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Parkour & Freerunning

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AutorJan Witfeld, Ilona E. Gerling, Alexander Pach
VerlagMeyer & Meyer
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl336 Seiten
ISBN9783840311147
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis17,99 EUR
Parkour, eine aus Frankreich kommende junge Bewegungskultur, verfolgt das Ziel, möglichst effizient von einem Punkt A zu einem Punkt B zu gelangen. Dabei werden im schnellen Lauf fließend Hindernisse überwunden. Hieraus entwickelte sich das parallel existierende Freerunning. Hierbei geht es darum, möglichst kreative, außergewöhnliche, fließende akrobatische Bewegungen an einem Objekt für sich zu entwickeln und zu zeigen. Die zunehmende Zahl an Anhängern dieser beiden Bewegungskulturen Parkour und Freerunning als auch die in letzter Zeit entstandenen vielfältigeren und anspruchsvolleren Techniken verlangen eine sichere methodische Orientierung. Das vorliegende Buch enthält präzise Abbildungen zur Schulung aller Basistechniken, nachvollziehbare Übungsschritte und methodische Tipps für das Training im In- und Outdoorbereich. Alle gebräuchlichen Begriffe der Szene sind in drei Sprachen zum Nachschlagen gesammelt und aufgelistet. Geschichte, Philosophie, Verhaltensregeln,Trainingshinweise mit neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnissen, Interviews aus der Szene zu Motiven und zu Trends, Hinweise für die Schule und Erläuterungen zu Wettkämpfen und Wettkampfkriterien sind einige Beispiele für die Inhalte des Buchs. Ergänzt wurde die 3. Ausgabe um einen Trainingsparkour für die Schule. Das Buch wird als Nachschlagewerk für alle sportbegeisterten Leser ein ständiger Begleiter sein!

Jan Witfeld ist sportlich ein Allrounder und Diplomsportwissenschaftler. Aufgewachsen mit Fußball, Tennis, Basketball und 'Aggressive Inline' hat er 2003 die Plattform Move Artistic entdeckt, zwei Jahre später Parkour und Freerunning. Eine Ausbildung als MOVE ARTISTIC COACH folgte. Ilona E. Gerling ist langjährige Dozentin für Turnen, Koordinationstraining und Erlebnissport an der Deutschen Sporthochschule Köln. 2003 entdeckte sie Parkour für sich und bot es seitdem als erste Unidozentin ihren Sportstudentinnen/-studenten an. Auf dem Deutschen Turnfest in Berlin 2005, auf der Turnfestakademie und als Showteil anlässlich der dortigen internationalen Soirée stellte Ilona Gerling dem Deutschen Turner-Bund Parkour vor. Alexander Pach ist ehem. Turner der Ersten Bundesliga. Nach seiner sportlichen Karriere studierte er an der Deutschen Sporthochschule in Köln und unterrichtete hier als Lehrbeauftragter. Er ist Gründer eines der ersten Trainingszentren für Parkour und Freerunning weltweit.

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Leseprobe

A   Theorie

1     Zur Entwicklungsgeschichte von Parkour & Freerunning

Parkour & Freerunning haben ihren gemeinsamen Ursprung in Frankreich. Beide Bewegungsphilosophien sind in einer kleinen Gruppe von Jugendlichen entstanden und haben sich über die Medien, insbesondere das Internet, in der ganzen Welt verbreitet. Die Entstehung der Parkour-Bewegung wird dem Franzosen David Belle zugeschrieben (Archard, 1998; Desbois, 1999). Sébastien Foucan wird als der Begründer des Freerunnings angesehen.

Die Entwicklungsgeschichte von Parkour & Freerunning hat viele Facetten und birgt viele Namen. Wir möchten die Entwicklungsgeschichte mit der „Méthode naturelle“ beginnen, einer Trainingsmethode, die als körperliche und geistige Trainingsbasis der Bewegungskunst Parkour angesehen wird.

1.1    Georges Hébert und seine „Méthode naturelle“

Die Entwicklungsgeschichte beginnt mit der Trainingsmethode „Méthode naturelle“ (deutsch: „natürliche Methode“), die oft als historische und philosophische Grundlage der Bewegungsform Parkour verstanden wird (Desbois, 1999; Foucan, 2008; Atkinson, 2009).

