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Philosophische Grundbegriffe für Dummies

AutorChristian Godin
VerlagWiley-VCH
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl205 Seiten
ISBN9783527667826
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis7,49 EUR


Christian Godin unterrichtet Philosophie an der Universität von Clermont-Ferrand. Er ist außerdem Autor von 'Die Geschichte der Philosophie für Dummies' und 'Philosophen und Werke für Dummies'.

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Leseprobe

D

Dämon. In alter Zeit hatte dieser Begriff nicht den satanischen Beigeschmack, den das Christentum ihm später verlieh. Der Dämon des Sokrates (Daimonion) war eher ein guter Geist, ein anständiger Kerl, der den Philosophen immer warnte, wenn er in Gefahr war, eine Dummheit zu begehen. Aus heutiger rationalistischer Sicht könnte man diesen »Dämon« als eine Verkörperung des »moralischen Gewissens« deuten, oder – aus psychoanalytischer Sicht – als das →»Über-Ich«.

Darwinismus (nach dem englischen Naturwissenschaftler Charles Darwin). Evolutionistische Auffassung, wie sie von Charles Darwin in seinem Werk Über die Entstehung der Arten (1859) vertreten wurde.

Der Darwinismus stützt sich auf den Gedanken von der natürlichen Auslese: Alle lebenden Arten streben danach, so viel Raum wie möglich für sich zu beanspruchen und sich so zahlreich wie möglich fortzupflanzen. Nun aber sind die natürlichen Ressourcen begrenzt. So kommt es zu einem Kampf zwischen den Arten und Individuen auf ein- und demselben Raum. Die am besten ausgestatteten und anpassungsfähigsten haben die größte Chance, zu überleben und sich fortzupflanzen. In einem natürlichen Umfeld hat ein Individuum mit einem Handicap keine Chance, zu überleben und sich fortzupflanzen, während ein Individuum mit gewissen Vorzügen dazu gute Chancen hat. Eine zufällige Mutation wird, je nachdem, ob sie vorteilhaft oder hinderlich ist, entweder bestehen bleiben oder eliminiert werden.

Dauer. Ein bestimmter Zeitabschnitt (die Dauer eines Films oder eines Fußballspiels und so weiter).

Bergson unterschied zwischen der konkreten Dauer einer Sache, die dem Leben und dem →Bewusstsein innewohnt, und der abstrakten →Zeit der Armbanduhren, der Intelligenz und der Wissenschaft.

Deduktion. Art der Argumentation, bei der aus einer allgemeinen Aussage (zum Beispiel einem Axiom oder Prinzip) eine Konsequenz gezogen wird. Aus zwei oder mehr Prämissen wird logisch eine Konklusion deduziert und damit Schlüsse vom Allgemeinen auf das Besondere gezogen. Ein Mathematiker geht deduktiv vor.

Deismus. Der Glaube an einen Gott oder ein göttliches Prinzip, der sich von denen der organisierten Religionen unterscheidet. Der Deismus geht davon aus, dass religiöser Glaube und religiöse Praxis auf Aberglauben beruhen und die Menschen nur gegeneinander aufbringen. Das führt zu der Idee einer Reinigung der Religionen, um nur das Wesentliche beizubehalten (die Existenz Gottes und der Seele, die Notwendigkeit, Gutes zu tun). Synonym für »natürliche Religion«.

Ein wichtiges Merkmal des Deismus ist es, dass er – im Gegensatz zum →Theismus – von einem Gott ausgeht, der nicht in das Weltgeschehen eingreift. Gott hat die Welt zwar erschaffen, sie dann aber sich selbst überlassen.

Demagogie (vom griechischen Wort demos, Volk, und einem ebenfalls griechischen Verb, das so viel bedeutet wie »führen«). Abwertende Bezeichnung für eine Reihe von Verführungs- und Manipulationspraktiken, die sich zur Erreichung ihres Ziels gefälliger und schmeichelhafter Parolen und Versprechungen bedienen. Zeitweise hatte der Begriff jedoch auch eine positive Bedeutung, und bezeichnete begabte Redner.

Für Denker, die ebenso entschieden gegen die Demokratie waren wie Platon, stellt die Demagogie eine wichtige Form der Demokratie dar. Und in der Tat gibt es nur sehr wenige Politiker, die zwecks Machterlangung höhere Steuern und mehr Kriminalität in Aussicht stellen.

Demokratie (setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen, die »Volk« und »Macht« bedeuten). Es gibt Lincolns berühmte Definition, derzufolge Demokratie eine Regierung »des →Volkes, durch das Volk und für das Volk« ist. Was bedeuten würde, dass es niemals je eine Demokratie gegeben hat und dass es sie im Laufe der Menschheitsgeschichte wohl auch nie geben wird. Denn selbst wenn die Regierung so gut wie der gesamten Bevölkerung grundlegende Freiheiten einräumt (die Freiheit, sich zu informieren, sich zu äußern, zu wählen etc.), kann trotzdem von einer Regierung des Volkes nicht die Rede sein.

