Sie sind hier
E-Book

Neue Möglichkeiten des Risikomanagements zur Sturzprophylaxe in der Pflege: Analyse und Bewertung von Stürzen im statistischen Vergleich sowie Praxistransfer des Instruments der Fehler-Möglichkeit-Einfluss-Analyse (FMEA)

AutorJörg Kußmaul
VerlagBachelor + Master Publishing
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl73 Seiten
ISBN9783955496104
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Der Umgang mit Kennzahlen im Pflegeprozess stellt in der Pflege noch ein weitgehend ungenutztes Potential dar. Lange Zeit wurde im fachlichen Diskurs die Meinung vertreten, dass Pflege nicht messbar sei und dies auch einem ganzheitlichen Ansatz nicht entsprechen würde. Die zunehmende Komplexität der Aufgaben in der Pflege und Begleitaufgaben benötigen jedoch neue Instrumente zur Planung und Steuerung. In der vorliegenden Studie wurden mit der Fehler-Möglichkeit-Einfluss-Analyse (FMEA) neue Möglichkeiten des Risikomanagements zur Sturzprophylaxe in der Pflege erprobt und ein Praxistransfer in die Pflege gewagt. Grundlagen für ein wirksames Qualitätsmanagementsystem mit integriertem Risikomanagement werden beschrieben. In drei Einrichtungen der Altenhilfe wurden Stürze empirisch erhoben. Die umfangreichen beschriebenen Möglichkeiten der Sturzprävention machen deutlich, dass Stürze kein unvermeidbares Schicksal sind. Die detaillierte Sturzanalyse und Kennzahlenbewertung im statistischen Vergleich liefern anschaulich strukturelle und prozessorientierte Verbesserungspotentiale auf. Diese sind praxisnah beschrieben und bieten konkrete Ideen für die professionelle Umsetzung des Pflegeprozesses und den Anforderungen aus den nationalen Expertenstandards in der Pflege. Die Leser profitieren von folgenden Vorlagen zur sofortigen Anwendung: •statistisch auswertbares und am Pflegeprozess orientiertem Sturzereignisprotokoll •in die Pflege adaptierte Fehler-Möglichkeits-Einfluss-Analyse (FMEA) •Information und Beratung über die Gefährdungspotentiale der Expertenstandards in der Pflege Der Autor Jörg Kußmaul beschäftigt sich mit Kennzahlenmanagement in der Pflege und hat bereits die 'Die modulare Pflegevisite©' als ein Instrument zur internen und externen Qualitätssicherung entwickelt. Gemeinsam mit der in die Pflege adaptierte Fehler-Möglichkeits-Einfluss-Analyse (FMEA) steht nur ein weiteres Instrument zur Verfügung um Kennzahlen im Pflegeprozess abzubilden.

Jörg Kußmaul, M.A., ist freiberuflicher Berater für Pflege- und Qualitätsmanagement. Er arbeitet als Lehrbeauftragter der Hamburger Fern-Hochschule sowie als Dozent bei Akademien und Verbänden. Des Weiteren ist er Fachbuchautor, Diplom-Pflegewirt (FH) und

