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E-Book

Paul Tillich und die Religionspädagogik

Religion, Korrelation, Symbol und Protestantisches Prinzip

AutorJohannes Kubik
VerlagV&R Unipress
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl391 Seiten
ISBN9783862349012
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis65,00 EUR
Johannes Kubik analysiert in diesem Band die Rezeption der Theologie Paul Tillichs in der Religionspädagogik. Insbesondere nimmt er die Wahrnehmung von Tillichs theologischen Zentralbegriffen »Religion«, »Korrelation« und »Symbol« in den Blick. Die Studie untersucht ferner die Texte Tillichs, in denen dieser sich selber religionspädagogisch geäußert hat. Als theologische Grundlage dieser religionspädagogischen Texte entpuppt sich Tillichs frühe Theologie der Rechtfertigung bzw. des Protestantischen Prinzips, die daher systematisch-theologisch ebenfalls einer ausführlichen Analyse unterzogen wird. Dadurch ergeben sich einerseits neue Perspektiven auf die Theologie Tillichs. Andererseits legt die Untersuchung Korrekturen an der bisherigen Tillich-Rezeption nahe und eröffnet neue Sichtweisen auf seine Bedeutung für die Religionspädagogik heute.

Dr. Johannes Kubik, geboren 1970, studierte Evangelische Theologie, Mathematik und Philosophie in Göttingen und Halle /Saale. 2010 promovierte er im Fach Theologie. Er arbeitet an einem Gymnasium in Göttingen. Von 2002 bis 2010 war er außerdem Lehrbeauftragter an der Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen.

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Leseprobe
6. Die explizit religionspädagogischen Texte Tillichs (S. 311-312)

Das Thema »Tillich und die Religionspädagogik« wäre mit den bisher behandelten Aspekten noch nicht vollständig bearbeitet. Denn über den Umstand hinaus, dass Tillich in der Religionspädagogik breit rezipiert wurde, hat Tillich auch selber religionspädagogische Texte geschrieben und sich darin explizit mit Fragen der religiösen Erziehung auseinander gesetzt. 993 Diese »explizit religionspädagogischen« Texte sollen, wie oben schon angekündigt, begrifflich unterschieden werden von »implizit religionspädagogischen Texten«, worunter solche Texte subsumiert werden, die offenkundig nicht in religionspädagogischer Intention geschrieben sind, aus denen sich aber dennoch religionspädagogische Folgerungen ableiten lassen.

Auch bei der Analyse dieser Texte soll – wie schon bei den Texten zum Protestantischen Prinzip – werkgeschichtlich vorgegangen werden, d. h. die Texte werden in der Reihenfolge ihrer Entstehung behandelt, auf weitere Texte wird verweisend eingegangen. Das Prinzip, systematische und historische Aspekte zu verschränken, ist auch hier sinnvoll, denn auch bei diesen Texten liegen im Zeitraum ihrer Entstehung z.T. gravierende biographische Änderungen, wie Tillichs Emigration in die USA; außerdem handelt es sich erneut um völlig verschiedene Genres, sodass auch hier die Aussagen Tillichs im Kontext berücksichtigt werden müssen und nicht einfach kommentarlos nebeneinander gestellt werden können.

In diesem Kapitel geht es darum, die explizit religionspädagogischen Texte zu rekonstruieren, und zwar im Horizont des Gesamtwerkes Tillichs. Nur eine solche Rekonstruktion kann es ermöglichen, in einem zweiten Schritt (im folgenden Kapitel) Folgerungen für den Religionsunterricht heute aus Tillich zu ziehen, die zwar explorativ-extrahierenden Charakter haben, aber dennoch nicht spekulativ sind, sondern von seinem Gesamtwerk her abgesichert.

