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Predigten aus den Morgenmessen in Santa Marta

AutorFranziskus (Papst)
VerlagVerlag Herder GmbH
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl240 Seiten
ISBN9783451801822
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis4,99 EUR
Die Frühmessen im kleinen Kreis, die Papst Franziskus an vielen Werktagen im vatikanischen Gästehaus Santa Marta hält und zu denen er jedes Mal bestimmte Gruppen einlädt (auswärtige Besucher oder Angestellte des Vatikans), haben inzwischen fast einen legendären Ruf. Das liegt vor allem an den frei vorgetragenen kurzen Predigten, mit denen er die biblischen Lesungstexte auslegt und oft sehr überraschende Impulse für das kirchliche Leben und für den Glauben des Einzelnen gibt. Hier sind die Zusammenfassungen mit den Zitaten des Papstes, die die Vatikanzeitung L'Osservatore Romano aus Mitschriften von März bis September 2013 gemacht hat, in deutscher Übersetzung zusammengestellt.

Papst Franziskus: Jorge Mario Bergoglio, geb. 1936, seit dem 13. März 2013 Bischof von Rom. Der argentinische Jesuit ist Sohn einer siebenköpfigen Familie italienischer Auswanderer, 1973 bis 1979 Provinzial der argentinischen Jesuiten, Von 1998 bis 2013 Erzbischof von Buenos Aires.

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Leseprobe

GEGEN EIN HERZ AUS STEIN


»Wenn wir ein Herz aus Stein haben, dann kann es geschehen, dass wir wirkliche Steine in die Hand nehmen und Jesus Christus in der Gestalt unserer Mitmenschen, vor allem der Schwächsten unter ihnen, steinigen.« Das sagte Papst Franziskus in seiner Predigt mit Bezug auf die Lesung des Tages im Verlauf der heiligen Messe, die er am Freitagvormittag, 22. März, in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses »Domus Sanctae Marthae« zelebrierte. Eine ganz einfache Messfeier, zu welcher der Papst die beim Governatorat des Staates der Vatikanstadt beschäftigten Gärtner und Müllentsorger eingeladen hatte und denen er eine kurze, aus dem Stegreif gehaltene Predigt hielt, die vor allem auf jene Stelle im Johannes-Evangelium Bezug nahm, welche die Geschichte über die Juden erzählt, die Jesus steinigen wollten. …

Freitag, 22. März 2013

DER FRIEDE IST EIN GESCHENK GOTTES


Der Friede kann nicht gekauft oder verkauft werden: Er ist ein Geschenk Gottes. Und wir müssen um ihn bitten. Daran erinnerte Papst Franziskus am Donnerstagvormittag, 4. April, als er über das »Staunen« der Emmaus-Jünger angesichts der Wunder Jesu sprach. Der Anlass hierzu war der Kommentar der Bibelstelle aus dem Lukasevangelium (24,35–48), die heute früh im Verlauf der üblichen Morgenmesse in der Kapelle des Gästehauses »Domus Sanctae Marthae« in Gegenwart von Vatikanangestellten … verlesen wurde.

»Die Jünger waren Zeugen der Heilung des Lahmen und jetzt sehen sie Jesus«, sagte der Papst, »sie sind ein bisschen außer sich, aber nicht etwa, weil sie geisteskrank gewesen wären: sie sind außer sich vor lauter Staunen.« Aber was ist das für ein Staunen? Der Papst sagte: »Es ist etwas, das dafür sorgt, dass wir ein wenig außer uns sind vor lauter Freude: eine große, eine übergroße Freude. Das ist kein bloßer Enthusiasmus: Auch die Fußballfans im Stadion sind begeistert, wenn ihre Mannschaft gewinnt, nicht wahr? Nein, es ist kein Enthusiasmus, es ist etwas sehr viel Tieferes: Es ist das Staunen, das uns überkommt, wenn wir Jesus begegnen.«

