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E-Book

Psychoedukatives Training bei Abhängigkeitserkrankungen

AutorAnil Batra, Franziska Schober, Friederike Wernz, Peter Peukert
VerlagKohlhammer Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl228 Seiten
ISBN9783170238305
FormatePUB/PDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis39,99 EUR
Patienten mit einer Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder Medikamenten bilden eine große Gruppe unter psychisch Erkrankten. In der psychotherapeutischen Behandlung werden psychoedukative Techniken zur Förderung und Unterstützung der Abstinenzmotivation genutzt. Das Manual enthält eine große Auswahl an detailliert dargestellten suchtspezifischen Therapiemodulen für den ambulanten und stationären Rahmen und ist auf alle Suchtmittel übertragbar. ContentPLUS bietet umfangreiche Therapiematerialien sowie praxisorientierte Tipps und Beispiele als wertvolle Arbeitshilfen.

Dr. Franziska Schober ist psychologische Leiterin der Tagesklinik für Suchterkrankungen. Dr. med. Friederike Wernz arbeitet als Oberärztin in der Sektion für Suchtmedizin und Suchtforschung. Prof. Dr. med. Anil Batra leitet die Sektion für Suchtmedizin und Suchtforschung an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen.

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Leseprobe

Psychoedukativer Teil


Module

Suchtverlauf und Suchtverlagerung

(1 Gruppensitzung)

Körperliche Folgen des Suchtmittelkonsums

(1 Gruppensitzung)

Psychosoziale Folgen des Suchtmittelkonsums

(1 Gruppensitzung)

Entzug

(1 Gruppensitzung)

Medikamente in der Suchtbehandlung

(1 Gruppensitzung)

Therapie – wie und wo kann ich mir helfen lassen?

(1 Gruppensitzung)

Alkohol in Lebensmitteln

(1 Gruppensitzung)

Substanzfreie Zone

(1 Gruppensitzung)

Tabakinformation

(1 Gruppensitzung)

Suchtverlauf und Suchtverlagerung


Ziel der Sitzung

Damit die Betroffenen zu Experten für die eigene Erkrankung werden können, müssen neben den Faktoren, die zur Entwicklung einer Substanzabhängigkeit beitragen, die möglichen Verlaufsformen der Erkrankung besprochen werden.

Einige Gruppenteilnehmer haben sich eventuell zu einem recht frühen Zeitpunkt ihrer Erkrankung in der Therapiegruppe Hilfe geholt. Sie sollten vermittelt bekommen, was sich im Verlauf einer unbehandelten Suchtproblematik verändern kann. Für Teilnehmer der Gruppe, die noch Schwierigkeiten mit der Akzeptanz ihrer Erkrankung haben, kann es ausschlaggebend sein, zu erfahren, dass es Abstufungen im Krankheitsverlauf gibt und ein Problem nicht erst dann vorliegt, wenn man eine Fülle an sozialen und körperlichen Folgen kennen gelernt hat.

In dieser Gruppensitzung wird auch die Gefahr der Suchtverlagerung besprochen. Diese Gefahr droht, wenn die Patienten versuchen, bezogen auf ihr bevorzugtes Suchtmittel abstinent zu leben, andere Substanzen mit ähnlicher Wirkung oder Verhaltenssüchte wie Kaufen, Glücksspiel oder exzessives Sporttreiben jedoch an dessen Stelle treten.

Informationsvermittlung über die einzelnen Stadien des Suchtverlaufs

Darstellung der Suchterkrankung als Kontinuum

Aufklärung über die Gefahr der Suchtverlagerung

Inhalt

  1. Begrüßung
  2. Einführung in das Thema, Rationale

    Therapeut:
    Sie haben die einzelnen Mitglieder dieser Gruppe und deren Suchtlebenslauf bereits etwas besser kennen gelernt. Vielleicht gibt es einen Gruppenteilneh mer, bei dem Sie sich denken »So weit ist es mit mir glücklicherweise noch nicht gekommen.« oder Sie hören die Schilderungen eines anderen und denken »So habe ich auch mal gedacht.«. Innerhalb einer Suchterkrankung gibt es verschiedene Stadien, die durchlaufen werden. Aus jedem einzelnen Stadium gibt es einen Ausweg. Wir schauen uns heute die einzelnen Stadien an. Vielleicht können Sie für sich eine Einordnung vornehmen: »Wo stehe ich?«. Im besten Fall werden Sie erkennen, dass es sich lohnt, den Ausstieg zu finden. Für den Umgang mit Ihrer Erkrankung und deren Verlauf wird es auch wichtig sein, wie Sie mit anderen süchtig machenden Substanzen oder Verhaltensweisen umgehen. Sie sollten um die Gefahren der Verlagerung einer Abhängigkeit auf eine andere Substanz oder eine exzessiv ausgeführte Tätigkeit wissen und erkennen können, wenn eine so genannte Suchtverlagerung bei Ihnen aktuell wird.

