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E-Book

PSYCHOLOGIE aktiv begegnen und verstehen

Übungen, Aufgaben, Denkimpulse, Beispiele, Lösungen

AutorAdolf Illichmann
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl182 Seiten
ISBN9783656601647
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis14,99 EUR
Fachbuch aus dem Jahr 2014 im Fachbereich Psychologie - Allgemeine Psychologie, , Sprache: Deutsch, Abstract: Im vorliegenden Buch wurde versucht, psychologisches Wissen in verständlicher Sprache, lebensnah und anwendungsbezogen zu vermitteln. Aufgaben, Übungen, Beispiele, Denkimpulse, kritische Anmerkungen und Zusammenfassungen bieten Gelegenheit, sich aktiv mit den einschlägigen Sachverhalten und Problemen auseinander zu setzen. Lösungsangaben ermöglichen eine gezielte Überprüfung der Ergebnisse von Aufgaben und Übungen. Es wurde auch versucht, darzustellen, dass der psychologischen Wissenschaft Grenzen gesetzt sind und in vielen ihrer Bereiche unterschiedliche Auffassungen, Standpunkte bzw. nur als vorläufig zu betrachtende Positionen gegeben sind. Ihre Forschungsergebnisse unterliegen - wie die anderer Wissenschaften auch - immer wieder einem Wandel. Bei der Textgestaltung spielte - wie oben bereits erwähnt - die sprachliche Verständlichkeit eine wesentliche Rolle, ohne dass dabei auf eine wissen-schaftlich ausgerichtete Begriffsverwendung verzichtet wurde. Neben einer allgemeinen Einführung in die Psychologie als Wissenschaft werden folgende psychologischen Teilbereiche behandelt: Motivation und Emotion, Wahrnehmung, Gedächtnis und Lernen, Denken und Intelligenz, der Mensch als Persönlichkeit, Verhalten im sozialen Zusammenhang, Psychische Störungen und Behandlungsmethoden, Drogen: Wirkungen und Gefahren, Markt- und Werbepsychologie: Schwerpunkt Werbung.

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Leseprobe

II Motivation und Emotion


 

1 Zur Einführung


 

Wenn wir uns fragen, was unser Verhalten aktiviert, welche Bedingungen uns veranlassen, in einer bestimmten Weise zu handeln, dann haben wir es mit dem Problem der Motivation zu tun.

Gefühle (= Emotionen) können besonders heftig sein (Affekte) oder als in Form von Stimmungen eine länger dauernde Gefühlstönung des Verhaltens bewirken.

Die Erforschung von Motivationen und Gefühlen stößt auf die Schwierigkeit, dass es sich dabei um innere Vorgänge handelt. Eine objektive Untersuchung ist daher nur indirekt über die Beobachtung der Auswirkungen auf das Verhal-ten möglich.

 

2 Motivation und Motiv


 

2.1 Begriffserklärung


 

Mit Motivation wird jene Antriebskraft umschrieben, die unser Verhalten in Gang setzt und steuert, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

An der Motivation sind unsere Motive beteiligt. Sie sind die besonderen „Be-weggründe“ unseres Verhaltens. Drei Menschen, die dasselbe Verhalten zeigen, können durchaus unterschiedliche Motive dafür haben. Der eine lernt z. B., weil er eine Belohnung in Aussicht hat, ein anderer lernt aus Wissbegierde und Interesse, ein Dritter, weil er sich vor einer angedrohten Strafe fürchtet.

Zur Übung

 

Haben Sie schon einmal überlegt, wodurch Sie sich zu verschiedenen Handlun-gen motivieren lassen?

Unterstreichen oder ergänzen Sie bei den folgenden Aktivitäten die im all-gemeinen bzw. für Ihre Motivation eventuell maßgeblichen Beweggründe!