6.1 Religionsunterricht vom Protestantischen Prinzip her – »Zum Problem des evangelischen Religionsunterrichts« (1931)

In diesem 1931 erschienenen Text kann Tillichs erste explizite Stellungnahme zu religionspädagogischen Fragestellungen erblickt werden. Er ist nur drei Seiten lang, enthält aber trotzdem sehr weit reichende Aussagen, freilich nur zum Unterricht in der Oberstufe (vgl. GW 9, 233). Tillichs Überlegungen zu religionspädagogischen Fragestellungen und zum Religionsunterricht werden zu diesem Zeitpunkt vollständig von seiner Theologie des Protestantischen Prinzips geleitet: Sein Anliegen in diesem Text ist es, einen spezifisch protestantischen Religionsunterricht zu charakterisieren, bei dem »protestantisch« nicht als Konfessionsangabe, sondern im Sinne des »Protestantischen Prinzips« als ein zeitloses Prinzip verstanden wird.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Title Page3
Copyright4
Inhalt5
Vorwort11
1. Einleitung13
1.1 Der Ausgangspunkt13
1.2 Untersuchungsvorhaben und Forschungsstand17
1.3 Aufbau der Arbeit29
Erster Hauptteil: Die Aneignung der Tillichschen Begriffe Religion, Korrelation und Symbol31
2. Die Aneignung des Tillichschen Religionsbegriffes33
2.1 Die Aneignung des Tillichschen Religionsbegriffes bei Hubertus Halbfas35
2.1.1 Bezugnahmen auf Tillich außerhalb der Fundamentalkatechetik und der Aufsätze »Revision der religiösen Erziehung«36
2.1.2 Die Öffnung des Religionsbegriffes39
2.1.3 Die Einebnung des Gegensatzes zwischen Religion und Offenbarung41
2.1.4 Die Qualität der Sprache als das spezifisch Religiöse an der religiösen Sprache42
2.1.5 Religiöse Mitteilung43
2.1.6 Die Ausweitung des Offenbarungsbegriffes45
2.1.7 Ertrag49
2.2 Siegfried Vierzigs Weise der Bezugnahme auf Tillich50
2.3 Stationen der frühen Kritik an der Aneignung des Religionsbegriffs Tillichs54
2.4 Die Aneignung des Religionsbegriffes im »Handbuch der Religionspädagogik«62
2.5 Die Kritik Nipkows an der Grundlegung der Religionspädagogik im Religionsbegriff in seinen »Grundfragen der Religionspädagogik«69
2.6 Die Kritik Werner H. Ritters an der Aneignung des Tillichschen Religionsbegriffes und sein Gegenentwurf77
2.6.1 Die Kritik Ritters an der Ausweitung des Religionsbegriffes78
2.6.2 Ritters eigene Tillichrezeption83
2.6.3 Das eigentliche Anliegen der Kritik Ritters91
2.7 Ertrag95
3. Die Aneignung des Tillichschen Korrelationsbegriffes99
3.1 Stationen der frühen Aneignung des Tillichschen Korrelationsbegriffes100
3.1.1 Die frühe kritische Sicht des Korrelationsbegriffes100
3.1.2 Die Aneignung des Korrelationsbegriffes im Synodenbeschluss108
3.1.3 Die Aneignung des Korrelationsbegriffes im Zielfelderplan112
3.1.4 Ertrag116
3.2 Darstellung der systematischen Probleme in der Geschichte der Korrelationsdidaktik119
3.2.1 Darf die Botschaft verändert werden? – Die »Frage der Fragen«120
3.2.2 Wie erhebt man die Fragen?123
3.2.3 Ist die Korrelation immer schon da oder muss sie hergestellt werden?125
3.2.4 Das Problem des Zweifels innerhalb der Korrelationsdidaktik128
3.2.5 Probleme der Unterrichtsgestaltung129
3.3 Ansätze zur Lösung der systematischen Probleme von Tillich selber her131
3.4 Ertrag142
4. Die Aneignung des Tillichschen Symbolbegriffes147
4.1 Die Aneignung des Symbolbegriffes bei Peter Biehl147
4.1.1 Die Einsicht, dass prinzipiell jedes Ding ein Symbol werden kann149
4.1.2 Die phänomenologische Beschreibung von Symbolen151
4.1.3 Die Strukturierung religiöser Symbole in drei Unterkategorien und ihre Leistung bei der Symbolauswahl für die Verwendung im schulischen Unterricht153
4.1.4 Die Einsicht in die ambivalente Wirkung von Symbolen157
4.1.5 Die Zentralstellung des Symbols Kreuz158
4.1.6 Symbol und Zeichen160
Exkurs: Systematische Analyse der Kritikpunkte Meyer-Blancks164
4.2 Elemente der Abgrenzung Biehls von Tillich177
4.2.1 Das Problem der Sondersprache für Symbole181
4.2.2 Das Problem der Symbole als Sprachform der Offenbarung183
4.2.3 Das Problem der Möglichkeit empirischer Kritik an Symbolen187
4.2.4 Das Problem der Abschottung der theologischen Symboltheorie gegen die Humanwissenschaften190
4.2.5 Das Problem der ontologischen Grundlegung der Wahrheit der Symbole192
