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Naturheilkunde bei muskulären und neuromuskulären Erkrankungen

Fibromyalgie, (Spät-)Borreliose, Restless-legs-Syndrom und Polyneuropathie

AutorOliver Ploss
VerlagHaug
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl136 Seiten
ISBN9783830476740
FormatPDF/ePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis34,99 EUR
Die Lebensqualität verbessern! Lindern Sie die Symptome chronischer Erkrankungen mit hohem Leidensdruck! Dieses Buch vermittelt Ihnen die neuesten Erkenntnisse und ein besseres Verständnis dieser schwer zu differenzierenden Krankheitsbilder. Auf Basis bewährter Regulationstherapien wird gezeigt, wie Sie konventionelle Behandlungen durch eine gezielte, ganzheitliche Vorgehensweise unterstützen und das Befinden Ihrer Patienten verbessern. Zu jedem Krankheitsbild finden Sie Symptomatik, Diagnostik und konkrete Therapieschemata mit Präparaten. Mit Kopiervorlagen für eine umfassende Schmerzanamnese und einem Schmerztagebuch für Ihre Patienten

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Leseprobe

Allgemeines


1.1 Hintergründe


Immer häufiger haben wir auch in der naturheilkundlichen Praxis mit schwerwiegenden chronischen Erkrankungen des Muskelapparats zu tun, die sich in ihrer Betrachtung dem rheumatischen Formenkreis entziehen und von diesem auch differenziert werden müssen. Insbesondere das Restless-legs-Syndrom und die Fibromyalgie stehen hierbei im Vordergrund und bedürfen einer besonderen Diagnose und Therapie, ebenso wie Folgen von Borreliose und Polyneuropathie. Nach Angaben der Deutschen Gesundheitshilfe werden rund 40 % der Menschen in Deutschland regelmäßig von schmerzhaften Muskelkrämpfen und -verspannungen heimgesucht – aufgrund der demografischen Entwicklung mit steigender Tendenz.

So stellt die quergestreifte Muskulatur einschließlich ihrer 424 Muskeln mit über 50 % der Körpermasse unser größtes Organ dar, das zudem unter allen den engsten Bezug zu bewusster Steuerung und Wahrnehmung herstellt.

1.2 Geschichte


Was wir Schmerz nennen, ist das, was unsere Mitmenschen am häufigsten in die Praxen treibt: Unter allen Mitteln, die in der Apotheke gefordert werden, nehmen Schmerzmittel die erste Stelle ein. Der Grund hierfür liegt einfach darin, dass der Schmerz für nicht weniger als 6 Millionen Bundesbürger eine alltägliche Erfahrung darstellt und eine Million unter „starken“ Schmerzen leiden.