In etwas bescheideneren Worten lässt sich Demokratie definieren als eine Regierungsform, die weder monarchistisch noch aristokratisch ist. In dieser abgemilderten Version kann man mit dem Ökonomen Joseph Alois Schumpeter sagen, die Demokratie sei ein System, das es einer kleinen Minderheit von Menschen ermöglicht, ohne Gewalt an die Macht zu kommen. Und in der Tat, die derzeitige Bundeskanzlerin musste weder ihren Vorgänger noch ihren Konkurrenten ermorden, um an ihr Amt zu kommen.

Man unterscheidet zwischen der direkten Demokratie, in der die Volksgemeinschaft dazu ermächtigt ist, ihre Gesetze selbst zu verabschieden und die betreffenden Entscheidungen zu fällen, und der repräsentativen Demokratie, in der das zu zahlreiche, zu weitgestreute und zu beschäftigte Volk eine bestimmte Anzahl von Vertretern delegiert – die sogenannten Abgeordneten, die dann das Volk in allen Bereichen repräsentieren. Die partizipative Demokratie ist eine Vorstellung, die darum bemüht ist, den Mittelweg zwischen direkter und repräsentativer Demokratie zu gehen.

Marx unterscheidet außerdem zwischen der formalen Demokratie, bei der es um die Bürgerrechte geht und die nur theoretische Rechte einräumt, und der realen Demokratie, die sich auf ein Minimum an sozialer Gerechtigkeit stützt. Diese Definition eignete sich in den totalitären kommunistischen Staaten hervorragend dazu, das Fehlen einer formalen, sprich einer ganz normalen Demokratie, zu rechtfertigen.

denken. Eine Gabe, die nur der Mensch hat. Denken besteht in der Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit nach innen zu richten und mentale Bilder zu erzeugen, was man synonym mit den Begriffen Geist oder Intelligenz ausdrücken könnte.

Kant betont dabei den künstlichen Charakter des Denkens. Während die Empfindungen vielfältig und verschiedenartig sind, ist das Denken eine vereinheitlichende Kraft. Denken, das bedeutet immer Verbindungen herzustellen.

Denken kann →diskursiv sein (wenn man logisch argumentiert) oder auch →unmittelbar (das nennt man dann Intuition).

Denotation. Die Eigenschaft eines Wortes oder Begriffs, die sich auf alle Objekte ausdehnen lässt, auf die sich dieses Wort bezieht. So erstreckt sich zum Beispiel die Denotation des Begriffs Freiheit auf alle tatsächlich feststellbaren Freiheiten. Synonym für Designation.

Deontologie (von zwei griechischen Wörtern abgeleitet, die »Pflicht« und »Reden« bedeuten). Der Begriff stammt von dem englischen Philosophen Jeremy Bentham, dem Erfinder des Utilitarismus, der damit eine »Wissenschaft der Pflichten« benennen wollte.

Im Zentrum der Deontologie steht das Handeln aus der moralischen Verpflichtung heraus.

Despotismus (vom griechischen Wort despotès, Meister). Politische Regierungsform, die gekennzeichnet ist von der →Willkür- und Gewaltherrschaft eines Führers. Synonym für →Tyrannei. Bevor es die neuzeitlichen totalitären Regimes gab, war der Despotismus als Machtsystem am weitesten von der →Demokratie entfernt.

Determinismus. Gesamtheit der Kräfte, die angeblich feststellbare →Wirkungen gemäß dem Kausalitätsgesetz hervorrufen. Determinismus kann natürlicher oder historischer, physikalischer, sozialer oder psychologischer Art sein. Synonym für Determination.

Die Auffassung ist folgende: Alle Ereignisse des Universums folgen einem Gesetz der notwendigen Abfolge. Der Determinismus, der sich auf die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft stützt, bildet gleichzeitig den Gegenpart zum religiösen →Fatalismus und zum Zufallsdenken. Er glaubt an eine Welt, die von festen Gesetzen regiert wird.

Dialektik (vom griechischen dialectikè, was sich auf die Kunst des Diskutierens und Argumentierens bezieht). Ausgangspunkt ist ein Dialog, bei dem zwei Gesprächspartner verschiedene Positionen einnehmen. Die Dialektik ist somit gleichzeitig ein Spiel mit Worten als auch ein Spiel mit Gedanken. Dialektisch ist eine Situation immer, wenn zwischen zwei entgegengesetzten Polen eine Spannung herrscht.

Bei Platon ist die Dialektik die Ansprache der Seele an die →Ideen der verstandesmäßig erkennbaren Welt. So fügt er dem Begriff des Gegensatzes den des Aufstiegs hinzu (Platons Seele muss ein guter Kletterer gewesen sein).

Bei Aristoteles und auch später bei Kant wird das Wort »dialektisch« in weniger erhabenem Sinne aufgefasst – ihnen geht es um den Vergleich zur →Logik. Während die Logik die Wissenschaft der →Schlussfolgerung von Dingen ist, die gewiss sind, geht es bei der Dialektik nur um das Schlussfolgern von Wahrscheinlichkeiten. Kant geht sogar so weit, die Dialektik als eine Illusion des Verstandes zu identifizieren, sobald sie vorgibt, über metaphysisches Wissen zu...

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