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Piktogramme: Der Weg zur visuellen Weltsprache unter Einfluss von Kunst und Technologie

AutorElaine Puhek
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl96 Seiten
ISBN9783656524434
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,99 EUR
Bachelorarbeit aus dem Jahr 2013 im Fachbereich Design (Industrie, Grafik, Mode), Note: 1,3, Hochschule Mittweida (FH), Sprache: Deutsch, Abstract: 'Man kann nicht nicht kommunizieren.' Das gilt nicht nur für die verbale, sondern auch für die visuelle Kommunikation. Mit Bildern, Symbolen und Zeichen kann der Sender mit dem Empfänger (auch auf emotionaler Ebene) kommunizieren. Piktogramme sind Kommunikation - nonverbal, unmissverständlich und für jeden klar... In der Bachelorarbeit werden die Einflüsse von Kunst und Technologie auf Piktogramme ab dem 20. Jahrhundert dargestellt. Diese Einflüsse werden anhand von Analysen der Kunstgeschichte und Technologieentwicklung herausgestellt. Zudem wird eine Umfrage mit Designer ausgewählter Agenturen durchgeführt und in die Analysen eingearbeitet. Hierbei werden Designer sowohl über die zukünftige Entwicklung, als auch über die Einflüsse von Kunst und Technologie auf Piktogramme befragt. In der vorliegenden Bachelorarbeit sollen die Funktionen und Formen der Piktogramme ab dem 20. Jahrhundert erklärt werden. Darüber hinaus soll der Frage nachgegangen werden, ob der Weg zur visuellen Weltsprache beendet ist.

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Leseprobe

3 Die Geschichte des Piktogramms und seine Pioniere


 

Nachdem nun der Begriff „Piktogramm” abgegrenzt, definiert und in die Zeichenlehre eingeordnet wurde, beschäftigt sich dieses Kapitel mit der Geschichte der Piktogramme – dem Ursprung, den Gründen für die Entstehung und den Pionieren der Piktogramme.

 

3.1 Vorgeschichte


 

Dieses Unterkapitel beschreibt die Entwicklung zu den Anfängen des Piktogramms. Die Vorgeschichte wird zusammengefasst und soll einen groben Überblick geben. Mit der Urzeit wird begonnen, dann gibt es einen Übergang in die Antike und dem Mittelalter bis hin zu den Anfängen des Piktogramms, wie wir es heute kennen.

 

3.1.1 Urzeit


 

Aus der Zeit von ca. 30.000 vor Christus stammen die ersten Bildzeichen, die auch Höhlenmalereien genannt wurden. Menschen der damaligen Zeit malten in Höhlen zum Beispiel Jagdszenen, in denen piktografische Formen auftauchten. Diese waren etwa Menschen oder Tiere. Das Bestreben dem Abbild möglichst nahe zu kommen, war schon damals vorhanden – die Menschen versuchten mit verschiedenen Materialien Strukturen und Farben herzustellen. Allerdings war es aufgrund der fehlenden Technik und der Gegebenheiten schwierig, so dass der Ikonizitätsgrad gering war. Die Bedeutung dieser Bildzeichen ist schwer nachzuvollziehen, da die semiotischen Faktoren fehlen. Zudem ist zu sagen, dass piktografische Formen von damals nicht mit den Piktogrammen von heute verglichen werden können, da es den Piktogrammen an Internationalität, Systemfähigkeit und Kulturneutralität fehlt. Trotzdem können diese Bildzeichen uns Informationen über das genaue Umfeld unserer Vorfahren geben.[31]

 

Die Petroglyphen sind in Stein geschabte, gravierte Abbildungen und sind überall auf der Welt verteilt. Auf den Osterinseln fanden Archäologen diese Gravuren, die zu den ersten Kunstwerken der Menschheit zählen. Wie bei den Höhlenmalereien bleibt auch hier eine genaue Deutung der Werke aus. Trotz der Tatsache, dass die Gravuren älter als die Höhlenmalereien sind, sind diese weniger bekannt.[32] Der Versuch des Abbildens abstrakter klarer Formen der menschlichen Umgebung fand demzufolge schon früh statt. Daher sind Piktogramme keinesfalls nur eine neuzeitliche Erfindung, sondern ein Resultat der Entwicklung von Menschenhand erschaffenen Abbildungen.

 

3.1.2 Antike


 

Hieroglyphen sind Bildzeichen der Ägypter. Die ersten sind auf ca. 2400 v. Chr. zu datieren. Neue Botschaften konnten durch den systematischen Einsatz von verschiedenen gleichbleibenden Zeichen kombiniert werden. Das Spiel mit den Größenverhältnissen der Abbildungen stehen nicht für Perspektive, sondern für Bedeutungsgrößen. Die Entwicklung ist auch bei den Hieroglyphen noch nicht so weit fortgeschritten, da hier ebenso keine Internationalität und Kulturabhängigkeit zu bemerken sind. Dennoch gibt es Parallelen zu den heutigen Piktogrammen, denn das Ikon, also die Abbildung, hat eine tiefere Bedeutung. Das Piktogramm wird beim Empfänger als Zeichen für einen Sachverhalt gesehen. Die Bedeutung des Abbildes und nicht die Abbildung an sich steht im Vordergrund.[33]

 

Um 240 und 550 n. Chr. wurden allegorische Darstellungen entdeckt. Allegorie bedeutet in diesem Kontext, dass religiöse Vorstellungen verbildlicht wurden oder abstrakte Ideen wie z. B. Glück oder Zufriedenheit personifiziert wurden. Hierfür gilt das Gleiche im Bezug zur Darstellung der Piktogramme. Die Bedeutung der Zeichen ist allerdings schwieriger. Selbst die Menschen der damaligen Zeit, hatten damit Schwierigkeiten aufgrund der Mehrdeutigkeit der Piktogramme.[34]

