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E-Book

Schwarzbuch Kirche

Und führe uns nicht in Versuchung

AutorMichael Hebeis
VerlagBastei Lübbe AG
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl284 Seiten
ISBN9783838702988
Altersgruppe16 – 99
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis8,99 EUR
Seit 2000 Jahren erhebt die katholische Kirche Anspruch auf moralische Führung und geistliche Kompetenz - und erschüttert die Gläubigen doch immer wieder mit Skandalen. Die Reaktion der Kirchenoberen ist stets gleich: Schweigen und Vertuschen. Michael Hebeis zeigt, dass Machtstreben und das Ignorieren der Opfer in der katholischen Kirche System hat. Das kirchliche Sündenregister reicht von Antisemitismus bis Pädophilie und offenbart, wie skrupellos sie seit Jahrhunderten ihre Interessen verfolgt. Eine Pflichtlektüre nicht nur für Kirchenkritiker, sondern für alle enttäuschten Gläubigen.

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Leseprobe
7.Miracoli, miracula – Wunder, Wallfahrt, Exorzismus (S. 195-196)

Die Kirche lehrt, dass es neben der irdischen, diesseitigen, mit den Mitteln der Naturwissenschaften erkennbaren Welt noch mehr gibt, eine andere Ebene der Wirklichkeit, ja sogar die eigentlich relevante Ebene für den Menschen im Hinblick auf das ewige Fortbestehen seiner Seele. Das ist die Ebene Gottes, der Engel und Heiligen, der Wunder, aber auch die Ebene Satans und des Bösen wie auch die der »armen Seelen«.

Der aufgeklärte Mitteleuropäer lebt nur in der diesseitigen Welt und wird es in der Regel als reine Zeitfrage betrachten, bis der nicht aufgeklärte Teil der Weltbevölkerung sich seiner Sichtweise anschließt. Dabei negiert nur ein kleiner Teil grundsätzlich die Existenz einer anderen Welt; die meisten halten sie schon für möglich oder wahrscheinlich, nur kommt ihr im Alltagsleben keine praktische Relevanz zu. Nur gelegentlich wendet sich auch der aufgeklärte moderne Mensch esoterischen Bräuchen zu, beliebt sind dann solche aus außereuropäischen Kulturen, denen die gefühlte Peinlichkeit der traditionellen heimischen Alltagsreligiosität abgeht. Es geht hier nicht darum zu entscheiden, welche Sichtweise die richtige ist, oder für eine dieser Sichtweisen zu werben.

Aber es hat im Moment nicht den Anschein, dass die Anhänger der alten, der religiösen Sichtweise weltweit gesehen weniger würden. Es ist also durchaus hilfreich, das Phänomen der religiösen Weltsicht zu betrachten. Nur so versteht man das Handeln der Kirche vollkommen, versteht, über welche Lock-, aber auch Drohmittel gegenüber den Gläubigen sie gebietet, und kann sich über den verantwortlichen oder eben unverantwortlichen Gebrauch dieser Mittel ein Urteil bilden. Ein wesentliches Charakteristikum der diesseitigen oder religiösen Ebene der Welt ist ihre Ewigkeit.

Das Ewige hat man sich nicht als einen Zeitraum von unendlich langer Dauer vorzustellen, sondern es bedeutet die gänzliche Abwesenheit der Kategorie Zeit. Im Ewigen gibt es nicht vorher und nachher, alles ist jetzt und immer zugleich. Der irdische Weg der Gläubigen, die noch um ihr Heil kämpfen müssen, hat als letztes Ziel den Wechsel in die Welt der Heiligen und der Ecclesia Triumphans, der über den Tod triumphierenden Kirche, in die der Verstorbene eingehen wird. Die Heiligen sind also im Leben des Gläubigen präsent wie Zeitgenossen, und es ist aus dieser Sicht verständlich, dass man sie zur Hilfe ruft, wenn es schwierig wird im Leben, so wie man den Freund bei Problemen um Unterstützung bittet. Diese Weltsicht ist sehr eindrucksvoll dargestellt in der barocken Klosterkirche von Waldsassen in der Oberpfalz.

Die Gläubigen, die in den Bänken des Kirchenschiffes sitzen, sehen links und rechts neben sich in vielen Altarnischen gläserne Särge, in denen die vollständigen Skelette von Heiligen ausgestellt sind, natürlich mit viel Gold und bekleidet mit kostbaren Brokatgewändern, wie sich das für eine bayrische Barockkirche gehört. Sie sind nicht als Schlafende aufgebahrt, sondern so drapiert, dass sie den Gläubigen aufmunternd zuzuwinken scheinen. Hier in der Basilika von Waldsassen kann man noch sinnlich erfahren, wie die Weltsicht traditionell Gläubiger war und ist. Welche Person nun wirklich »heiligmäßig« gelebt hat und wer demzufolge sinnvollerweise verehrt und um Hilfe gebeten werden kann, ist nach dieser Weltsicht eine durchaus wichtige Frage. In der frühen Christenheit wurde das einfach durch die Übereinstimmung der Gläubigen entschieden: Wer von allen verehrt wurde, musste eben ein Heiliger sein, basta!
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