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Persönlichkeiten statt Tyrannen

Oder: Wie junge Menschen in Leben und Beruf ankommen

AutorIsabel Thielen, Michael Winterhoff
VerlagGütersloher Verlagshaus
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl224 Seiten
ISBN9783641044480
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis8,99 EUR
Wenn die »Tyrannen« erwachsen werden
- Wie Jugendliche nachreifen und im Berufsleben Fuß fassen können
- Hilfen für Eltern, Lehrer, Arbeitgeber, Berufsbildungseinrichtungen
- Die logische Weiterentwicklung der erfolgreichen Vorläuferbände
- Die fruchtbare Zusammenarbeit zweier Fachleute, die sich perfekt ergänzen
Die jungen Menschen werden größer, die Probleme von Tyrannei verändern sich. Der dritte Band aus der Werkstatt des Michael Winterhoff befasst sich mit Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein. Dazu hat Winterhoff die Psychologin und Personalerin Isabel Thielen ins Boot geholt. Gemeinsam erarbeiten die beiden auf der Basis ihrer jeweiligen Kern- und Feldkompetenz Ansätze und Verfahrensweisen, mit denen psychisch nicht entwickelte Heranwachsende für die Anforderungen im Berufsleben fit gemacht werden können. Die Fallbeispiele kommen direkt aus dem Arbeitsleben (Bewerbungsgespräche, alltägliche Bürosituationen, Vorfälle im Betrieb, Berufsschulerlebnisse) bzw. aus dem Beziehungsalltag von Eltern und heranwachsenden Jugendlichen.
Ein konstruktiver Ratgeber, der die Thesen von Michael Winterhoff weiterentwickelt und in den Teilbereich der Arbeitspsychologie transferiert. Ein Muss für jeden Betrieb und alle, die mit heranwachsenden Jugendlichen Probleme haben.


Dr. Michael Winterhoff, geboren 1955, Dr. med., ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Psychotherapie in Bonn. In seinen bisherigen sehr erfolgreichen Büchern analysiert er gesellschaftliche Entwicklungen mit Schwerpunkt auf den gravierenden Folgen veränderter Eltern-Kind-Beziehungen für die psychische Reifeentwicklung junger Menschen und bietet Wege aus diesen Beziehungsstörungen an. Winterhoff lebt und arbeitet in Bonn.

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Leseprobe
Kapitel 7 Was vor der Bewerbungsphase geschehen muss – Änderungen in den Konzepten der Kindergarten- und Schulzeit (S. 96-97)

Der amerikanische Historiker Philipp Blom wurde kürzlich nach dem Unterschied zwischen den Jahrhundertwenden 1900 und 2000 befragt:

 »Blom sieht Parallelen und Unterschiede zu heute. Auch der Beginn des 21. Jahrhunderts habe das Leben in einem großen Schub verdichtet und beschleunigt, ebenfalls durch neue Technik: das Internet, mehr noch die Kombination von Internet und Handy. Der Unterschied sei, dass der Beginn dieses Jahrhunderts keine Hoffnung auf die Zukunft hervorgebracht habe. Blom sagt einen traurigen Satz: ›Wir wollen keine Zukunft, wir wollen eine Gegenwart, die nicht mehr aufhört.‹ Nicht, dass diese Gegenwart so schön sei. Die Menschen fürchteten, dass es noch schlimmer kommen könne.«

Bis zu dieser Stelle ist bereits viel über Auszubildende gesagt worden, über Betriebe, Chefs, Ausbilder und das Berufsleben im Allgemeinen. Würden wir damit dieses Buch beschließen, begingen wir den gleichen Fehler, der sich im Denken unserer Gesellschaft so breitgemacht hat, dass wir ihn bereits für Normalität halten. Es geht dabei um die Denkrichtung. Heutiges Denken zeichnet sich vielfach dadurch aus, dass es im Grunde gar keine Richtung mehr hat. Wir leben nur noch im Moment, nehmen wahr, was die Aktualität uns aufzwingt, und vermeiden sowohl den Blick in die Zukunft als auch den in die Vergangenheit.

Das hat sehr viel mit dem bereits erwähnten Hamsterrad zu tun, in dem wir uns in der modernen Welt befinden. Unsere Psyche reagiert dabei trotz des uns umgebenden großen Wohlstands und relativ großer Sicherheit im Leben, als wenn eine Katastrophe eingetreten wäre. Dieses Katastrophendenken zeichnet sich dadurch aus, dass man 24 Stunden am Tag nur darauf konzentriert ist, das zu retten, was zu retten ist. Man ist immer in Bewegung, hält nicht inne und verliert die Orientierung in Raum und Zeit. Unsere psychische Verfassung nähert sich seit einiger Zeit diesem Zustand an.

Sie registriert nur noch Anforderung auf Anforderung und ist damit letztlich überfordert. Für das Denken bedeutet das: Perspektivisches Denken, das einerseits Rückschlüsse aus dem vergangenen Geschehen, andererseits auch Überlegungen für zukünftige Notwendigkeiten berücksichtigt, wird so gut wie eliminiert. Kennzeichen dieses Denkstils ist das schon häufiger kritisierte Symptom orientierte Denken, das immer weitere Verbreitung findet. Man registriert dabei vielleicht auch mal eine Abweichung von der Norm, interessiert sich jedoch nicht für die Ursachen, sondern versucht, sofort Maßnahmen zu entwickeln, welche die Symptome beseitigen. »Aus den Augen, aus dem Sinn« heißt die Devise – nur nicht näher mit dem Problem beschäftigen!
Blick ins Buch

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