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E-Book

Quantenwirtschaft

Was kommt nach der Digitalisierung?

AutorAnders Indset
VerlagUllstein
Erscheinungsjahr2019
Seitenanzahl336 Seiten
ISBN9783843720786
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Die rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz, die ersten Quantencomputer und die Automatisierung von immer weiteren Lebens- und Arbeitsbereichen wird massive Auswirkungen auf unsere Zukunft und unser Wirtschaftsmodell haben. Algorithmen werden zu Autoritäten und diese werden unvermeidlich im Wettbewerb gegeneinander antreten. Aber Technologie allein kann und wird nicht die Antwort auf alle unsere Herausforderungen sein. Noch sind wir Menschen die Treiber und Bindeglieder, die unsere Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft und Realität steuern können.
Anders Indset entwickelt drei Szenarien für die nächsten 10 bis 20 Jahre in denen unsere Zukunft unumkehrbar entschieden wird.

ANDERS INDSET gebu?rtiger Norweger, ist Businessphilosoph und erfolgreicher Unternehmer. Er ist Gastdozent an mehreren internationalen Business Schools und vertrauter Sparrings-Partner für internationale CEOs und führende Politiker. Indem er die Philosophie der Vergangenheit mit der Technologie und Wissenschaft von morgen zusammenbringt, zeigt er Fu?hrungskräften auf, wie sie das 21. Jahrhundert meistern können. 2018 hat ihn Thinkers50 in die Top 30 der in Zukunft wichtigsten Managementvordenker aufgenommen.

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Leseprobe

Intro

»Wollen wir die Gesellschaft verstehen, müssen wir die Wirtschaft neu denken.«

Die Old Economy ist tot, die New Economy ebenso. Das utopische Versprechen der Achtziger- und Neunzigerjahre wurde nicht eingelöst. Vielleicht geht 2018 in die Geschichte ein als das beste Jahr der Menschheit. Viele unlösbare Probleme haben wir gemeistert, dennoch haben wir das Gefühl: So wird es nicht weitergehen. Nach den eher harmlosen Korrekturen um die Jahrtausendwende mit der Dotcom-Krise und der Korrektur während der Finanzkrise 2008 könnte es uns jetzt viel schlimmer treffen, wenn wir nicht umdenken.

Wir leben in einer merkwürdigen Welt, einer Ära des Zusammenbruchs und des Anbruchs einer neuen Zeit. Noch schwören wir auf das Alte Testament des Kapitalismus und definieren Wohlstand allein materialistisch, durch noch mehr Besitztümer, noch mehr Konsum und damit auch durch noch mehr Umweltzerstörung. Doch es wird höchste Zeit, ein Neues Testament zu formulieren, die Verheißungen und Gesetze eines postmaterialistischen Kapitalismus, der Wohlstand nicht auf den Kontostand reduziert, sondern auch unseren Verstand und unsere Vitalenergie stärkt und uns mit Gütern wie Glück und Liebe versorgt. Dieses postmaterialistische System – nach Old und New Economy – bezeichne ich als »Q-Economy«, als »Quantenwirtschaft«.

Wir benötigen eine echte Aufklärung, eine Renaissance der Denker. Aber um die Gesellschaft weiterzuentwickeln, braucht es zudem eine ökonomische Motivation, einen neuen Fortschrittsmotor.

»Der Kapitalismus ist ein funktionierendes System«, sagt der Dalai-Lama, »aber was ihm fehlt, ist Mitgefühl.« Der weise Mann hat recht. In der berühmten Maslowschen Bedürfnispyramide nehmen die materiellen Bedürfnisse auf der untersten Pyramidenstufe den größten Raum ein. In die höheren Etagen, zur Befriedigung immaterieller Bedürfnisse, dringen die meisten Menschen auch und gerade in den Wohlstandsregionen kaum jemals vor, da das gegenwärtige System sie auf die materielle Stufe fixiert. Dabei hat die Wissenschaft längst nachgewiesen, dass wir durch immer mehr materiellen Besitz und Konsum nicht glücklicher werden – im Gegenteil. Zweitwohnung, Drittwagen und die jeweils allerneuesten Digitalfetische steigern nicht unsere Zufriedenheit, sondern nur unsere Abhängigkeit von materiellem Konsum.

