Sie sind hier
E-Book

Paradoxe Wirkung von Niedriglohnzuschüssen

Zum Einfluss der Reziprozitätsnorm auf die Stabilität finanziell geförderter Beschäftigung

AutorGerhard Krug
Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl223 Seiten
ISBN9783763940073
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis0,00 EUR
Niedriglohnzuschüssse sollen Arbeitslose zur Aufnahme einer Beschäftigung motivieren. Allerdings enden gerade solche geförderten Beschäftigungsverhältnisse oft schon während der Förderdauer - ein Befund, der gegen die Anreizwirkung eines Lohnzuschusses spricht und damit im Widerspruch zu neoklassischen ökonomischen Theorien steht. Gerhard Krug erklärt dieses 'Paradox' damit, dass die so geförderten Beschäftigten den Kombilohn nicht nur als Zuzahlung, sondern auch als ein Signal dafür wahrnehmen, dass ihr Arbeitgeber nicht bereit ist, einen 'fairen' Lohn zu zahlen. Für die Ausgestaltung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen bedeutet dies, dass die damit verbundenen Ziele nur zu erreichen sind, wenn neben dem Motiv der finanziellen Nutzenmaximierung auch das subjektiv-normativ orientierte Handeln der Betroffenen in den Blick genommen wird.

Gerhard Krug ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Nürnberg.

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe

1 Einleitung und zusammenfassender Überblick (Seite 9)

Im Zuge der Reformierung der Arbeitsvermittlung durch die sogenannten Hartz- Gesetze tauchten in den letzten Jahren Schlagworte wie „Kombilohn“, „Ein-Euro- Jobs“, „Ich-AG“ in der öffentlichen Debatte um die wirksame Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf. Dabei handelt es sich um Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik, die zu den wesentlichen politischen Instrumenten zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit gehören. Der Einsatz solcher Maßnahmen erfolgt oft unter hohem administrativen und finanziellen Aufwand, und so hat sich die Notwendigkeit der Prüfung ihrer Wirksamkeit als eine zentrale Aufgabe der wissenschaft lichen Politikberatung etabliert. Durch die Übernahme des Arbeitsförderungs gesetzes (AFG) in das Sozialgesetzbuch III (SGB III) im Jahr 1998 und die Einführung des Sozialgesetzbuches II (SGB II) ist diese Aufgabe weiter festgeschrieben und konkretisiert worden. Die von der Arbeitsverwaltung durchgeführten Maßnahmen sollen im Hinblick auf die Verbesserung der Wiedereingliederungschancen und Beschäftigungsfähigkeit der Teilnehmer (individuelle Ebene), die Effizienz der Maßnahmen (Kosten-Nutzenbetrachtung) und die volkswirtschaftlichen Nettoeffekte (Makroebene) evaluiert werden (§ 282 Abs. 3 SGB III).
Eine solche Wirkungsforschung versteht sich als Politikberatung in dem Sinne, dass sie im direkten Auftrag oder in Voraussicht der Notwendigkeit für die poli tischen Akteure prüft, ob die durchgeführten Maßnahmen das intendierte Ziel erreichen. Es zeigt sich, dass die Forschungspraxis der Maßnahmeevaluation – vor allem was die in dieser Arbeit relevante Perspektive der individuellen Ebene betrifft, die auch den Kern der Evaluationsforschung ausmacht – im Wesentlichen den politischen Vorgaben hinsichtlich der zu evaluierenden Ziele folgt. Eine Durchsicht der von 2000 bis 2006 in deutschen Fachzeitschriften und Diskussionspapierreihen veröffentlichten Analysen auf der individuellen Ebene zeigt, dass sich ihr überwiegender Anteil mit der Wirkung der Maßnahmen auf die Wiedereingliederung befasst und ein geringer Teil mit anderen Zielgrößen, wovon wiederum der Hauptanteil auf die Analyse der Wirkung auf den individuellen Lohn entfällt.
Von politischem Interesse ist oft nur, ob eine Maßnahme ihre Wirkung entfalten konnte oder nicht, ob sich für bestimmte Teilgruppen die Wiedereingliederungschancen erhöht haben oder nicht. Das „Warum“ scheint hier oft zweitrangig. In diesem Sinne lässt sich auch beobachten, dass die meisten Evaluationen von Maßnahmen auf die Messung der Richtung und Signifikanz von Maßnahmeeffekten abzielen und nicht der systematischen Erklärung erfolgter oder ausgebliebener Maßnahmewirkungen.

Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
Dank8
1 Einleitung und zusammenfassender Überblick10
2 Problemstellung: Kombilohn und Förderabbrüche16
2.1 Wirtschaftstheoretische Grundlagen der Arbeitsmarktpolitik18
2.2 Kombilohn als Maßnahme der aktiven Arbeitsmarktpolitik23
2.3 Die Kombilohnförderung „Mainzer Modell“28
2.4 Kombilohn und dauerhafte Wiedereingliederung in Beschäftigung33
2.5 Abbrüche von Kombilohnmaßnahmen als erklärungs-bedürftiger Sachverhalt35
2.6 Zusammenfassung38
3 Eine Erklärung des Abbruchverhaltens40
3.1 Boudons kognitivistisches Erklärungsmodell40
3.2 Die Reziprozitätsnorm in Beschäftigungsverhältnissen46
3.3 Negative Wirkung finanzieller Anreize durch subjektiv verletzte Reziprozität63
3.4 Zusammenfassung: Erklärungsmechanismus und Hypothesen66
4 Messung kausaler Effekte in Rubins Kausalmodell72
4.1 Rubins Kausalmodell72
4.2 Das RKM und die kausale Analyse von sozialen Handlungen90
4.3 Alternativen zur Messung kausaler Effekte mit dem RKM98
Exkurs: die OLS-Regression als Switching-Regression108
4.4 Zusammenfassung116
5 Selektivität des Kombilohnbezuges118
5.1 Mögliche Strategien zur Identifikation von Maßnahme-selektivitäten118
5.2 Identifikation der Maßnahmeselektivität im Mainzer Modell127
6 Der kausale Effekt des Kombilohnes auf Lohn-zufriedenheit und Beschäftigungsstabilität140
6.1 Verwendete Datenbasis140
6.2 Messung von Selektionseinflüssen und Zielvariable143
6.3 Propensity Score Matching von Kombilohngeförderten und Ungeförderten145
6.4 Prüfung der Hypothesen154
6.5 Prüfung zentraler Verfahrensannahmen164
6.6 Fehlender job-worker-match als alternative Erklärung?187
6.7 Reichweite der Ergebnisse188
7 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick190
Abbildungsverzeichnis194
Tabellenverzeichnis196
Literatur198
Anhang220
Notation220
Wichtige Abkürzungen220
Tabellenanhang221
Kurzfassung224

Weitere E-Books zum Thema: Personal - Personalmanagement

Existenzgründung Schritt für Schritt

E-Book Existenzgründung Schritt für Schritt
Mit 3 ausführlichen Businessplänen Format: PDF

Dieser praxisorientierte Ratgeber vermittelt Schritt für Schritt, was bei der Existenzgründung zu beachten ist. Von den rechtlichen Rahmenbedingungen über die Vorbereitung der Gründung bis zur…

Employer Branding

E-Book Employer Branding
Human Resources Management für die Unternehmensführung Format: PDF

Die Kompetenz der eigenen Mitarbeiter ist das wichtigste Differenzierungsmerkmal für deutsche Unternehmen im globalen Wettbewerb. Zwei praxisorientierte Experten für Personalentwicklung versetzen Top…

Ganz einfach kommunizieren

E-Book Ganz einfach kommunizieren
Emotionale Kompetenz für Ihren Führungsalltag Format: PDF

Kommunikation ist alles - insbesondere im Führungsalltag. Nur wer seine Wirkung auf Mitarbeiter einschätzen und authentisch einsetzen kann, wird andere Menschen  überzeugen und sie für gemeinsame…

Die Personalfalle

E-Book Die Personalfalle
Schwaches Personalmanagement ruiniert Unternehmen Format: PDF

»Der Faktor Mensch bestimmt den Unternehmenserfolg« - die zentrale Managementerkenntnis wird in kaum einem Unternehmen umgesetzt. Jörg Knoblauch spricht Klartext: Wer im Vertrauen auf das Bauchgefühl…

TMS - Der Weg zum Höchstleistungsteam

E-Book TMS - Der Weg zum Höchstleistungsteam
Praxisleitfaden zum Team Management System nach Charles Margerison und Dick McCann Format: PDF

Das Buch stellt das Team Management System (TMS) der Teamerfolgsforscher Margerison/McCann erstmals auf Deutsch vor. TMS gilt als das weltweit führende Modell für Teamperformance. Das Buch benennt…

Weitere Zeitschriften

MENSCHEN. das magazin

MENSCHEN. das magazin

MENSCHEN. das magazin informiert über Themen, die das Zusammenleben von Menschen in der Gesellschaft bestimmen -und dies konsequent aus Perspektive der Betroffenen. Die Menschen, um die es geht, ...

BEHINDERTEPÄDAGOGIK

BEHINDERTEPÄDAGOGIK

Für diese Fachzeitschrift arbeiten namhafte Persönlichkeiten aus den verschiedenen Fotschungs-, Lehr- und Praxisbereichen zusammen. Zu ihren Aufgaben gehören Prävention, Früherkennung, ...

Deutsche Hockey Zeitung

Deutsche Hockey Zeitung

Informiert über das internationale, nationale und internationale Hockey. Die Deutsche Hockeyzeitung ist Ihr kompetenter Partner für Ihr Wirken im Hockeymarkt. Sie ist die einzige ...

Dr. med. Mabuse

Dr. med. Mabuse

Zeitschrift für alle Gesundheitsberufe Seit über 40 Jahren sorgt die Zeitschrift Dr. med. Mabuse für einen anderen Blick auf die Gesundheits- und Sozialpolitik. Das Konzept einer Zeitschrift ...