Dies ist nicht nur in Deutschland so und auch nicht nur in unseren Tagen, sondern offenbar überall und bereits, seit es Menschen gibt. Wenn Charles Darwin das Leben als „struggle of live“, als „Kampf ums Dasein“, bezeichnet, so wird es verständlich, warum Buddha sein „Leben ist Leiden“ sprach. Millionen schlägt es schmerzhaft und Millionen lässt es zu Krüppeln werden und damit zu solchen, die zu lebenslangen Schmerzen verdammt sind. Umso erstaunlicher ist es, dass es bis heute keine eindeutige Definition des Schmerzes gibt. Alles was wir haben, sind Tautologien – Beschreibungen des Wortes Schmerz durch andere Worte, in denen sich nicht selten unterschiedliche Deutungen ausdrücken. Schon das Wort Schmerz selbst ist eine Deutung, denn es entstammt der indogermanischen Wurzel „smerd“, was so viel wie „stechen, beißen“ bedeutet und damit bereits eine Quelle des Schmerzes anzeigt, die im Ursprung mit Kampf und Verletzung zu tun hat. Mit ihm steht das griechische „smerdaleos“ in Verbindung, das den Sinn von „aufreibend“ hat und damit einen Hinweis auf die Schmerzhaftigkeit von Scheuerwunden gibt, aber auch so viel wie „grässlich, schrecklich, furchtbar“ bedeutet. Nichts war in der Vorstellung des mittelalterlichen Christen schlimmer als die „Höllenstrafe“. Dies wieder macht verständlich, dass das mittellateinische „pena“, das diese Höllenstrafe meint, zu einem Synonym des Schmerzes (Pein) wurde. Sie findet sich auch im Wort „Qual“, das vom althochdeutschen „quala“ stammt und „Schmerz empfinden“ bedeutet. Es leitet uns zum Worte Schmerz zurück, wenn wir hören, dass es mit dem litauischen „gelti“ verwandt ist, das so viel wie „stechen“ bedeutet. Es weist aber andererseits über den Schmerz hinaus, wenn wir bedenken, dass „quelan“, sein altenglisches Analogon, „sterben“ bedeutet. Dies verdeutlicht, dass der Schmerz, die Pein, die Qual auch mit dem Tod zu tun hat, Vorbote des Todes sein kann, der dann seinerseits wieder aus der Sicht Buddhas („Leben ist Leiden“) oder Schopenhauers (Schmerz als Bedingung des Wollens. Leben als Leidensgeschichte) wie eine Erlösung von der Pein des Lebens erscheinen muss.

Daraus erwächst dem Heilkundigen die Notwendigkeit, sich für den Schmerz zu interessieren, denn er ist aufgerufen, diesem Stachel des Lebens entgegenzutreten. Schon Hippokrates, der vielfach als Vater der Heilkunde bezeichnet wird, nennt die Bekämpfung und im Idealfall Beseitigung des Schmerzes ein „theion ergon“, ein „göttliches Werk“. Aus der von ihm begründeten Lehrtradition heraus sprechen wir heute statt von Schmerz von „Algesie“ sowie von „Analgie“ (Schmerzfreiheit), „Hypalgie“ (herabgesetzte Schmerzwahrnehmung) oder „Hyperalgie“ (gesteigerte Schmerzwahrnehmung) usw. Auf die Lateiner, vor allem auf den Heilkundigen Aulus Cornelius Celsus, geht das Fachwort „Dolor“ zurück. Für den Therapeuten gilt zunächst und vor allem, dass sich ihm der Schmerz als ein körperliches Phänomen darbietet, von dem der Betroffene befreit sein möchte.

1.3 Schmerzerfahrung und Schmerzerleben


Es gibt fast keinen Menschen, der, wenn er die Praxis betritt, nicht schon einmal Schmerzen gehabt hätte. Die meisten dieser Schmerzerfahrungen sind an Verletzungsschmerzen orientiert. Dass eine banale Verletzung, wie z. B. eine Hautabschürfung oder Schrunden, Schmerzen bereitet, wird im Allgemeinen hingenommen und erst dann zum Problem, wenn damit Ängste verbunden sind. Denn für das Schmerzerleben spielt ja nicht nur die Schmerzwahrnehmung als solche eine Rolle, sondern vor allem auch die Empfindungsbeurteilung. Diese aber ist eine Reaktion, welche nicht nur durch das aktuell unmittelbare Erleben des Schmerzes bestimmt wird, sondern auch durch frühere Schmerzerfahrungen, durch übernommene Erkenntnisse, Meinungen und die Aussagen des Untersuchers.

Beachte

Schmerzen, die schon einmal auftraten und komplikationslos wieder zurückgingen oder behandelt werden konnten, werden verhältnismäßig gelassen hingenommen. Anders verhält sich dies bei erstmals auftretenden Beschwerden, für die der Untersucher zudem keine ausreichende Erklärung liefert.