Kaffee (Tee, Energy Drink, u.Ä.) trinken:

um neuen Schwung zu bekommen, aus Gewohnheit, gegen Kopfschmerzen, um mit anderen gemütlich zusammen zu sein, weil das Getränk so gut schmeckt, um nicht einzuschlafen, um wieder nüchtern zu werden, um sich besser konzentrieren zu können, aus Einsamkeit, weil das Getränk die Stim-mung hebt, nach dem Essen zur besseren Verdauung, gegen Durst,

 

Tanzen gehen:

aus Vergnügen, um jemanden kennen zu lernen, um schlank zu bleiben bzw. zu werden, als sportlicher Ausgleich, um „abschalten“ zu können, um aktuelle Musik zu hören, um sich im Tanzen zu verbessern, um mit der Partnerin (dem Partner) zusammen zu sein, weil die Partnerin (der Partner) es will, zur Brauchtumspflege, um sein Tanzkönnen zu zeigen, um aufzufallen, als gesell-schaftliche Verpflichtung,

 

Anmerkung:

Sicher werden Sie bemerkt haben, dass viele der hier angeführten Motivations-möglichkeiten noch einmal hinterfragt werden könnten. Z. B. wäre es ja in-teressant zu wissen, warum jemand sein Tanzkönnen zeigen will.

 

2.2 Arten von Motiven


 

Meist wird zwischen biologischen (angeborenen) Motiven („biologische Trie-be“) und psychologischen bzw. sozialen (erlernten) Motiven unterschieden.

Allerdings ist dabei nicht zu übersehen, dass auch die biologischen Motive in Bezug auf die Art und Weise, in der sie befriedigt werden, in hohem Maße durch Lernprozesse und kulturelle Faktoren beeinflusst werden. Man denke z.B. an das Essmotiv. Zwischen einzelnen Menschen wie auch Nationa-litäten bzw. Kulturkreisen bestehen zum Teil beträchtliche Unterschiede in den Essgewohnheiten und in der Nahrungszusammenstellung.

Eine andere Einteilung gliedert die Motive in Mangel- und Überflussmotive. Man beruft sich dabei auf vier allgemeinste Ziele menschlichen Verhaltens: Selbsterhaltung, Sicherheit, Befriedigung und Anregung. Der Mensch trachte danach, am Leben zu bleiben, sich in Sicherheit zu wissen, Angenehmes zu erleben und neue Reize zu erfahren.

Mangelmotívation: auf Selbsterhaltung und Sicherheit gerichtet; durch Bedürf-nisse gekennzeichnet, die darauf abzielen, Mängel (z. B.: Hunger, Sauerstoff-mangel), Störungen (z. B.: Krankheit, Schmerz) zu beheben und Gefahren, Be-drohungen und Angst zu vermeiden: angestrebt wird eine Spannungsverminde-rung.

Überflussmotivation: auf Befriedigung und Anregung gerichtet; das Bestreben geht dahin, „angenehme Erlebnisse zu haben, Befriedigung zu erlangen, zu wissen, verstehen, lernen und entdecken, Neues zu suchen und zu schaffen und etwas zu leisten“, meist wird Spannungszunahme gesucht. Fast jede mensch-liche Handlung kann Mangel- oder Überflussmotivation bzw. beides ausdrü-cken. Der Hungrige z. B. kann sein Essbedürfnis in einer genussvollen Weise befriedigen, die weit über das bloße Ausgleichen eines Mangelzustandes hi-nausgeht.

Eine detaillierte Aufgliederung der Mangel- und Überflussmotive zeigt die folgende Übersicht.

 

 

Zur Übung

 

Kehren Sie bitte zur vorhergehenden Übung zurück, und versuchen Sie die dort vorgegebenen „Beweggründe“ (Motive) nach Mangel- bzw. Überflussmoti-ven zu ordnen! Unterstreichen Sie zu diesem Zweck alle Motive, die Sie für ausgesprochene Mangelmotive halten! Übrig bleiben dann die Überflussmotive und jene, die nicht eindeutig zuzuordnen sind. Die Übersicht über die Motiv-aufgliederung (siehe oben) wird Ihnen dabei von Nutzen sein. Die eine oder andere Zuordnung wird Ihnen – wie gesagt - nicht leicht fallen, weil es eben auch zu Überschneidungen zwischen den beiden Motivgruppen kommen kann.

Lösung (1): siehe Seite 40

 

2.2.1 Motive und Selbstentfaltung

Der Weg zur Selbstverwirklichung stellt sich nach Abraham MASLOW als eine Stufenfolge von bestimmten Grundbedürfnissen dar. Das jeweils vorangehende Bedürfnis muss dabei angemessen befriedigt sein, bevor das folgende entsprechend zum Tragen kommen kann.

