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Polare Gestaltungsprozesse in Kunst und Informatik an Waldorfschulen

Datentechnik und künstlerisch gestalteter Unterricht

AutorJürgen Johannes Platz
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl87 Seiten
ISBN9783638055345
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis17,99 EUR
Studienarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Pädagogik - Reformpädagogik, Note: 2, , 27 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Aus der Waldorfpädagogik ergibt sich für den Lehrer die Aufgabe, jeden Unterricht künstlerisch zu gestalten. Damit ist nicht gemeint, dass möglichst viele musische Fächer im Fächerkanon zu finden sein sollen. Auch kann es sich hierbei nicht um eine formelle Integration von künstlerischen Elementen, in den normalen Unterricht handeln. Im Kern ist es die Aufgabe, den Unterricht selbst künstlerisch zu be- und erleben. Der Unterricht wird damit zum kreativen Prozess, der sehr situativ verläuft und nicht detailliert im Voraus planbar ist. Die Fantasie von Lehrer und Schüler halten den Unterricht lebendig und impulsieren ihn. Der Lehrstoff tritt, als ein vom Lehrer zu Vermittelnder, in den Hintergrund. In der Unter- und Mittelstufe erwachen die Schüler gegenseitig aneinander zu neuen Fertigkeiten und Kenntnissen, die zunächst nicht intellektuell, sondern in einen lebendigen Prozess eingebettet, an die Seele der Kinder herangetragen werden. Der Unterricht weist dabei eine klare zeitliche Struktur auf. Gerade durch diesen klaren Rahmen, werden Freiräume geschaffen, in denen künstlerische Prozesse aufleben können. Auf Basis der anthroposophisch gewonnenen Menschenkunde, werden Unterrichtsmethode und Unterrichtsinhalte altersgerecht gewählt und eingesetzt. Die lebendig, künstlerische Unterrichtsgestaltung bleibt über alle Klassenstufen modifiziert erhalten. Die Pädagogik der Oberstufe baut auf dieser künstlerisch entwickelten seelischen Grundlage der Schüler auf. Dadurch wird eine, über das rein wissenschaftlich intellektuelle hinausgehende, Erfassung der Wissensgebiete möglich. Die ganze Wirklichkeit wird erfahren. Auf folgende Fragen soll die vorliegende Arbeit Antworten finden: 1. Können medienpädagogische Gründe den Einsatz der Datentechnik im Unterricht begründen 2. Ist der Einsatz des Computers, im menschenkundlich begründeten und künstlerisch gestalteten Unterricht, als Medium möglich? 3. Kann die Datentechnik an sich im Unterricht thematisiert werden und wie könnte dies geschehen?

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Leseprobe

3 Lerntheoretische Grundlagen


 

Nachdem die Datentechnik charakterisiert wurde, soll nun, im Hinblick auf deren potentiellen Einsatz im Unterricht, das Lernen in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt werden.

 

Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie Lernvorgänge  ablaufen.

 

Unter einer Lerntheorie ist der Versuch zu verstehen, Kenntnisse bzw. Auffassungen über das Lernen in einem einheitlichen System zusammenzufassen. Eine solche Theorie bestimmt damit einen allgemeinen Rahmen für didaktische Überlegungen.

 

Die jeweils zugrunde liegende Auffassung beeinflusst die konkrete Gestaltung von Lernsystemen. Bei dieser Gestaltung spielen besonders drei grundlegende Positionen eine Rolle: die behavioristische, die kognitivistische und die konstruktivistische Orientierung. Neben den konkurrierenden Lerntheorien ist der waldorfpädagogische Ansatz zu beleuchten, der auf anthroposophisch-menschenkundlichen Kenntnissen beruht. Diese Ansätze werden nun im Einzelnen dargestellt.

 

3.1 Behaviorismus – gesteuertes Lernen


 

Diese Theorie des Lernens reicht bis zurück zur Antike und wurde von Psychologen weiterentwickelt. Lernen wird als konditionierter Reflex angesehen, bestimmte Reize (Stimuli) führen zu bestimmten Reflexen. Der Lernprozess besteht in der Aneignung von bestimmten Stimuli-Reflexmustern (S-R-Verbindungen). 

