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Rekrutierungsaufwand und Teilnahmebereitschaft der Allgemeinbevölkerung am Beispiel der Heinz Nixdorf Recall Studie

AutorAstrid Dagmar Feuersenger
VerlagUVRR Universitätsverlag Rhein-Ruhr
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl102 Seiten
ISBN9783940251084
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis25,99 EUR

Nonresponse spielt für die Aussagekraft epidemiologischer Studien eine zentrale Rolle. Diese Arbeit beleuchtet die Problematik des Nonresponse Bias insbesondere unter dem Blickwinkel unterschiedlichen Rekrutierungsaufwandes.

Zur Quantifizierung des Rekrutierungsaufwandes wurde ein neues, auf andere Studien übertragbares Wellenkonzept entwickelt und angewendet. Anhand der Heinz Nixdorf Recall Studie wird analysiert, wie sich Teilnehmer unterschiedlichen Rekrutierungsaufwandes unterscheiden, ob der Nonresponse Bias mit zunehmendem Rekrutierungsaufwand sinkt, welchen Einfluss der Nichtteilnehmer-Kurzfragebogen (KFB) dabei besitzt, wie sich die Teilnehmer von den Nichtteilnehmern (NR) unterscheiden, wie repräsentativ die NR mit KFB für alle NR sind, ob die NR einer Teilnehmergruppe ähneln, wie sich die Validität der Selbstangaben mit variierendem Rekrutierungsaufwand ändert, ob sich eine intensive Rekrutierung lohnt und wo Einsparungspotential besteht.

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Leseprobe

1 Einleitung und Zielsetzung (S. 5-6)

Der Nonresponse spielt für die Aussagekraft epidemiologischer Studien eine zentrale Rolle. Bereits in den 50er Jahren war man sich bewusst, dass Studienergebnisse angezweifelt werden können, wenn nicht Daten der gesamten Studienpopulation eingeholt wurden (Cochran (1951), Armstrong et al. (1992)). Kommt es nämlich im Gegensatz zu einem rein zufälligen zu einem systematischen Ausfall von Angaben, besteht die Gefahr eines Nonresponse Bias (Verzerrung durch systematische Nicht-Teilnahme) (Lavrakas (1993)). Seit der Entdeckung dieser Problematik hat sich im Laufe der Jahre eine grundlegende Änderung vollzogen. Früher herrschte die Meinung vor, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Nonresponse Bias u. a. bei geringer Response Proportion erhöht ist. (Siemiatycki und Campbell (1984)). Um einem hohen Nonresponse Bias entgegen zu wirken, schlug Sackett (1979) deshalb eine Response Proportion von mindestens 80% vor. Heutzutage ist man der Auffassung, dass die Festlegung einer Response Proportion, die hinsichtlich der Verzerrung automatisch als akzeptabel betrachtet werden kann, nicht möglich ist, da Nonresponse Bias bei jeder Response Proportion auftreten kann (Locker (1993)). Wie Stang und Jöckel (2004) darlegen können sogar Studien mit geringer Response Proportion weniger verzerrt sein als Studien mit hoher. Studien mit geringer Response Proportion müssen folglich nicht zwangsläufi g einen hohen Nonresponse Bias aufweisen (Korkeila et al. (2001), Locker (1993)). Beispielsweise bei Kreiger und Nishri (1997) hätten sich die Ergebnisse nicht relevant geändert, wenn die Response Proportion kleiner gewesen wäre. Aus dieser Erkenntnis darf allerdings nicht geschlossen werden, dass Response Proportionen völlig unwichtig sind. Eine hohe Teilnehmerzahl führt z.B. zu präziseren Schätzern und lässt detailliertere Analysen zu (Locker (1993)). Es zeigt aber, dass die Qualität einer Studie nicht einzig und allein von der Response Proportion abhängt (Latza et al. (2004)). Rekrutierungsmaßnahmen wurden früher folglich angewendet, um durch eine Erhöhung der Response Proportion einen geringeren Nonresponse Bias zu erhalten. Heute hofft man, durch verstärkte Rekrutierungsmaßnahmen systematische Ausfälle und die damit verbundenen Verzerrungen zu verringern (Voigt et al. (2003)). Bei dem alleinigen Einschluss von Spontanrespondern (Probanden, die sofort nach der ersten Kontaktierung an einer Studie teilnehmen) ist nämlich die Möglichkeit, dass diese besonders krank/gesund, exponiert/nicht exponiert oder in irgendeiner Weise besonders betroffen sind, nicht von der Hand zu weisen (Kreienbrock und Schach (2000)).

