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Routine für Kreative

Wie du sie findest und dabei deinen kreativen Geist schärfst

AutorJocelyn K. Glei
VerlagBlyss
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl264 Seiten
ISBN9783961540211
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Bist du überfordert, abgelenkt und wie erschlagen? Arbeitest du den ganzen Tag in einem halsbrecherischen Tempo, nur um festzustellen, dass du die wichtigsten Dinge auf deiner Agenda nicht geschafft hast, wenn du das Büro verlässt? Die Welt hat sich verändert und somit auch unsere Arbeitsweise. Mit dem Wissen von 20 der führenden kreativen Köpfe, stellt 'Routine für Kreative' dir einen Werkzeugkasten zur Verfügung, um die Herausforderungen in einer ständig erreichbaren Arbeitswelt anzugehen.

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ZEIT FÜR KREATIVES DENKEN EINPLANEN


Cal Newport

Seit gestern habe ich achtundsechzig E-Mails erhalten, von denen viele eine zeitraubende Antwort erfordern. Nur vier dieser Nachrichten betreffen direkt meine Hauptaufgabe als universitätsprofessor: Neue Ideen zu veröffentlichen.

Dieses Ungleichgewicht ist erstaunlich. Und ich bin mit dieser Erfahrung nicht allein. Kreative Köpfe werden zunehmend in zwei unterschiedliche Richtungen gezerrt. Wir sollen unser geistiges Kapital einsetzen, um schwierige Probleme zu lösen – eine kreative Zielsetzung, die ununterbrochene Konzentration erfordert. Gleichzeitig sollen wir aber andauernd per E-Mail, über Messenger oder für Meetings verfügbar sein – eine administrative Zielsetzung, die zu permanenter Ablenkung führt. In anderen Worten: Wir sollen Ablenkungen widerstehen und sie gleichzeitig aufgreifen, um unsere Karriere voranzutreiben. Das ist ein bedenkliches Paradoxon.

Ich glaube, dass dieses Phänomen viel mit dem Mangel an klaren Maßstäben im Bereich geistiger Arbeit zu tun hat. Nehmen wir mal das Beispiel eines Softwareprogrammierers, der mit „dringenden“ E-Mails seines Managers bombardiert wird. Die Verpflichtung des Programmierers, sein Postfach ständig in der Überwachung zu halten, reduziert zweifellos die Menge und die Qualität der von ihm produzierten Codes. Dies schmälert den Wert, den die Firma schöpft. Doch dieser Wert ist nicht klar umrissen und daher kaum exakt zu messen. Der Manager wird deshalb nicht für seine ablenkenden E-Mails getadelt werden, da es ja keinen eindeutigen Beweis für ihre Schädlichkeit gibt.

Im Geschäftsleben werden die Menschen immer so lange auf das zurückgreifen, was ihr Leben leichter macht, bis ein Vorgesetzter sie auffordert, ein bestimmtes Verhalten zu unterlassen. Beispielsweise sofort E-Mails an Untergebene abzufeuern. Für einen Vorgesetzten ist es jedoch schwierig, so etwas zu fordern., Es gibt keine klaren Anhaltspunkte, wie viel solch ein Verhalten die Firma genau kostet. Wegen dieses Mangels an klaren Maßstäben sind wir in einem Produktivitätsmorast versunken. Bei der Einführung neuer administrativer Gewohnheiten liegt der Fokus eher auf kurzfristigen Annehmlichkeiten als auf langfristigem Wert.

2009 schrieb der Literaturkritiker John Freeman ein provokatives Buch: The Tyranny of E-mail. In diesem Werk behauptet er, dass diese Kommunikationstechnologie mehr Schaden als Nutzen verursacht hat. Die Rezension zu Freemans Buch in der New York Times argumentiert mit dem Standardeinwand gegen derlei Kritik:

„Nach John Freemans Ansicht macht mich die Tatsache, dass ich Gruppenmails verschicke, zu einem schlechten Menschen“, schrieb der Rezensent. Anschließend greift er sich eine bestimmte E-Mail heraus und hält dem entgegen: „Wo liegt das Problem? In diesem Fall habe ich eine Frage an mehrere Personen gestellt und hilfreiche Antworten erhalten.“2

In anderen Worten: Der Rezensent lässt Freemans Argument nicht gelten, dass Gruppenmails eine überproportionale Zeitmenge verschwenden. Er führt als Gegenargument an, dass er kürzlich eine derartige E-Mail versandt und hilfreiche Antworten bekommen hatte. Das ist der Kern unserer Bequemlichkeitssucht: Uns fehlen klare Maßstäbe für den Preis dieser Verhaltensweisen, da wir ihre Pros nicht gegen ihre Kontras abwägen können. Deshalb reicht schon der kleinste Beleg für einen Nutzen aus, um die Beibehaltung des Verhaltens zu rechtfertigen. Obwohl Gruppenmails eine Firma tausende Arbeitsstunden voller wertschöpfender Gedanken kosten könnten, sollten sie dieser Geisteshaltung zufolge weiterhin erlaubt sein. Vor allem solange sie das Leben der Angestellten gelegentlich erleichtern.

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Nun, da wir besser verstehen, wie wir in unserem derzeitigen Produktivitätsparadoxon landen konnten, ist es unsere Aufgabe, Lösungen zu finden. Es ist eine langfristige Aufgabe, unsere Gewohnheiten zu erneuern und nur die Fähigkeiten beizubehalten, die unsere bedeutsame Arbeit voranbringen. Wir dürfen nicht erwarten, dass ein solch großer Wandel in naher Zukunft eintreten könnte. Es liegt an uns, individuelle Gewohnheiten auszubilden, um sich vollständig auf bedeutende Problemstellungen zu konzentrieren. Dabei sollten wir weiterhin ausreichend verfügbar sein, um unsere Kollegen nicht zu verärgern.

