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Selbstwertförderung durch pädagogisch geleitetes Spielen

AutorMichael Heidel
VerlagDiplomica Verlag GmbH
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl102 Seiten
ISBN9783836612623
FormatPDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,99 EUR
Dieses Buch versucht der These nachzugehen, ob es möglich ist, mittels sozialer Anerkennung im Spiel Kinder und Jugendliche in ihrem Aufbau einer Identität und eines Selbstwertgefühls zu unterstützen. Diese These wird durch ein philosophisches Grundkonzept näher erläutert und ausgeführt. Des Weiteren werden auch einige Theorien des Spiels beleuchtet. Aufgrund der Vielzahl der spieltheoretischen Ansätze, wird der Verfasser sich auf die beiden Ansätze von Jean Piaget und Heinz Heckhausen konzentrieren. Am Anfang werden einige klassische Spieltheorien erwähnt bzw. dargestellt und danach wird auf die oben genannten Ansätze von Jean Piaget und Heinz Heckhausen näher eingegangen. Den Abschluss der Betrachtung bildet die Phänomenologie des Spiels. Im Spiel werden viele pädagogische Aspekte ausgelebt bzw. auch trainiert. Es werden hier vier grundlegende Kompetenzen (Kooperationsbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit, Auge-Hand-Koordination und Problemlösungskompetenz) erläutert. Der Verfasser musste diese Einschränkung vollziehen, weil die Anzahl der pädagogisch möglichen Aspekte im Spiel den Rahmen sprengen würde. Die Förderung des Selbstwertgefühls setzt auch elementar voraus, dass der Mensch, der gefördert werden soll, eine Identität besitzt bzw. eine Identität im Prozess aufbaut. Der Mensch besitzt durch die Geburt noch keine Identität, sondern muss sich seine Identität erschaffen und dieses kann das Baby bzw. Kind im Spiel erreichen. Diese Möglichkeit der Identitätsbildung im Spiel ist aber kritisch zu betrachten, worauf dieses Buch auch eingeht. Es wurde das philosophische Grundkonzept auch einer praktischen Umsetzung unterzogen. So wird der praktische Bezug der These anhand einer Kulturinstitution in Dortmund exemplarisch vorgestellt. Es wird die Planungsphase, die Durchführungsphase und auch die Reflexionsphase erläutert bzw. es werden Spiele vorgestellt, welche der Verfasser speziell für das Training der oben genannten pädagogischen Aspekte entwickelt hat. Auch werden diese Spiele aus spieltheoretischer Sicht beleuchtet. Hierbei wird auf die Wichtigkeit der sozialen Anerkennung durch die Bezugspersonen hingewiesen. Danach wird in einer kritischen Betrachtung des Themas auf die Pädagogisierung des Spiels bzw. auf die empirische Verifizierung der These, dass das Selbstwertgefühl eines Menschen mittels Regel- und Strategiespielen gefördert werden kann, eingegangen.

Michael Heidel, Diplom-Sozialpädagoge / Diplom-Sozialarbeiter, Studium der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Dortmund, Abschluss 2007 als Diplom-Sozialpädagoge / Diplom-Sozialarbeiter. Derzeit tätig als Diplom-Sozialpädagoge im Bereich der Kinder- und Jugendförderung.

