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Neuropsychologie der Alkoholabhängigkeit

AutorArmin Scheurich, Barbara Brokate
VerlagHogrefe Verlag Göttingen
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl119 Seiten
ISBN9783840920561
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Alkohol ist die in Deutschland beliebteste psychoaktive Substanz. Über 95% der Bevölkerung trinken Alkohol, für jeden fünften Mann und jede zehnte Frau übersteigt der Konsum die Grenze zum Gesundheitsrisiko. Über 1,5 Millionen Menschen sind in Deutschland alkoholabhängig. Diese chronische, schwere Erkrankung bewirkt neben gravierenden sozialen Konsequenzen schwere Gesundheitsschäden. Alkohol wirkt neurotoxisch und greift Gehirn und Nervensystem an. Über die Hälfte der alkoholabhängigen Patienten zeigen nach einer Entzugsbehandlung neuropsychologische Defizite. Bei 10% der alkoholabhängigen Patienten führt der Alkoholkonsum zu so gravierenden kognitiven Symptomen, dass sie zu einer dauerhaften Behinderung führen. Die Patienten erleiden eine persistierende amnestische Störung oder gar eine alkoholinduzierte Demenz. Der vorliegende Band richtet sich an alle, die alkoholabhängige Patienten untersuchen oder behandeln. Dargestellt werden nicht nur die Diagnosekriterien, sondern auch die psychotherapeutischen und pharmakotherapeutischen Behandlungsoptionen. Praxisnah und informativ werden das neuropsychologische Defizitprofil, die neuropsychologische Untersuchung, die Testverfahren und neuropsychologischen Therapieoptionen beschrieben. Als unmittelbare Orientierungshilfe sind Vergleichsdaten einer großen deutschen Stichprobe in allen kognitiven Domänen enthalten. Zusammen mit einer spezifischen Anleitung zur Exploration zentraler Anamnesedaten bietet das Buch praktische Hilfe bei der Untersuchung und Einordnung des kognitiven Status alkoholabhängiger Patienten mit und ohne Komorbidität.

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Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis
  2. 1 Beschreibung der Alkoholabhängigkeit
  3. 2 Ätiologie der Alkoholabhängigkeit
  4. 3 Neuropsychiatrische Konsequenzen im Überblick
  5. 4 Die Beeinträchtigungen des Gehirns durch Alkoholabhängigkeit
  6. 5 Neuropsychologische Studien
  7. 6 Neuropsychologische Befunde bei amnestischem Syndrom (Korsakow- Syndrom) und alkoholinduzierter Demenz
  8. 7 Neuropsychologische Diagnostik bei Alkoholabhängigkeit
  9. 8 Neuropsychologische Therapie bei Alkoholabhängigkeit
  10. 9 Zusammenfassung
  11. 10 Weiterführende Literatur
  12. 11 Literatur
  13. 12 Anhang
Leseprobe
9 Zusammenfassung (S. 85-86)

In Deutschland sind über 1,5 Millionen Menschen oder 3,1% der erwachsenen Bevölkerung im Alter von 18 bis 59 Jahren alkoholabhängig. Für etwa 90 % der alkoholabhängigen Patienten stellen sich durch den chronischen hohen Alkoholkonsum moderate kognitive Defizite ein, die sich unter fortgesetzter Abstinenz nach drei bis sechs Monaten in der Regel wieder in den Bereich der gesunden Kontrollpersonen verbessern. Diese moderaten Defizite betreffen die Exekutivfunktionen, das nonverbale Denkvermögen, das Gedächtnis, visuell-räumliche Leistungen und komplexe psychomotorische sowie komplexe Aufmerksamkeitsfunktionen.

Diese kognitiven Defizite können als eingeschränktes Lern- und Denkvermögen zu Beginn der Abstinenz die Rückkehr in Schule, Studium und Beruf und die Teilnahme an psychotherapeutischen Programmen erschweren. Sie können sich als Beeinträchtigung der Planung und Steuerung des eigenen Verhaltens negativ auf die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Abstinenz auswirken. Psychotherapeutische und auch pharmakotherapeutische Interventionen für die Alkoholabhängigkeit sind wirksam. Allerdings sind die Rückfallraten trotz Therapie hoch und betreffen bereits nach drei Monaten in der Regel 50 % der Patienten.

Bessere Erfolgsraten weist die stationäre Langzeittherapie auf. Hier bleiben auch nach einem Jahr über 70 % der Patienten abstinent. Die moderaten kognitiven Defizite können durch neuropsychologische Therapie, das heißt Stimulation der eingeschränkten Funktionen, schneller wieder in den Normbereich verbessert werden, wodurch für viele Patienten auch die Rehabilitation beschleunigt werden kann. Zusätzlich zu den moderaten kognitiven Einschränkungen können vor allem bei älteren alkoholabhängigen Patienten neuropsychiatrische Syndrome wie Delirium tremens, die Wernicke-Enzephalopathie, die Alkoholhalluzinose oder der alkoholbedingte Eifersuchtswahn auftreten.