Über dieses Problem denke ich seit Jahren nach und schreibe darüber. Es gibt viele Ratschläge, wie man trotz hektischem Zeitplan konzentriert arbeiten kann. Aus diesen vielen Techniken ragt eine heraus, die meiner Erfahrung nach außergewöhnlich effektiv ist. Ich nenne sie die Konzentrationsblockmethode. Ironischerweise funktioniert sie, indem man die Maschinerie der Ablenkungskultur gegen sich selbst kehrt.

DIE KRAFT DER TÄGLICHEN KONZENTRATIONSBLÖCKE


Die Konzentrationsblockmethode unterstützt das wohlverstandene Konzept eines vorgegebenen Termins. Du musst dir dafür an den meisten Wochentagen eine erhebliche Zeitspanne blocken, in der dein Fokus nachhaltig deinen wichtigsten kreativen Aufgaben gilt. Das Einplanen dieser Zeitfenster erfolgt üblicherweise zu Beginn einer neuen Woche oder zum Ende der vorhergehenden. Der ausschlaggebende Punkt dabei ist, dass du dir diese Zeit in deinen Kalender einträgst wie jedes andere Meeting auch. Das ist besonders wichtig, wenn deine Firma einen unternehmensinternen Gruppenkalender verwendet.

Wenn nun jemand versucht, einen Termin in diese Zeit hineinzulegen, kannst du auf deine bereits existierende, deutlich gekennzeichnete Verpflichtung verweisen: „Tut mir leid, an dem Tag bin ich von neun bis zwölf Uhr schon verplant.“ Ähnlich verhält es sich, wenn sich jemand beschwert, dass du eine E-Mail nicht schnell genug beantwortet hast oder nicht ans Telefon gegangen bist. Dann hast du eine gesellschaftlich akzeptierte Entschuldigung: „Ich hatte den ganzen Vormittag einen Termin.“ Die Leute sind an die Vorstellung gewöhnt, dass sie deine Aufmerksamkeit in den Zeiten nicht einfordern können, in denen du bereits einen festen Termin hast. Die Konzentrationsblocktechnik macht sich dieses Verständnis hierfür zunutze. Ohne die Notwendigkeit für großartige Entschuldigungen oder Erklärungen, verschafft sie dir ein bisschen Zeit für ungestörte Konzentration.

Dir Zeit für ungestörte Konzentration zu blocken, ist jedoch erst der halbe Sieg. Die andere Hälfte verlangt, Ablenkungen zu widerstehen. Das bedeutet: Keine E-Mails, kein Internet und kein Telefon. Klingt theoretisch einfach, kann praktisch aber überraschend schwer sein. Wenn du jahrelang von Ablenkungen umgeben warst, musst du dich erst darin üben, bevor du längere Zeit ohne sie arbeiten kannst. Ein paar Tipps können dir dabei helfen:

Beginne mit kurzen Konzentrationsblöcken und steigere dich dann allmählich hin zu längeren Zeitspannen. Eine gute Faustregel ist, mit jeweils einer Stunde zu beginnen und die Sitzungen dann alle zwei Wochen um fünfzehn Minuten zu steigern. Die Hauptsache ist jedoch, sich niemals ablenken zu lassen. Wenn du nachgibst und kurz auf Facebook bist, beende den ganzen Block und versuch es später noch einmal von vorn. Dein Geist darf niemals glauben, dass während dieser Blöcke eine noch so kleine Ablenkung in Ordnung ist.

Nimm eine klar umrissene und abgegrenzte Aufgabe in Angriff.Wenn du beispielsweise einen Artikel schreiben musst, erledige die Recherche schon vorab. So kannst du deine Wortproduktion in den Vollbildmodus versetzen, sobald dein Konzentrationsblock beginnt. Deine komplette Aufmerksamkeit ist jetzt dem Schreiben gewidmet.

Denk drüber nach, für diese Blöcke einen anderen Ort zu wählen. Geh in einen anderen Raum oder in eine Bibliothek oder auch an ein stilles Plätzchen im Freien. Es fördert deine konzentrierte Arbeit. Wenn möglich, arbeite mit einem Stift und Papier, um die Möglichkeit einer Onlineablenkung auszuschließen.

Der Kampf zwischen Konzentration und Ablenkung ist ein ernsthaftes Problem – sowohl für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Firma als auch für unsere eigene geistige Gesundheit. Die unkontrollierte Ausübung bequemer, aber ablenkender Arbeitsgewohnheiten zieht einen großen Wertverlust der verrichteten Arbeit mit sich. Die mangelnde Qualität ist erschütternd. Die oben beschriebene Konzentrationsblockmethode löst dieses Problem nicht. Sie gibt dir aber sehr wohl die Möglichkeit, die schlimmsten Ablenkungen abzuwehren und systematisch wichtige Kreativarbeit zu leisten. Selbst wenn deine Umgebung nur darauf zu lauern scheint, dieses Ziel zu vereiteln.

CAL NEWPORT ist Schriftsteller und Professor an der Georgetown University. Sein neuestes Buch So Good They Can’t Ignore You behauptet, dass „Folge deiner Leidenschaft!“ ein schlechter Ratschlag ist. Mehr Informationen über Cal und sein Schreiben gibt es in seinem...

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