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E-Book

Offene Innovationsprozesse

Die kommerzielle Entwicklung von Open-Source-Software

AutorJoachim Henkel
VerlagDUV Deutscher Universitäts-Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl271 Seiten
ISBN9783835054974
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis49,44 EUR
Joachim Henkel zeigt am Beispiel von 'embedded Linux' auf, dass eine selektive Freigabe von Entwicklungen offene, kollektive Innovationsprozesse ermöglicht, von denen unter geeigneten Bedingungen alle Beteiligen profitieren. Kostspielige Parallelarbeiten können vermieden werden und die Unternehmen ihre Ressourcen auf diejenigen Entwicklungen konzentrieren, die für ihre Kunden wirklich Wert schaffen.

Professor Dr. Joachim Henkel ist Inhaber des Dr. Theo Schöller-Stiftungslehrstuhls für Technologie- und Innovationsmanagement der TU München.

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Leseprobe
Kapitel 1 Einleitung (S. 1)

1.1 Motivation

Open-Source-Software erregt seit einigen Jahren große Aufmerksamkeit. Ungewöhnlich an dieser Software ist, dass jeder Nutzer das Recht hat, sie zu verändern und seinerseits weiterzugeben. Zudem wird Open-Source-Software, obwohl vielfach von hoher Qualität, weitgehend gratis verbreitet. Wer zur Entwicklung von Open-Source-Software beiträgt, verzichtet somit bewusst darauf, für seine Entwicklungen Institutionen zum Schutz geistigen Eigentums in Anspruch zu nehmen.

Während viele Open-Source-Programme von Hobby-Entwicklern initiiert wurden, tragen seit etwa 1998 auch Unternehmen wie IBM, Sun und Hewlett Packard in großem Umfang zur Entwicklung von Open-Source-Software bei. Dies ist aus Sicht der Betriebswirtschaftslehre überraschend: ein Unternehmen, das Software unter einer Open-Source-Lizenz vertreibt, kann dafür weder Lizenzgebühren erheben noch die Weitergabe oder Veränderung der Software verhindern. Die zunehmende Beteiligung von Unternehmen an der Entwicklung von Open-Source-Software ist umso erstaunlicher angesichts einer allgemein steigenden Neigung zur Patentierung.

Smith &, Parr (2000, S. 1) stellen zur Bedeutung geistigen Eigentums fest: " Intellectual property is the central resource for creating wealth in almost all industries. The foundation of commercial power has shifted from capital resources to intellectual property." Zwischen dieser Aussage und der wachsenden Bedeutung von Open-Source-Software besteht nicht notwendigerweise ein Widerspruch.

Vielmehr stellt die freie Weitergabe von Entwicklungen eine von mehreren Möglichkeiten dar, mit geistigem Eigentum umzugehen, alternative Möglichkeiten bestehen in Geheimhaltung und rechtlichen Schutzmechanismen.

Letztere sind vielfach Voraussetzungen für die profitable Eigennutzung einer Invention, und auch eine Fremdnutzung gegen Lizenzgebühren erfordert im Normalfall gewerbliche Schutzrechte. Die Fremdnutzung einer Invention kann dem Erfinder jedoch auch indirekte Vorteile bereiten. Diese können beispielsweise in erhöhten Umsätzen mit komplementären Produkten bestehen oder darin, dass andere Akteure die Entwicklung weiterführen und ihre Verbesserungen wiederum veröffentlichen.

IBM ist ein gutes Beispiel für ein Unternehmen, das sich parallel verschiedener Mechanismen zur Aneignung von Innovationsrenten bedient. Der Konzern wendet jährlich mehr als fünf Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung auf.

Resultate dieser F&,E Anstrengungen werden in großem Umfang in eigenen Produkten genutzt. So hat IBM im Jahre 2001 allein mit Hardware Umsätze in Höhe von 36,80 Mrd. Dollar erwirtschaftet und einen Gewinn (vor Steuern) von 1,30 Mrd. Dollar erzielt (IBM 2001, S. 102).

Die Eigennutzung von Inventionen stellt für das Unternehmen somit einen sehr wichtigen Aneignungsmechanismus dar. Auch eine direkte Aneignung von Innovationsrenten aus Fremdnutzung spielt für IBM eine wichtige Rolle, was Einnahmen aus der Lizenzierung und dem Verkauf geistiger Eigentumsrechte in Höhe von 1,25 Mrd. Dollar im Jahre 2001 eindrucksvoll belegen (IBM 2001, S. 91). Sowohl die Lizenzierung einer Invention als vielfach auch deren Eigennutzung setzen voraus, die Nutzung durch andere Akteure verhindern bzw. kontrollieren zu können.

Andernfalls würde die Zahlungsbereitschaft potentieller Lizenznehmer abnehmen bzw. würden Konkurrenten den Wettbewerbsvorteil des Innovators mit geringen Kosten aufholen können. IBM bedient sich zu diesem Zweck in großem Umfang gewerblicher Schutzrechte.

