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Reflexionen über das Unbewusste

AutorMatthias Kettner, Wolfgang Mertens
VerlagVandenhoeck & Ruprecht
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl160 Seiten
ISBN9783647452029
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis18,99 EUR
Forschung, Theoriebildung und Behandlungspraxis haben innerhalb der Psychoanalyse zu verschiedenartigen Konzeptionen vom Unbewussten geführt. Die heutige Metapsychologie versucht diese mit Hilfe neuro- und kognitionswissenschaftlicher Erkenntnisse und anderer neuer Disziplinen, aber auch im Licht der Semiotik und der Philosophie des Geistes zu integrieren. Matthias Kettner und Wolfgang Mertens stellen diese Diskussion vor und erreichen im kritischen Dialog von Psychoanalyse und Philosophie ein Reflexionsniveau, das viele Anregungen für die Metapsychologie des 21. Jahrhunderts enthält. Dabei erweist sich die Semiotik als eine hilfreiche Strukturierung für Teile der psychoanalytischen Wissenschaftstheorie, vor allem für die Praxis des Deutens von unbewusstem Sinn.

Prof. Dr. Matthias Kettner, Diplom-Psychologe, ist Forschungsdekan der Fakultät für das Studium Fundamentale an der Privaten Universität Witten/Herdecke und lehrt dort Philosophie.

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Leseprobe
Semiotik und die Suche nach der Matrix der Metapsychologie (S. 77-78)

Matthias Kettner

Pro Metapsychologie

Eine Tiefenpsychologie nach den Vorstellungen Freuds wäre eine wissenschaftliche Psychologie, die hinter das Bewusstsein führt, aber dessen Licht mitnimmt. Die theoretische Durchdringung von Bewusstseinsphänomenen wurde von der wissenschaftlichen Psychoanalyse leider schon immer vernachlässigt.

Heute scheint die Psychoanalyse auch noch ihr Unbewusstes, den Zentralbegriff ihrer Pionierzeit (Buchholz u. Gödde, 2005, S. 321 –461), an andere Wissenschaften zu verlieren. Forschungsprogramme der Kognitions- und Neurowissenschaften messen dem Bewussten – den mit bewusster erstpersonaler Aufmerksamkeit vermittelten Vorgängen – keine große Bedeutung zu im Vergleich mit dem immensen Raum von subpersonalen seelischen und neurophysiologischen Vorgängen, die sich solcher Aufmerksamkeit völlig entziehen.

Ist Aktualisierungsarbeit an der psychoanalytischen Metapsychologie vertane Zeit?Wolfgang Mertens argumentiert – wie ich finde: durchschlagend – für die Weiterarbeit an der Metapsychologie, verstanden freilich nicht als Untermauerung einer psychobiologischen Triebtheorie durch Anleihen bei Naturwissenschaft und Biologie, wie bei Freud, sondern als der beste allgemeine Theorierahmen, der alles Theoretische im Diskurs der Psychoanalyse durch Kohärenz mit geeigneten Disziplinen wissenschaftlich so weit es geht abzusichern vermag: »Ohne einen eigenen grundlagentheoretischen Standpunkt und eine genaue Benennbarkeit der Schnittstellen lässt sich keine Auseinandersetzung mit anderen einschlägigen Wissenschaften führen.

Spätestens dann aber droht die Psychoanalyse für andere Wissenschaften langweilig zu werden« (Mertens in diesem Band, S. 20) Angesichts der vielfältigen Versuche, die gemacht wurden, Metapsychologie und Psychologie durch ihre verschiedenen Rollen in theoretischen Diskursen zu unterscheiden, mutet es vielleicht anachronistisch an, sie nach Objektbereichen zu unterscheiden. Gleichwohl: (1) Die Variable – der Joker? – für den Zentralbegriff jeder psychoanalytischen Metapsychologie und Psychologie ist »das Unbewusste« (Buchholz u. Gödde, 2005).

Angenommen, das mit diesem Zentralbegriff Gemeinte lasse sich im Ausgang unseres alltagssprachlich und alltagspraktisch gesicherten Grundverständnisses und der in ihm fundierten Beschreibungsmöglichkeiten menschlichen Erlebens und Sichverhaltens Schritt für Schritt einführen. Im natürlichen Grundverständnis sind wir erste, zweite und dritte Personen, die ihre Gründe haben und geben, in Grenzen für ihr Tun und Lassen verantwortlich sind, in vielfältigen Beziehungen engagiert sind, Überzeugungen entwickeln, Bedürfnisse, Wünsche und Interessen haben und in unzähligen weiteren »intentionalen« – das heißt: sinngemäß als auf-etwas-bestimmtes-bezogen intersubjektiv nachvollziehbaren – Formen unterwegs sind. In solchen Formen macht die Lebenswelt Sinn.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Cover1
Title Page4
Copyright5
Table of Contents6
Body
8
Back Cover
162
Wolfgang Mertens Zur Konzeption des Unbewussten – Einige Überlegungen zu einer interdisziplinären Theoriebildung zum Unbewussten8
Matthias Kettner Semiotik und die Suche nach der Matrix der Metapsychologie78
Matthias Kettner und Wolfgang Mertens Briefwechsel110
Literatur144

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