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Ressourcenaktivierung

Ein Manual für Psychotherapie, Coaching und Beratung

AutorChristoph Flückiger, Günther Wüsten
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl94 Seiten
ISBN9783456950921
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
Hilfesuchende Personen befinden sich zu Beginn einer Therapie oder Beratung oftmals in einem Zustand totaler Hoffnungslosigkeit. Sie haben es aufgegeben, an ihre eigenen Bewältigungsstrategien zu glauben. Die Aufgabe des Therapeuten ist es das Vertrauen in die eigenen Handlungsfähigkeiten zu reaktivieren. Er muss versuchen, die vorhandenen Stärken und Fähigkeiten der hilfesuchenden Person aufzugreifen und zu nutzen, was im Fachjargon «Kapitalisierung» genannt wird. Das Manual «Ressourcenaktivierung» zeigt konkrete Möglichkeiten auf, wie die Ressourcen einer Person in Therapie und Beratung mitberücksichtigt und in bestehende Therapiekonzepte integriert werden können. Die vorgestellten Interventionen, Fallbeispiele und Arbeitsblätter sind gut verständlich verfasst und für die Praxis einfach umsetzbar dargestellt.

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Kapitelübersicht
  1. Ressourcenaktivierung
  2. Einleitung
  3. 1 Systematische Ressourcenanalyse
  4. 2 Ressourcenorientierte Gesprächsfu¨hrung
  5. 3 Ressourcenaktivierende Strukturinterventionen
  6. 4 Wirksamkeitshinweise des Wirkfaktors Ressourcenaktivierung
  7. Anhang
  8. Literaturverzeichnis
Leseprobe
Einleitung (S. 9-10)
Flückiger & Wüsten

Herr M. leidet seit Jahren unter starker Schüchternheit. Er bezeichnet seinen momentanen Zustand als hoffnungslos, und er hat es aufgegeben, an die eigenen Bewältigungsversuche zu glauben. Seine Schüchternheit und sein sozialer Rückzug haben dazu geführt, dass er fast seinen ganzen Freundeskreis verloren hat. Seit Jahren wünscht er sich eine Partnerin. Aber jedes Mal wenn er eine interessante Frau sieht, erstarrt er und kann sie nicht ansprechen. In solchen Momenten wird er von seinen negativen Überzeugungen, der «langweiligste » Mann zu sein, geradezu überrannt. Bis er die Gedanken wieder los ist, ist die Situation für eine Begegnung längst vergangen. Die Probleme haben im Leben von Herrn M. einen solchen Vorrang erlangt, dass er es vernachlässigt, an andere Dinge zu denken und etwas zu machen, das ihm Freude bereiten würden. In der letzten Zeit hat er sich durchringen können, professionelle Hilfe aufzusuchen. Herr M. bemerkt, dass ihn der Therapeut nicht nur auf seine Probleme hin untersucht und ihn auch in seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten verstehen will. So zeigte sich der Therapeut sehr interessiert, dass Herr M. Lehrer ist und bei seinen Schülern und Schülerinnen sehr beliebt ist. Herr M. war sich gar nicht mehr bewusst, wie vielseitig interessiert er ist. Herr M. gewinnt das Vertrauen, kompetente Hilfe zu bekommen, und die Hoffnung, dass seine Probleme lösbar sind. Mit Hilfe des Therapeuten versucht er, seine vorhandenen und brachliegenden Fertigkeiten und Fähigkeiten zu stärken und anknüpfend an seinen Stärken und Wünschen neue Verhaltensweisen aufzubauen. Mit den ersten Fortschritten, die er mit seinem Therapeuten genau herausarbeitet, gewinnt er die Gewissheit, dass sein Zustand veränderbar ist, was ihn motiviert, sich noch mehr in die Therapie einzulassen und an sich und seinen Problemen zu arbeiten.