 

Pawlow konnte mit seinen Versuchen mit „lernenden“ Tieren zeigen, dass zum Beispiel der Speichelreflex eines Hundes an das Läuten einer Glocke gekoppelt werden konnte. Diese „klassische Konditionierung“ wurde von ihm, durch neurophysiologische und biologische Fakten erklärt.

 

Auch bei Thorndike ging es um Reaktionen auf bestimmte Reize. Er untersuchte und erklärte theoretisch das Versuchs- und Irrtumslernen (trial and error). Aufgrund seiner Experimente mit Katzen formulierte er das Gesetz der Auswirkung (="law" of effect): Verhaltensweisen treten dann mit höherer Wahrscheinlichkeit auf, wenn sie in der Vergangenheit zu einem befriedigenden Resultat geführt haben.

 

Skinner und später Krauthausen entwarfen Konzepte für den „Programmierten Unterricht“. Beide beschreiben das „Operante Verhalten" im Unterschied zur „klassischen Konditionierung“ als Lernkonzept. Hierbei geht es, in gewisser Weise als Umkehrung der Pawlowschen Methode, darum, dass der Schüler agiert und dadurch eine Reaktion in der Umgebung auslöst, zum Beispiel eine Belohnung.

 

Allen behavioristischen Ansätzen ist gemeinsam, das Lernen als konditionierten Reflex zu sehen, der durch Adaption erworben wird. Obwohl diese auf einfachen Stimulus-Response-Schemata basierenden Theorien in der Wissenschaft lange Zeit vorherrschend waren, erwiesen sie sich im Hinblick auf die Erklärung des menschlichen Lernprozesses dennoch als ungenügend.

 

3.2 Kognitivismus - Lernen durch Einsicht


 

Im Unterschied zum behavioristischen Ansatz geht es beim kognitivistischen Ansatz nicht darum die richtige Antwort als Reflex anzutrainieren, sondern um das Erlernen von Methoden und Verfahren zur Problemlösung. Wird durch Einsicht ein Lösungsweg gefunden, so kann über diesen die richtige Antwort zur Fragestellung gefunden werden:  „Es geht nicht mehr darum, auf gewisse Stimuli die (einzig) richtige Antwort zu produzieren, sondern weit allgemeiner darum, richtige Methoden und Verfahren zur Problemlösung zu lernen, deren Anwendung dann erst die (eine oder mehrere) richtigen Antworten ergeben.“(Baumgartner, Payr 1999 Seite 105)

 

Der Schüler wird als Individuum begriffen. Er ist in der kognitivistischen Lerntheorie selbst aktiv tätig, in dem er, durch nachdenkende Verarbeitung von Erfahrungen einerseits und durch Bezugnahme auf gespeicherte Erfahrungen andererseits, zu neuen Erkenntnissen kommt. Lernen wird daher als Wechselwirkung eines externen Angebots mit der kognitiven Struktur verstanden.

 

3.3 Konstruktivismus – Welt wird selbst erzeugt


 

Bei dieser Lerntheorie, von der es mehrere Varianten gibt, steht die individuelle Wahrnehmung und Verarbeitung von Erfahrungen und Erlebnissen in der Umwelt im Mittelpunkt.

 

Aus Sicht dieser Theorie dienen Reize aus der Außenwelt nur als Rohmaterial, das vom Gehirn erst interpretiert und verstanden werden muss: Was wir wahrnehmen ist die Interpretation von Dingen und nicht die Dinge selbst. Im Unterschied zur kognitivistischen Lerntheorie, wird die Wirklichkeit individuell, auf der Basis des vorhandenen Erfahrungs- und Wissensschatzes sowie kognitiven Strukturen, konstruiert und organisiert. Wahrnehmung und Erkenntnis können von außen nicht steuernd beeinflusst werden: „Das Gehirn bildet nicht nur nicht in den [o.g.] Ausnahmenfällen (z.B. der optischen Täuschungen), sondern es bildet niemals Gegenstände der Außenwelt ab und kann sie auch niemals direkt erfahren .... Information wird nicht von außen ins Gehirn übertragen, sondern nach ausschließlich internen Regeln von ihm selbst erzeugt.“ (D’Avis,1999 Seite 262)

 

Daher gestattet die konstruktivistische Lerntheorie lediglich das zur Verfügungstellen von Materialien und Informationen, ohne steuernd auf deren Einsatz im Lernprozess einzuwirken. Insbesondere Lehrpläne und Rahmenrichtlinien sind mit diesem lerntheoretischen Ansatz nicht vereinbar[3].