  3. Bisheriger Krankheitsverlauf

    Die Gruppenteilnehmer erhalten das ► Arbeitsblatt Nr. 1 zum Thema »Krankheitsverlauf« und bearbeiten dies zunächst jeder für sich. Anschließend findet ein Austausch in der Gruppe statt: Die Gruppenmitglieder berichten von ihren Erfahrungen und Erlebnissen. Ziel ist die Förderung eines offenen Umgangs mit der eigenen Geschichte und den Anfängen der Entwicklung einer Suchtproblematik, die eventuell in früheren Zeiten nicht wahrgenommen oder negiert worden ist. In diesem Teil des Programms ist die Arbeit in der Gruppe erneut von bedeutsamen Vorteil, da es im Austausch mit anderen Betroffenen viel leichter fällt, frühere Einschätzungen oder Meinung zu revidieren.

  4. Stadien des Krankheitsverlaufs

    Es folgt ein Informationsteil über den Verlauf von Suchterkrankungen, der mit den Berichten und Beispielen der Patienten aus dem vorausgegangenen Abschnitt anschaulich gemacht werden kann. Ergänzend wird das ► Informationsblatt Nr. 1 »Stadien des Krankheitsverlaufs« ausgegeben. Es zeigt die Stadien einer Abhängigkeitserkrankung (Jellinek 1946; Lieb et al. 2008). Da die beschriebenen Phasen auch den Krankheitsverlauf der Gruppenteilnehmer widerspiegeln, kommt es häufig zu einer regen Beteiligung. Teilnehmer, die in der Akzeptanz ihrer Erkrankung noch nicht so weit fortgeschritten sind, werden in ihrer Selbstreflexion durch die aktiveren Mitglieder der Gruppe gefördert.

  5. Suchtverlagerung

    Therapeut:
    Der Schritt hinein in die Abstinenz erfordert Mut und Kraft. Im ersten Moment ist man als Betroffener hauptsächlich damit konfrontiert, dass man etwas aufgeben muss – das Suchtmittel, das einen über längere Zeit begleitet hat, alte Gewohnheiten, vielleicht auch alte Bekannte und ein Mittel, kurzfristig alle Gedanken auszuschalten. Dies ist eine ganz schöne Herausforderung, die einen immer wieder an die persönlichen Grenzen bringt. In solchen Momenten kann es passieren, dass man ein scheinbares Schlupfloch aus dieser schwierigen Lage entdeckt: Man steigt auf eine andere Substanz um, welche bald die gleiche Rolle wie die ursprüngliche übernimmt. So könnte eine Person, die sich eine Cannabisabstinenz hart erkämpft hat, im Verlauf ihrer Abstinenz mehr und mehr Alkohol trinken und damit eine Substanz mit einer ähnlichen Wirkung gezielt einsetzen. Alternativ dazu kann auch eine bestimmte Verhaltensweise eine solche Rolle einnehmen, dazu können bspw. Glücksspiel, Kaufen, Essen oder Sport treiben gehören. Zunächst wirken diese Verhaltensweisen weniger bedrohlich, weniger gefährlich als der exzessive Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamenten. Allerdings kann man von bestimmten Tätigkeiten auch eine Abhängigkeit entwickeln, für die dieselben Kriterien gelten, wie für eine Substanzmittelabhängigkeit. Die sozialen Folgen können verheerend sein. Ein Warnzeichen für eine Verhaltenssucht wäre, dass man sich unzufrieden fühlt, wenn man die Tätigkeit einen Tag lang nicht ausüben kann.
    Egal, ob es sich um den Konsum eines alternativen Suchtmittels oder um die Ausbildung einer Verhaltenssucht dreht, das Prinzip nennt sich Suchtverlagerung. Es entwickelt sich erneut eine Abhängigkeit, allerdings bezieht sich diese dann auf ein anderes Suchtmittel oder auf eine Verhaltensweise. Wer von Ihnen kennt eine Suchtverlagerung aus seiner Geschichte? Für welche andere Substanz oder Verhaltensweise könnte bei Ihnen die Gefahr einer weiteren Abhängigkeit bestehen?