Alles das ist einfacher gesagt als getan! Das vorliegende Manual wendet sich an Psychologen, Psychiater, Sozialarbeiter, Supervisoren und Berater und zeigt praktische Ansatzpunkte auf, in welchen Bereichen die individuellen Ressourcen einer Person unmittelbar diagnostiziert und wie sie in Therapie und Beratung eingesetzt werden können. Das Manual ist in einer möglichst verständlichen Alltagssprache verfasst, so dass einzelne Teile direkt in die Therapie und Beratung integriert werden können. Beratende Personen finden sich zumeist in Situationen, in welchen sie für das weitere Vorgehen unmittelbar Entscheide treffen müssen, ohne vollständiges Wissen über alle zur Verfügung stehenden Lösungswege zu haben. Um sich in diesem Möglichkeitsraum zurechtzufinden, werden wirkungsvolle Meta-Strategien oder Such- und Finde-Heuristiken verlangt, die es der beratenden Person ermöglichen, handlungsfähig zu bleiben (Groner, Groner & Bischof, 1983). Eine zentrale Rolle spielt dabei unter anderem der Umgang mit den individuellen Ressourcen der hilfesuchenden Person. Bei der Lösung von Problemen besteht die Gefahr, dass die Ressourcen einer Person durch die Fokussierung auf problematische Aspekte vorschnell aus dem Blickwinkel der Aufmerksamkeit verschwinden und so die negative Sicht der hilfesuchenden Person übernommen wird und die Patienten im Netzwerk ihrer negativen Gedanken verharren (Grawe, 1998, 2004). Hilfesuchende Personen befinden sich zu Beginn einer Therapie oder Beratung oftmals in einem Zustand der Hoffnungslosigkeit und haben es aufgegeben, an ihre eigenen Problemlöse- Möglichkeiten zu glauben. Die Aufgabe des Hilfegebers ist es deshalb, die Selbstwirksamkeitserfahrungen der Person zu reaktivieren. Der Hilfegeber versucht, die vorhandenen Stärken und Fähigkeiten der hilfesuchenden Person aufzugreifen und zu nutzen, was im Fachjargon «Kapitalisierung» genannt wird.

Das vorliegende Manual zeigt konkrete Möglichkeiten auf, wie «Ressourcen» einer Person in Therapie und Beratung verstärkt mitberücksichtigt und in bestehende Interventionskonzepte integriert werden können. Problematische Aspekte einer Person sollen dabei nicht ausgeblendet werden. Durch die verstärkte Ressourcenorientierung sollen im Gegenteil günstige Voraussetzungen geschaffen und Wege gefunden werden, welche die unmittelbare Bearbeitung der Probleme erleichtern. Im ersten Teil werden verschiedene Perspektiven aufgezeigt, welche zur Aufmerksamkeitslenkung in Diagnostik und Gesprächsführung eingesetzt werden können und die individuellen Ressourcen einer Person aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Diese therapeutischen Perspektiven können im Rahmen bestehender Manuale und Richtlinien eingesetzt werden und zielen auf das «Wie-Machen» ab. Im zweiten Teil werden Verfahren vorgestellt, die einen geeigneten Rahmen bieten, die verschiedenen Perspektiven verstärkt anzuwenden. Die vorgestellten Interventionen haben keinen ...
Inhaltsverzeichnis
Ressourcenaktivierung1
Inhaltsverzeichnis6
Vorwort8
Einleitung10
1 Systematische Ressourcenanalyse14
1.1 Ressourcenpriming18
2 Ressourcenorientierte Gesprächsfu?hrung20
2.1 Wahrnehmen und verstärken unmittelbar dargebotener Ressourcen und aktives Heranfu?hren an brachliegende Ressourcen22
2.2 Verbalisieren von Ressourcen und unmittelbares Erlebbarmachen von Ressourcen24
2.3 Potentiale Ressourcen nutzen und motivationale Ressourcen integrieren26
2.4 Persönliche Ressourcen verstärken und Ressourcen des sozialen Umfeldes fördern28
2.5 Auf problemunabhängige Ressourcen fokussieren und problemrelevante Ressourcen nutzen30
2.6 Verbrauchbare Ressourcen optimieren und trainierbare Ressourcen fördern und aufrechterhalten32
2.7 Perspektiven als Heuristiken zur Aufmerksamkeitslenkung34
2.8 Ressourcenorientierung – das Pferd beim Schwanz aufzäumen35
2.9 Unterschiede in der Selbst- und Fremdwahrnehmung37
2.10 Problemsituation und therapeutische Strategien38
2.11 Ressourcenaktivierung und Therapiephasen40
2.12 Risiken und Nebenwirkungen ressourcenorientierter Vorgehensweisen42
3 Ressourcenaktivierende Strukturinterventionen44
3.1 Lebenspanorama45
3.2 Geno- und Ecogramm unter Ressourcenperspektive47
3.3 Ressourcen in sozialen Netzwerken vertiefen50
3.4 Erste Veränderungen herausarbeiten53
3.5 Nutzung und Aufrechterhaltung positiver Erwartungen an die Therapie57
3.6 Wunderfragen und Zielvisionen60
3.7 Personen als Ressourcen-Modell64
3.8 Bewältigungsressourcen aktivieren durch Rollentausch66
3.9 Genuss planen69
3.10 Ressourcenaktivierung mit imaginativen Verfahren72
3.11 Ressourcentagebuch76
3.12 Differenzieren positiver Gefu?hle und Stimmungen77
3.13 Reframing- und Normalisierungs-Sammlung79
4 Wirksamkeitshinweise des Wirkfaktors Ressourcenaktivierung82
Anhang88
Arbeitsblatt 1: Ressourcenpriming89
Arbeitsblatt 2: Ressourcenorientierte Gesprächsfu?hrung – mögliche Fragen90
Arbeitsblatt 3: Differenzieren positiver Gefu?hle und Stimmungen92
Literaturverzeichnis94

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