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E-Book

Orthopädie und Unfallchirurgie essentials

Intensivkurs zur Weiterbildung

VerlagGeorg Thieme Verlag KG
Erscheinungsjahr2019
Seitenanzahl848 Seiten
ISBN9783131688033
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis149,99 EUR
Der ideale Begleiter in der Weiterbildung. Die OU essentials bieten Ihnen aktuelles evidenzbasiertes Handbuchwissen im Nachschlageformat. Hier finden Sie wichtige Themen und OP-Techniken inklusive Grundlagen, Infektionen, Weichteil- und Knochenläsionen, Management von Komplikationen, Recht und Begutachtung. Sie greifen schnell auf Klassifikationen und allgemein anerkannte Diagnostik- und Therapiestandards zu. Da die Weiterbildungsinhalte gemäß der WBO für Common und Special Trunk abgebildet werden, eignet sich das Buch ganz hervorragend als Begleiter in der Weiterbildungszeit und als Crashkurs vor der Facharztprüfung. Für die 3. Auflage wurde der Bereich Begutachtung vollkommen neu erarbeitet, um den aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Die Kapitel Geriatrische Orthopädie und Unfallchirurgie und Techniken zur Extremitätenrekonstruktion wurden neu aufgenommen. Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht Ihnen ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App haben Sie zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit.

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Leseprobe

1 Grundlagen


1.1 Statik und Dynamik des Bewegungsapparats


S. Gravius

Die Haltungs- und Bewegungsorgane des Menschen gliedern sich in ein passives und aktives Bewegungsorgan:

  • passives Bewegungsorgan: Knochengerüst und Knochenverbindungen, im Einzelnen Binde-, Knorpel- und Knochengewebe

  • aktives Bewegungsorgan: Skelettmuskulatur (quergestreiftes Muskelgewebe)

1.1.1 Bindegewebe


Bindegewebe kommt in verschiedenen Erscheinungsformen vor und macht etwa 15% des Körpergewichts aus.

  • Entstehung aus undifferenzierten mesenchymalen Zellen

  • Aufbau aus ortsständigen (Fibroblasten/-zyten, Chondroblasten/-zyten, Osteoblasten/-zyten) und freien Zellen (Leuko-/Lymphozyten, Makrophagen, Osteoklasten [Zellen der Immunabwehr])

  • retikuläres Bindegewebe: Grundlage verschiedener Gewebe, vor allem Grundlage lymphatischer Organe

  • lockeres Bindegewebe: „verformbares Füllgewebe“ in funktionell freien Räumen; bildet Grenzschichten zu Muskeln und Organen (Faszien)

  • straffes Bindegewebe: Aufbau aus dicht gepackten kollagenen Fasern, bestehend aus Tropokollagenmolekülen (Kollagen Typ I)

  • Bestandteil von Muskelsehnen, Gelenkbändern u.a.

1.1.2 Knorpelgewebe


Knorpelgewebe besteht aus Chondroblasten und der von Chondroblasten gebildeten extrazellulären Matrix. Erlischt die Synthesefunktion der Chondroblasten, so werden diese als Chondrozyten bezeichnet.

  • Die extrazelluläre Matrix besteht aus:

    • geformten Komponenten (kollagene und elastische Fasern)

    • ungeformten Komponenten (Wasser, Proteoglykane und Hyaluronsäure)

  • Proteoglykane sind polyanionisch und ziehen Natriumkationen an, welche wiederum Wasser binden.

  • Durch wasserbindende Moleküle und deren Einbindung in ein straffes dreidimensionales Geflecht aus kollagenen Fasern resultiert die hohe Druckfestigkeit bei dynamischer Belastung.

  • Dem Quellungsdruck der ungeformten Matrix steht die Zugfestigkeit der geformten Matrix gegenüber – dadurch entsteht ein pralles, festes Gewebe, das einen hydrostatischen Kraftfluss erlaubt.

Merke

Ausdifferenzierter Knorpel ist gefäß- und nervenfrei; der Stoffwechsel erfolgt über Diffusion vom gefäßhaltigen Perichondrium (= Knorpelhaut) oder beim Gelenkknorpel von der Gelenkflüssigkeit (=Synovia).

Hyaliner Knorpel

  • hohe Druckfestigkeit, Vorkommen in Arealen mit hohen Druckbelastungen (u.a. Gelenkflächen, Epiphysenfugen und im knorpelig präformierten Skelett)

  • Gefäßarmut begünstigt zusammen mit hohen mechanischen Belastungen degenerative Prozesse

  • Aufgrund des fehlenden Perichondriums und damit der mesenchymalen Zellen, die sich zu Chondroblasten differenzieren können, besitzt der hyaline Knorpel kaum Regenerationspotenzial ( ▶ Abb. 1.1)

Aufbau der Matrix des hyalinen Knorpelgewebes.