Neben den Vergleichen zwischen Teilnehmern und Nichtteilnehmern besteht eine Methode sich mit der Problematik des Nonresponse Bias zu befassen darin, so genannte Wellenanalysen durchzuführen (Brenner (1995)). Bevor der Begriff Welle erläutert wird, sei zuerst die Defi nition des Rekrutierungsaufwandes angegeben. Der Rekrutierungsaufwand ist defi niert als die Menge aller direkter und indirekter Kontakte mit dem Probanden. Ein Probandengespräch stellt dabei einen direkten Kontakt dar, ein Anschreiben, eine Anrufbeantwortermitteilung (AB-Mitteilung) und ein Telefongespräch mit einem Mitbewohner (Proxitelefongespräch) stellen indirekte Kontakte dar. Mit Wellen werden Gruppen bezeichnet, bei denen die Gruppenzugehörigkeit dadurch festgelegt wird, wie viel Rekrutierungsaufwand ein Proband bis zu seiner Teilnahme an einer Studie benötigt hat. Damit untersucht werden kann, ob Unterschiede zwischen Teilnehmern verschiedenen Rekrutierungsaufwandes (also zwischen verschiedenen Wellen) bestehen, muss vorab eine Quantifi zierung des Rekrutierungsaufwandes erfolgen. Da die Teilnehmer der Heinz Nixdorf Recall Studie eine Vielzahl von Rekrutierungskombinationen aufweisen, wird zuerst eine Bewertung der einzelnen Rekrutierungsarten vorgenommen. Danach wird ein Einteilungsmechanismus entwickelt, welcher die Probanden entsprechend ihres bis zur Teilnahme benötigten Rekrutierungsaufwandes in vier Gruppen (Wellen) unterteilt. Die Welleneinteilung wird anhand eines Scores, der alle indirekten Kontakte berücksichtigt, und der Anzahl der direkten Kontakte mit dem Probanden vorgenommen. Dieses neuartige Konzept wird anhand der Daten der Heinz Nixdorf Recall Studie (Schmermund et al. (2002)) entwickelt und als Wellenkonzept bezeichnet. Entsprechend ihrer Konzeption stellt die Welle ein Maß für die Intensität des benötigten Rekrutierungsaufwandes dar.

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis4
1 Einleitung und Zielsetzung6
2 Material und Methoden11
2.1 Die Heinz Nixdorf Recall Studie11
2.2 Ein- und Ausschlusskriterien13
2.3 Untersuchungsziele13
2.4 Variablenbeschreibung18
2.5 Das neu entwickelte Wellenkonzept21
2.6 Bestimmung des wahren Bereiches22
Berechnung des wahren Bereiches für Prävalenzen23
Berechnung des wahren Bereiches für Mittelwerte23
2.7 Statistische Methoden24
2.7.1 Das lineare Regressionsmodell24
2.7.2 Das logistische Regressionsmodell26
2.7.3 Test auf globale Unterschiede und Kontrasttest28
Test auf globale Unterschiede28
Kontrasttest29
2.7.4 Multiples Testproblem30
2.7.5 Mathematischer Zusammenhang zwischen den30
referenzabhängigen Schätzern30
3 Ergebnisse32
3.1 Das Rekrutierungsverfahren32
3.2 Zusammensetzung der Wellen33
3.3 Rauchstatus34
3.3.1 Raucher37
3.3.2 Nieraucher38
3.3.3 Exraucher39
3.4 KHK47
3.5 Geschlecht51
3.6 Das vorhergesagte Framingham Risiko53
3.7 Alter57
3.8 Missklassifikation64
4 Diskussion75
4.1 Die Notwendigkeit eines neuen Wellenkonzeptes75
4.2 Rauchstatus78
4.3 KHK80
4.4 Geschlecht82
4.5 Das vorhergesagte Framingham Risiko83
4.6 Alter84
4.7 Missklassifikation85
4.8 Generelles Fazit88
4.8.1 Zusammenhang zwischen dem Rekrutierungsaufwand und der91
4.8.2 Ähneln die Spätresponder den Nichtteilnehmern?91
4.8.3 Wie repräsentativ sind die Nichtteilnehmer mit Kurzfragebogen92
4.8.4 Allgemeine Limitationen93
4.8.5 Vorteile der Heinz Nixdorf Recall Studie94
4.8.6 Ausblick95
5 Zusammenfassung96
Veröffentlichungen zu Ergebnissen dieser Arbeit97
Literaturverzeichnis98

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