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Präsenz und Strategien von Auslandsbanken in Russland

AutorAnastasia Kireeva
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl108 Seiten
ISBN9783656475781
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,99 EUR
Masterarbeit aus dem Jahr 2013 im Fachbereich BWL - Bank, Börse, Versicherung, Note: 1,3, Universität Potsdam, Sprache: Deutsch, Abstract: Im Juli 2012 erfolgte der lang erwartete Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation (WTO), der einen neuen Maßstab für die Integration des Landes in die Weltwirtschaft gesetzt hat. Dieser wichtige Schritt bedeutet für die russische Wirtschaft eine wachsende Einbeziehung in den fortschreitenden Globalisierungsprozess, der sich aus finanzieller Sicht vor allem in der Intensivierung und Beschleunigung der grenzüberschreitenden Kapitalströme, der wachsenden Rolle der internationalen Finanzmärkte sowie der verstärkten Verflechtung der nationalen Finanzsysteme auf der globalen Ebene widerspiegelt. In diesem Prozess kommt den Auslandsbanken eine große Rolle als internationale Finanzintermediäre zu. Der WTO-Beitritt und die Verhandlungen Russlands hinsichtlich der OECD-Mitgliedschaft werfen ein neues Licht auf die mit der Präsenz der ausländischen Kreditinstitute am russischen Bankenmarkt verbundene Problematik. Die WTO-Mitgliedschaft impliziert für ein Land gewisse Verpflichtungen hinsichtlich der Abschaffung von Marktzugangsbeschränkungen und anderen protektionistischen Maßnahmen gegen ausländische Unternehmen und somit auch ausländische Kreditinstitute. In diesem Kontext stell sich der Wirtschaftspolitik Russlands aufs Neue Fragen in Bezug auf die Zulassung der Auslandsbanken am russischen Bankenmarkt. Die Bewertung der Vertretbarkeit der bisher geführten Politik soll auf Basis einer sorgfältigen Untersuchung und Analyse der Wettbewerbspositionen, Wettbewerbsvorteile und Auswirkung der Präsenz der Auslandsbanken auf den russischen Bankenmarkt und die russische Wirtschaft erfolgen.

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Leseprobe

3.2 Marktanteile und einzelne Geschäftsfelder der wichtigsten Akteure des russischen Bankenmarkts


Auseinandersetzung mit den Marktanteilen und einzelnen Geschäftsfelder der Staats- und Privatbanken in Russland soll eine bessere Einschätzung der Rolle und der strategischen Ausrichtung der Auslandsbanken ermöglichen. Die fünf größten Bankengruppen mit staatlicher Beteiligung (Sberbank, Vneshtorgbank, Rosselchozbank, Gasprombank und Bank von Moskau) 107 , die den russischen Bankenmarkt dominieren, sind durch folgende Merkmale gekennzeichnet: eine traditionelle Sonderstellung in der Wirtschaft und Politik Russlands, einen überwiegenden und immer weiter wachsenden Anteil 108 an den Gesamtaktiva des russischen Bankensystems (50,2% zum 01.01.2012 109 ) und eine universale Ausrichtung des GeschäfteS. Sberbank ist die größte staatliche Bank Russlands nach Aktiva (25,9% der Gesamtaktiva Russlands im Jahre 2011 110 ) und spielt eine historisch bedingte, besondere Rolle in der Wirtschaft Russlands 111 . Nach dem Zerfall der Sowjetunion hat die jetzt zu ca. 58% 112 im Besitz der Zentralbank Russland befindliche Bank ein dichtes Filialnetz geerbt 113 , was zu ihrem überwiegendem Marktanteil im Retail-Geschäft beiträgt (Marktanteil von 32% als Retail-Kreditgeber 114 und 46,6% als Halter von Einlagen der natürlichen Personen 115 ). Ein hoher Anteil der Einlagen natürlicher Personen sowie der Firmenkundenkonten schafft für die Bank die billigste Finanzierungsbasis in Russland 116 . Als Universalbank bestrebt die