»Dieses Staunen«, so der Papst, »ist der Anfang des normalen Zustands eines Christen«. Gewiss, so hob er hervor, wir können keineswegs immer im Zustand des Staunens leben, aber dieser ist der Ausgangspunkt, der »Spuren in der Seele hinterlässt, und geistlichen Trost spendet«. Ja, der Seinszustand des Christen sollte der des geistlichen Trostes sein, trotz aller Probleme, Schmerzen und Krankheiten. »Die letzte Stufe der Tröstung«, so der Papst, »ist der Frieden: man fängt mit dem Staunen an, und die zweite Stimme dieses Staunens, dieses Trostes ist der Friede.« Selbst in den allerschmerzlichsten Prüfungen verliert der Christ nie »den Frieden und die Gegenwart Jesu«, und mit »ein wenig Mut können wir zum Herrn sagen: ›Herr, gewähre mir diese Gnade, die ein Merkmal der Begegnung mit Dir ist: den geistlichen Trost‹«. Vor allem aber, so betonte er, dürfen wir »nie den Frieden verlieren«. Wir schauen zum Herrn auf, der »am Kreuz so sehr gelitten hat, aber er hat doch den Frieden nicht verloren. Dieser Friede ist der unsere: Er kann weder verkauft noch erkauft werden.«

Er ist ein Geschenk Gottes, um das wir bitten müssen. Der Friede ist so etwas wie »die letzte Stufe dieses geistlichen Trostes, der mit dem freudigen Staunen beginnt«. Deshalb dürfen wir uns nicht »durch unsere oder anderer Leute Phantasien täuschen lassen, die uns dazu bringen, zu glauben, dass diese Phantasien Wirklichkeit wären«. Tatsächlich ist es christlicher, »zu glauben, dass die Wirklichkeit so schön gar nicht sein könne«. Der Papst schloss mit der Bitte um die Gnade des geistlichen Trostes und des Friedens, der »mit diesem freudigen Staunen in der Begegnung mit Jesus Christus beginnt« …

Donnerstag, 4. April 2013

GOTT ZU GEHORCHEN MACHT UNS FREI


… Gott kann nicht Gegenstand von Verhandlungen sein. Und der Glaube sieht keine Möglichkeit, »lau« zu sein, »weder gut noch schlecht«, indem man in einer Art von »Doppelleben« versucht, einen Kompromiss zu schließen, um mit der Welt »zusammenzuleben«. Das sagte Papst Franziskus in seiner Predigt bei der Frühmesse, die er am Donnerstag, 11. April, im »Domus Sanctae Marthae« feierte und an der Direktion und Redaktionen des »Osservatore Romano« teilnahmen. …

Der Papst erläuterte in seiner Predigt, dass in den Lesungen »dreimal das Wort ›gehorchen‹ vorkommt: es ist vom Gehorsam die Rede«. Das erste Mal, als Petrus vor dem Hohen Rat antwortet, »man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen«, wie die Apostelgeschichte berichtet (5,27–33). Was heißt das, fragte sich der Papst, »Gott gehorchen? Bedeutet das, dass wir wie Sklaven sein müssen, alle gefesselt? Nein, weil gerade der, der Gott gehorcht, frei ist, kein Sklave ist! Und wie macht man das? Ich gehorche, tue nicht, was ich will, und bin frei? Das scheint ein Widerspruch zu sein. Und es ist doch kein Widerspruch.« Tatsächlich »kommt das Wort obbedire (gehorchen) aus dem Lateinischen, und es bedeutet: zuhören, den anderen hören. Gott gehorchen heißt: Gott anhören, ein offenes Herz haben, um den Weg zu gehen, den Gott uns zeigt. Gott gehorchen heißt: Gott anhören. Und das macht uns frei.«

Gerade in seiner Auslegung dieser Stelle aus der Apostelgeschichte erinnerte der Papst daran, dass Petrus »vor diesen Schriftgelehrten, Priestern, auch dem Hohepriester, den Pharisäern« dazu aufgefordert wurde, »eine Entscheidung zu treffen«. Petrus »hörte das, was die Pharisäer und Priester sagten, und er hörte auch das, was Jesus in seinem Herzen sagte: ›Was soll ich tun?‹ Er sagte: ›Ich tue, was mir Jesus sagt, nicht das, was ihr wollt, dass ich tue.‹ Und so handelte er immer.« Papst Franziskus sagte: »In unserem Leben hören wir auch Vorschläge, die nicht von Jesus kommen, die nicht von Gott kommen. Es versteht sich, unsere Schwäche führt uns manchmal auch auf diese Straße. Oder auch auf jene andere, die noch gefährlicher ist: Wir schließen einen Kompromiss, ein bisschen von Gott, ein bisschen von euch. Wir schließen einen Kompromiss und gehen so im Leben voran mit einem Doppelleben: Ein bisschen von dem Leben, über das wir Jesus haben zu uns sprechen hören, und ein bisschen von jenem Leben, von dem uns die Welt erzählt hat, die Mächte der Welt oder andere mehr.« Aber das ist ein System, das »nicht funktioniert«. Tatsächlich »sagt der Herr im Buch der Offenbarung: So geht das nicht, denn so seid ihr weder gut noch schlecht: ihr seid lau. Ich verurteile euch.« Der Papst warnte gerade vor dieser Versuchung.

