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Nachwuchsförderung im Sport

Ein Beitrag zur Analyse und Entwicklung der Nachwuchsförderung in der Schweiz aus systemtheoretischer Sicht

AutorFrank Heinzmann
VerlagDUV Deutscher Universitäts-Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl358 Seiten
ISBN9783835055414
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis59,99 EUR
Frank Heinzmann analysiert die Nachwuchsförderung in der Schweiz aus systemtheoretischer Perspektive. Die Überprüfung erfolgt durch ein Modell, das ein kybernetisches Design verwendet. 22 Variablen mit unterschiedlicher Wirkungsweise werden als systemrelevant und zentral eingestuft.

Dr. Frank Heinzmann promovierte bei Prof. Dr. Andrea Schenker-Wicki am Institut für Strategie und Unternehmensökonomik der Universität Zürich. Er leitet das Amt für Bildung und Sport der Stadt Thun.

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Leseprobe
7 Anwendung in der Nachwuchsförderung (S. 129-130)

„Ausdauer ist wirkungsvoller als Gewalt, und viele Dinge, die sich nicht bewältigen lassen, so lange sie gebündelt sind, lassen sich lösen, wenn sie Stück für Stück in Angriff genommen werden." Plutarch (50 - 125 n. Chr.)

7.1 Einleitende Bemerkungen

Komplexe Systeme unterscheiden sich von einfachen durch ihre Dynamik, welche sich primär durch die zeitliche Abhängigkeit und die Intensität zwischen den Elementen charakterisiert. Komplexe Systeme sind somit weit mehr als das blosse Nebeneinander zusammenhängender Teile, denn jedes Element eines Systems steht zu jeder Zeit mit anderen Elementen in Wechselwirkung. Ohne diese Beziehungen zu erkennen, wird man ein System nie verstehen und in der Folge auch nie gestalten können.516 Bei der Vernetzung eines Systems ist deshalb entscheidend, welches Element mit welchem anderen wie verbunden ist.

Beziehungen sind nicht nur als positiv oder negativ oder als stark oder schwach zu bewerten. Beziehungen können auch je nach Dauer ihren Charakter ändern. Ursache und Wirkung lassen sich oft nicht unterscheiden, da die meisten Systemteile direkt oder indirekt auch wieder auf sich selbst zurückwirken. Ursache und Wirkung verschmelzen, Zusammenhänge treten in den Vordergrund. Betrachtet man die Dinge nur einseitig, werden wichtige Wechselwirkungen durch den zu engen Horizont nicht erkannt.

Wenn man dagegen die wichtigsten Elemente eines Systems kennt und weiss, was wie mit wem zusammenhängt, kann man viel über ein System erfahren, dass man sonst nicht erfahren hätte. In den folgenden Kapiteln wird mittels des systemtheoretischen Denkens die Nachwuchsförderung in der Schweiz analysiert. Der mit Hilfe der Experten erarbeitete Ergebnisteil basiert auf den vier Aspekten des in Kapitel 5 erörterten Modells.517 Vor diesem Hintergrund zeigt Kapitel 7.2 die Ergebnisse zur Systembeschreibung, Kapitel 7.3 zur Systemmodellierung, Kapitel 7.4 zur Systemanalyse und Kapitel 7.5 zur Systemsimulation. In Kapitel 7.6 werden die wichtigsten Ergebnisse und deren Beurteilung zusammenfassend dargestellt.

7.2 Systembeschreibung

7.2.1 Anspruchsgruppen des Systems zur Nachwuchsförderung

Das Ziel dieses Kapitels ist die Beschreibung der verschiedenen Anspruchsgruppen – auch Stakeholder genannt – die im System zur Nachwuchsförderung Schweiz involviert sind. Konkret bedeutet dies, dass diese Akteure durch ihr Verhalten massgeblich das System beeinflussen, vom System aber auch beeinflusst werden.518 Ausgehend vom Strukturbild zur Nachwuchsförderung in der Schweiz (siehe Abbildung 1), werden zwei Bereiche unterschieden: erstens das personenbezogene und zweitens das institutionenbezogene Umfeld (öffentlich-rechtlicher und privatrechtlicher Bereich). Nachfolgend werden aber nicht nur alle Anspruchsgruppen und deren verschiedene Rollen in der Nachwuchsförderung beschrieben, sondern auch die von ihnen zu leistenden Beiträge und die wahrzunehmende Verantwortung.

