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E-Book

Mobilität bewegt Schule

Das niedersächsische Curriculum Mobilität an schulischen und außerschulischen Lernorten

Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl188 Seiten
ISBN9783763944309
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,90 EUR
In der Publikationsreihe 'In Bewegung' beschäftigt sich die Autostadt GmbH, die Kommunikationsplattform der Volkswagen AG, gemeinsam mit verschiedenen Herausgebern mit dem Thema Mobilität. Der erste Band 'Mobilität bewegt Schule' setzt sich mit der Frage auseinander, wie das facettenreiche Phänomen Mobilität in Bildungsprozesse integriert werden kann. Einleitend geben Wissenschaftler einen theoretischen Einblick in die komplexen Beziehungen zwischen Mobilität, Mensch, Gesellschaft und Institutionen. Anhand des an niedersächsischen Schulen eingeführten Curriculum Mobilität, seiner Konzeption und Umsetzung diskutieren die Beiträge im zweiten Teil Einbindungsmöglichkeiten des Themas in die Lehrplan- und Schulentwicklung. Die konkrete Vermittlung von Mobilität an Schulen und außerschulischen Lernorten sowie Wege zu formellen wie nonformellen Bildungsarrangements stehen abschließend im Fokus.

Erwin Curdt war Mitglied der AG Mobilität und Leiter der Curriculum-Kommission Mobilität. Christian Wiesmüller absolviert eine Vertretungsprofessur für Technikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Horst Roselieb ist Ministerialrat im Niedersächsischen Kultusministerium.

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Leseprobe
Die Mobile Risikogesellschaft (Seite 11)
Sven Kesselring