 

3.1.3 Mittelalter


 

Die allegorischen Bildzeichen wurden im 12. Jahrhundert fortgeführt. Besondere Bedeutung bekamen Bildzeichen aus der Religion, wie zum Beispiel die christlichen Todsünden, die personifiziert wurden. Die Aussage durch Allegorien erfolgt indirekt und dient somit der Informationsvermittlung.[35] Es kamen neue Bildzeichen hinzu – typisch für diese Zeit waren Wappen, wie z. B. Adelswappen und Familienwappen. Diese Wappen waren im Gegensatz zu den heutigen Piktogrammen sehr viel detailgetreuer und ausformulierter. Dies liegt daran, dass sie representativ für eine Familie oder Adel stehen sollten. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass weiterhin die Kulturabhängigkeit, sowie die Zeichenhaftigkeit fehlte.[36]

 

Besonders im Mittelalter und der Antike war die Verschmelzung von Kunst und Informationsvermittlung sehr groß. Ob die bloße Abbildung, oder dessen Bedeutung an erster Stelle stand, ist oft nicht zu erkennen. Allerdings ist zu sagen, dass sowohl ein Piktogramm als auch ein Kunstwerk zu dieser Zeit (meist) eine Bedeutung hatte. Ein Piktogramm ist allerdings in der Regel leichter zu deuten als ein Kunstwerk.

 

3.1.4 Neuzeit


 

Durch die neuen technischen Erfindungen des 15. Jahrhunderts begann eine rasante Entwicklung der Menschheit und der Bildzeichen. Mit der Erfindung des Buchdrucks wurden Vignetten erfunden. Vignetten sind kleine Abbildungen, die oft ein Handwerk oder Gegenstände zeigen. Sie wurden sehr vereinfacht dargestellt und konnten durch die Methode des Buchdrucks vervielfältigt werden. Vignetten waren illustrativ oder kennzeichnend. Sie waren meist nur Abbildungen, also Ikonen ohne tiefere Bedeutung. Es fehlte den Vignetten, im Gegensatz zu den Piktogrammen, an Systemfähigkeit und dem formalen Anspruch. Besonders anfangs dienten Vignetten der Verzierung und Verschönerung und hatten demnach einen ornamentalen Charakter. Die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert verlangte einen hohen Abstraktionsgrad des Abbildes und so kamen sie den Piktogrammen optisch sehr nahe. [37]

 

3.2 Die Anfänge der heutigen Piktogramme


 

Durch die weitere Entwicklung der Technik aufgrund der Globalisierung und der Entwicklung des Verkehrs entstanden neue Bildsymbole. Erstmals wurde versucht Piktogramme zu erschaffen, die international verständlich sind. Dieses Kapitel zeigt die ersten Entwicklungen des Piktogramms, wie wir es heute kennen, auf.

 

3.2.1 Verkehrswesen


 

Durch die Erfindung des Automobils und die Erbauung eines Straßennetzes wurden Bildsymbole bedeutsamer. Im Jahre 1909 wurden sie in Paris erstmals eingesetzt. Andere Länder einigten sich auf Piktogramme, die heute noch Verwendung finden. 1927 beriet der Ausschuss des Völkerbundes über weitere internationale Verkehrszeichen. Bereits im selben Jahr wurden in Deutschland die ersten Verkehrszeichen eingeführt. Piktogramme des Straßenverkehrs sind heutzutage allgegenwärtig. Jeder kennt sie und jeder versteht die Bedeutung des Piktogramms, zumindest wenn diese erkannt und erlernt wurde. Diese Piktogramme sind sprachunabhängig und leicht verständlich. Sie haben einen starken Aufforderungscharakter, warnen oder geben klare Hinweise.

 

Wie in Kapitel 2.2.3 erklärt, ist selbst die Form und die Farbe für das Verständnis entscheidend. Demzufolge ist die Piktogrammentwicklung eng mit der Entwicklung der Verkehrszeichen verknüpft.

 

Die Entwicklung von einheitlichen Verkehrszeichen war also zum einen eng mit der Entwicklung des Piktogramms bzw. mit dem Gebrauch von piktografisch verkürzten visuellen Zeichen verbunden. Zum anderen spiegelt die Ausdifferenzierung der Verkehrszeichen während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die allgemein fortschreitende Sortierung, d.h. Kodierung von visuellen und dabei vorwiegend abstrakten Zeichen wider.“[38]

 

Das Straßenschild der heutigen Zeit (siehe Abb. 6) zeigt einen Mann, der einen Zebrastreifen überquert. Die Farbe Rot und die dreieckige Form sind symbolische Zeichen und stehen für Gefahr. Sie sollen sowohl warnen, als auch eine Aufmerksamkeit erzeugen. Die Person und der Zebrastreifen sind ikonische Abbildungen. Sie bilden mit der Umgebung ein klares Zeichen: „Vorsicht Zebrastreifen – bitte bremsen, falls Fußgänger passieren wollen”.

 

 

Abbildung 6: Zebrastreifen, Quelle: badischeZeitung/A8

 

 

Abbildung 7: Verbotsschild, Quelle: blech-Scchilder

 

Bei manchen Straßenschildern ist eine ikonische Abbildung für das Verständnis nicht nötig (siehe Abb. 7). Beispielsweise besitzt dieses Straßenschild nur die Umgebung und die runde Form und rote Farbe. Dieses Zeichen steht für die Information: „Verbot für Fahrzeuge aller Art”.[39]

 

Die Verkehrszeichen sollten nicht nur ästhetisch sein, sondern vor allem einen Sinn erfüllen, nämlich informieren. Aus diesem Grund verschmelzen künstlerische und

 

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