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Schülerperspektiven auf Sport und Schule. Die Besonderheiten eines Sportgymnasiums

AutorKay Giertzuch
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl174 Seiten
ISBN9783638617833
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis11,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Sport - Sportpädagogik, Didaktik, Note: 1,6, Friedrich-Schiller-Universität Jena (Sportwissenschaft), 42 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Erkenntnisse der vorliegenden empirischen Untersuchung zu Schülerperspektiven auf Sport und Schule an einem Sportgymnasium lassen sich wie folgt zusammenfassen: Ausgegangen wurde von fünf Thesen, die aus den Vorerfahrungen des Autors, Recherchen einschlägiger Literatur und Indizien aus den geführten Interviews heraus gebildet wurden. Es handelt sich dabei zum ersten um die These, dass die sportliche Betätigung eine sehr gewichtige Rolle in der Bildung von Gruppenidentitäten einnimmt. Jedoch nicht nur für die Gruppe, sondern auch für das Individuum ist ein analog starker Einfluss der sportlichen Betätigung festzustellen: diese genießt höchste Priorität im Beurteilungssystem der Sport Treibenden, so die zweite These. Durch diese sehr hohe Priorität indiziert, kann die sportliche Betätigung sodann als Strukturgeber (in Konkurrenz mit weiteren Strukturgebern) wirken, so These 3, wobei es zwischen den konkurrierenden Bereichen (in den Fällen der Befragten hauptsächlich die Schule) durchaus und nicht selten zu Kollisionen und daraus erwachsenden Konflikten kommen kann (These 4). Die letzte und fünfte These setzt sich mit einem der Resultate der sportlichen Betätigung auseinander, nämlich der durch diese entstehenden nicht nur subjektiv empfundenen Zeitverknappung im Leben der Sport Treibenden. Diese Thesen flossen ein und verdichteten sich jeweils zu fünf spezifischen Mustern, die zu folgendem ganzheitlichen Modell integriert werden konnten: Der Besuch eines Sportgymnasiums führt zur Entstehung von für ein Sportgymnasium spezifischen Spannungsfeldern, die individuell und organisatorisch gelöst werden müssen.

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Leseprobe

3 Die Interviews – Hintergrundinformationen und Inhalte


 

Das vorliegende Kapitel setzt sich insbesondere mit den Modalitäten der Datenerhebung auseinander. Nicht nur wird ein Portrait der Schule gezeichnet, in der die Daten erhoben wurden, sondern auch das Design des Fragebogens vorgestellt sowie Informationen zu den ausgewählten Interviewpartnern zur Verfügung gestellt und Anmerkungen zur Transkription der Interviews gegeben, hier insbesondere zu den verwendeten Transkriptionsregeln, die relativ einfach gehalten sein sollten.

 

3.1 Portrait der Schule[7]


 

Beim Johann Christoph Friedrich GutsMuths Sportgymnasium Jena handelt es sich, wie auf der Homepage zu entnehmen, um eine „Eliteschule des Sports“. Dort sollen sporttalentierte Schülerinnen und Schüler ausgebildet werden und insbesondere in den Sportarten Fußball, Leichtathletik, Judo, Fechten, Ringen, Badminton, Basketball, Triathlon oder Bogenschießen gefördert werden, wobei der schulischen und der sportlichen Ausbildung gleicher Stellenwert eingeräumt werden soll. „Die Schule versteht sich als vereinsunabhängige Fördereinrichtung der Landesfachverbände des LSB Thüringen.“[8]

 

Die expliziten Kernziele der schulischen Einrichtung umfassen die

 

„Führung der Schüler zu erfolgreichen schulischen Abschlüssen, [die] Förderung der sportlichen Leistungsentwicklung der Talente, [die] Koordinierung entstehender außerordentlicher Belastungen [sowie die] Gewährleistung einer jugendgemäßen Persönlichkeitsentwicklung.“[9]

 