Abb. 1.1 

(Quelle: Putz R. Knorpelgewebe. In: Wirth C, Mutschler W, Kohn D et al. [Hrsg.]. Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. 3. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2013)

Faserknorpel

  • Synonym: Bindegewebeknorpel

  • enthält wenige Zellen und besteht überwiegend aus Kollagenfibrillen (vor allem Kollagen Typ I), besitzt kein Perichondrium

  • Vorkommen überwiegend in Arealen hoher Scherbelastungen (u.a. Anulus fibrosus, Symphyse, Labrum acetabulare/glenoidale, Menisken)

Elastischer Knorpel

  • zellreichstes Knorpelgewebe (hoher Anteil elastischer Fasern in der extrazellulären Matrix)

  • hohe Druck- und Biegeelastizität

  • Vorkommen u.a. in den Bronchien

1.1.3 Knochengewebe


Die Masse des Knochengewebes macht etwa 10% des Körpergewichts aus.

Funktion

  • tragende Funktion als Bestandteil des Skeletts

  • wichtigster Kalzium- und Phosphatspeicher des Körpers

Aufbau

  • Knochenzellen (Osteoblasten/Osteozyten)

  • extrazelluläre Matrix (ECM): 35% organische Grundsubstanz (Osteoid), bestehend aus Proteoglykanen, Glykosaminoglykanen und kollagenen Fasern (Typ I); 65% anorganische Grundsubstanz, bestehend zu 95% aus Hydroxylapatit

  • Knochenzellen (Osteoblasten) bilden die extrazelluläre Matrix (ECM) zunächst als mineralfreie Grundsubstanz (Osteoid).

  • Nach der Kalzifikation (sekundäre Einlagerung von Mineralkristallen (Hydroxylapatit = anorganische Grundsubstanz)) erlischt die Syntheseaktivität der Osteoblasten – sie werden nun als Osteozyten bezeichnet.

Arten von Knochengewebe

  • Geflechtknochen (= Faserknorpel) bildet die erste Form der Verknöcherung. Er entsteht durch chondrale und desmale Ossifikation.

  • Lamellenknochen besteht aus lamellenartig angeordneten Knochenlamellen (Breite 3–7 μm), die aufgrund der Dichtigkeit in die Substantia compacta (= Kompakta) und die Substantia spongiosa (= Spongiosa) unterteilt wird. Baueinheit des Lamellenknochens ist das Osteon (sog. Havers-System); bis zu 20 Knochenlamellen sind um einen zentralen – Blutgefäße und Nerven führenden – Kanal (Havers-Kanal) gruppiert ( ▶ Abb. 1.2).

  • Die charakteristische Festigkeit des Knochengewebes beruht auf der Kombination von druckfesten Elementen (Hydroxylapatit) und zugfesten Fasern (Kollagen Typ I).

Aufbau eines Osteons.

Abb. 1.2 

(Quelle: van der Berg F, Cabri J. Angewandte Physiologie 1: Das Bindegewebe des Bewegungsapparates verstehen und beeinflussen. Stuttgart: Thieme; 2003)

1.1.4 Quergestreifte Muskulatur


Das Skelettmuskelgewebe ist das am häufigsten vorkommende Gewebe im menschlichen Körper ( ▶ Abb. 1.3). Seine Masse beansprucht 40–50% des gesamten Körpergewichts.

  • funktioneller Aufbau aus Muskelbündeln, die aus einer Vielzahl von Muskelfasern (=Muskelzellen) bestehen

  • wesentlicher Bestandteil der Muskelfaser sind die Myofibrillen mit den kontraktilen Eiweißen Aktin und Myosin

  • das Sarkomer ist die kleinste Einheit der Myofibrille

Nach dem Gehalt an Glykogen werden weiße und rote Muskelfasern unterschieden:

  • weiße Muskelfasern (Typ II): schnell, anaerob aktivierbar; zahlreiches Vorkommen in Muskeln, die für schnelle Bewegungen benötigt werden (Sprinter-Muskulatur)

  • rote Muskelfasern (Typ I): aerob aktivierbar; Vorkommen in Muskeln mit statischen Aufgaben (posturale Muskeln)

  • Die Aktivierung der Muskelzellen erfolgt über α-Motoneurone aus dem Vorderhorn des Rückenmarks.

  • Nerv und Muskelfaser werden als motorische Endplatte...

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