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Nur wer loslässt, wird gehalten

Christuszentrierte Erlebnispädagogik

AutorHans Peter Royer
VerlagSCM Hänssler im SCM-Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl110 Seiten
ISBN9783775171205
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Erlebnispädagogik - ein spannendes Thema! Hans Peter Royer hat hier erlebnispädagogische Grundsätze auf den christlichen Glauben angewendet. Geistliche Prinzipien lassen sich wunderbar durch Erlebnisse in der Natur oder im Sport vermitteln. Wenn wir z. B. klettern und uns durch ein Seil sichern lassen, können wir die Geborgenheit in Gott unmittelbar erfahren. Diese und viele andere Beispiele geben Mitarbeitern in Kirche & Gemeinde praktische Hilfen für eine spannende Vermittlung des Evangeliums. Stand: 5. Auflage 2012

Hans Peter Royer, Jahrgang 1962, war staatl. geprüfter Berg-, Ski- und Höhlenführer. Er leitete den Tauernhof (Fackelträger) als Direktor und war gleichzeitig Stellvertretender Direktor von 'Fackelträger International'. Mit seiner Frau Hannelore und seinen drei Kindern lebte er in Schladming/Österreich. Im August 2013 starb er bei einem Bergunfall. https://hanspeterroyer.at/

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Leseprobe

1  WAS VERSTEHE ICH UNTER
CHRISTUSZENTRIERTER
ERLEBNISPÄDAGOGIK
(CEP)?


Es geht ganz einfach darum, gewisse Werte und Wissen nicht nur verbal im rechteckigen Klassenzimmer zu lehren, sondern ganzheitlich zu vermitteln.

Unser Schöpfergott hat uns nicht nur mit Ohren und Intellekt ausgestattet, sondern auch mit Augen, mit einem Geruchs-, einem Geschmacksund einem Tastsinn.

In der Wissenschaft spricht man von der rechten Gehirnhälfte, die für das gefühlsmäßige Denken verantwortlich ist, und der linken Gehirnhälfte, die für das logische, abstrakte und analytische Denken zuständig ist (Hemisphären). Eine Seite kann immer nur ein Stück der uns umgebenden Realität wahrnehmen.

Und Gott möchte uns in jedem Bereich nahe kommen und von uns »erlebt« werden. Darum hat Jesus auch das Abendmahl eingesetzt, damit wir »schmecken«, wie gut der Herr ist. Deshalb gibt es die Taufe, damit wir »spüren«, wie der alte Mensch stirbt, damit ein neuer Mensch auferstehen kann.

An diese Erkenntnis knüpft die ganzheitliche Verkündigung an. Durch sie lernt man, sich selbst, den Nächsten und vor allem Gott nicht nur zu hören, sondern zu verstehen, nicht nur zu sehen, sondern wahrzunehmen, also zu erleben.

Insbesondere in den skandinavischen Ländern, Nordamerika und England gibt es seit langem so genannte »Volkshochschulen«. Hier wird praktisches Leben vor allem durch Aktivitäten in der Natur (Kanufahrten, Ski-Trekking, Hüttenübernachtungen) und das Erleben von Gemeinschaft vermittelt. Die Gründer dieser Schulen waren zum Großteil bekennende Christen mit der Vision, junge Menschen für ein praktisches Leben mit Gott auszurüsten.

Diese Tendenz »back to nature« sieht man seit einigen Jahren auch wieder stärker im deutschsprachigen Raum.

Das ist der Grund, warum Abenteuercamps und Outward-Bound-Schulen zur Zeit eine Hochkonjunktur erleben. Die Menschen sind müde, immer alles nur zu verstehen. Sie wollen »das Leben erleben«.

Nun, als Christen müssen und dürfen wir nicht jeder neuen Idee nachrennen, nur um im Trend zu liegen. Darum sollen wir, so wie bei allen Belangen, an der Heiligen Schrift prüfen, ob etwas recht ist oder nicht. »Was sagt die Bibel zur Erlebnispädagogik (EP)?«

EP bedeutet, Wissen, Erkenntnisse oder Werte nicht nur frontal und verbal zu vermitteln, sondern durch Spiele, Aktivitäten und Gruppenerlebnisse. Das große
Dilemma
der heutigen
Christenheit,
so glaube
ich, liegt
darin, dass
wir unser
»geistliches
Leben«
getrennt
halten von
unserem
»normalen
Leben«.
Für den Adressaten der Wissensvermittlung, den »Schüler«, bleibt es nicht bei abstraktem Wissen. Vielmehr »erlebt« er im buchstäblichen Sinn des Wortes, was ihm beigebracht wird.