4.3 Ertrag195
4.4 Die Aneignung des Symbolbegriffes bei weiteren Symboldidaktikern197
Zweiter Hauptteil: Tillichs explizit religionspädagogische Texte und ihre Grundlegung in seinem Verständnis des Protestantischen Prinzips203
5. Das Verständnis des Protestantischen Prinzips bei Tillich bis 1930205
5.1 Die Notwendigkeit einer Untersuchung der Bedeutung des Protestantischen Prinzips bei Tillich205
5.1.1 Gründe von der Tillichrezeption her205
5.1.2 Gründe von Tillich selber her211
5.1.3 Einleitung zum methodischen Vorgehen213
5.2 Rechtfertigung als Vermittlungsprinzip mit organisierender Funktion – Die theologische Schellingdissertation von 1910215
5.2.1 Tillichs Interpretation der Rechtfertigung als vermittelndes Prinzip216
5.2.2 Die Rechtfertigung als formales Prinzip mit organisierender Funktion221
5.2.3 Ertrag222
5.3 Rechtfertigung als Autonomieprinzip im Zusammenhang mit der Gewissheitsfrage – die Kasseler Konferenz 1911223
5.3.1 Einführung223
5.3.2 Die tatsächliche Ungewissheit über den historischen Jesus225
5.3.3 Die notwendige Ungewissheit über den historischen Jesus228
5.3.4 Die geistphilosophische Reformulierung von Rechtfertigung und Christologie230
Exkurs: Intellektuelle Werkgerechtigkeit bei Wilhelm Herrmann231
5.3.5 Ertrag235
5.4 Rechtfertigung als theologisches Paradox – Die frühe Systematische Theologie von 1913237
5.4.1 Die wahrheitstheoretische Grundlegung238
5.4.2 Die prinzipielle Bedeutung von Christologie und Rechtfertigung241
5.4.3 Die Fortführung der Paradoxchristologie Kierkegaards247
5.4.4 Ertrag251
5.5 Die subjektivitätstheoretische Vertiefung des Rechtfertigungsgedankens – der frühe Briefwechsel mit Hirsch 1917./18252
5.5.1 Einführung252
5.5.2 Rechtfertigungsuniversalismus als Folge des Sinnmonismus254
5.5.3 Die Einsicht des selbstreferentiellen endlichen Geistes in die Notwendigkeit der Rechtfertigung260
5.5.4 Ertrag263
5.6 Rechtfertigung als Befreiungsprinzip im Kontext der Christologie – die Auseinandersetzung mit Barth und Gogarten von 1923./24264
5.6.1 Tillichs Verhältnis zum frühen Karl Barth265
5.6.2 Die Verschärfung des Paradoxgedankens268
5.6.3 Die Wendung zur Rechtfertigungsthematik271
5.6.4 Ertrag273
5.7 Rechtfertigung als Durchbruch der Grundoffenbarung – »Rechtfertigung und Zweifel« (1924)274
5.7.1 Tillichs Zeitdiagnose275
5.7.2 Die Anwendung der Rechtfertigung auf den Zweifel als religionsgeschichtliche Notwendigkeit276
5.7.3 Tillichs Begriff des Zweifelns278
5.7.4 Der analoge Aufbau der Rechtfertigung des Zweiflers280
5.7.5 Die Abhängigkeit von Kähler285
5.7.6 Der Charakter der Grundoffenbarung287
5.7.7 Ertrag292
5.8 Rechtfertigung als universalisiertes protestantisches Prinzip – »Religiöse Verwirklichung« (1930)294
5.8.1 Die Hypostasierung der Rechtfertigung zum »Protestantischen Prinzip«294
5.8.2 Die Fassung des Protestantischen Prinzips als »Verkündigung der menschlichen Grenzsituation«297
5.8.3 Die Abwehr jeglicher Art von Sicherungen299
5.8.4 Protestantische Verkündigung301
5.8.5 Dimensionen der Verallgemeinerung302
5.8.6 Ertrag304
5.9 Ertrag306
6. Die explizit religionspädagogischen Texte Tillichs311
6.1 Religionsunterricht vom Protestantischen Prinzip her – »Zum Problem des evangelischen Religionsunterrichts« (1931)312
6.2 Was kann schulischer Religionsunterricht leisten? – »Religion und Erziehung« (1941)319
6.3 Annahme als Voraussetzung für gelingende Erziehung – »Creative Love in education« (1949)326
6.4 Das Zielen auf die universelleren Fragen – »Communicating the gospel« (»Die Verkündigung des Evangeliums«) (1952)329
6.5 Die fundamentale Bedeutung humanistischer Erziehung heute – »Theologie der Erziehung« (1959)333
6.6 Ertrag339
7. Schluss: Tillich und die Religionspädagogik heute343
7.1 Bleibendes aus der Aneignung der Begriffe Religion, Korrelation und Symbol343
7.2 Die Bedeutung des Protestantischen Prinzips für die Religionspädagogik347
7.3 Die Bedeutung der explizit religionspädagogischen Texte für die Religionspädagogik351
7.4 Die inneren Zusammenhänge von Religion, Korrelation und Symbol sowie ihr Zusammenhang mit dem Protestantischen Prinzip356
Literaturverzeichnis365

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