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Politainment als Ursache für die Reduktion von Objektivität in der Kriegsberichterstattung

Eine Vergleichsanalyse des politischen und journalistischen Einflusses auf Objektivitätskriterien in den USA und Europa

AutorTamara Renner
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl113 Seiten
ISBN9783640211630
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis10,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation, Note: 2,0, Fachhochschule St. Pölten, 141 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Der ungehinderte Zugang zur Information mit Hilfe der Massenmedien hat nicht nur die Arbeit der Journalisten und die Rezeption der Zuschauer verändert, sondern diesen Informationskanal für die Politik interessant gemacht. Die Machtausübung und die Manipulationsmöglichkeiten mit Hilfe der Massenmedien bzw. in diesem speziellen Fall des Fernsehens, werden besonders im Rahmen der Kriegsberichterstattung deutlich. Durch die Ausnahmesituation Krieg werden nicht nur der enorme politische Einfluss auf TV-Stationen, die veränderten Informationsbedürfnisse der Rezipienten oder die journalistischen Einflüsse auf die Nachricht transparenter. Ein emotionales Arbeitsumfeld wie im Krieg macht den eigentlichen Verlust der Information und somit die sukzessive Reduktion der Objektivität erkennbar. Die Verfasserin konzentriert sich in der vorliegenden Arbeit auf die Objektivitätsreduktion in der Kriegsberichterstattung. Durch den Aufbau eines Spannungsfeldes, welches drei der wichtigsten Faktoren der Objektivitätsreduktion näher beschreibt: die Politik, den Rezipienten und den Journalisten, wird die Basis für die Objektivitätsdiskussion geschaffen. Anhand eines Nachrichtenvergleiches zwischen einer CNN und einer ORF Nachricht zum Thema '3 Jahre nach Beginn der Invasion im Irak', werden weiters etwaige Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Medien herausgearbeitet. Zudem werden die theoretischen Ausführungen durch Exklusivinterviews mit Journalist1 (Name soll nicht genannt werden) sowie Karim El-Gawhary, Auslandskorrespondent des ORF und ebenfalls im Irak stationiert, untermauert. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es herauszufinden in wiefern Objektivität durch die behandelten Einflussfaktoren reduziert werden kann bzw. ob vollkommene Objektivität in der Kriegsberichterstattung überhaupt erreichbar ist.

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Leseprobe

2. Kriegsnachrichten im Spannungsfeld externer Beeinflussung


 

2.1. Einflussfaktoren auf die Kriegsnachrichten


 

„Die Medien sind der Spiegel der Gesellschaft,

aber was dieser Spiegel abbildet, kann ein

Zerrbild sein, eine Schmeichelei, das Gerüst

einer Lüge und die Kontur einer Wahrheit“.[16]

 

Auf dem Entstehungsweg einer Kriegsnachricht vom Kriegsschauplatz in die Wohnzimmer der Rezipienten wird diese von verschiedenen Faktoren beeinflusst und somit geformt. Jeder dieser Einflussfaktoren wirkt mit unterschiedlichem interesse auf die inhalte und Präsentation von Kriegsnachrichten ein. Durch diese Einflussnahme entsteht ein Spannungsfeld rund um die auszustrahlende Nachricht, welches die Verfasserin, mit den für diese Arbeit relevanten Einflussfaktoren wie folgt darstellt. (vgl. Abb. 1)

 

 

Abbildung 1: Eigene Darstellung: Das Spannungsfeld rund um die Kriegsnachricht

 

(Bildquelle: 19. 1. 2006, Verz. Nr. 4, Nachrichten,

 

http://www.mediamanual.at/mediamanual/workshop/kommunikation/semiotisches labor/labor a/im ages/nachrichten/kl orf01.jpg)

 

„Krieg und Kriegsberichterstattung sind keine unabhängigen Phänomene, sondern zum einen vom Mediensystem, zum anderen von Militär und Politik beeinflusst“.[17] Jeden dieser Einflussfaktoren bezeichnen Andrea Höhne und Stephan Ruß-Mohl als „Filter1, durch die die Kriegsnachricht zum Rezipienten gelangt. Die „Filterung“ der Nachricht indiziert eine Reduktion der Objektivität, wie im Folgenden grafisch dargestellt wird.

