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Rathaus, Dom und Charlemagne

Karl der Große und seine Pfalz in Aachen - Special: Centre & Route Charlemagne

AutorSabine Mathieu
VerlagMeyer & Meyer
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl160 Seiten
ISBN9783840310614
FormatePUB/PDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis7,99 EUR
Dieser kleine Führer soll dem Leser die ehemalige Pfalzanlage Kaiser Karls des Großen erklären. In einem Rundgang lernt er Dom, Rathaus und das Centre Charlemagne und damit das Machtzentrum des Frankenherrschers zwischen damals und heute kennen. Zusätzlich gibt es eine Reihe Antworten auf Fragen rund um das Leben Kaiser Karls in Aachen und die Entwicklung seiner Lieblingsresidenz über seine Zeit hinaus. Die Route Charlemagne, als neu entstandener Ausstellungsparcours führt den Leser quer durch die Stadt, an sechs verschiedenen Standorten vorbei. So weit wie möglich wurden alle aktuellen Erkenntnisse mit berücksichtigt.

Sabine Mathieu ist gelernte Bankkauffrau und arbeitet schon seit 30 Jahren journalistisch für verschiedene lokale Medien in Aachen. Außerdem ist sie seit 1998 Stadtführerin in Aachen und dort hauptsächlich für 'aachen tourist service e. V.' in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch tätig. Sie ist seit 31 Jahren verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

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Leseprobe

1.1  Wer war Kaiser Karl der Große?


Karl der Große (um 748-814) war der erste mittelalterliche westeuropäische Herrscher, der den Titel Imperator et Augustus trug. Die Kaiserkrönung vollzog Papst Leo III. am 25. Dezember 800 in Rom.Über Karls Kindheit und Jugend ist so gut wie nichts bekannt. Seit seiner Königskrönung 768 bis zu seinem Tod 814 gelang es Karl, von Norddeutschland bis nach Norditalien, vom heutigen Ungarn bis an die Atlantikküste, ein karolingisches Großreich zu schaffen. Belastend für seine lange Regentschaft waren vor allem die fast 32 Jahre anhaltenden Kriege gegen die Sachsen. Das ihm nachgesagte Massaker von Verden an der Aller (782), das angeblich mehrere tausend sächsische Todesopfer forderte, wirft nachhaltig einen Schatten auf seine sonst durchaus erfolgreiche Regentschaft. Dieses Ereignis ist wissenschaftlich umstritten und wird in Fachkreisen intensiv diskutiert.

Kaiser Karl vergrößerte das von seinem Vater Pippin (714-768), genannt der Jüngere oder der Kurze, geerbte Staatsgebiet um gut das Doppelte. Seine Expansionspolitik ist aus heutiger Sicht umstritten. Herrscherfiguren wie Kaiser Karl definierten sich ihrer Zeit entsprechend über ihren militärischen Erfolg. So führte er Kriege gegen die Langobarden im Norden Italiens, deren Königsstadt Pavia er schon 774 nach langer Belagerung einnahm. Weitere kriegerische Auseinandersetzungen unternahm er gegen die Bayern, die Sachsen, die Awaren im heutigen Ungarn und die Sarazenen im damals arabisch besetzten Spanien. Sein westeuropäisches Großreich wurde zum Vielvölkerstaat, dessen innerer Frieden durch eine erfolgreiche Integrationspolitik gewahrt blieb.

Den Zusammenhalt von zahlreichen Volksgruppen gewährleistete ein gemeinsamer Glaube, das Christentum. Das Judentum wurde respektiert. Heidnische traditionelle Gottheiten galten hingegen als verpönt. Zwangschristianisierungen waren an der Tagesordnung.

Karl der Große nach einem Gemälde von Albrecht Dürer

Der innenpolitische Erfolg Karls des Großen kann an seiner guten Wirtschaftspolitik gemessen werden. Für einen Agrarstaat war die Einheit von Maßen und Gewichten grundlegend für einen fairen Handel. Außerdem führte Kaiser Karl mit dem karolingischen Denar die erste Einheitswährung Europas ein. Diese Maßnahmen schufen die Basis für eine erfolgreiche Wirtschaft und die damit verbundene karolingische Renaissance.

Ein prosperierendes Wirtschaftsleben lässt auch Zeit für Kunst und Kultur. Kaiser Karl entwickelte sich zum Förderer der Wissenschaften und Künste. Die Hoffeste in seiner Königshalle in Aachen sind legendär und ausnahmsweise keine Legende. Sein Interesse an der Kulturförderung war so ausgeprägt, dass er die großen Gelehrten seiner Zeit an seinen Hof, vornehmlich an die Hofschule nach Aachen, holte. Künstler, Theologen und Wissenschaftler aus Italien, Spanien, England und Irland folgten seinem Ruf.

Das Lorscher Evangeliar und das Reichsevangeliar, heute in der Wiener Hofburg zu sehen, geben Zeugnis von der hohen Buchkunst am kaiserlichen Frankenhof.

Auch wenn Kaiser Karl selbst nicht zur Feder griff, unterhielt er internationale Kontakte und Korrespondenzen bis hin zu Harun al Rashid (um 763-809) in Bagdad.