Bei den Schülerinnen und Schülern kann es sich um sog. Stadt- als auch Internatsschüler handeln. Neben der Möglichkeit das Sportgymnasium zu besuchen, weil man in Jena lebt, gibt es zudem diejenige, im angeschlossenen Internat zu wohnen. Hier können bis zu 220 Schüler und Schülerinnen für eine Zuzahlung von z. Zt. 215 EUR im Monat in Zweibettzimmern untergebracht werden; die Betreuung wird rund um die Uhr über ein Team von Erziehern und Erzieherinnen sichergestellt.[10]

 

Für die Stadt- wie auch die Internatsschüler und –schülerinnen ist sowohl der Abschluss der mittleren Reife als auch der allgemeine Hochschulabschluss vorgesehen, je nachdem, für wie viele Jahre die Schule besucht wird (in ersterem Fall handelt es sich um 10, in zweiteren um 13 Schuljahre).

 

Voraussetzung für eine Aufnahme sind vor allem ein großes sportliches Interesse, die Mitgliedschaft in einem Sportverein, die Erfüllung sportartspezifischer Parameter, das Bestehen einer Eignungsprüfung wie auch regelmäßiges Training und die Teilnahme an Wettkämpfen in einer der angebotenen Sportarten, sowie eine sportmedizinische Untersuchung. Keine Voraussetzung stellt ein bestimmter Notendurchschnitt dar.[11]

 

3.2 Interviews und Leitfaden


 

Die wichtigsten Bestandteile qualitativer Forschung sind lt. Strauss & Corbin (vgl. 1996, 5f.) die Daten, die unterschiedlichsten Quellen entstammen können. Dann das analytische oder interpretative Verfahren sowie schriftliche und mündliche Berichte der Ergebnisse.

 

Die Datenquelle für vorliegende Untersuchung stellen Interviews dar, obwohl Daten in Form von völlig unterschiedlichen Materialien verwendet werden können wie z.B. Feldbeobachtungen, Transkriptionen von Gruppengesprächen, Gerichtsverhandlungen, Tagebücher und Briefe, Statistiken, Fragebögen u.v.m. (vgl. Strauss, 2004, 429) Interviews als Datenquelle stellen eine der gebräuchlichsten Datenquellen dar.

 

Zwar wurden vom Interviewer ganze Fragestellungen entworfen, die auch i.d.R. benutzt wurden (wie z.B. „Stichwort ’Eliteschule’: Eine Lehrerin hat einmal zu mir gesagt: „Ich kann von einem Eliteschüler mehr erwarten als von einem normalem Schüler!“. Was würdest du dazu sagen und wie siehst du das?“), allerdings wurde sowohl Wortwahl und die Reihenfolge der Fragestellungen je nach Interviewsituation leicht angepasst, bei Bedarf Zwischenfragen eingefügt. Im folgenden soll vorerst ein inhaltlicher Überblick des Leitfadens vorgestellt werden, der zum leichteren Rück- und Zugriff bei Lektüre der vorliegenden Ausarbeitung darauf ebenso in einer stichwortartigen Auflistung zur Verfügung gestellt werden wird.

 

Die Eingangsfrage bezieht sich auf die Beschreibung eines durchschnittlichen Tages, und zwar eines des Schulalltages, (hierauf wurde von allen Befragten sofort eingehend und detailliert Antwort gegeben, das Eis war bei allen Interviews umgehend gebrochen) worauf die Frage nach Besonderheiten eines Sportgymnasiums folgt. Darauf wiederum folgt diejenige, was das Besondere der Lebenswelt Sportgymnasium nach Ansicht des Interviewten ausmache. Hierbei sollen sowohl positive als auch negative Aspekte Berücksichtigung finden. Nachgehakt wurde, sofern nicht schon sowieso im Rahmen der positiven wie negativen Aspekte angesprochen, von wem ausgehend bzw. was die ursprüngliche Initiative zum Schulwechsel war, worauf die Aufmerksamkeit auf die Zukunft der Schülerinnen und Schüler, hier sowohl die berufliche als auch die sportliche gelenkt werden soll. Weitere Interessenpunkte bestehen in der jeweiligen individuellen Einordnung der sportlichen Betätigung (in Bezug auf Freizeit oder Verpflichtung), sowie wie die jeweils eigene individuelle Charakterstruktur vom Interviewten selbst beschrieben wird.

