gesamten "Puzzles der Organisation", zu theoretischen Ergebnissen gelangen zu können, was die Rolle der Emotionen in Organisationen angeht. Damit kann diese Arbeit dann möglicherweise als eine Anregung für folgende empirische Untersuchungen betrachtet werden.

Das Strukturelement, daß uns im folgenden beschäftigen soll, wird, wie schon angekündigt, das der Konflikte in Organisationen sein. Konflikte stellen allgemein Beziehungen dar, die durch die Gegensätzlichkeit zweier sozialer Elemente gekennzeichnet sind. Dies können Personen, Gruppen, Klassen, etc. sein.

Aus unserer alltäglichen Erfahrung mit Konfliktsituationen in Organisationen wissen wir, daß Emotionen kaum aus Konflikten herauszuhalten sind, denn warum sollte sonst jemand innerhalb einer Konfliktsituation anfangen zu weinen (z.B. als Zeichen der Verzweiflung, da die Konfliktkomponenten Arbeitsleistungserwartung seitens des Vorgesetzten und Kapazitätsausschöpfung auf seiten des untergeordneten Angestellten aufeinandertreffen), oder warum sollte bei einigen Organisationsmitgliedern schon allein der Gedanke an Konfliktsituationen mit Kollegen oder Vorgesetzten etc. zu einem "beklemmenden Gefühl in der Magengegend" führen (z.B. aus Angst vor Konfrontationen, Bloßstellungen etc.), oder warum reagieren andere Menschen wiederum wie rasend in Konfliktsituationen (z.B. aus Wut auf jemanden), wenn nicht jeder dieser Menschen die jeweilige Konfliktsituation für sich interpretieren und damit einhergehend Emotionen ausbilden würde?

Deswegen soll an dieser Stelle behauptet werden, daß auch ein Organisationsstrukturelement wie das der Konflikte von Emotionen nicht unbeeinflußt bleibt.

Der Mensch interpretiert aber nicht nur Konfliktsituationen, womit Emotionsbildung einhergeht, sondern zusätzlich zu dem emotionalen Besetzen einer solchen Situation, durch die Interpretation der eigenen Macht- bzw. Statusposition, kann auch, in Rückanbindung auf die Emotionen, das Verhalten des Individuums beeinflußt werden, was sich in Gestik, Mimik und Sprache als den entsprechenden Kommunikationskanälen äußern kann. Aufgrund der Tatsache, daß niemals alle Individuen völlig identische Emotionen in derselben Situation empfinden werden, werden diese Emotionen auch in unterschiedlicher Weise das Verhalten in der jeweiligen Situation beeinflussen und damit ergeben sich dann unterschiedliche Möglichkeiten mit Konflikten umzugehen. Allerdings gibt die emotionale Normierung einer Organisation einen gewissen Rahmen für Emotionsempfindungen in bestimmten Situationen vor und deshalb sind auch die Verhaltenseinflußmöglichkeiten annähernd begrenzt. Auf diese Weise können Emotionen bei unterschiedlichen Individuen zu ähnlichem Verhalten führen, die Organisationsstrukturen entstehen lassen (Es strukturieren sich auf diese Weise soziale Zusammenhänge).

Eine Möglichkeit von Menschen in unserer Gesellschaft z.B. in Organisationen mit Konfliktsituationen umzugehen, hat sich strukturell mit dem Phänomen des "Mobbings" herausgebildet, das zur Zeit in bemerkenswert vielen Diskussionsrunde thematisiert wird und überdies noch Zeitungen, Zeitschriften und ganze Bücher füllt.

Von "Mobbingexperten", die sich mit diesem Phänomen eingehender beschäftigen, wird Mobbing als eine Strategie zur Konfliktbewältigung eingeordnet.210 Da wir bereits unterstellt haben, daß Emotionen sowohl bei der Interpretation von Konfliktsituationen eine Rolle spielen als auch auf das Verhalten in diesen Situationen Einfluß haben können, ist Mobbing unter anderem auch als ein Resultat von emotionalgeleiteter Konfliktbewältigung zu verstehen, das die Wirklichkeit in Organisationen mit ausmacht.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis8
Darstellungsverzeichnis12
1.) Emotionen - Ein Thema in der Soziologie?16
2.) Die Einbindungsformen der Emotionen in die Gesellschaft21
2.1.) Emotionen als Ergebnisse sozialer Beziehungen24
2.1.1.) Status und Macht als strukturbildende Dimensionen des Sozialen24
2.1.2.) Macht, Status und Emotionen26
2.1.3.) Modifizierung des emotionssoziologischen Ansatzes Theodore D. Kempers57
2.2.) Die kulturelle Anbindung der Emotionen59
2.2.1.) Der individuelle Umgang mit den Emotionen59
2.2.2.) Der gesellschaftliche Umgang mit den Emotionen67
2.2.3.) Resümee74
2.3.) Emotionen als Konstrukte sozialer Wirklichkeit75
2.4.) Emotionen in der Gesellschaft80
3.) Emotionen in Organisationen80
3.1.) Handeln in Organisationen81
3.1.1.) Handlungsfreiräume81
3.1.2.) Strategisches Verhalten84
3.1.3.) Macht als Grundlage organisationalen Handelns87
3.1.4.) Abschließende Betrachtung des Verhaltens von Organisationsmitgliedern -Das Spiel als Instrument organisationalen Handelns-94
3.2.) Der Organisationsalltag unter Berücksichtigung der Emotionen98
3.2.1.) Organisationsrelevante Emotionsarten und die organisationalen Bereiche dieser Emotionsentstehung100
3.2.2.) Der normierte Umgang mit den Emotionen innerhalb von Organisationen103
3.2.3.) Die Bedeutung der Emotionen in Organisationen:106
4.) Eine Emotionsanalyse in einem realen organisationalen Lebensbereich - Mobbing und Emotionen -109
4.1.) Fallbeispiele für Mobbing am Arbeitsplatz111
4.1.1.) Der Fall Michael111
4.1.2.) Der Fall Lena aus Schweden112
4.2.) Der Stand der öffentlichen "Mobbing-Diskussion":114
4.3.) Relevanz der Emotionen für das Mobbing-Phänomen124
4.4.) Mobbing als eine interaktive Form der emotionalgeleiteten Konfliktbewältigung133
4.5.) Analyse des organisationalen Mobbing-Phänomens142
4.5.1.) Konfliktverfestigung als Mobbing-Voraussetzung:142
4.5.2.) Zunehmend bewußter Selbstwertverteidigungszwang als unterschwelliger Mobbing-Beginn:174
4.5.3.) Rücksichtslose Gegnervernichtung als offenes Mobbing-Klima:203
4.5.4.) Schlußbetrachtung215
5.) Wie erklärt sich die gegenwärtig enorme gesellschaftliche Aufmerksamkeit gegenüber dem "Mobbing"?218
5.1.) Neue Identitätskonzepte218
5.1.1.) Einführung in die Entwicklungstheorie der modernen Gesellschaft218
5.1.2.) Die Auflösung der Kleinfamilie und Umstrukturierung zu pluralen Lebensformen221
5.2.) Folgen der Individualisierung228
Literaturverzeichnis236

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