Die alkoholabhängigen Patienten haben ferner ein hohes Risiko, auch über die komorbiden Lebererkrankungen kognitive Defizite in Form der hepatischen Enzephalopathie zu erleiden und sie haben ein erhöhtes Risiko für Schädel- Hirn-Traumata, die ebenfalls kognitive Defizite bedingen können.

Neben den moderaten Defiziten erleiden 10 % der alkoholabhängigen Patienten schwere kognitive Defizite wie das persistierende amnestische Syndrom (Korsakow-Syndrom) oder die alkoholindizierte Demenz. Hier sind vor allem kompensatorische Therapiemassnahmen zu treffen, die die Behinderung durch die gravierende amnestische Symptomatik lindern. Dennoch sind diese Patienten dauerhaft auf die Unterstützung und Pflege durch andere angewiesen.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis6
1 Beschreibung der Alkoholabhängigkeit10
1.1 Klassifikation: Alkoholabhängigkeit, Alkoholmissbrauch und soziales Trinken10
1.2 Epidemiologie und kulturelle Sonderstellung des Alkohols12
1.3 Krankheitsverlauf und Prognose14
2 Ätiologie der Alkoholabhängigkeit20
2.1 Wirkungen des Alkoholkonsums20
2.2 Für die Alkoholabhängigkeit disponierende Faktoren21
2.3 Aufrechterhaltende Faktoren22
3 Neuropsychiatrische Konsequenzen im Überblick25
3.1 Das Entzugssyndrom25
3.2 Alkoholentzugsdelir (Delirium tremens)26
3.3 Wernicke-Enzephalopathie26
3.4 Alkoholinduzierte psychotische Störung (Alkoholhalluzinose)28
3.5 Alkoholbedingter Eifersuchtswahn28
3.6 Hepatische Enzephalopathie28
3.7 Schädel-Hirn-Traumata30
3.8 Zusammenfassung31
4 Die Beeinträchtigungen des Gehirns durch Alkoholabhängigkeit31
4.1 Neuropathologische Studien32
4.2 Neurophysiologische Studien32
4.3 Bildgebungsstudien33
4.4 Zusammenfassung35
5 Neuropsychologische Studien36
5.1 Neuropsychologische Defizite bei sozialen Trinkern unter akuter Intoxikation36
5.2 Neuropsychologische Studien zum sozialen Trinken38
5.3 Neuropsychologische Befunde bei Alkoholabhängigkeit39
5.4 Theorien über die neuropsychologischen Defizite bei Alkoholabhängigen58
5.5 Einflussfaktoren auf die neuropsychologische Performanz: Abstinenzdauer, Trinkmengen, Geschlecht61
5.6 Auswirkungen und Folgen: Klinische Bedeutung der moderaten neuropsychologischen Defizite64
5.7 Zusammenfassung und Ausblick66
6 Neuropsychologische Befunde bei amnestischem Syndrom (Korsakow- Syndrom) und alkoholinduzierter Demenz67
6.1 Beschreibung des Korsakow-Syndroms67
6.2 Kritische Läsionen und Ätiologie des Korsakow-Syndroms68
6.3 Gedächtnis70
6.4 Exekutive Funktionen74
6.5 Verlauf kognitiver Defizite und Remission75
6.6 Alkoholassoziierte Demenz76
6.7 Marchiafava-Bignami-Syndrom77
7 Neuropsychologische Diagnostik bei Alkoholabhängigkeit78
7.1 Diagnostische Fragestellung78
7.2 Die Voraussetzungen einer neuropsycho-logischen Untersuchung alkoholabhängiger Patienten79
7.3 Quantifizierung des Alkoholkonsums und diagnostische Untersuchung bei Verdacht auf Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit80
7.4 Die neuropsychologische Untersuchung83
7.5 Differenzialdiagnostik alkoholinduzierter Beeinträchtigungen85
8 Neuropsychologische Therapie bei Alkoholabhängigkeit89
8.1 Verbesserung und Beschleunigung der Restitution durch neuropsychologische Therapie im Anschluss an die Entgiftung89
8.2 Neuropsychologische Kompensationstherapie der Gedächtnisstörung bei persistierendem amnestischem Syndrom92
9 Zusammenfassung94
10 Weiterführende Literatur95
11 Literatur95
12 Anhang109
Glossar109

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