 

3.4 Der waldorfpädagogische Ansatz


 

Hierbei handelt es sich nicht um eine weitere Lerntheorie, sondern um ein, an der menschlichen Entwicklung und am menschlichen Wesen orientiertes Lernen, Lehren und Erziehen. Je nach Alter und Entwicklungsstand des Kindes, werden auf genauer Menschenerkenntnis beruhende Erziehungsschritte unternommen, die geeignet sind, das aus dem Kind heraus zu entwickeln, was seiner aktuellen geistig-seelisch-körperlichen Reife angemessen ist. Es soll nichts Entwicklungsalter-Fremdes von Außen herangebracht werden, das zwar verstandesmäßig aufgenommen, aber das von der Ganzheit des Individuums - mit Leib, Seele und Geist  - nicht aufgenommen werden könnte.  Das Lehren und Erziehen ist ein behutsames und verantwortliches Erwecken für die Wirklichkeitserfahrung.

 

Dabei ist die Wirklichkeit, in die hinein der Schüler im Laufe seiner Entwicklung immer weiter aufwacht, keine individuelle, wie bei der konstruktivistischen Lerntheorie, sondern eine objektive. 

 

Der Lehrer wird, wenn er aus schöpferischer Phantasie heraus künstlerisch unterrichtet, immer eine positive Resonanz beim Schüler finden. Dadurch, dass der Lehrer den Lerninhalt wesensgemäß erlebt und darlebt, spricht er Leib, Seele und Geist des Schülers an, beide, Lehrer und Schüler,  begegnen sich in der einen, ganzen Wirklichkeit.

 

Das Lernen ist hier ein Prozess, der über Wahrnehmen, Tun und Fühlen zum Verstehen und Behalten führt. Durch Freude am Tun und in der rhythmischen Wiederholung werden Gefühl und Wille aktiviert.

 

Nach menschenkundlicher Sicht ist das Verstehen nicht durch die Nerven-Sinnesorganisation möglich, über dieses wird lediglich die Wahrnehmung vermittelt, sondern das Verstehen erfolgt durch das rhythmische System, in dem auch das Gefühl seine Grundlage findet. „Dadurch aber daß das rhythmische System mit dem Verstehen zusammenhängt, kommt das Verstehen in enge Beziehung mit dem Fühlen des Menschen. [...] Im Grunde genommen müssen wir die Wahrheit eines Verstandenen fühlen, wenn wir uns dazu bekennen wollen“ (Rudolf Steiner 1993, „Meditativ erarbeitete Menschenkunde“, GA 302a Seite 43-44).

 

Damit das Verstandene schließlich im Gedächtnis behalten werden kann, muss der Wille in Tätigkeit gebracht werden. Dieser hängt mit dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem zusammen. „Denn das wird nicht gut bewahrt, was nicht im Menschen so verarbeitet wird, daß der Wille in den Stoffwechsel hinein arbeitet und dadurch das Erinnerungsvermögen angefeuert wird“ (Rudolf Steiner 1993, „Meditativ erarbeitete Menschenkunde“, GA 302a Seite 45).

 

Damit geht der anthroposohisch-menschenkundliche Ansatz weit über die erläuterten lerntheoretischen Ansätze hinaus, da hier der ganze Mensch in den Lernprozess einbezogen ist - mit Leib, Seele und Geist.

 

3.5 Zusammenfassung


 

Die Praxis hat gezeigt, dass ein gesunder Lernprozess nur stattfindet, wenn der Schüler sich innerlich von dem Lerninhalt ergriffen fühlt, ansonsten prallen die äußeren Stimuli von ihm ab und die Unterrichtsinhalte verlieren sich im Nichts. Die Aufgabe des Lehrers ist es, über eine innere Ansprache den Schüler so zu motivieren, dass der Schüler den Lerninhalt mit einem persönlichen Ziel verbinden kann und dadurch sich das Lernen zur eigenen Aufgabe macht. Dadurch bleibt das erworbene Wissen lebendig und kann im Bedarfsfall angewandt werden[4].

 

Die behavioristische Lerntheorie basiert auf einfachen Stimulus-Response-Schemata und erwies sich im Hinblick auf die Erklärung des menschlichen Lernprozesses als...

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