Die Moderne ist davon geprägt, dass sich feste soziale Strukturen, althergebrachte Traditionen, Verlässlichkeiten und Berechenbarkeiten immer mehr auflösen. Modernes Leben ist hoch dynamisch, bewegt und wandelt sich stetig, erzeugt Übergänge: Jeder ist gezwungen, seine sozialen Grenzen und Zugehörigkeiten immer wieder neu zu definieren und den eigenen Lebensverlauf aktiv zu gestalten. Dabei werden auch räumliche und materielle Elemente im Umfeld der Menschen permanent verändert und neu konfiguriert. Man kann die Moderne als einen kontingenten Prozess begreifen, in dem Menschen individualisiert und aus überkommenen Strukturen herausgelöst werden.
Das fortwährend ansteigende Maß an räumlicher Mobilität in modernen Gesellschaften drückt diese Veränderungen ebenso aus wie die „time-space compression“ (Harvey 1989) kapitalistischer Gesellschaften, der „death of distance“ (Cairncross 1997) und die Beschleunigung des modernen Lebens (vgl. Rosa 2005). Die Theorie der reflexiven Modernisierung und der Risikogesellschaft (vgl. Beck 1986, Beck et al. 2004a) versucht, die zeitlichen und räumlichen Veränderungen der Moderne zu erfassen: Für Ulrich Beck bedeutet „Globalisierung“ zunächst, dass nationale „Container“-Gesellschaften aufgebrochen werden, gleichzeitig jedoch neue Risiko-, Ungewissheits- und Unsicherheitskonstellationen entstehen (Beck 2000).
Dieser Beitrag untersucht unterschiedliche Lesarten der Kosmopolitisierung und der Globalisierung modernen Lebens. Vor dem Hintergrund der reflexiven Modernisierungstheorie wird Globalisierung als Vorherrschaft von Ambivalenz auf globaler Ebene verstanden. Sie geht einher mit der Mobilisierung von Gesellschaften und der Entstehung einer globalisierten mobilen Risikogesellschaft.
Vor mehr als 20 Jahren veröffentlichte Ulrich Beck sein Buch Risikogesellschaft. Es beeinflusste maßgeblich die deutsche und andere europäische Soziologien. Erschienen im Jahr des Reaktorunglücks in Tschernobyl, lieferte es die Grundlage für einen weiteren kritischen Ansatz in der deutschen Soziologie. Neue soziale und ökologische Bewegungen veränderten damals die Gesellschaft: Hannah Arendts Vorstellung von einer kritischen Zivilgesellschaft und von den mobilisierenden Potenzialen des öffentlichen Raumes genoss große Popularität.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
Einleitung6
In Bewegung6
Mobilität bewegt Schule7
A: Mobilität: Mensch, Gesellschaft, Institutionalisierung10
Die Mobile Risikogesellschaft12
Mobilität als grundlegendes Prinzip der Moderne17
Mobilität, Ambivalenz und die paradoxen Folgen des Kapitalismus21
Von direktionaler zu non-direktionaler Mobilität25
Massen in Bewegung, mobile Subjekte, motile Hybride31
Leben und Gestalten in mobilen Welten36
Die Idee kalkulierbarer Verhältnisse – Mobilität im Zeitalter der Industrialisierung36
Mobilität als soziale Konstruktion – Unterwegssein in der Moderne39
Das Bedürfnis nach Verortung und die Mobilisierung des Mobilen40
Im Spannungsfeld von Zwang und Gestaltungsfreiheit der Mobilität42
Der umgestülpte Cyberspace. Mobilität im globalen Daten- und Lebensraum46
Cyberspace46
Ubiquity47
Kurze Geschichte der Mobilität des Wissens49
Zentralperspektive: Das visuelle Wissen wird mobil50
Buchdruck, Reformation, Aufklärung51
Technology Hype Cycle52
Aktuelle mediologische Revolutionen54
Die nächste Schule55
B: Bildungsreform ohne Beispiel: Curriculum Mobilität58
Schule kommt in Bewegung60
Überall und alles ist in Bewegung ...60
... die Schule bewegt sich kaum60
Exemplarische Irrtümer schulischen Reformierens60
Maßstab: kategoriale, personale Bildung61
Die sich verändernde Kultur als Gegenüber61
Veränderung als Seinsfaktor62
Veränderung bedingt Mobilität62
Lernen des Mobilseins als Selbstverständlichkeit63
Aus zunehmender Komplexität wird Verkehr63
Verkehr bedarf der Erziehung – auch in der Schule63
Mobilität als Bildungsaufgabe64
Schule wird in Bewegung gebracht64
Das Curriculum selbst ist in Bewegung65
Verkehr und Mobilität im Schulunterricht. Von der Entstehung der Verkehrserziehung bis zur mobilitätspädagogischen Neukonzeption66
Die Belehrung über die Verkehrsgefahren in den Anfängen einer spezifischen Erziehung für den Straßenverkehr67
Die Einübung der Verkehrsregeln und die Institutionalisierung der Verkehrserziehung68
Die Erziehung zur motorisierten Verkehrsgemeinschaft und das Training der militärischen Haltung70
Die Herleitung verkehrsangepassten Verhaltens aus der Verkehrswirklichkeit72
Die Erziehung zum mündigen Bürger durch kritisches Verkehrsverständnis74
Die Mitwirkung an der Gestaltung der Verkehrsumwelt durch die umweltbezogene Verkehrspädagogik75
Die mobilitätspädagogische Neukonzeption. Verkehrsmittelwahl als Schlüsselkategorie des Mobilitätsverhaltens77
Möglichkeitssinn für eine postfossile Mobilitätskultur. Ein Plädoyer80
Wir wissen genug über Mobilität – jetzt braucht es Visionen80
Wie Möglichkeitssinn in Schulen vermittelt werden kann83
Das niedersächsische Curriculum Mobilität. Ein wegweisendes Bildungskonzept für die Schule86
Von der tradierten Verkehrserziehung zum Curriculum Mobilität87
„Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ – ein zukunftsorientiertes Leitbild88
Interdisziplinär statt eindimensional: Das didaktische Konzept des Curriculum Mobilität90
Lernzyklus91
Charakterisierung der Themenbereiche94
Von der Verkehrserziehung zum Curriculum Mobilität. Stationen und Stagnationen eines progressiven Projekts102
Traditionelle Verkehrserziehung – Bildungs- und Erziehungsaufgabe oder lästige Pflicht?103
Das niedersächsische Curriculum Mobilität – Stationen einer Entwicklung109
Nach dem Start des Curriculum: Stagnation statt Mobilität115
Fazit122
Motivation statt Zwang. Das Curriculum Mobilität in der Eigenverantwortlichen Schule124
Schul- und Unterrichtsqualität in der Eigenverantwortlichen Schule124
Wie kann das Curriculum Mobilität an den Schulen verankert werden?127
Expertise von außen: Kooperationen von Schule und Wirtschaft130
C: Mobilitätsbildung: Vermittlungen134
Vom Fach-Denken zur Teamarbeit. Die Chancen des Curriculum Mobilität aus der Perspektive der Gymnasien136
Curriculum Mobilität macht geistig mobil. Eine Ermutigung aus der Perspektive berufsbildender Schulen142
Kaffee als Inspiration für globales Lernen143
Kaffee als Erlebnis in der Autostadt145
Zukunftsorientierte Chancen in der Mobilitätslandschaft146
Bildung in Bewegung. Über die Entgrenzung und Diversifizierung von Lernorten148
Bildung: Weit mehr als nur Wissenserwerb?149
Entgrenztes Lernen: Die Öffnung der Schule151
Außerschulische Lernorte: Klassenzimmer mit Lebensweltbezug153
Die Autostadt in Wolfsburg: Themenpark und Modell-Lernort156
Mobilität ästhetisch inszeniert160
Mobilität als ambivalentes Phänomen160
Die Relevanz der Ästhetik in der Mobilitätsbildung161
Neue Orte der Vermittlung162
Mobilität als ästhetisches Experiment – die Autostadt163
Performativität als methodisches Element ästhetischer Vermittlung164
Ästhetische Erfahrung, Kommunikation und Denk(T)Räume166
Literaturverzeichnis168
Archivalien168
Literatur168
Autorenverzeichnis184

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