Der Lebenszyklus jeder Marktwirtschaft beginnt mit Revolverkapitalismus. Wenn dann der Wachstumsmotor zündet, folgen Regulierung und Besteuerung. Die Öffentliche Hand verteilt Transferleistungen, Rechte und Ansprüche werden erworben, Wohlstand verbreitert sich bis zum Überkonsum – und schließlich dem Kollaps. Ähnlich einem Lebewesen ist die Volkswirtschaft bei ihrer Geburt voller Vitalität, und wenn sie erstarrt und abgenutzt ist, stirbt sie und zerfällt. Dann bilden sich kleinere, dynamische Gruppen, und der Zyklus beginnt von vorne, aber mit größerer Effizienz. So entstehen viele »Baby-Ökonomien«, deren Vitalenergie wir nutzen können, um etwas essenziell Neues zu schaffen: die Quantenwirtschaft.

Derzeit befinden sich die Volkswirtschaften der westlichen und einiger asiatischer Wohlstandsregionen im vorletzten Stadium ihres Lebenszyklus: suchtartiger Überkonsum kurz vor dem Kollaps. Durch enthemmten Konsumismus haben wir die Ressourcen unseres Planeten bereits weitgehend geplündert. Bei einer Weltbevölkerung von knapp acht Milliarden ist es schlichtweg unmöglich, die materiellen Konsumwünsche aller Menschen zu erfüllen – Villen und Ferraris für jeden kann und wird es niemals geben. Die meisten dieser Objekte des Begehrens sind ohnehin nur physische Surrogate für immaterielle Bedürfnisse, die sich durch Luxuskonsum nicht befriedigen lassen. Doch emotionale und spirituelle Güter wie soziale Anerkennung und Zufriedenheit, Lebenssinn und individuelle Selbstverwirklichung sind in den Shopping-Malls des materialistischen Kapitalismus nicht zu haben – so wenig wie westliche Konsumgüter einst in den Kaufhallen sowjetsozialistischer Mangelökonomien verfügbar waren. »Zufriedenheit und Lebenssinn kann man nicht kaufen«, wendest du vielleicht ein. Doch in der zukünftigen Quantenwirtschaft, wie ich sie verstehe, werden zu unser aller Wohl auch immaterielle Güter kapitalisiert werden.

Warum nenne ich diese postmaterielle, ganzheitliche Ökonomie »Quantenwirtschaft«? Hier eine Kurzantwort: In der Quantenwirtschaft wird der vermeintliche Gegensatz zwischen materiell und immateriell, physisch und spirituell genauso überwunden, wie in der Quantenphysik jedes (subatomare) Materieteilchen zugleich Energie ist – und umgekehrt. Und weil die Quantenphysik uns nahelegt, dass sich unsere Realität weniger in der physischen Materie als in der »Leere« dazwischen manifestiert.

Die Welt – und damit auch die Wirtschaft – ist nicht rational zu verstehen. Es ist eine Welt der Interdependenzen, eine Interwelt, denn nur interdisziplinär, in den Zwischenräumen, werden wir neue Wege und Lösungen finden. Wir leben heute schon in einer Quantenrealität – auch wenn du davon möglicherweise noch nichts mitbekommen hast –, deren Merkwürdigkeit auch die Wissenschaften zunehmend entdecken. Zugleich hat sich weltweit eine Generation von »Erwachten« in Bewegung gesetzt, von jungen Menschen, die Bewusstsein über alles stellen und ein höheres Energielevel anstreben. Wenn man ganz genau hinhört, sprechen die Pioniere unter uns bereits jetzt über das Gleiche, wenngleich nur sehr verhalten: über Relationen, Potenzialität, Bewusstsein …

Ich habe mit Physikern und Mathematikern genauso diskutiert wie mit Gurus und Mönchen, mit Nobelpreisgewinnern wie mit Theologen und Religionsforschern. Die Konzepte der Quantenphysik sind verwirrend, auch und gerade für »klassische« Naturwissenschaftler, aber es sind keine Spekulationen, sondern wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse. Erstaunlicherweise stimmen sie im Kern mit den Visionen und intuitiven Einsichten der spirituell Erleuchteten aller Kulturen und Zeiten überein. Gurus und Schamanen haben es immer schon gepredigt: Energie ist Materie, und Materie ist Energie.