7.2.1.1 Personenbezogenes Umfeld eines Nachwuchsathleten

Das personenbezogene Umfeld, mit dem die Nachwuchsathleten in direkten Kontakt treten – und in dessen Zentrum sie sich befinden – besteht hauptsächlich aus drei Wirkungsfeldern: soziales Netz, Sport und Ausbildung. Diese drei Wirkungsfelder repräsentieren meist miteinander konkurrierende Ansprüche gegenüber den Nachwuchsathleten und stellen diese oftmals vor die Situation, zwischen Sport, Ausbildung und Freizeit entscheiden zu müssen. Um dieser Spannung entgegenzuwirken, ist ein Gleichgewichtszustand anzustreben, innerhalb dessen der sportliche Nachwuchs den Anforderungen aller drei Bereiche gerecht werden kann. Dies setzt allerdings eine funktionierende Koordination und Kommunikation aller beteiligten Parteien voraus.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort6
Executive Summary8
Inhaltsübersicht10
Inhaltsverzeichnis12
Abbildungsverzeichnis16
Tabellenverzeichnis19
Abkürzungsverzeichnis21
Teil I Einleitung und Grundlagen22
1 Einleitung23
1.1 Ausgangslage und Problemstellung23
1.2 Abgrenzung des Untersuchungsgegenstands30
1.3 Forschungshypothesen33
1.4 Zielsetzung der Arbeit34
1.5 Forschungsmethode36
1.6 Aufbau der Arbeit38
2 Grundlagen zum Sport40
2.1 Begriff und Abgrenzung40
2.1.1 Sportbegriff40
2.1.2 Sportmerkmale42
2.1.3 Sportmotive43
2.1.4 Sportfunktionen47
2.2 Sport in der Schweiz49
2.2.1 Aktivität und Förderung50
2.2.2 Institutionen54
2.2.3 Zentrale Aspekte55
2.3 Nachwuchssport56
2.3.1 Begriff und Ziele56
2.3.2 Strukturen und Akteure57
2.3.3 Bedeutung und Probleme59
2.3.4 Fazit Nachwuchssport61
3 Ökonomische Ansätze zur Analyse der Nachwuchsförderung62
3.1 Einführung62
3.2 Neue Institutionenökonomik63
3.2.1 Property-Rights-Theorie64
3.2.1.1 Externe Effekte65
3.2.1.2 Verdünnung von Verfügungsrechten66
3.2.2 Transaktionskostentheorie67
3.2.2.1 Arten von Transaktionskosten68
3.2.2.2 Einflussgrössen auf Transaktionskosten69
3.2.3 Prinzipal-Agent-Theorie72
3.2.3.1 Probleme der Prinzipal-Agent-Beziehungen73
3.2.3.2 Lösungsansätze für den Agency-Konflikt75
3.2.4 Übersicht Neue Institutionenökonomik76
3.3 Nachwuchsförderung in der Neuen Institutionenökonomik78
3.3.1 Akteure und Ansätze78
3.3.2 Grenzen der Neuen Institutionenökonomik81
4 Systemtheoretische Grundlagen84
4.1 Historische Entwicklung84
4.2 Systembegriff88
4.3 Systemeigenschaften91
4.4 Systemarten94
4.4.1 Natürliche Systeme95
4.4.2 Technische Systeme95
4.4.3 Soziale Systeme96
4.4.4 Psychische Systeme97
4.5 Systemmethoden98
4.5.1 Positivistische quantitative Methode99
4.5.2 Hermeneutisch qualitative Methode101
4.5.3 Positivismus versus Hermeneutik103
4.5.4 Integrative Systemmethoden105
4.5.4.1 Ansatz Gomez/Probst106
4.5.4.2 Ansatz Vester108
4.5.4.3 Hauptunterschiede zwischen Gomez/Probst und Vester110
4.5.5 Zusammenfassung Systemmethoden111
Teil II Modell und Anwendung114
5 Modell115
5.1 Einführung und Modellierungsprozess115
