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Von Ort zu Ort

Eine Jugend in Pommern

AutorMaria Wellershoff
VerlagDUMONT Buchverlag
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl482 Seiten
ISBN9783832185039
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis8,99 EUR
Pommern, das >Land am Meer<, gibt es seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr. Dort wuchs Maria Wellershoff als Maria von Thadden auf, auf den Landgütern Trieglaff und Vahnerow, die seit Generationen der Familie von Thadden gehörten. Mit leichter Hand und einer wundervoll eindringlichen Sprache bringt die Autorin uns ihre Kindheit und Jugend nahe. Maria Wellershoff erzählt von den Dörfern und Gutshäusern, von Eltern, Geschwistern, Verwandten und Freunden, von den Tieren, von Festen und Jagden, von der pommerschen Landschaft und den Ferien an der Ostsee. Eine große Rolle spielen dabei auch Naziherrschaft und Krieg. So beschreibt sie, wie Elisabeth, ihre Halbschwester, 1944 von den Nazis hingerichtet wird. Zu diesem Zeitpunkt studiert Maria bereits Kunstgeschichte in Prag. Kurz vor Kriegsende kehrt sie ins >Reich< zurück. Zusammen mit ihrem Bruder Ado wird sie von den Amerikanern gefangen genommen und gelangt auf abenteuerlichen Wegen nach Göttingen, wo sie endlich ihr Studium fortsetzen kann.

Maria Wellershoff wurde 1922 als Tochter von Adolf von Thadden und Barbara Blank geboren. 1941 machte sie Abitur in Berlin und studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte. Die Mutter dreier Kinder arbeitete als Redakteurin, als freie Lektorin und im Römisch-Germanischen Museum in Köln. Sie ist verheiratet mit dem Schriftsteller Dieter Wellershoff und lebt in Köln.

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Leseprobe
IN BERLIN – BIS ZUM ABITUR (S. 164-165)

Berlin. Warum nicht Stettin, die Hauptstadt von Pommern? Dort gab es auch Schulen, bei denen ich hätte angemeldet werden können. Viele Schülerinnen, die in Greifenberg kein neusprachliches Abitur machen konnten, gingen auf eine Oberschule in Stettin. Diese Stadt war für uns eigentlich nur ein Umsteigebahnhof, um nach Berlin weiterzufahren. Sie galt – bei uns – als hässlich, provinziell und kulturlos. Ob dieses Urteil stimmte, habe ich niemals überprüft.

Berlin – das war auch ein Abenteuer, auf das ich mich freute, die Großstadt und die Möglichkeit, endlich ein von mir selbstbestimmtes Leben zu führen, nach drei Jahren Internatsleben und acht stillen Monaten in Vahnerow, ausgefüllt mit Lernen und langweiligen Hausarbeiten. »Es ist so herrlich«, habe ich in meinem ersten Brief an Inga (20. April) geschrieben, »so ein unabhängiges Leben zu führen + völlige Freiheit zu haben! … Am Anfang hatte ich so viel freie Zeit, daß ich kaum wußte, wohin mit ihr.

Ich bummelte herum, sah mir Läden an + versuchte Berlin kennenzulernen. … Hier brauche ich auf niemand Rücksicht zu nehmen, ich habe nur mich selbst, niemand bittet mich um etwas …« Ich war ja entschlossen, fleißig zu sein, aber die Freizeit wollte ich auch nutzen, um ins Kino oder Theater zu gehen, ein Konzert zu hören, mich mit Leuten zu treffen. Berlin war auch noch aus einem anderen, nicht ästhetischen, sondern praktischen Grund Stettin vorzuziehen: Wir hatten Freunde in der Stadt, die sich um mich kümmern konnten, wenn ich Rat und Hilfe brauchte. In Stettin kannten wir niemanden.

Ich sollte noch nicht allein bei einer Zimmervermieterin wohnen wie eine Studentin, dazu war ich zu jung, sondern wohlbehütet in einer Pension. Uns war die Pension von Bülow empfohlen worden. Sie lag günstig in der Nachodstraße in Wilmersdorf, in der vierten oder fünften Etage eines Vielfamilienhauses aus der Gründerzeit, nicht weit entfernt von der Schule, und sie bot Vollpension an. Der Name der Leiterin, Frau von Bülow, bürgte für Qualität: Die dort wohnenden jungen Damen kamen aus »guten« Familien, wenigstens ein Drittel war adlig.

Ich war die einzige Schülerin, die anderen Bewohnerinnen befanden sich in beruflicher Ausbildung oder waren Sekretärinnen mit Fremdsprachenkenntnissen, die meisten im Auswärtigen Amt. Sie waren elegant gekleidet, schminkten sich, hatten Freunde, mit denen sie ausgingen, und Liebeskummer und schwärmten für besonders erfolgreiche Jagdflieger. Mich behandelten sie mit freundlicher Fürsorglichkeit.
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