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe
Textprobe: Kapitel 05., Sturzrisiko - Die Gefahr aus dem Leben zu stürzen: Von 100000 verstorbenen Menschen in Deutschland wird bei 7,8 % der Männer und bei 9,9 % der Frauen der Sturz als Todesursache angegeben (vgl. Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, 2002). 05.01., Epidemiologische Fallzahlen: 'Stürze und sturzbedingte Verletzungen zählen zu den häufigsten Ereignissen, welche die Selbständigkeit zu Hause lebender älterer Menschen beinträchtigen, Ängste auslösen, Alltagskompetenz einschränken, Pflegebedürftigkeit und Heimeinweisungen bewirken' (CAREkonkret, 2010). In über der Hälfte der Fälle verliert der gestürzte Mensch seine Selbständigkeit und ist auf pflegerische Unterstützung angewiesen (vgl. DNQP, 2006, S. 46-47). Die Gefahr zu stürzen nimmt im Alter exponentiell zu. Die zentralen Körperfunktionen wie Muskelkraft, Koordination, Gleichgewichts- und Sinneswahrnehmungen nehmen ab und führen zu Veränderungen im Gangbild. So stürzt jeder zweite Mensch zwischen 70 und 75 Lebensjahren etwa einmal im Jahr. Menschen über 90 stürzen im Mittel sogar zweimal pro Jahr (Schädler, Knuchel, 2004, S. 30). Die Klinikbehandlung eines Oberschenkelhalsbruches kostet laut AOK bis zu 11000 Euro (vgl. CAREkonkret, 2011). 'Allein die Zahl der sturzbedingten Hüftfrakturen stieg von 1994 bis 2004 um 20000 auf 120000 pro Jahr. Aktuell schätzen Experten die jährlichen Kosten durch Stürze Älterer, deren Rehabilitation und Pflege auf mehr als zwei Milliarden Euro' (CAREkonkret, 2010, S. 5). 05.02., Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege: Der Expertenstandard bildet eine wissenschaftliche Grundlage aus einem breiten Fundus an Ergebnissen aus nationalen und internationalen Studien. Die massiven psychischen und physischen Auswirkungen nach einem Sturzereignis für einen Menschen begründen die Wichtigkeit der Thematik. Schwerpunkte liegen auf der Epidemiologie, der Sturzrisikoeinschätzung mit den intrinsischen und extrinsischen Sturzrisikofaktoren sowie der Interventionsmöglichkeiten zur Sturzprävention. Durch die Pflegewissenschaftler und Experten wird konstatiert wird, dass ein Sturz immer ein multifaktorielles Ereignis darstellt. Damit beinhaltet die Intervention in der Regel ebenfalls komplexe Maßnahmen zur Sturzprävention. Ein Sturzereignis wird dabei mit den Merkmalen 'unabsichtlich/ungeplant' sowie 'von einer höheren zu einer tieferen Ebene' einer Bewegung definiert. Der Faktor Zeit sowie der daraus folgende Verletzungsgrad haben keine Auswirkung auf die Definition. Das unbeabsichtigte und langsame Herausrutschen aus dem Rollstuhl stellt nach dieser Definition einen Sturz dar, obwohl der Zeitrahmen sich über Minuten hinziehen kann. Der Freiheitsentzug stellt dabei keine sinnvolle Sturzpräventionsmaßnahme dar, denn diese Bewegungseinschränkung fördert sogar die Sturzgefährdung. Aus diesem Grund sind die Bewegung, der Aufbau von Muskulatur sowie die Übung von Gleichgewicht zu fördern. Der Expertenstandard wendet sich an die Einrichtungen, an die Pflegefachkräfte und Pflegehilfskräfte sowie an am Pflegeprozess Beteiligte z. B. die Reinigungskräfte. Die berufsübergreifende Zusammenarbeit zum Wohle des sturzgefährdeten Menschen wird ausdrücklich betont (vgl. DNQP, 2006, S. 23-24). Dr. Becker stellt in seiner Studie mit 1000 teilgenommenen Pflegeeinrichtungen in Bayern zum Projekt 'Sturzprävention in der Pflege' der AOK Bayern mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, dem Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart sowie den Universitäten Ulm und Leipzig fest, dass ca. 20 % der Oberschenkelfrakturen nach einem Sturz verhinderbar wären. Für Deutschland würde dies bedeuten, dass drei- bis viertausend der Frakturen verhindert werden könnten. Dies würde wiederum ein Einsparpotential von 50 bis 55 Millionen Euro für die gesetzlichen Krankenkassen bewirken (vgl. Becker, 2010, S. 14). Die Umsetzung des Expertenstandards ist in den Einrichtungen immer noch sehr unterschiedlich. Dies stellten die Pflegewissenschaftler Buttler und Klewer im Jahr 2010 in einer Erhebung in zwei Altenheimen fest. Dabei bemerkten sie bereits Fehler in der Dokumentation. Die vorgehaltenen Überleitungsbögen enthielten keine Angaben zum Sturzrisiko. Sie überprüften bei 140 Bewohnerinnen und Bewohner, ob eine Sturzrisikoeinschätzung erfolgt war. Bei 85,7 % lag eine Risikobewertung vor. In den folgenden sechs Monaten stürzten tatsächlich 34 Bewohnerinnen und Bewohner. Bei 62,5 % wurden nach dem Sturz Maßnahmen zur Sturzprävention geplant. In 75 von 85 Maßnahmenplänen zur Sturzprävention wurde der Einsatz von Hilfsmitteln zum Gehen und zur Veränderung der Umgebung aufgeführt. Jedoch kamen die Hilfsmittel in diesen Einrichtungen nicht zum Einsatz, da sie nicht vorhanden waren. Eine erneute Risikoeinschätzung nach einem Sturz wurde bei niemandem durchgeführt. Eine Beratung erfolgte nachweislich nur bei 31,7 % der Fälle (vgl. Buttler, Klewer, 2010, S. 31). 05.03., Gesetzliche Vorgaben zur Sturzprävention: In Gesetzen zum Beispiel das Landesheimgesetz der jeweiligen Bundesländer oder in den Landesheimbauverordnungen zum Beispiel die Verordnung des Ministeriums für Arbeit und Soziales zur baulichen Gestaltung von Heimen und zur Verbesserung der Wohnqualität in den Heimen Baden-Württembergs (LHeimBauVO) vom 12. August 2009, in technischen Regelungen für Architekten und Normen wie zum Beispiel der DIN ISO Reihen werden Vorgaben für ein behindertengerechtes und barrierefreies Bauen definiert. Inhaltlich und prozessbezogen hat der Bundesgerichtshof richtungsweisend 2005 zwei Urteile (BGH, 14.07.2005, III ZR 391/04 und BGH, 28.04.2005, III ZR 399/04) gesprochen. Diese heben hervor, dass keine Einrichtung im Gesundheitswesen 24 Stunden am Tag und in jeder Minute die absolute Sicherheit der anvertrauten Menschen gewährleisten kann. Das beinhaltet jedoch, dass die individuell möglichen Maßnahmen zur Sturzprävention im Vorfeld eines Sturzes ausgeschöpft worden sind. Dazu gehört auch die Implementierung des nationalen Expertenstandards Sturzprophylaxe in der Pflege (vgl. Becker, 2010, S. 16).
Blick ins Buch