Zum ersten Mal entstand unter seiner Regentschaft eine eigene mitteleuropäische Baukultur. In Mainz ließ er eine bedeutende Brücke über den Main bauen, die Pfalzhöfe Ingelheim und Paderborn waren weit über die Reichsgrenzen hinaus bekannt. Aber ein Bauwerk sollte alles andere in den Schatten stellen: die Marienkirche in Aachen, der oktogonale Kuppelbau des heutigen Aachener Doms. Ihr gegenüber stand als Zeichen seiner weltlichen Macht die gigantische Königshalle, ein Festsaal von riesigem Ausmaß, der heute noch die Basis des Aachener Rathauses bildet. Die Kaiserpfalz in Aachen wurde in den letzten Lebensjahren Kaiser Karls ständige Residenz.

Hier starb Kaiser Karl am 28. Januar 814 an den Folgen einer Rippenfellentzündung. Er erreichte für die damaligen Verhältnisse ein sehr hohes Alter. Nach heutiger Zeitrechnung wurde er 66 Jahre alt und hat 46 Jahre lang regiert. Besonders seine lange Herrschaftszeit war außergewöhnlich. Seit Jahrhunderten hatten die Franken eine solche politische Kontinuität nicht erlebt. So wurde Kaiser Karl bereits zu Lebzeiten legendär und verklärt. Man gab ihm Beinamen wie „großer Herrscher“ und „Vater Europas“.

Das moderne Aachen entstand auf seiner Pfalzanlage im Mittelpunkt der heutigen Altstadt. Die Wiege der Stadt bildet das Gelände rund um Dom und Rathaus. Karl ist deshalb die wichtigste historische Persönlichkeit dieser pittoresken Stadt am Dreiländereck zwischen Belgien, den Niederlanden und Deutschland.

1.1.1   Biografische Daten


02.04.748möglicher Geburtstag von Karl dem Großen.
 Seine Eltern sind Bertrada „mit dem großen Fuße“, Tochter des Grafen von Laon, und Pippin „der Kurze“ oder „der Jüngere“, Hausmeier der Merowinger.
751Karls Vater Pippin wird König über das Frankenreich.
768Pippin stirbt.
 Karl und sein Bruder Karlmann erben je eine
 Hälfte des Reiches.
09.10.768Karl wird in Noyon zum König gesalbt
 Karlmann in Soissons.
770/71Karl heiratet die Tochter des Langobardenkönigs Desiderius, die Ehe dauert kein Jahr, da verstößt er die Gattin wegen angeblicher Unfruchtbarkeit.
 Er heiratet Hildegard, die 13-jährige Nichte
 des Bayernfürsten Tassilo.
04.12.771Karlmann stirbt und Karl wird Alleinherrscher.
772Beginn der Sachsenkriege
773/74Belagerung von Pavia, der Hauptstadt der Langobarden, und erster Besuch in Rom
 Karl zieht schließlich als König der Langobarden in Pavia ein.
778Karl zieht nach Spanien, dieser Feldzug endet mit einem Misserfolg. Als er am Ziel Saragossa ankommt, hat sich die politische Lage so verändert, dass sein Eingreifen überflüssig wird. Er lässt Pamplona plündern.
 Auf dem Rückweg gerät ein Teil des Heeres in einen Hinterhalt.
781Erneuter Besuch in Rom. Karls Söhne Pippin und Ludwig werden von Papst Hadrian I. zu Königen gesalbt.
782Das Blutgericht von Verden nach einem Sachsenaufstand unter ihrem Anführer Widukind, fränkische Grafschaften entstehen auf sächsischem Gebiet.
30.04.783Königin Hildegard stirbt, kurze Zeit später auch Karls Mutter Bertrada.
 Wenige Monate später heiratet Karl die Ostfränkin Fastrada.
785Widukind unterwirft sich und wird getauft.
788Möglicher Baubeginn der Aachener Pfalz mit dem Granusturm und der Königshalle
 Herzog Tassilo von Bayern wird gestürzt, Bayerns Unabhängigkeit endet.

Neben dem Dauerkonflikt mit den Sachsen führte Karl zahlreiche weitere Feldzüge.

791

Feldzug gegen die Awaren im heutigen Ungarn

793Möglicher Baubeginn des Aachener Doms
 Kaiser Karls illegitimer Sohn Pippin, „der Bucklige“ oder „der Schöne“, zettelt eine Verschwörung an. Er wird ins Kloster Prüm verbannt.
10.08.794Karls Ehefrau, Königin Fastrada, stirbt, ihr Grab ist im Dom zu Mainz.
 Karls nächste Frau wird die Alemannin Liutgard.
794Aachen entwickelt sich zunehmend zur ständigen Winterpfalz.
795Karls Heer erbeutet den Schatz der Awaren, der auf 15 Ochsenkarren nach Aachen gebracht wird.
799Karl trifft Papst Leo III. in Paderborn, die Weichen für die Kaiserkrönung werden gestellt.
04.06.800Königin Liutgard stirbt in Metz.
25.12.800Kaiserkrönung in Rom durch Papst Leo III.
20.07.802Abul Abaz, der...
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