Es ist allgemein bekannt, dass gleiche Schmerzreize von verschiedenen Personen sehr unterschiedlich bewertet werden. Neben einer wahrscheinlich unterschiedlichen Aktivität des schmerzhemmenden Systems (u. a. Schmerzmodulation in Rückenmark und Hirnstamm) ist hierfür eine differente emotionale, affektive Schmerzverarbeitung verantwortlich. Daher ist es auch möglich, Schmerzzustände mit Sedativa oder auch Psychopharmaka günstig zu beeinflussen, die selbst nicht analgetisch wirken, aber das Schmerzerlebnis verändern („Es tut zwar noch weh, aber ich empfinde den Schmerz nicht mehr als so quälend.“).

1.4 Pathophysiologie des Schmerzes


Schmerz ist eines der häufigsten Symptome einer lokalen Gewebeschädigung oder einer Krankheit. Zwar übt Schmerz, speziell akuter Schmerz, vielfach eine nützliche Warn- und Schutzfunktion aus und erleichtert oft auch die Diagnose, er kann aber auch, besonders wenn er chronisch wird, lediglich quälend und nutzlos sein. Für den betroffenen Patienten ist Schmerz stets belastend, sodass er sich zu Recht von ihm zu befreien versucht.

Beachte

Schmerzempfindlich sind neben der gesamten äußeren Haut und großen Teilen der Schleimhaut auch zahlreiche Gewebe bzw. Organe im Körperinneren, doch gibt es auch Organe ohne Schmerzrezeptoren, z. B. Gehirn oder Leber.

1.4.1 Schmerzursachen und -formen


Schmerz entsteht, wenn mechanische, thermische, chemische oder elektrische Reize einen Schwellenwert (Schmerzschwelle) überschreiten und dadurch zu einer Gewebeschädigung mit Freisetzung von Schmerzstoffen führen. Die Auslösung, Weiterleitung und zentrale Weiterverarbeitung der Schmerzimpulse wird auch als Nozizeption bezeichnet. Schmerz kann allerdings auch durch starke Stimulation schmerzvermittelnder Nervenfasern ohne Zellschädigung bedingt sein.

Neuropathologische Schmerzdifferenzierung:

  • Nozizeptorschmerz: Erregung von Schmerzrezeptoren (Nozirezeptoren)

  • neuralgischer Schmerz: anhaltende Reizung nozizeptiver Nervenfasern oder der Hinterwurzel des Rückenmarks

  • Kausalgie: Nervenverletzungen (Schussverletzung)

  • Deafferenzierungsschmerz: Stumpf- und Phantomschmerzen

  • psychogener Schmerz: Schmerz ohne nachweisbare organische Ursache

1.4.1.1 Schmerzqualitäten

Der somatische Schmerz umfasst Schmerzempfindungen, die von Haut, Muskeln, Gelenken, Knochen oder Bindegewebe ausgehen, und wird in Oberflächenschmerz (Schmerz in der Haut lokalisiert) und Tiefenschmerz (Schmerz in den Gelenken, Muskeln, Knochen und Bindegewebe) unterteilt. Vom somatischen Schmerz wird der viszerale Schmerz (Eingeweideschmerz) unterschieden, der von inneren Organen (z. B. Darm, Herz) ausgeht.

Nach Dauer und Verlauf werden Schmerzen in akute und chronische Formen unterteilt. Der akute Schmerz ist von begrenzter Dauer und klingt nach Beseitigung der auslösenden Schädigung schnell ab. Diese Schmerzform erfüllt eine eindeutige Warnfunktion. Der chronische Schmerz tritt hingegen entweder in der Form des Dauerschmerzes (z. B. Rückenschmerzen, Tumorschmerzen) oder des ständig wiederkehrenden Schmerzes (z. B. Migränekopfschmerzen, Herzschmerzen bei Angina pectoris) auf. Im Allgemeinen werden Schmerzen erst dann als chronisch angesehen, wenn sie länger als ein ½ Jahr bestehen.

1.4.2 Schmerzmediatoren


Bei einer...

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