Weitere E-Books zum Thema: Management - Wirtschaft - Coaching

Versicherungen im Umbruch

E-Book Versicherungen im Umbruch
Werte schaffen, Risiken managen, Kunden gewinnen Format: PDF

Die Bedeutung von Versicherungen und Einrichtungen kapitalgebundener Altersvorsorge für unsere Gesellschaft ist immens und nimmt weiter zu. Es ist deshalb äußerst wichtig, dass die Institutionen ,…

bAV erfolgreich verkaufen

E-Book bAV erfolgreich verkaufen
So überwinden Sie alle Hürden der Entgeltumwandlung Format: PDF

Die Situation der gesetzlichen Rentenversicherung ist bekanntlich katastrophal. Daher ist es unbedingt erforderlich, für das Alter vorzusorgen. Versicherungsvermittler haben das Know-how und die…

MiFID-Kompendium

E-Book MiFID-Kompendium
Praktischer Leitfaden für Finanzdienstleister Format: PDF

Zum 1. November 2007 trat die europäische Richtlinie 'Markets in Financial Instruments Directive' (MiFID) in Kraft, eine der umfangreichsten Gesetzesmaßnahmen für Finanzmärkte in den letzten…

bAV erfolgreich verkaufen

E-Book bAV erfolgreich verkaufen
So überwinden Sie alle Hürden der Entgeltumwandlung Format: PDF

Die Situation der Gesetzlichen Rentenversicherung ist bekanntlich katastrophal: Die Alterspyramide steht kopf, es fehlt der Nachwuchs und wir werden immer älter. Daher ist es unbedingt notwendig, für…

Die Schatztruhe für Finanzdienstleister

E-Book Die Schatztruhe für Finanzdienstleister
101 Ideen für Ihren Verkaufserfolg Format: PDF

Jürgen Hauser verfügt über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz als Versicherungskaufmann und als Verkaufstrainer. Das 'Best of' dieser Verkaufshilfen präsentiert dieses Buch - 101 Tipps, thematisch…

Handbuch Automobilbanken

E-Book Handbuch Automobilbanken
Finanzdienstleistungen für Mobilität Format: PDF

Auf dem Markt der automobilen Finanzdienstleistungen nehmen die herstellerverbundenen Automobilbanken eine führende Stellung ein. Mit innovativen Finanzierungskonzepten stärken sie die Loyalität der…

Gabler Kompakt-Lexikon Bank und Börse

E-Book Gabler Kompakt-Lexikon Bank und Börse
2.000 Begriffe nachschlagen, verstehen, anwenden Format: PDF

Das Gabler Kompakt-Lexikon Bank und Börse definiert die 2.000 wichtigsten Begriffe aus dem Bank- und Börsenwesen. Die Stichwörter sind verständlich erklärt und auf eine praktische Anwendung des…

Weitere Zeitschriften

Augenblick mal

Augenblick mal

Die Zeitschrift mit den guten Nachrichten "Augenblick mal" ist eine Zeitschrift, die in aktuellen Berichten, Interviews und Reportagen die biblische Botschaft und den christlichen Glauben ...

Bibel für heute

Bibel für heute

BIBEL FÜR HEUTE ist die Bibellese für alle, die die tägliche Routine durchbrechen wollen: Um sich intensiver mit einem Bibeltext zu beschäftigen. Um beim Bibel lesen Einblicke in Gottes ...

Der Steuerzahler

Der Steuerzahler

Der Steuerzahler ist das monatliche Wirtschafts- und Mitgliedermagazin des Bundes der Steuerzahler und erreicht mit fast 230.000 Abonnenten einen weitesten Leserkreis von 1 ...

rfe-Elektrohändler

rfe-Elektrohändler

rfe-Elektrohändler ist die Fachzeitschrift für die CE- und Hausgeräte-Branche. Wichtige Themen sind: Aktuelle Entwicklungen in beiden Branchen, Waren- und Verkaufskunde, Reportagen über ...

ERNEUERBARE ENERGIEN

ERNEUERBARE ENERGIEN

ERNEUERBARE ENERGIEN informiert durch unabhängigen Journalismus umfassend über die wichtigsten Geschehnisse im Markt der regenerativen Energien. Mit Leidenschaft sind wir stets auf der Suche nach ...

Euphorion

Euphorion

EUPHORION wurde 1894 gegründet und widmet sich als „Zeitschrift für Literaturgeschichte“ dem gesamten Fachgebiet der deutschen Philologie. Mindestens ein Heft pro Jahrgang ist für die ...

Euro am Sonntag

Euro am Sonntag

Deutschlands aktuelleste Finanz-Wochenzeitung Jede Woche neu bietet €uro am Sonntag Antworten auf die wichtigsten Fragen zu den Themen Geldanlage und Vermögensaufbau. Auch komplexe Sachverhalte ...