Sberbank eine Erhöhung ihres Marktanteils im Geschäft mit Firmenkunden und im Investment Banking (bspw. durch den Kauf von Troika-Dialog 117 ) sowie eine Erzielung von 5-7% ihres Nettoergebnisses außerhalb Russlands 118 . Sberbank nahm den 9. Platz in der Bewertung der zuverlässigsten Banken in CEE im Jahr 2011 119 . Der Brand „Sberbank“ ist der wertvollste in Russland 120 . Die staatliche Vneshtorgbank, oder VTB (75,5%iger Anteil der Regierung der Russischen Föderation 121 ), und die Rosselkhozbank, oder Russian Agricultural Bank (100% Anteil der Regierung der Russischen Föderation 122 ), waren ursprünglich branchenbezogene Spezialbanken 123 . Die Dienstleistungen für Firmenkunden, besonders im Bereich Außenhandelsfinanzierung 124 , sowie die Finanzierung über Einlagen der Firmenkunden bilden immer noch die Grundlage der Geschäftstätigkeit von VTB 125 . Die Diversifizierung der Produktpalette wurde in den letzten Jahren durch die Expansion im Retail (Aufbau des Filialnetzes VTB24) und Investment Banking (VTB Capital), nun eng verbunden mit dem für die Bank traditionellen Corporate Banking erreicht 126 . VTB ist gelungen während und nach der Krise 2008 ihren Marktanteil nicht zuletzt durch Mergers & Aquisitions (M&A) zu erhöhen 127 . Zudem ist VTB der Hauptaktionär der fünftgrößten Bank Russlands - Bank of Moscow, die auf innovative Dienstleistungen für KMU spezialisiert ist 128 . Strategisch setzt diese Bank auf die Entwicklung in Moskau und Gebiet und auf die enge Zusammenarbeit mit der Regierung von Moskau: ca. 30% der Kredite an juristische Personen erfolgen im Rahmen von staatlichen Programmen 129 . Rosselkhozbank verbleibt der Hauptagent der Russischen Föderation in der Entwicklung der Landwirtschaft und verfügt über das zweitgrößte Filialnetz in Russland 130

mit dem Fokus auf ländliche Gebiete mit unbefriedigter Nachfrage 131 . Die Gazprombank, die drittgrößte staatliche Bank 132 , lässt sich als „bankbezogener Arm des russischen Energieriesen Gazprom“ 133 bezeichnen. Ursprünglich richtete sich die Bank strategisch auf Kooperation mit Unternehmen der Gasindustrie und verwandten Branchen im Interesse ihres Mutterkonzerns Gazprom aus 134 . In den letzten Jahren erfolgte die Diversifizierung des Kundenstammes bei Beibehaltung des Fokus auf Firmenkunden sowie Entwicklung von Retail und Investment Banking 135 . Mit der Rohstoffindustrie sind auch private Banken eng verbunden: MDM-Bank, Petrocommerce, Bank Zenit, Nikoil, Alfa-Bank und Uralsib 136 . Im Falle der Privatbanken wurde das Vorkrisenniveau trotz Wachstums des Marktanteils dieser Bankengruppe nach dem deutlichen Rückgang während der Krise 2008 immer noch nicht erreicht 137 . Da sich die überwiegende Mehrheit der privaten Banken unter den Top-10 Banken gemäß Aktiva sowie Kreditvolumen befindet, wird an der Position dieser Gruppe das weitere Merkmal des russischen Bankensystem erkennbar: der große Abstand zwischen Top-10 und Top-50 der Banken. Bspw. befindet sich die erste gruppenunabhängige private Nomos-Bank auf dem 13. Platz nach Aktiva, die nach dem Betrag nur ca. 20% der Aktiva von Gazprombank ausmachen würden 138 . Auch heutzutage bleibt für die Privatbanken die Verflechtung unter dem Dach einer Holding des industriellen Betriebes und der Bank in Form einer Finanz- und Industriegruppe (FIG) sehr typisch. Solche Pocket Banks existieren seit der Perestroika, trotz der Versuche der Kreditinstitute selbst eine unabhängige und diversifizierte Geschäftsstrategie zu führen 139 . Die Krise 2008 hat die Abhängigkeit der Pocket Banks von ihren Industriegruppen aufgrund der Reduzierung der Anzahl der glaubwürdigen Kunden verstärkt und zur Steigerung der Kundenkonzentration geführt, die heutzutage eine der höchsten in der Welt ist 140 . Die typische Single-Client-Konzentration ist einer der Gründe des schlechteren Ratings der

