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Romanisierung in Kilikien?

AutorSisanne Pilhofer
VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl317 Seiten
ISBN9783831605385
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis28,99 EUR

»Rohe Menschen, leidenschaftlich, bereit, sich mit allen Mitteln zu wehren«, »frech und ruchlos« – so charakterisiert Cicero die Leute, mit denen er es in Kilikien zu tun bekommt. Mit römischer Zivilisation ist es da nicht weit her … Dieses und ähnliche Urteile konfrontiert Susanne Pilhofer mit den epigraphischen Quellen aus Kilikien.

Anhand des Konzepts ›Romanisierung‹ werden römische Einflüsse untersucht, die im ersten und zweiten Jahrhundert n. Chr. die Lebenswelt der Menschen in Kilikien prägten. Vom abgeschiedenen Dasein eines Hirten bis hin zum geregelten Alltag eines Soldaten in der römischen Flotte waren die verschiedensten Lebensentwürfe denkbar.

Den zweiten Teil des Werks bilden inschriftliche Quellen, die hier erstmals versammelt sind und auch dem epigraphisch nicht bewanderten Leser einen eigenen Zugriff ermöglichen. Eine exemplarische Auswahl von 50 Inschriften ist mit Text, Übersetzung und Kommentar abgedruckt. In umfangreichen Verzeichnissen werden Belege für 384 römische Bürger, Soldaten und Veteranen in und aus Kilikien erschlossen.

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Leseprobe

II Das Konzept »Romanisierung« (S. 9)

1. Begriffsklärung

Der eher deskriptive als definierende BegriV »Romanisierung« wird gebraucht, um den Prozeß der Kulturtransformation zu beschreiben, durch den indigene Völker in das Römische Reich integriert wurden. Dieses Konzept ist nicht unproblematisch, und dies in mehrfacher Hinsicht.

Ein erstes Problem besteht darin, festzulegen, was als »römisch« zu gelten hat. Die »römische Kultur« war vielfältig, und sie veränderte sich im Lauf der Zeit, auch durch den Kontakt mit Nachbarkulturen. Daher ist »römisch« kein präzises Konstrukt, ebensowenig wie das gerne in Opposition dazu gebrauchte »indigen«.

Die Unterscheidung zwischen nicht Romanisiertem auf der einen und Römischem auf der anderen Seite ist sachlich dennoch notwendig, um überhaupt »Romanisierung« untersuchen zu können. Wenn also in dieser Arbeit von römisch, griechisch oder indigen die Rede ist, dann immer im Sinn vielfältiger, sich stetig verändernder und gegenseitig beeinflussender Kulturen.

Römische, griechische und indigene Kultur umfaßten jeweils charakteristische Keramik und charakteristische Gebräuche, Vorlieben für bestimmte Baumaterialien, spezielle Vorstellungen vom Tod, einen eigenen Geschmack in bezug auf Essen und Trinken, bestimmte Auffassungen von Erziehung und vieles andere.

Auf der Ebene solcher Einzelelemente einer Kultur muß daher eine Arbeit wie die vorliegende ansetzen. Auszugehen ist dabei stets von der Frage, was antiken Menschen als »römisch« oder »nicht römisch « erschien (freilich wird sich nicht immer eine Antwort darauf geben lassen).

Ein zweites Problem ist die durch den Ausdruck »Romanisierung « implizierte romanozentrische Sichtweise. Der BegriV legt die Auffassung nahe, die damit bezeichneten Prozesse seien nichts anderes als das einseitige Aneignen einer höherstehenden uniformen Kultur en bloc, mithin eine »Zivilisierung«.

Im Gegenteil waren beide, Römer wie Provinziale, aktiv beteiligt, wenn sich römische und indigene Kultur einander annäherten. Greg Woolf hat das präzise formuliert: „Becoming Roman was not a matter of acquiring a readymade cultural package, then, so much as joining the insiders’ debate about what that package did or ought to consist of at that particular time."

Schließlich darf »Romanisierung« auch nicht als eine plötzliche, schnelle und absolute Assimilation verstanden werden, denn Identitäten verändern sich nicht innerhalb von Jahren.8 Wenn ich dennoch den BegriV für meine Arbeit beibehalte, dann deshalb, weil er den Vorteil hat, nicht einen beliebigen Akkulturationsprozeß, sondern konkret die Auseinandersetzung mit Elementen römischer Kultur zu beschreiben.

Es gibt verschiedene Modelle, die veranschaulichen sollen, wie Romanisierungsprozesse funktionierten, die wichtigsten sollen hier knapp vorgestellt werden. Dem Dominanz Modell zufolge zwang Rom besiegten Völkern seine Kultur auf, ohne daß diese in irgendeiner Weise daran teilgehabt hätten.

Das verkennt, wie oben ausgeführt, die Eigeninitiative der indigenen Völker, deren Kultur zudem in kolonialer Perspektive von vornherein als weniger hochstehend abqualifiziert wird. Genau die gegenteilige Position vertreten die Anhänger des Modells der »Selbstromanisierung«, die annehmen, die indigenen Völker hätten die Römer nachgeahmt und sich somit selbst romanisiert.

Das ist dann problematisch, wenn vorausgesetzt wird, daß die romanisierten Menschen durchweg ihre eigene Kultur gegenüber der römischen als minderwertig betrachtet und sie deshalb völlig aufgegeben hätten. Die Vertreter des Elitenmodells gehen davon aus, daß die indigenen Eliten sich freiwillig an die römische Kultur assimilierten, um sich Vorteile zu verschaVen.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort8
Inhaltsverzeichnis12
Erster Teil16
I Einleitung18
II Das Konzept »Romanisierung«24
1. Begriffsklärung24
2. Romanisierung im Osten29
III Kilikien: Prolegomena32
1. Zur Geographie und Geschichte Kilikiens32
2. Quellen dieser Arbeit35
3. Piraten und Banditen – Die literarischen Quellen40
IV Begegnungen mit Rom48
1. Römer in Kilikien48
1.1. Feldherren und Beamte48
1.2. Kaiser51
1.3. Soldaten57
1.4. Privatleute60
2. Neue Städte, neue Straßen61
3. Mediale, performative und virtuelle Präsenz Roms64
V Die Bewohner Kilikiens68
1. Sprache69
2. Namen75
3. Bürgerrecht79
4. Lebensunterhalt83
5. Religion91
6. Kaiserkult102
7. Ein Beispiel: Laertes107
VI Romanisierung in Kilikien112
1.112
2.113
3.117
Zweiter Teil120
Quellensammlung122
Aigeai122
Anazarbos128
Anemourion140
Antiocheia am Saros142
Antiocheia epi Krago142
Diokaisareia144
Elaioussa Sebaste145
Flaviopolis149
Hierapolis Kastabala150
Kolybrassos156
Korykos159
Laertes161
Mopsouhestia163
Pompeiopolis166
Seleukeia am Kalykadnos169
Selinous170
Syedra172
Tarsos174
Unbekannter Herkunft180
Kilikier im Ausland182
Listen und Tabellen190
Liste A Römische Bürger und ihre Frauen190
Liste B Römische Bürger ohne Praenomen226
Teil C Lateinische Namen nach 212 n. Chr.242
Tabelle 1 Römische Bürger mit TribusAngabe258
Tabelle 2 Befehlshaber, Soldaten und Veteranen in Kilikien259
Tabelle 3 Kilikische Soldaten im Ausland263
Literaturverzeichnis264
Register290
1. Inschriftlich bezeugte Personen290
2. Prominente Persönlichkeiten und Götter302
3. Geographisches Register305
Karten312

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