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E-Book

Neurologie und Psychiatrie

WEISSE REIHE

AutorUdo G. Frank
VerlagUrban & Fischer Verlag - Lehrbücher
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl168 Seiten
ISBN9783437188923
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis21,99 EUR

Der Band 'Neurologie und Psychiatrie' behandelt kompakt sämtliche Prüfungsinhalte dieses Fachs für die Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung. Farbige Abbildungen und Tabellen machen auch komplizierte Zusammenhänge leicht verständlich. Zur Stoffwiederholung und Wissensüberprüfung findet sich im Anhang eine Fragensammlung mit aktuellen Prüfungsfragen. Komplett aktualisiert und überarbeitet.

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Leseprobe

1 Anatomisch-physiologische Grundlagen

Das Nervensystem dient der Nachrichtenübermittlung. Es ist ebenso wie das hormonelle System ein wichtiges Koordinations- und Steuerungssystem mit einer allerdings wesentlich schnelleren Zugriffszeit. Das Nervensystem des Menschen, insbesondere das Gehirn, ist dem aller übrigen Lebewesen weit überlegen. Im Gehirn werden Sinne, Willkürmotorik und Gefühlswelt durch eine unvorstellbare Zahl von miteinander vernetzten Zellgruppen koordiniert und die entsprechenden Reaktionen gesteuert.

1.1 Einteilung des Nervensystems


Das Nervensystem kann nach anatomischen und funktionellen Gesichtspunkten untergliedert werden.

Abb. 1 Einteilung des Nervensystems

1.1.1 Anatomische Einteilung


Das Nervensystem wird anatomisch in zwei große Anteile untergliedert:

• Zentrales Nervensystem (ZNS)
• Peripheres Nervensystem (PNS).

Zentrales Nervensystem (ZNS)


Das zentrale Nervensystem umfasst Gehirn und Rückenmark. Das Gehirn lässt sich anatomisch in sechs Anteile aufgliedern:r

• Endhirn (Großhirn, Basalganglien, Seitenventrikel)
• Zwischenhirn (III. Ventrikel, Thalamus)
• Mittelhirn (Vierhügelplatte, Großhirnschenkel)
• Hinterhirn (Brücke)
• Kleinhirn
• Nachhirn (verlängertes Mark, IV. Ventrikel).

Peripheres Nervensystem (PNS)


Das periphere Nervensystem ist ein System von unzählig vielen, verzweigten Nerven, die das ZNS mit den übrigen Körperabschnitten (Peripherie = „Außenbezirke”) verbinden. Die peripheren Nerven treten als Hirnnerven durch die Löcher der Schädelbasis und als Spinalnerven durch die Zwischenwirbellöcher nach außen und ziehen zu Muskeln, Hautbezirken, Eingeweiden und Sinnesorganen. Periphere Nerven leiten Informationen zum und vom ZNS.

Das zentrale Nervensystem (ZNS) umfasst Hirn und Rückenmark, das periphere Nervensystem (PNS) alle übrigen Nerven.

Abb. 2 Zentrales Nervensystem mit Gehirn und Rückenmark

1.1.2 Funktionelle Einteilung


Nach der Funktion teilt man das Nervensystem in folgende zwei Bereiche ein:

• Animalisches (willkürliches) Nervensystem
• Vegetatives (autonomes) Nervensystem.

Animalisches (willkürliches) Nervensystem


Das willkürliche Nervensystem dient in erster Linie der willkürlichen Muskelbewegung und der bewussten Wahrnehmung.

Das animalische Nervensystem ist für die Willkürmotorik der quergestreiften Muskulatur zuständig.

Vegetatives (autonomes) Nervensystem


Das unwillkürliche Nervensystem innerviert die glatte Muskulatur der inneren Organe und Drüsen. Aufgrund antagonistischer (entgegengesetzter) Funktionen unterscheidet man Sympathikus und Parasympathikus.

1.2 Bau des Gehirns


Das Gehirn liegt in der Schädelhöhle, umgeben von einer knöchernen Kapsel. Es wiegt etwa 1250 – 1400 g, wobei das Gewicht keine Rückschlüsse auf die Intelligenz des Trägers zulässt. Das Gehirn ist das zentrale Steuerorgan des Nervensystems und leitet Befehle über das Rückenmark in die Peripherie bzw. empfängt und verarbeitet Reize aus der Peripherie. Nachdem es in der Embryonalzeit eine komplizierte Entwicklung, ausgehend vom Neuralrohr, durchlaufen hat, besteht es beim Erwachsenen im Wesentlichen aus folgenden Teilen:

Großhirn mit zwei Großhirnhälften
Hirnstamm
Kleinhirn.