Die Grundformel des Universums ist nicht Entweder-oder, sondern Sowohl-als-auch. Die spirituellen und materiellen Denkansätze selbst sind also keine unvereinbaren Gegensätze, sondern zwei Wege, die aus entgegengesetzten Richtungen zum gleichen Ziel zuführen – die Leerstelle oder den Zwischenraum zwischen Geist und Körper, Materie und Energie. Einige der interessantesten theoretischen Ansätze unserer Zeit fokussieren diese Leerräume zwischen scheinbar unvereinbaren Disziplinen: Quantenphysik trifft auf Spiritualität, Phänomenologie auf Neurowissenschaften und Psychoanalyse.

Die Quantenrealität – und damit auch die Quantenwirtschaft – ist eine Welt, in der sich die Wissenschaftsdisziplinen und scheinbar unvereinbaren Erfahrungsweisen einander annähern. Vielleicht ist Spiritualität ein Teil der Physik, den wir noch nicht verstanden haben. Die mögliche Synthese vermeintlich unüberbrückbarer Gegensätze ist ein radikal neuer philosophischer Ansatz. Auf ökonomischer Ebene führt sie zu meinem Konzept der Quantenwirtschaft – weil wir für einen Fortschritt unserer Gesellschaft, ja unserer ganzen Welt, eine ökonomische Motivation brauchen.

Die Quantenwirtschaft wird unsere Gesellschaft verändern

Die Quantenwirtschaft wird nicht nur unsere materiellen Bedürfnisse befriedigen – sie wird uns auch ermöglichen, unsere Talente zu entwickeln und unsere Träume auszuleben. Die Ökonomie der Zukunft wird alle fundamentalen Bereiche der Gesellschaft regeln: unsere materiellen Bedürfnisse, unsere sozialen Beziehungen, virtuelle ebenso wie reale, unsere Verwaltung, Bildung und Kultur; unsere geistige Entwicklung und Selbstverwirklichung.

Insbesondere die zurückliegenden Jahrzehnte waren durch materialistischen Turbokapitalismus und suchtartigen Hyperkonsumismus geprägt. Die unteren Stufen der Maslowschen Bedürfnispyramide wurden immer weiter ausgebaut, die Befriedigung von physischen und Sicherheitsbedürfnissen exzessiv ausgedehnt – als könnten wir nur mit Risikoabsicherungen gegen alles und jedes leben und als gehörten eine Villa, ein SUV und mindestens noch ein Sportwagen und ein Ferienhaus im Ausland zu den Grundbedürfnissen, wenn nicht sogar zu den Grundrechten eines jeden Individuums. Doch wenn wir die quantenökonomische Perspektive einnehmen, erkennen wir, dass eine derart ressourcenverschlingende und auf Materialistisches verengte Definition von Grundbedürfnissen nicht für alle funktionieren kann – nicht einmal in den Wohlstandsregionen der Erde, geschweige denn weltweit.

Die Lösung des Dilemmas besteht aber nicht in der Limitierung, sondern in der Erweiterung des kapitalistischen Modells. Diese ist in der Maslowschen Pyramide bereits angelegt; Denn der US-Wissenschaftler ist der Begründer der humanistischen Psychologie, eines Konzepts, das den Menschen helfen soll, sich selbst zu verwirklichen und ihr kreatives Potenzial zu entfalten. Die Überdehnung der unteren Bedürfnisstufen dagegen erstickt alle höheren Bedürfnisse und Möglichkeiten.

In der Quantenwirtschaft geht es also unter anderem darum, neue Angebote zu schaffen, die kreative Entfaltung und gesunde Selbstverwirklichung fördern. Dafür müssen wir neue Geschäftsmodelle erfinden, um Glück und Optimismus, Geborgenheit, Vertrauen, individuelle Stärken, Empathie und Solidarität zu kapitalisieren. Damit meine ich keine materiellen Surrogate, keine Luxusprodukte, die uns im jetzigen Wirtschaftssystem höchstens über die...

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