Die „Méthode naturelle“ oder auch „hébertisme“ genannt, entstand Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Trainingsphilosophien des französischen Marineoffiziers Georges Hébert (1875-1957). Er war ein Befürworter von lebenslangem körperlichen Training, um agil und als Mensch für die Gruppe nützlich zu sein. Hébert war in diesem Zusammenhang besonders beeindruckt von den körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Menschen auf dem afrikanischen Kontinent, denen er während seiner Reisen begegnete. „Er erkannte, dass einzig und allein das Leben in und mit der Natur die Körper dieser Menschen flexibel, beständig und widerstandsfähig gemacht hatte und ihre Bewegungen geschickt und flink erscheinen ließ“ (Hess & Hess, 2007 – Parkour Asociation Germany).

1902 war Hébert in St. Pierre auf der Insel Martinique stationiert, als die Region Opfer eines Vulkanausbruchs wurde. Hébert koordinierte damals eigenhändig die Evakuierung von nahezu 700 Menschen eines nahe gelegenen Dorfes. Diese Erfahrung hinterließ eine tiefe Wirkung und bestärkte ihn in seinem Glauben, dass körperliche Stärke und Geschicklichkeit mit Mut und Selbstlosigkeit einhergehen müssen, um für die Gemeinschaft nützlich zu sein (Atkinson, 2009).

Nach seiner Rückkehr nach Frankreich unterrichtete Hébert an der Universität Reims, wo er seinen, zur damaligen Zeit, bahnbrechenden körperkulturellen Lebensstil einführte. Sein Training bestand aus Laufen, Rennen, Springen, Klettern, Balancieren, Werfen, Heben, Sich-Verteidigen und Schwimmen. Er lehrte diese körperlichen Fähigkeiten allerdings nicht isoliert voneinander, sondern versetzte seine Studenten in ein natürliches Terrain, verbunden mit einem Dauerlauf über 5-10 km.

Hébert war davon überzeugt, dass ein Training der Bewegungsformen in komplexen natürlichen Gegebenheiten seine Studenten befähigen würde, Ausdauer-, Kraft- und Schnelligkeitsfähigkeiten in jedem geografischen Terrain und in jeglichen Situationen anwenden zu können. Konkurrenzkampf hielt er für eine Ablenkung vom eigentlichen Kerngedanken seiner Trainingsprinzipien (Hess & Hess, 2007). Um seine Trainingsprinzipien zu lehren, entwickelte er später eine Reihe von Übungen und Geräten, die die natürlichen Gegebenheiten ergänzten.

Georges Hébert war damit einer der Ersten, der ein Training von Fortbewegungstechniken und das körperliche Training durch Hindernisparcours aus nicht militärischen Gesichtspunkten propagierte.

Der heutige subkulturelle Begriff Parkour hat demnach seine Wurzeln (vgl. Abb. 1 S. 25) in Héberts Gebrauch des Begriffs „parcours“ (Atkinson, 2009) und im Begriff des französischen Militärs „parcours du combattant“ (Foucan, 2008). Damit könnte das heutige moderne Erscheinungsbild der Disziplin Parkour auch als eine spezielle urbane Interpretation der von Georges Hébert entwickelten Trainingsprinzipien verstanden werden.

In der Tat hatte die „Méthode naturelle“ als Trainingsmethode einen speziellen Einfluss auf das militärische Training von Soldaten in den 60er Jahren. Während des Indochinakriegs waren französische Soldaten von Héberts Trainingsmethode und seiner Philosophie zur körperlichen, mentalen und emotionalen Entwicklung inspiriert. Sie nutzten dieses Prinzip, um ihre Fluchttechniken im Dschungel zu perfektionieren (Atkinson, 2009).

Einer dieser Soldaten war der junge Raymond Belle, der Vater von David Belle (vgl. Kap. 1.3).