Die beiden Großhirnhemisphären, deren Oberfläche durch Furchen (Sulci) und Windungen (Gyri) vergrößert sind, sind miteinander durch zahlreiche Nervenbahnen verbunden.

1.2.1 Gliederung des Gehirns


Anatomisch funktionell kann man das Gehirn weiterhin in folgende Anteile unterteilen:

• Endhirn (mit den beiden Großhirnhälften)
• Zwischenhirn (mit den Hormonsteuerdrüsen Hypothalamus und Hypophyse)
• Mittelhirn (Mesencephalon) mit Vierhügelplatte, Haube und Hirnschenkeln
• Hinterhirn (mit Kleinhirn und Brücke)
• Nachhirn (mit verlängertem Rückenmark = Medulla oblongata).

Im Gehirn finden sich vier unterschiedlich große, mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, das Ventrikelsystem (siehe 1.6.3).

Im Querschnitt des Großhirns zeigt sich ein außen gelegener, grauer Saum (Hirnrinde) und eine innen gelegene, weiße Substanz (Hirnmark).

Abb. 3 Sagittalschnitt durch das Gehirn

1.2.2 Weiße und graue Substanz


Zerlegt man das Gehirn in verschiedene Schichten, so erkennt man an den Schnittflächen eine weiße und eine graue Substanz.

Graue Substanz


Die graue Substanz ist die aus Nervenzellen aufgebaute Gehirnsubstanz. Sie ist Ausgangspunkt der Befehle, z.B. in das Rückenmark oder andere Teile des Gehirns und Empfänger von Informationen aus der Peripherie. Die graue Substanz befindet sich im Gehirn außen und im Rückenmark innen.

Weiße Substanz


Die weiße Substanz besteht aus markhaltigen Nervenfasern, die für die weiße Farbe verantwortlich sind. Sie dienen lediglich der Nachrichtenleitung. Die weiße Substanz befindet sich im Gehirn innen und in Rückenmark außen.

Die graue Substanz befindet sich im Gehirn außen und im Rückenmark innen, die weiße Substanz befindet sich im Gehirn innen und im Rückenmark außen.

1.3 Großhirn


Das Großhirn mit seinen beiden Hälften (Hemisphären) nimmt den größten Teil des Gehirns ein. Es umschließt ein System von Hohlräumen (Ventrikel), die mit klarer Flüssigkeit (Liquor) gefüllt sind, sowie ein großes Hirnkerngebiet unterhalb und seitlich der Ventrikel. Dort befinden sich Ansammlungen von Nervenzellen (Basalganglien), z.B. Claustrum und Corpus striatum.

Die Oberfläche des Großhirns ist durch zahlreiche Windungen und Furchen vergrößert. Die beiden Hirnhälften sind durch unzählige Nervenbahnen (die den „Bal ken” bilden) miteinander verbunden. Bei Ausfällen in einer Gehirnhälfte kann die Funktion zum Teil durch die gegenüberliegende Hirnhälfte übernommen werden. Bei Motorik und Sensibilität ist eine Hirnhälfte in der Regel für die gegenüberliegende Körperseite verantwortlich. Das Großhirn wird in vier Hirnlappen eingeteilt:

• Stirnlappen (Lobus frontalis)
• Scheitellappen (Lobus parietalis)
• Schläfenlappen (Lobus temporalis)
• Hinterhauptslappen (Lobus occipitalis).

Abb. 4 Lappenaufbau des Gehirns

1.3.1 Funktionsbereiche (Rindenbezirke)


Das Gehirn erhält aus der Umwelt über die Sinnesorgane und die verschiedenen Rezeptoren laufend Informationen über Körperstellung, Muskelaktionen, Seheindrücke, Geräusche und vieles andere. Die Verarbeitung dieser Reize erfolgt regional in spezifischen Bereichen des Gehirns. Diese Funktionsbereiche (Rindenfelder) sind auf der Hirnrinde (in der grauen Substanz) lokalisiert.

Abb. 5 Funktionsbereiche des Gehirns

Hintere Zentralwindung, Gyrus postcentralis (Körperfühlsphäre)


Die Körperfühlsphäre ist hinter der zentralen Furche lokalisiert. Zu ihr werden vor allem durch Hautberührungen ausgelöste Reize (Schmerz, Wärme, Kälte) geleitet und verarbeitet. Den verschiedenen Organen bzw. Körperbezirken entsprechen dabei jeweils ganz bestimmte Bereiche in der Rinde (somatotope Gliederung). Die rechte...

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