Banken in Russland sowie in anderen GUS-Staaten 141 . Aufgrund der hohen Kundenkonzentration sowie der hohen Bedeutung der Rohstoffexporte für die Wirtschaft Russlands, wo alleine der Öl- und Gassektor für ca.50% der Budgeteinnahmen sorgt 142 , bleiben die Rohstoffunternehmen als Kunden und/oder Eigentümer sehr bedeutend, besonders für die privaten Banken. Beispiele hierfür sind die größte private Bank Alfa-Bank im Besitz der Ölgesellschaft TNK-BP 143 und die Bank Petrocommerce im Besitz der Ölgesellschaft LUKOIL 144 . Außer Rohstoffbanken sind allerdings unter den privaten Banken auch Nicht-Rohstoffbanken zu finden, bspw. Russkij Standard, BIN-Bank, Moy Bank, Renaissance Kredit, die sich hauptsächlich auf die Kreditvergabe an juristische und natürliche Personen spezialisieren 145 . Diese sind durch besondere wirtschaftliche und regionale Schwerpunkte gekennzeichnet 146 . Die Rentabilität des Kapitals in diesem risikoreichen Geschäft im Schatten der großen Kreditinstitute schwankt je nach dem Einzelfall, ist aber generell überdurchschnittlich 147 . Die Kreditvergabe steht im Fokus der Geschäftstätigkeit der Banken in Russland: Kredite an Nicht-Kreditinstitute und natürliche Personen stellen ca. 56% im Verhältnis zu den Gesamtaktiva der Banken und 42,8% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) Russlands dar 148 . Im Vergleich mit den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und Brazil, Indien, China nähert sich dieser Wert demjenigen für Indien und Brasilien an, ist aber fast dreimal kleiner als der Durchschnitt für einkommensstarke OECD-Mitglieder und China 149 . Dies deutet auf eine eingeschränkte Kreditvergabe in Russland mit den entsprechenden Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund der lebenswichtigen Rolle des Kredits für die Wirtschaft hin 150 . Die Vergabe der Kredite erfolgt immer noch überwiegend an Firmenkunden, die für ca. zwei Drittel des Gesamtkreditvolumens in Russland verantwortlich sind 151 , indem die

Firmenkundenkredite ca. 50% in den Zentraleuropäischen (CE) und Südosteuropäischen (SEE) Ländern ausmachen 152 . Die Perspektiven der Banken im Kreditgeschäft mit den Firmenkunden werden von einen mittleren Grad der Konzentration im Geschäftsfeld (HHI=0,133 zum 01.01.2012) 153 und durch seit 2010 deutlich gesunkene Kreditzinsen bestimmt 154 , die eine Erhöhung der Attraktivität der Angebote und Effizienz der Gesamtbank von den im Bereich tätigen Kreditinstituten verlangen werden. In der Periode 2008-2011 haben sich die Aktiva des Russischen Bankensystems verdoppelt 155 . Die gleiche Tendenz ist im Segment Kredite, Einlagen von natürlichen Personen und Unternehmen zu beobachten. Schneller als die Gesamtaktiva wuchs nur der Anteil...

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