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E-Book

Raumkonzepte

Disziplinäre Zugänge. E-BOOK

VerlagV&R Unipress
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl380 Seiten
ISBN9783862340705
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis59,99 EUR
Raumkonzepte durchwirken wissenschaftliche Diskurse und Forschungsgegenstände. Sie entscheiden über die Grundausrichtung einzelner Disziplinen, die geographische Räume, Sakral- und Herrschaftsräume, Schrift- und Gesellschaftsraum thematisieren. Sie spiegeln sich in kulturhistorisch geformten Kartentypen sowie in biblischen und literarischen Texten. Kulturräume von der Antike bis zur Moderne liefern Ansatzpunkte für Identitätsstiftung; sie bewahren und transformieren Wissen. Die Beiträge dieses interdisziplinär angelegten Bandes veranschaulichen die Forschungspraxis unterschiedlicher Fach­­richtungen. Sie zeigen, wie das jeweils unterlegte Raumkonzept auf die untersuchten Gegenstände einwirkt und das Erfassen der Orientierungssystematik zu neuen Lesarten führt.

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Leseprobe
"3. Neue Räume und Wissenstransfer (S. 255-258)

Stefan Schröder

Die Klimazonenkarte des Petrus Alfonsi. Rezeption und Transformation islamisch-arabischen Wissens im mittelalterlichen Europa


Mittelalterliche Karten sind derzeit in der deutschsprachigen und internationalen Medivistik eine intensiv untersuchte Quellengattung.1 Dies zeigt sich nicht nur an der Vielzahl neuerer Veröffentlichungen, sondern auch am vernderten Stellenwert, der den Karten in Einführungswerken zur mittelalterlichen Geschichte beigemessen wird. Während Hans-Werner Goetz sie lediglich unter den Realien aufführt, Martina Hartmann sie überhaupt nicht nennt und Peter Hilsch sie nur kurz thematisiert, rücken sie in Harald Müllers jüngst publiziertem Studienbuch an prominente Stelle. Gleich im ersten Kapitel, noch vor den Weltchroniken, führt Müller am Beispiel der auf dem TO-Prinzip basierenden großformatigen EbstorferWeltkarte in das mittelalterlicheWeltbild ein.

Diese Verschiebungen bilden in gewisser Weise den sich verndernden Forschungsblick ab. Karten werden nicht mehr nur als Ausdruck des zeitgenössischen Wissens über eine physische Wirklichkeit gesehen, sondern als ein Medium, dem eine wichtige Rolle für die Implementierung kollektiver Weltbilder zukam. ˜ber das Kartenprogramm, die Auswahl an visuellen und sprachlichen Zeichen sowie über die gestalterische Umsetzung wurden geographische und kulturelle Räume hergestellt sowie Wert- und Normvorstellungen festgeschrieben.

Vor allem die TO- oder §kumenekarten weisen solche didaktischen Funktionen auf. Zum einen geben sie Vorstellungen über die Gestalt der Welt in teils sehr schematischer Form wieder, denn sie bilden nicht die gesamte Erdkugel, sondern nur Asien, Afrika und Europa ab. Wie eine typische, in die Abschrift eines antiken Sallusttextes eingebettete TO-Karte aus dem 13. Jahrhundert zeigt, stellten das in Form des Buchstabens Teingezeichnete Mittelmeer mit Don und Nil die Grenzverlufe zwischen den drei bekannten Kontinenten dar, die vom O des Ozeans umgeben sind.

Diese natürlichen Trennlinien, einzelne Toponyme und gelegentlich ergnzte graphische Zeichen erlaubten es, schnell zu memorierende Informationen zu visualisieren.5 Zum anderen enthalten die zumeist geosteten TO-Karten eine rumliche wie eine zeitliche Dimension. ˜ber die Paradiesdarstellungen am oberen Kartenrand und die Endzeitvölker Gog und Magog bis hin zur Andeutung des himmlischen Jerusalems führten sie dem Betrachter die Einheit von Mikro- und Makrokosmos, die Allmacht Gottes und Vielfalt seiner Schöpfung vor Augen. Am weitesten ausgeformt ist dies in den großformatigen Weltkarten von Hereford oder Ebstorf aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert,6 die in zahlreichen graphischen Zeichen und Textlegenden kosmologisches, geographisches und biblisches Wissen miteinander vereinen."
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt7
Vorwort9
Raumkonzepte. Zielsetzung, Forschungstendenzen und Ergebnisse11
1. Raumbegriffe und Fachkulturen29
SchriftRäume. Inszenierungen und Deutungen der Buchstaben (1500 – 1800)31
Heilige Handlungsräume? Eine theologisch-raumtheoretische Betrachtung zur performativen Kraft von Kirchenräumen53
Räume und Regionen der Geographie73
Hans Jantzens Analyse ottonischer Kunst. Der Bildraum als Symbol historischen Anfangs und ontologischen Ursprungs97
2. Kartieren und Erzählen127
Das Raumverständnis in der Markuspassion129
Die Welt als Erzählraum im späten Mittelalter147
Piraten, Karten und Welt-Literatur. Carlos de Sigüenza y Güngoras ›Infortunios de Alonso Ramirez‹181
Erzählte Karten, Erzählkarten. Morus, Novalis, Goethe, Robbe-Grillet, Gracq201
Erinnerung, Raum und Karte in Jacques Roubauds ›Le grand incendie de Londres‹235
3. Neue Räume und Wissenstransfer257
Die Klimazonenkarte des Petrus Alfonsi. Rezeption und Transformation islamisch-arabischen Wissens im mittelalterlichen Europa259
Alexander der Große in der Fürstenbibliothek Arolsen. Formen des Transfers und der Transformation von Räumen und Kulturen in Wort und Bild281
Das Rätseln über Tiwanaku. Der Sonderweg der altamerikanischen Archäologie am Beispiel einer Heterotopie305
»Neu-Deutschland« im Paradies? Zur Konstruktion des deutschen Brasilianers zwischen 1820 und 1874323
Über die Autorinnen und Autoren des Bandes341
Register345
A. Namens-, Sachwort- und Ortsregister345
B. Autoren und Autorinnen moderner Forschungsliteratur374

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