Hier ist Jesus Christus uns ein großes Vorbild. Er zeigt durch seine Art zu leben und zu lehren, dass Erlebnispädagogik keine neuzeitliche Erfindung ist, sondern schon vor zweitausend Jahren praktiziert wurde.

Das große Dilemma der heutigen Christenheit, so glaube ich, liegt darin, dass wir unser »geistliches Leben« getrennt halten von unserem »normalen Leben«.

Wir unterscheiden zwischen geistlicher Aktivität (z.B. Beten, Predigen, Bibelarbeit halten oder daran teilnehmen etc.) und »normaler«, alltäglicher Aktivität (Arbeit, Sport, Hobby). Dadurch entsteht unausweichlich ein abstraktes, fast schizophrenes Christsein. Da bemühe ich mich sonntags im Gottesdienst freundlich zu sein, denn das ist geistliches Leben – am Montag am Arbeitsplatz lache ich darüber, wenn über jemanden schlecht geredet wird. Denn dann befinde ich mich im normalen Leben.

Viele Organisationen und Kirchengemeinden bieten seit langem so genannte »Aktivwochen« an, wo sie insbesondere mit Jugendlichen Sport treiben und Bibelarbeiten halten. Ich bin selbst als jugendlicher Teilnehmer durch solche Freizeiten sehr gesegnet und bereichert worden.

Allerdings helfen sie meist nicht wirklich, die Kluft zwischen »geistlichem« und »normalem« Leben zu überbrücken und beides in Einklang miteinander zu bringen. Tagsüber wird Sport getrieben und man hat Spaß miteinander – das ist das normale Leben. Hier geht es locker und fröhlich zu. Morgens und abends gibt es dann eine Andacht – das ist geistliches Leben. Dabei muss man ernsthaft und besonnen sein.

Diese Unterscheidung zwischen dem »normalen« und dem »geistlichen« Leben ist falsch!

Wenn ich lerne, mit Gott zu leben, egal ob ich predige, Ski fahre, einkaufe oder bete, werde ich zu einem glaubwürdigen Zeugen, der »geistliches« und »normales« Leben vereint. Es spielt im Prinzip keine Rolle, ob ich Busfahrer oder Missionar, Sekretärin, Bergführer oder Prediger bin. In jedem Fall muss ich lernen, in einer bewussten, ständigen Abhängigkeit von Gott und in einer entsprechenden Beziehung mit ihm zu leben.

Die CEP hilft, eine vorhandene Kluft zwischen einem »normalen« und »frommen« Leben sichtbar zu machen. CEP kann Menschen helfen, die eigenen, persönlichen Gründe dafür zu erkennen und will Hilfestellung zum individuellen Wachstum eines ganzheitlichen Christseins bieten.

Wir am Tauernhof benutzen und verstehen unsere Freizeitprogramme nicht als eine »Technik«, um die Teilnehmer für die Botschaft empfänglich zu machen. Vielmehr sollen Teilnehmer durch die Aktivitäten den Zustand ihres persönlichen Glaubens »am eigenen Leib« erfahren. Außerdem sind unsere Unternehmungen so konzipiert, dass geistliche Wahrheiten des Evangeliums durch die Aktivitäten vermittelt und auf einer persönlichen Ebene nachvollziehbar werden.

Diese Art der Wissensvermittlung ist bei uns im christlichen Bereich noch relativ fremd.