 

 

Abbildung 2: Ökonomisches Modell der Kriegsberichterstattung: Filter und Tauschhandel

 

Nach Ruß-Mohl und Höhne versuchen die Kriegsparteien, d.h. Militär und in weiterer Folge auch politische Parteien, versuchen die Medien für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Die Regierungen der kriegsführenden Parteien kontrollieren das Mediengeschehen im Kriegsgebiet meist durch Zensur. „Zum Schutz der eigenen Truppen, aber auch um Kriegsgegner ruhig zu stellen, werden den Medien von Regierungen in Kriegsfällen Zensurmaßnahmen auferlegt“[18].

 

Neben der Zensur werden allerdings auch wesentlich radikalere Mittel zur Medienüberwachung in Kriegen angewandt. So berichtet beispielsweise Journalistl von Spitzel und Abhöranlagen im Irak. Sie spricht in Ihrem Buch außerdem von „Aufpassern“, die seitens der irakischen Regierung die Bewegungsfreiheit der Korrespondenten einschränken und folglich auch Einfluss auf die Inhalte der Berichte nehmen.

 

Die Nachrichten und somit auch die Kriegsnachrichten unterliegen des Weiteren der „Zensur“ bzw. „Filterung“ durch die TV-Stationen selbst. Hauptgrund für diese Beeinflussung sind „ökonomische Eigeninteressen der Medienunternehmen: Nachrichten werden so aufbereitet, dass sie Einschaltquoten und Auflagesteigerung bringen“.[19] Experten sprechen bereits davon, dass Nachrichten und Informationen gezielt inszeniert und eingesetzt werden, um die Wirtschaftlichkeit eines Medienunternehmens zu erhöhen. „Was Einschaltquoten verheißt, kommt zur Prime time - und wird von den PR Strategen oft auch zeitger echt inszeniert“.[20] Trifft diese Strategie auch auf Nachrichtensendungen zu, würde das indizieren, dass auch Kriegsnachrichten aufbereitet und inszeniert werden, um ökonomische Ziele zu erreichen. Auf diese Problematik wird die Verfasserin in 2.3 näher eingehen.

 

Die ökonomischen Interessen können allerdings auch auf die Beeinflussung der Nachrichtenpräsentation durch den Rezipienten zurückgeführt werden. Die Einschaltquoten und Erfolge eines TV Senders werden nicht zuletzt durch den Rezipienten selbst bestimmt. Auf diese Form der Beeinflussung wird die Verfasserin im Detail im Kapitel 2.5. zu sprechen kommen.

 

Als dritten Filter der Nachrichtengestaltung führen Höhne und Ruß-Mohl den Journalisten an sich an, der im Besonderen für die Nachrichtenauswahl verantwortlich ist. Kriegsberichterstatter differenzieren zunächst subjektiv welche Nachricht berichtenswert ist und werden schließlich in Ihrer Auswahl zusätzlich von anderen Faktoren, wie beispielsweise politischen Parteien oder TV-Stationen, beeinflusst. „Die Geschichte hat gezeigt, dass Kriegsreporter stets von der Seite einer bestimmten Konfliktpartei berichtet haben, um Schutz und Unterstützung sicherzustellen“.[21]

 

Aufgrund des enormen wirtschaftlichen Aufwandes für TV-Stationen, Kriegsberichterstatter an den Ort des Geschehens zu entsenden, ist es außerdem Aufgabe der Journalisten „Risiken abzuwägen, also Kosten und Nutzen ihrer Handlungen zu kalkulieren“.[22]

 

Basierend auf diesem ökonomischen Aspekt der Beeinflussung wird die Reduktion der Objektivität in der Kriegsberichterstattung ebenfalls begünstigt. „Die Nachrichtenwerte selbst haben sich verändert, Journalisten folgen bei der Nachrichtenauswahl - oft unbewusst - ökonomischen Imperativen“.[23]

 

Für die weitere Analyse der Einflussnahme auf die Objektivität der Kriegsnachrichten legt die Verfasserin den Schwerpunkt auf den Filter durch die Politik bzw. das Militär, sowie auf die Filterung durch den Rezipienten. Der Rezipient, den Höhne und Ruß-Mohl als letzten „Filter“ bezeichnen, entscheidet selbst welche Inhalte bzw. Nachrichten er konsumieren möchte und filtert somit subjektiv nach Eigeninteresse. Als Basis der Analyse gilt aus diesem Grund die Voraussetzung, dass der Rezipient letztendlich auf alle Filter Einfluss ausübt und in weiterer Folge somit auch die Reduktion von Objektivität begünstigt.