    Es folgt ein Austausch der Teilnehmer der Therapiegruppe über das Thema. Ziel ist es, die Patienten vor einer solchen möglichen Entwicklung im Verlauf ihrer Abstinenz zu warnen.

  6. Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial

    An dieser Stelle des Programms ist es sinnvoll, die Gruppenteilnehmer über Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial zu informieren. Damit soll einer Suchtverlagerung auf diese Substanzgruppe vorgebeugt werden. Die Dunkelziffer von Medikamentenabhängigen wird als hoch eingeschätzt und häufig besteht eine große Unwissenheit über das Abhängigkeitspotenzial und die Gefahren verschiedener Präparate.

    Therapeut:
    Vielleicht haben Sie Ihr Suchtmittel, von dem Sie sich gerade verabschieden, bei bestimmten körperlichen oder psychischen Symptomen eingesetzt, bspw. bei Schlafstörungen oder Schmerzen. In Zukunft werden Sie in einem solchen Fall eventuell zu einem Medikament greifen, um sich Abhilfe zu schaffen. Auch dabei ist Vorsicht geboten: Einige Medikamente können für Sie die Gefahr einer erneuten Abhängigkeit bedeuten, was an deren eigenem Abhängigkeitspotenzial liegt. Kennen Sie solche Medikamente?

    Die Vorschläge der Gruppe werden am Flipchart notiert, der Therapeut nutzt die Sammlung um die fehlenden zu ergänzen. Folgende Medikamentengruppen sollten bevorzugt besprochen werden:

    • Benzodiazepine, auch bekannt als Beruhigungsmittel oder Tranquilizer, die häufig bei Unruhe oder...
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Deckblatt1
Titelseite4
Impressum5
Vorwort8
Inhalt10
Materialien in Content Plus12
Theoretische Grundlagen14
Entwicklung des Manuals16
Qualifizierte Entgiftung16
Patientenkollektiv und Behandlungssetting17
Allgemeine psychotherapeutische Grundlagen und Methoden19
Aufbau einer therapeutischen Beziehung19
Ambivalenz20
Motivational Interviewing (MI)20
Kognitive Dissonanz24
Gruppentherapie: Stand der Wissenschaft26
Über das vorliegende Programm28
Ziel des Programms28
Gestaltung des Gruppentherapieprogramms28
Anwendung des Manuals29
Feste Bausteine der Therapiesitzungen29
Haltung des Therapeuten30
Therapievereinbarung und Behandlungsziele31
Umgang mit Widerstand und anderen schwierigen Situationen innerhalb der Therapie32
Umgang mit Rückfällen39
Literatur43
Psychoedukativer Teil44
Suchtverlauf und Suchtverlagerung46
Körperliche Folgen des Suchtmittelkonsums53
Psychosoziale Folgen des Suchtmittelkonsums70
Entzug76
Medikamente in der Suchtbehandlung87
Therapie – wie und wo kann ich mir helfen lassen?94
Alkohol in Lebensmitteln102
Substanzfreie Zone109
Tabakinformation117
Literatur125
Psychotherapeutischer Teil126
Kriterien der Abhängigkeit128
Suchtentwicklung – Sitzung 1135
Suchtentwicklung – Sitzung 2140
Aufbau einer Abstinenzmotivation – Sitzung 1149
Aufbau einer Abstinenzmotivation – Sitzung 2156
Entwicklung von Zielen159
Problemlösen: Meine Baustellen – Sitzung 1163
Problemlösen: Auf geht’s zum Gipfel! – Sitzung 2169
Emotionsregulation174
Stärken und Ressourcen181
Umgang mit Risikosituationen – Sitzung 1187
Umgang mit Risikosituationen – Sitzung 2192
Tagesstruktur200
Genuss und Achtsamkeit206
Im Notfall211
Angehörigengruppe217
Literatur225
Stichwortverzeichnis226

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