Allein im Jahre 2001 wurden dem Unternehmen in den USA 3411 Patente erteilt, mehr als irgendeinem anderen Patentanmelder zuvor (IBM 2001, S. 62). Die hohe Zahl von Patentanmeldungen bedeutet jedoch nicht, dass IBM die Fremdnutzung seiner Entwicklungen grundsätzlich entweder ausschließt oder nur gegen Lizenzgebühren erlaubt.
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort6
Vorwort8
Inhaltsverzeichnis10
Abbildungsverzeichnis14
Tabellenverzeichnis16
Kapitel 1 Einleitung18
1.1 Motivation18
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit22
Kapitel 2 Aneignung von Innovationsrenten26
2.1 Kontrollieren der Fremdnutzung einer Invention27
2.1.1 Ausschließen versus Kontrollieren27
2.1.2 Rechte29
2.1.3 Informationen32
2.1.4 Komplementäre Güter33
2.1.5 Gewinnaussichten34
2.1.6 Wechselwirkungen der Kontrollmechanismen34
2.1.7 Zwischenfazit36
2.2 Aneignungsmechanismen37
2.2.1 Intrinsischer Nutzen aus dem Inventionsprozess38
2.2.2 Eigene Nutzung40
2.2.3 Fremdnutzung42
2.2.4 Zwischenfazit54
2.3 Auswirkungen auf überbetriebliche Innovationsprozesse57
2.3.1 Anreize und Ineffizienzen57
2.3.2 Sequentielle und kollektive Innovationsprozesse60
2.3.3 Zwischenfazit72
Kapitel 3 Open- Source-Software: Grundlagen74
3.1 Entstehung und Hintergrund74
3.2 Lizenztypen und rechtliche Implikationen79
3.3 Motive individueller Open-Source-Entwickler82
3.4 Institutionen ökonomische Aspekte von Open- Source- Software89
3.5 Zwischenfazit93
3.6 Open-Source-Software von Unternehmen94
3.6.1 Typen von "Open- Source- Unternehmen"94
3.6.2 Beiträge von Unternehmen: Allgemeine Motive97
3.6.3 Motive von Nutzer-Unternehmen101
3.6.4 Motive von Komplementoren und Zulieferern102
3.6.5 Motive von Hersteller-Unternehmen104
3.6.6 Zwischenfazit106
Kapitel 4 Empirische Untersuchung: Embedded Linux108
4.1 Motivation und Forschungsfragen108
4.2 Methodik110
4.3 Datenbasis115
4.4 Technik und Einsatz von embedded Linux118
4.4.1 Hintergrund: Embedded Software118
4.4.2 Technische Aspekte von embedded Linux119
4.4.3 Einsatz und Einsatzmotive122
4.4.4 Embedded-Linux: Marktstruktur126
4.5 Ergebnisse129
4.5.1 Existenz frei verfügbaren Codes130
4.5.2 Quellen von (Weiter-)Entwicklungen131
4.5.3 Spielräume in der Freigabeentscheidung135
4.5.4 Ausmaß der Freigabe137
4.5.5 Verwendung existierenden Codes139
4.5.6 Gründe für und gegen Freigabe141
4.5.7 Entwicklungsgeschwindigkeit von embedded Linux165
4.6 Zusammenfassung167
Kapitel 5 Modelltheoretische Analysen kollektiver Innovationsprozesse170
5.1 Methodik171
5.2 Existierende Ansätze172
5.3 Freigabe generischer Entwicklungen176
5.3.1 Motivation176
5.3.2 Modellstruktur178
5.3.3 Bestimmung der Gleichgewichte179
5.3.4 Erweitertes Modell182
5.3.5 Interpretation184
5.4 Heterogener Bedarf an komplementären Technologien188
5.4.1 Motivation188
5.4.2 Modellstruktur190
5.4.3 Proprietäres Regime – keine Freigabe von Entwicklungen194
5.4.4 Offenes Regime – Freigabe aller Entwicklungen197
5.4.5 Proprietäres und offenes Regime: Vergleich205
5.4.6 Endogenisierung der Freigabeentscheidung208
5.4.7 Diskussion der Modellannahmen214
5.4.8 Zusammenfassung217
Kapitel 6 Zusammenfassung und Ausblick220
Anhang A228
A.1 Definition von Open-Source-Software228
A.2 Leitfaden für Interviews zu embedded Linux230
A.3 Fragebogen für Expertenbefragung234
A.4 Kurzbeschreibung der Interviewpartner240
A.4.1 Software-Unternehmen mit Fokus auf Embedded Linux240
A.4.2 Gerätehersteller244
A.4.3 Anbieter anderer eingebetteter Software245
A.4.4 Branchenexperten247
A.5 Modell zur Freigabe generischer Entwicklungen: Beweise248
A.6 Modell zu heterogenem Bedarf nach komplementären Technologien: Beweise250
A.6.1 Teilspiele der dritten Stufe250
A.6.2 Nash-Gleichgewichte des reduzierten Spiels der zweiten Stufe252
A.6.3 Beweise zu Satz 5.6253
A.6.4 Freigabe durch genau ein Unternehmen: Gleichgewichte255
Literaturverzeichnis260

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