 

 

Dem Bedürfnis nach Sicherheit kann erst dann genügend entsprochen werden, wenn die physiologischen Lebensnotwendigkeiten ausreichend befriedigt sind.

Ein bestimmtes Maß an Sicherheit muss erreicht sein, bevor Geborgenheit und Liebe sich voll entfalten können. Und dies ist wieder Voraussetzung für eine größtmögliche Befriedigung des Bedürfnisses nach Geltung, Anerkennung und Erfolg. Selbstverwirklichung baut schließlich auf der Befriedigung aller voran-gegangenen Bedürfnisse auf und kann ihren Höhepunkt nur erreichen, wenn diese Befriedigung möglichst optimal erfolgt ist.

Störungen des „natürlichen“ Entwicklungsablaufes können also auftreten, wenn die Bedürfnisse irgendeiner Stufe unzureichend befriedigt werden. Dann wirkt sich dies auch auf die nachfolgende Bedürfnisebene aus: Ein Mensch, dessen Umwelt nur die primitivsten Lebensnotwendigkeiten bietet, wird kaum drängende Bedürfnisse nach Leistung, Prestige oder Schönheit entwickeln.

Die Bedürfnisse der bereits „überwundenen“ Stufen sind auch später immer wieder in gewissem Ausmaß vorhanden, können zeitweise wieder stärker hervortreten, aber niemals so quälend, so zwanghaft und überwältigend für die Gesamtperson, wie sie das in der Vergangenheit einmal waren. Kurz, nachdem ein Individuum die verschiedenen Entwicklungsphasen passiert hat, finden wir eine Persönlichkeitsstruktur, in der die vielen Bedürfnisarten in ein gut gesteuertes hierarchisches Organisationsmuster gefügt sind. Der Mensch ist von der Beherrschung durch andere Bedürfnisse befreit; er ist frei, seine ei-gentlichen reichen Möglichkeiten zum Blühen zu bringen, frei zur Selbstgestal-tung.

 

Zur Überlegung

 

 Überlegen Sie, welche Erfahrungen, Umweltbedingungen und Fähigkeiten als Voraussetzungen für eine ausreichende Befriedigung der einzelnen Bedürfnisse (nach MASLOW) gegeben sein müssen.

 

 Was bedeutet der Ausspruch: „Im Krieg ruhen die Künste“ im Hinblick auf diese Bedürfnisse? Welche Konsequenzen könnte eine tief greifende Wirt-schaftsrezession für die im Schema aufgezeigten Grundbedürfnisse bzw. de-ren Befriedigung haben? Welche Bedürfnisse würden dann am ehesten ver-nachlässigt werden?

 Welche Wirtschaftszweige profitieren vom Bedürfnis nach Sicherheit?

Durch welche Luxusgüter bzw. Verhaltensweisen versuchen manche Men-schen das Bedürfnis nach Anerkennung bzw. Geltung zu befriedigen?

2.2.2 Aggression

 

In der Aggressionsforschung, für die es nach wie vor eine ganze Reihe offener Fragen gibt, lassen sich im Wesentlichen drei Hauptpositionen unterscheiden:

1. Aggression = Trieb- oder Instinktäußerung (K. LORENZ, S. FREUD).

 

Im Organismus wird dauernd eine Art aggressiver Triebenergie erzeugt, die sich anstaut, wenn auslösende Reize fehlen.

2. Aggression = Reaktion auf Frustration (J. DOLLARD, N. MILLER).

Frustration tritt immer dann auf, wenn ein Ziel vergeblich (= lateinisch: frustra) angestrebt wird oder der Weg zu diesem Ziel behindert wird.

3. Aggression = Ergebnis von Lernprozessen (A. BANDURA, R. H. WAL-TERS) - siehe dazu auch IV/3.3 (Modelllernen) bzw. 3.2.2 (Bekräftigungs-lernen).

Berücksichtigt man verschiedene, in der Auseinandersetzung mit den genann-ten Theorien entstandene Ergänzungen und Änderungen, so scheint eine ge-wisse Integration der drei genannten Positionen möglich. Demnach würden individuelle Unterschiede im Ausmaß der Aggressivität zum Teil genetisch bedingt sein, während Frustration, Lernprozesse und bestimmte Umweltbe-dingungen als äußere Ursachen entsprechende Bedeutung...

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