 

Nach diesem Fragenkomplex wird der Blick weg von der eigenen Person gelenkt über Fragen nach den Mitschülern sowie die Einforderung einer Stellungnahme zum Elitebegriff, Vorlieben und Interessen außerhalb des Sportbereiches. Ebenso interessierende Punkte, die angesprochen werden sollen, beinhalten die überhaupt zur Verfügung stehende Freizeit, erlebte Einschränkungen und empfundene Vorteile. Auf die Frage, inwieweit sich die Schülerinnen und Schüler von solchen von gewöhnlichen Schulen unterschieden bzw. was den Unterschied zwischen einem Sportgymnasium und einer gewöhnlichen Schule ausmacht, folgen Fragen nach Zugeständnissen von Seiten der Schule, dazu, welche Aspekte am Sportgymnasium als belastend empfunden werden und wie man was ändern könne. Die drei Fragen zum Abschluss beziehen sich auf die Sichtweise, die die Familie und Freunde auf die sportliche Betätigung und den Besuch des Sportgymnasium des Befragten einnimmt/einnehmen, Unterschiede zwischen Stadt- und Internatsschülern sowie das Essen.

 

Stichwortartige Auflistung der angesprochenen Aspekte der Lebenswelt Sportgymnasium der Schülerinnen und Schüler

 

- Durchschnittlicher Tag bezogen auf Schulalltag

 

- Besonderheiten eines Sportgymnasiums/Sportgymnasium als Lebenswelt (positive wie negative Aspekte)

 

- Ursprüngliche Initiative und Bedingungen für Schulwechsel

 

- Antizipierte Zukunft (sowohl sportlich als auch beruflich)

 

- Einordnung des Sports (Freizeit vs. Verpflichtung)

 

- Beschreibung der eigenen Charakterstruktur (Stärken und Schwächen)

 

- Blick auf die Mitschüler

 

- Stellungnahme zum Elitebegriff

 

- Vorlieben und Interessen außerhalb des Sportbereiches

 

- Umfang der zur Verfügung stehenden Freizeit

 

- Erlebte Einschränkungen

 

- Empfundene Vorteile

 

- Abgrenzung zu Mitschülern auf anderen Schulen/Abgrenzung Sportgymnasium zu gewöhnlichen Schulen

 

- Zugeständnisse von Schulseite aufgrund sportlicher Betätigung außerhalb der Schule insbesondere in Form von Wettkämpfen; Anteilnahme der Lehrer am Sport

 

- Belastende Aspekte und Abfrage Änderungsvorschläge

 

- Perspektiven der Freunde und Familie

 

- Zum Unterschied von Stadt- und Internatsschülern

 

- Beurteilung des Essens

 

3.3 Zur Auswahl der interviewten Personen


 

Bei der Auswahl der interviewten Personen handelt es sich um ein sog. Sampling mit vorab festgelegten Gruppen. Zwar eröffnen qualitative Verfahren grundsätzlich die Möglichkeit, sich die Auswahl offen zu halten, es ist jedoch ebenso möglich aufgrund bestimmter Gründe, ganz bestimmte Personengruppen zu untersuchen. Dabei geht es nicht – und ging es auch nicht in der vorliegenden Auswahl – darum, dass die ausgewählten Personen in einem bestimmten Sinne repräsentativ sein sollen, sondern darum,

 

„deren Handlungsmuster und die theoretischen Bausteine, die man aus ihnen entwickelt, breit genug [zu] streuen, so dass sich das untersuchte Phänomen ausreichend erklären lässt. Die qualitative Forschung ist demnach immer an einer theoretisch begründeten Stichprobenauswahl im Gegensatz zu einer statistisch repräsentativen Stichprobenfestlegung in quantitativen Ansätzen interessiert.“...

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