5.2 Modellaufbau und Methodenwahl117
5.2.1 Systembeschreibung118
5.2.1.1 Anspruchsgruppen beschreiben118
5.2.1.2 Variablensatz definieren120
5.2.2 Systemmodellierung121
5.2.2.1 Wirkungsgefüge aufbauen121
5.2.2.2 Variablenbeziehungen bestimmen122
5.2.3 Systemanalyse126
5.2.3.1 Regelkreise analysieren126
5.2.3.2 Einflussmatrix festhalten128
5.2.3.3 Rollenverteilung vornehmen130
5.2.4 Systemsimulation134
5.2.4.1 Teilszenarien entwickeln134
5.2.4.2 Simulationen durchführen135
5.3 Zusammenfassendes Analyseraster139
6 Untersuchungsdesign140
6.1 Methodische Grundlagen140
6.2 Computergestützte Arbeitshilfe143
6.3 Auswahl der Interviewpartner145
6.4 Aufbau und Durchführung des Forschungsprozesses146
7 Anwendung in der Nachwuchsförderung150
7.1 Einleitende Bemerkungen150
7.2 Systembeschreibung151
7.2.1 Anspruchsgruppen des Systems zur Nachwuchsförderung151
7.2.1.1 Personenbezogenes Umfeld eines Nachwuchsathleten151
7.2.1.2 Institutionenbezogenes Umfeld eines Nachwuchsathleten161
7.2.1.2.1 Öffentlich-rechtlicher Bereich161
7.2.1.2.2 Privatrechtlicher Bereich166
7.2.1.2.3 Koordinationsinstanzen174
7.2.2 Systemrelevanter Variablensatz180
7.3 Systemmodellierung193
7.3.1 Wirkungsgefüge und Variablenbeziehungen193
7.3.1.1 Zentraler Kreislauf des Wirkungsgefüges194
7.3.1.2 Erweiterung des Wirkungsgefüges um Förderbereich 1197
7.3.1.3 Erweiterung des Wirkungsgefüges um Förderbereich 2199
7.3.1.4 Erweiterung des Wirkungsgefüges um Förderbereich 3202
7.3.1.5 Erweiterung des Wirkungsgefüges um Förderbereich 4204
7.3.1.6 Erweiterung des Wirkungsgefüges um Förderbereich 5207
7.3.1.7 Erweiterung des Wirkungsgefüges um Förderbereich 6208
7.3.1.8 Erweiterung des Wirkungsgefüges um ergänzende Aspekte212
7.3.1.9 Zusammenfassung Wirkungsgefüge216
7.4 Systemanalyse216
7.4.1 Regelkreisanalyse216
7.4.2 Einflussmatrix224
7.4.3 Rollenverteilung227
7.5 Systemsimulation239
7.5.1 Exemplarisches Teilszenario und Simulationen239
7.5.2 Kerngefüge und Problembereiche des Teilszenarios243
7.5.3 Aufbau und Interpretation des Teilszenarios245
7.5.4 Simulationen und Policy-Tests248
7.5.4.1 Simulation 1: Fussballverband versus Fussballvereine249
7.5.4.1.1 Simulation ohne Intervention250
7.5.4.1.2 Policy-Test durch Intervention253
7.5.4.1.3 Zusammenfassung der Ergebnisse im Fussball256
7.5.4.2 Simulation 2: Handballverband versus Handballvereine257
7.5.4.2.1 Simulation ohne Intervention257
7.5.4.2.2 Policy-Test durch Intervention261
7.5.4.2.3 Zusammenfassung der Ergebnisse im Handball267
7.6 Zusammenfassung und Beurteilung der Ergebnisse268
Teil III Schlussbetrachtung278
8 Zusammenfassung und Ausblick279
8.1 Zusammenfassung279
8.2 Schlussfolgerung283
8.3 Methodische Aspekte285
8.4 Ausblick291
Literaturverzeichnis295
Anhang315
Anhang A: Verzeichnis Experten315
Anhang B: Abbildungen vergrössert317
Anhang C: Tabellenfunktionen334
Anhang D: Ergebnisse Athletenbefragung346

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