 

2.2. Dimensionen der Kriegsberichterstattung nach Mangold und Ultzsch


 

„In einem Markt, wo sich Produkte auf Grund

von Sparmaßnahmen immer mehr angleichen,

sind eigene, individuelle und nachrichtenstarke Recherchen wieder gefragt. Erst sie geben

dem einzelnen Produkt das nötige Profil“.[24]

 

Die vorangegangenen Ausführungen zeigen, dass auf die Kriegsnachricht Faktoren einwirken, die einerseits Einfluss auf die Dimensionen der Kriegsnachricht, aber andererseits auch auf die Kriegsberichterstattung im Allgemeinen haben.

 

Christoph Mangold und Lars Ultzsch definieren auf Grundlage dieser Tatsache Dimensionen der Kriegsberichterstattung. Diese stellen die Komponenten des Entstehungsprozesses einer Kriegsnachricht dar, mit denen der Kriegsreporter im Laufe seiner Arbeit im Kriegsgebiet konfrontiert wird. Im Rahmen einer Studie über die Situation der Kriegsberichterstatter im Irakkrieg 2003, wurden auf dieser Basis Kriegsberichterstatter aus aller Welt zu den definierten Dimensionen befragt. Mangold und Ultzsch befragten 42 Kriegsberichterstatter (aus der Schweiz, den USA, Deutschland, Frankreich, Österreich, England, dem Irak, Japan, Holland, Italien, Norwegen und Kanada) zum Thema „Kontrollierte Berichterstattung“.

 

Gerade die Informationsbeschaffung stellt in Kriegszeiten bzw. in Kriegsgebieten eine besondere Herausforderung für den Journalisten dar. Abhängig von den Einsatzumständen, d.h. ob ein Reporter beispielsweise ins Militär eingebettet ist etc., gestaltet sich die Informationsbeschaffung vor Ort differenziert. „Während die „embeds“ in der Lage waren von den Ereignissen zu berichten, die vor ihren Augen passierten, ... mussten sich ihre nicht-eingebetteten Kollegen mit einem eher dürftigen Informationsfluss begnügen“. [25]

 

Die Dimension der Objektivität, um die zu erfüllen der Kriegsberichterstatter „sein subjektives Empfinden und seine Gefühle unterdrücken muss, um dem Mediennutzer ein nüchternes und sachliches Tatsachenbild zu liefern“[26], bildet den Kern dieser Arbeit und wird ab Punkt 3 detailliert behandelt.

 

Journalisten müssen während ihrer Tätigkeit in einem Kriegsgebiet mit verschiedenen Arten der Zensur zurecht kommen. Die Geschichte hat gezeigt, dass einerseits immer andere Formen der Zensur verhängt wurden, andererseits auch in jedem Krieg ein anderer Umgang mit diesem „Druckmittel“ gepflegt wurde. Im Irakkrieg beispielsweise, packten die beteiligten Kriegsparteien die „freie Berichterstattung“ aus dem Kriegsgebiet an der Wurzel. Journalist1 spricht in Ihrem Buch von einer schwarzen Liste, die Reporter führt denen die Regierung kein Visum mehr zugesteht. Als Grund gibt Sie regierungskritische Berichte bzw. negative Äußerungen über das Regime an.

 

Der „embedded journalism“ ist eine neue Form des Kriegsjournalismus, der im Irakkrieg erstmals zur Anwendung kam. Durch die „Abhängigkeit“ der Journalisten vom Militär ist diese Form der Kriegsberichterstattung äußerst umstritten. Aus der Studie von Mangold und Ultzsch kristallisiert sich dennoch keine einheitliche Meinung heraus. „Auch wenn kritische Stimmen darin eine Propagandafalle sehen, betrachten es die meisten interviewten Journalisten als Gewinn für die Medien und den Zuschauer“. [27]

 

Die Tatsache der Beeinflussung des Rezipienten durch Nachrichten im Allgemeinen und auch Kriegsnachrichten im Speziellen gibt oft Anlass zu Studien über den manipulativen...

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