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Musikgeschichte Wittenbergs im 16. Jahrhundert

Quellenkundliche und sozialgeschichtliche Untersuchungen

AutorMarie Schlüter
VerlagV&R Unipress
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl375 Seiten
ISBN9783862341030
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis54,99 EUR
Wittenberg entwickelte sich im 16. Jahrhundert zu einem Kulminationszentrum städtischer Musikkultur - überregional bedeutend für die praktische sowie theoretische Musikpflege. Diesem Beispiel nähert sich die Autorin institutionen- und sozialgeschichtlich ausgerichtet. In den Blick genommen werden als Hauptinstitutionen städtischer Musikpflege die Schlosskirche, die Stadtkirche und die Universität. Das umfangreiche, weitgehend unedierte Quellenmaterial wird zu weiten Teilen erstmals unter musikhistorischen Fragestellungen bearbeitet. Gegenstand des Interesses ist dabei sowohl der theoretische, humanistisch geprägte Diskurs über Musik als auch ihre praktische Ausübung. Zudem wird aufgrund der Rekonstruktion von Wittenberger Bibliotheken und Sammlungen ein Profil ihrer Bedeutung für die Bewahrung, die Vervielfältigung, den Vertrieb und die praktische Umsetzung von Musik erstellt. Am Fallbeispiel Wittenbergs wird das vielschichtige Phänomen des Beziehungsgeflechts zwischen Stadt und Musik in der Frühen Neuzeit entfaltet.

Dr. Marie Schlüter, geboren 1971, ist gelernte Geigenbauerin. Sie wurde 2007 im Fach Musikwissenschaft an der Universität Göttingen promoviert.

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Leseprobe
"V. Schlussbemerkungen zum Verhltnis von Wittenberger Institutionen, Musikalien, Bibliotheken und musikalischer Praxis (S. 283-284)

A) Zusammenfassung der Zwischenergebnisse

Die übergreifende Untersuchung der Teilaspekte desMusiklebens inWittenberg hat – entgegen der herrschenden Einschätzung in der Literatur – ein differenziertes Bild seiner Vielfalt, seines modernen und künstlerisch hochwertigen Charakters ergeben. Kurze Zusammenfassungen der Kapitelergebnisse sollen dies verdeutlichen: Die Institutionen (Kapitel II.) Schloss- und Stadtkirche und Universität entwickelten jeweils ein selbständiges musikalisches Leben. An der Schloßkirche (Kapitel II.A.) entstand ein neues, den reformatorischen Bedingungen entsprechendes Chormodell, das Wittenberger Modell: Studenten – aufgrund ihrer musikalischen Fähigkeiten ausgewählt – bildeten gegen Entlohnung einen Chor, dessen hohe Stimmen durch Schüler der Lateinschule besetzt waren.

Geleitet wurde der Chor durch einen Inspector choralis, dessen Amt vermutlich dem eines Professor musicae anderer Universitäten entsprach. Das musikalische Leben an der Stadtkirche (Kapitel II.B.) lag in den Händen des Kantors, der zugleich an der Lateinschule lehrte. Er war der künstlerische Leiter des Schülerchores und allgemein der Musik im Gottesdienst. Damit unterstanden ihm auch der Organist und die Stadtpfeifer. Die Chöre der Schloss- und Stadtkirche hatten die Aufgabe, Gottesdienste musikalisch zu gestalten. Der Schlosschor sang außerdem noch zu akademischen Feierlichkeiten. Beide Chöre pflegten sowohl den einstimmigen Gesang als auch mehrstimmiges Repertoire. Das Repertoire des Schülerchores ist durch das Inventarverzeichnis der Stadtkirche dokumentiert.

Die Stadt (Kapitel II.C.) Wittenberg war finanziell und organisatorisch eng mit der Stadtkirchengemeinde und der Universität verwoben. Ein eigenständiges musikalisches Engagement – neben der Anstellung von Stadtpfeiffern – entfaltete sie nicht. Die Universität (Kapitel II.D.) verstand sich im Sinne des reformatorischen Musikverständnisses als Vermittlerin der Musik und Trägerin der Musikpflege. Als solche sorgte sie für die theoretischeMusikausbildung und für die praktische Musikpflege. Sie integrierte die Musik in ihren Kontext und schuf eine gesellschaftliche Atmosphäre, in der musiziert, komponiert und Musik ausgetauscht wurde.

Die Musikalien Wittenbergs (Kapitel III.) spiegeln die Vielfalt von Gattungen und Stilen wider, die im Musikleben der Stadt gepflegt wurden. In drei Generationen von Handschriften (Kapitel III.A.) wurde die Musik gesammelt, die in Wittenberg eine Rolle spielte. Die erste und dritte Generation bevorzugte importierte Musik, die zweite Generation die Wittenberger Eigenproduktionen. Die Handschriften der ersten beiden Generationen wurden überwiegend für einen bestimmten Nutzen (z. B. Gottesdienst, Druckvorlage) hergestellt. Die Handschriften der dritten Generation gehören zu dem Typus der studentischen Liebhabersammlungen."
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt7
Danksagung11
I. Einführung13
II. Musik an den Wittenberger Institutionen21
III. Wittenberger Musikalien125
IV. Wittenberger Musikalienbibliotheken183
V. Schlussbemerkungen zum Verhältnis von Wittenberger Institutionen, Musikalien, Bibliotheken und musikalischer Praxis285
VI. Anhang293

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