1.2    Die Reformpädagogik im beginnenden 20. Jahrhundert und das „natürliche Turnen“

Die Reformpädagogik in dem Zeitfenster von 1890-1940, in der auch in Frankreich Georges Hébert (1875-1957) wirkte, beinhaltete in vielen Feldern eine Reform pädagogischer Konzepte, so auch in dem des freien Bereichs und im schulischen Bewegungsbereich. Es war eine internationale Erscheinung, die sich vor allem in industrialisierten Ländern und in Großstadtkulturen zu entwickeln begann. Der Hauptgegenstand dieser Bestrebungen war das Kind. Die Kinder sollten nicht mehr Objekte der Erziehung sein, sondern die Individualität jedes einzelnen Kindes sollte fortan im Vordergrund stehen. Es sollte eine „Erziehung vom Kinde aus“ werden, die die Eigenverantwortung und Autonomie der Schüler als Bildungsziele formulierte. Nicht nur eine „Verstandsbildung“, sondern die Entwicklung aller Leistungsfähigkeiten der Kinder und Jugendlichen sollten Zielsetzungen der neuen Pädagogik werden.

Die „Spiel- und Sportbewegung“ in Europa führte in den Schulen um 1920 weg von den strengen, systematischen Turnübungen hin zur „Leibeserziehung“.

Die in dem Kind angelegten Bewegungsmöglichkeiten, -fähigkeiten und -fertigkeiten sollten besser entwickelt werden. Das natürliche Bewegungsbedürfnis der Kinder sollte Ausgangspunkt neuer Modelle in der Bewegungserziehung werden.

„Das von den österreichischen Schulreformern Karl Gaulhofer (1885-1941) und Margarete Streicher (1891-1985) entwickelte reformpädagogische Konzept des natürlichen Turnens und der Leibeserziehung setzte sich auch rasch in Deutschland durch. „… Es kam nicht mehr darauf an, stilgerecht zu turnen, schwimmen, laufen und werfen zu können, …sondern die Schülerinnen und Schüler sollten ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten an spezifischen Bewegungsaufgaben entwickeln können…“ (Krüger, 2002, S. 24). Die reformpädagogischen Prinzipien forderten die „Kind- und Naturgemäßheit“ der Bewegungsaufgaben, hoben die Individualisierung – im Kontext der Gemeinschaftserziehung – hervor und stellten die Selbsttätigkeit der Schüler in den Vordergrund. Das natürliche Turnen war eine „Leibesübung“, wobei das eigentliche Bildungsziel der ganze Mensch war. Bewegungsaufgaben sollten auch die Kreativität fördern und fehlerhafte Bewegungen waren sogar wichtig, „um die Richtigkeit der Zweckmäßigkeit zu finden“. Gaulhofer schrieb beispielsweise: „In einer natürlichen Sprungschulung muß man überhaupt vermeiden, dem Schüler eine bestimmte Sprungweise aufzudrängen, ehe man ihm nicht Gelegenheit zu reichster Bewegungserfahrung gegeben hat“ (Gaulhofer & Streicher, 1930, S. 131). In Deutschland kam diese neue „Leibeserziehung“ den Turnern entgegen, weil es eine Besinnung auf alte erzieherische Ideale des Turnens nach GuthsMuths und Fr. L. Jahn bedeutete, dass zum einen Schüler nicht einfach vorgegebene Bewegungsmuster, wie im starren Wettkampf- und Kunstturnen, zu reproduzieren hatten. Zum anderen sollte eine Bildung des Heranwachsenden über Bewegungsaufgaben wieder vom Menschen ausgehen und ihn in seiner gesamten Persönlichkeit ansprechen und bilden. Natürliches Turnen ging von den (natürlichen) Grundbewegungsformen aus: laufen, springen, balancieren, klettern … Über natürliche Bewegungsaufgaben sollte jeder Schüler kreativ seine individuellen Bewegungslösungen finden, wobei wir wieder bei dem französischen Zeitgenossen Georges Hébert wären … und über ihn zu den Wurzeln vom heutigen Parkour gelangt sind: den Franzosen Raymond und seinen Sohn David Belle.

1.3    Raymond Belle

Raymond Belle wurde 1939 als Waise im heutigen Vietnam geboren. Als Kind wurde er schon in der Schule („l´école des enfants de troupe de Dalat“) als Soldat für die französische Armee ausgebildet. Etwa im Alter von 12 Jahren übte und erprobte er mit einigen...

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