»Wenn Petrus zu diesen Priestern gesagt hätte: ›reden wir wie Freunde miteinander und einigen wir uns auf einen status vivendi‹, dann wäre es vielleicht gut gegangen.« Aber es wäre keine Entscheidung gewesen, die wirklich »der Liebe entsprochen hätte, die kommt, wenn wir Jesus hören«. Eine Entscheidung, die Konsequenzen nach sich zieht. »Was geschieht«, fuhr der Papst fort, »wenn wir Jesus hören? Manchmal werden diejenigen, die den Gegenvorschlag gemacht haben, wütend, und unser Weg endet in der Verfolgung. In diesem Augenblick haben wir, wie ich gesagt habe, zahlreiche Schwestern und Brüder, die, um dem zu gehorchen, das zu hören, anzuhören, was Jesus von ihnen verlangt, Verfolgung leiden. Lasst uns immer an diese Brüder und Schwestern denken, die ihr Leben geben und uns durch ihr Leben sagen: ›Ich will gehorchen, will den Weg gehen, den Jesus mir zeigt.‹«

In der heutigen Liturgie »lädt uns die Kirche ein«, »den Weg Jesu zu gehen« und »jene Angebote zu überhören, die uns die Welt macht, jene Angebote der Sünde oder diejenigen, die halb so und halb so sind«. Es handelt sich hierbei, so wiederholte der Papst, um eine Lebensweise, die »einfach nicht geht« und »uns nicht glücklich machen wird«.

Der Christ ist nicht allein, wenn er sich ohne Kompromisse für den Gehorsam Gott gegenüber und nicht gegenüber der Welt entscheidet. Der Papst fragte sich: »Woher bekommen wir die Hilfe, um jenen Weg einzuschlagen, auf dem wir Jesus hören? Vom Heiligen Geist. Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott jenen gegeben hat, die ihm gehorchen.« Folglich, so sagte er, »ist es gerade der Heilige Geist in uns, der uns die Kraft verleiht, diesen Weg einzuschlagen«. Das Johannesevangelium (3,31–36), das in dieser Messfeier verlesen wurde, versichert uns in schönen Worten: »›Denn der, den Gott gesandt hat, verkündet die Worte Gottes; denn er gibt den Geist unbegrenzt.‹ Unser Vater gibt uns den Geist, unbegrenzt, um Jesus anzuhören, um Jesus zu hören und Jesu Weg einzuschlagen.«

Papst Franziskus beendete seine Predigt mit der Einladung, in den verschiedenen Lebenslagen mutig zu sein: »Wir bitten um die Gnade des Mutes. Wir werden immer schuldig sein: Wir alle sind Sünder.« Aber man braucht »den Mut, zu sagen: ›Herr, ich bin ein Sünder, manchmal gehorche ich den Dingen der Welt, aber ich möchte Dir gehorchen, ich will Deinen Weg gehen.‹ Bitten wir um diese Gnade, immer dem Weg Jesu zu folgen. Und wenn wir das nicht tun, um Verzeihung bitten: Der Herr vergibt uns, denn er ist gütig.«

Donnerstag, 11. April 2013

DAS LEBEN NEHMEN, WIE ES KOMMT


Um die Probleme des Lebens zu lösen, muss man der Realität ins Auge sehen und so wie ein Torwart bereit sein, den Ball aufzufangen, von welcher Seite auch immer er kommen mag. Und das ohne der Angst oder der Versuchung zum Klagen nachzugeben, denn Jesus ist immer an der Seite jedes Menschen, auch und vor allem in den schwierigsten Momenten. Das sagte...

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