Interessant ist, dass dem Herrn Jesus diese Verkündigungsart vertraut war. Er hat sehr häufig Lehre und Erleben verbunden. Er hat nicht gesagt: »So, jetzt fahren wir mit dem Boot über den See (weltlich), und wenn wir auf der anderen Seite sind, dann predigen wir wieder (geistlich).«

Jesus nutzte das Erlebnis der Bootsfahrt (Mk. 4,35-41), um seinen Jüngern vom Vater zu erzählen. Er lehrte hier seine Jünger konkret zwei Dinge, nämlich, im Alltag mit der Allmacht Gottes zu rechnen und Vertrauen in den persönlichen, lebendigen Gott zu haben. Jesus hätte auch einfach den Sturm beenden, sich wieder schlafen legen und den Jüngern zu Hause vom Vertrauen und Glauben erzählen können. Das hat Jesus aber nicht getan. Er hat die Situation im Boot genutzt, weil die Jünger in diesem Moment unmittelbar erfahren und erleben konnten, was ihnen Jesus über den Glauben und die Allmacht Gottes vermitteln wollte. Das ist ursprüngliche, beispielhafte CEP.

Diese »ganzheitliche Verkündigung« müssen wir wiedergewinnen.

CEP verbindet Leben und Glaubenslehre miteinander (siehe das Beispiel Jesus mit seinen Jüngern im Sturm auf dem See). Durch Extremsituationen, an die man sich immer erinnern wird, wird die wichtigste Botschaft der Welt, das Evangelium, vermittelt und vorgelebt. Denn genau so wie diese Jünger diesen Sturm auf dem Meer den Rest ihres Lebens wohl nicht mehr vergessen haben, haben sie auch die daran geknüpfte Botschaft nicht mehr vergessen.

Das ist die besondere Art und Weise, wie Erlebnispädagogik »funktioniert«: Sie knüpft an am persönlichen existenziellen Erleben des Menschen und führt in die Gegenwart des lebendigen Gottes.

Es soll damit nicht gesagt werden, dass die frontale und verbale Art von Verkündigung falsch ist. Wichtig aber ist, dass es nicht die einzige biblische Art und Weise der Verkündigung ist.

Natürlich gibt es in der CEP bewährte Prinzipien und Methoden, die man erlernen kann (darum geht es zum Teil in den nächsten Kapiteln), jedoch verstehe ich darunter in erster Linie eine Haltung Gott und den Menschen gegenüber. Die CEP ist auch nicht begrenzt auf bestimmte Aktivitäten (Skitouren, Klettern, Höhlenbefahrung etc.). Vielmehr ist darunter alles zu verstehen, was mit Erleben zu tun hat. Das kann aktives oder passives und auch körperliches oder mentales Erleben sein.

Die Art und Weise, wie man die CEP speziell bei Freizeiten und Schulungen anwendet, hängt von vielen Faktoren ab, z.B. von der Umgebung, in der man wohnt (Berge, Flachland, Stadt), von der Ausbildung, die man hat (Bergführer, Segellehrer etc.), von den von Gott gegebenen Gaben und von der eigenen Persönlichkeitsstruktur.

Ein wichtiger Bestandteil der CEP ist Spontaneität. Man sollte jederzeit bereit sein Situationen aufzugreifen und eine Botschaft daran zu knüpfen. Ein schönes Beispiel dafür ist die Reaktion von Jesus, als die Kinder zu ihm gebracht werden (Mt. 19,13-15). Die Jünger wollten sie verscheuchen, Jesus jedoch lässt sie zu sich kommen, segnet sie und vermittelt damit eine klare Botschaft. Jesus nutzt die Konfliktsituation, um anschaulich zu machen, dass jeder Mensch, vor allem die Kleinen und Schwachen, einen freien Zugang zu Gott haben. Damit machte er allen Anwesenden klar, dass es der kindlichen, vertrauensvollen Haltung eines Kindes bedarf, um Gott begegnen zu können.

Unter »Erleben« verstehe ich auch Kreativität, wie z. B. Wortspiele, Sprüche, Geschichten, Paradoxien, Logisches und Unlogisches. Nicht vergeblich offenbart sich Gott in seinem Wort durch Sprüche, Poesie und Wortspiele.

Ich denke an einen Spruch, der vor der Haustür meiner Pateneltern hing und der mir, seit ich lesen kann, nicht mehr aus dem Sinn gegangen ist.

Dies Haus ist mein und doch nicht mein,
Es wird auch nicht des Nächsten sein,
Der Dritte bleibet auch nicht hier,
Dem Vierten geht es grad...

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