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Leseprobe
Kapitel 6.4, Soziale Anerkennung während des Spiels: Jedes Erfolgserlebnis (soziale Anerkennung durch die Gruppe oder durch Einzelpersonen) wird von den Spielern aufgenommen und in ihr Selbstwertgefühl eingebaut, denn das Selbstbild und das Selbstwertgefühl kann als ein 'Mosaik' verstanden werden, welches durch die vielen einzelnen Interaktionen mit der Gruppe oder mit signifikanten Anderen aufgebaut wird. Aus diesem Grund ist es so elementar wichtig, dass der Pädagoge im Spiel bzw. dass die Mitspieler im Spiel soziale Anerkennung vermitteln. Deswegen sollte an 'geeigneten Stellen' im Spiel der Spieler gelobt werden, aber dabei ist auch wichtig, dass das Lob als solches nicht inflationär benutzt wird. Konkret kann der Spieler für folgende Gedanken und Leistungen eine soziale Anerkennung (Lob der Mitspieler bzw. des betreuenden Pädagogen) bekommen: (1) Vorschlag einer neuen Regel und die Akzeptanz durch die Mitspieler, (2) Lob für Leistung seitens des Spielleiters oder der Mitspieler, (3) Gewinn eines Spieles einzeln oder in der Spieleinheit, (4) Lob für Fairness und Geduld im Zusammenspiel, (5) Erlernen eines von der Gruppe insgesamt als schwierig eingestuften Spiels. Als praktisches Beispiel für den Vorschlag einer neuen Spielregel kann hier der Junge erwähnt werden, welcher bei den 'Hohen Hausnummern' nicht nur Subtraktionen im Spiel durchführen wollte, sondern selbst vorgeschlagen hatte, dass die teilnehmenden Spieler auch andere Grundrechenarten durchführen könnten. Eine Leistung kann zum Beispiel sein, dass der betreffende Spieler eine Subtraktion oder Addition als Teilaufgabe richtig durchgeführt hat. Es ist dem Verfasser aus pädagogischer Sicht immer wichtig, dass auch kleine Erfolge richtig bewertet und gelobt werden. Außerdem sollte nicht das falsche (oder negative) Ergebnis im Vordergrund stehen, sondern nur das richtige (oder positive) Ergebnis, denn eine ständige Fokussierung auf das falsche Ergebnis führt zu einer Verminderung des Selbstwertgefühls. Als Paradebeispiel für das Erlernen eines von der Gruppe als schwierig eingestuften Spiels kann Schach genannt werden. Es ist auch nicht verwunderlich, dass Schach als Spiel in der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft eine herausragende Rolle spielt. Es gibt einige Zeitschriften, welche bekannte Schachpartien als Denkaufgaben für die Leser abbilden. Des Weiteren lässt sich die Wichtigkeit des Schachspiels auch an dem § 52 II Nr. 2 AO (Abgabenordnung) darstellen. Dort wird Schach als Sport definiert und dient nach dieser Gesetzesnorm der Förderung der Allgemeinheit. Schach dient aus dem Grund der Förderung der Allgemeinheit, weil beim Schach sehr stark das strategische und taktische Denken gefördert wird. Wichtig ist, dass der Pädagoge den Spieler nur lobt, wenn die soziale Anerkennung innerhalb der Gruppe auch wirklich eine vernünftige Basis hat. Das gilt insbesondere bei: selbsterbrachten Leistungen und Gedanken (Spielregelvorschläge, erzielte Teilleistungen, Gewinnen eines Spieles, Zeigen von sozialen Kompetenzen oder das Erlernen eines schwierigen Spieles). Auch wichtig ist, Lob tatsächlich ehrlich und angemessen einzusetzen, weil es sonst in den Augen der Adressaten an Wert verliert. Hier gilt es, das eigene Verhalten hinreichend zu reflektieren und authentisch zu bleiben. Aber auch die Art und Weise, wie ein Lob ausgesprochen wird ist nicht unrelevant. Es gibt zwei Formen, wie sich das Lob darstellen kann: (1) verbales Lob (wird nur über das Ohr als Wahrnehmungskanal wahrgenommen); (2) verbales Lob, kombiniert mit einer ritualisierten Handlung (wird neben dem Ohr auch über die Haut bzw. das Auge als Wahrnehmungsorgan wahrgenommen). Die rein verbale Handlung ist oftmals unzureichend und sollte deswegen auch mit einer ritualisierten Handlung verknüpft werden. Diese ritualisierte Handlung kann bei einem Händeschütteln oder einem Schulterklopfen beginnen und bis zu einer Preisverleihung mit Urkunde oder Pokal gehen. In allen Fällen sorgt die ritualisierte Handlung dafür, dass das Lob als viel prägnanter und bestimmender erlebt wird. Es ließ sich auch beobachten, dass das ritualisierte Verhalten des Händeschütteln oder des Schulterklopfens als Form der Lobkundgebung von einigen Kindern übernommen wurde und sich so innerhalb der Gruppe immer mehr ausbreitete. Das Grundlegende dabei ist, dass mehrere Wahrnehmungskanäle mit einbezogen werden, sprich dass das Lob nicht nur hörbar ist, sondern für den betreffenden Spieler auch bewusst fühlbar bzw. sichtbar wird. Durch die Kopplung von verschiedenen Wahrnehmungskanälen wird der Lerneffekt verbessert. Mit den Worten von Wilma Klein-Jäger kann folgendes festgehalten werden: 'Im Angebot von Sprache und Tätigkeit wird eine wirksame Einheit erreicht.'
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Selbstwertförderung durch pädagogisch geleitetes Spielen1
Gliederung3
1. Einleitung5
2. Das philosophische Grundkonzept7
3. Zur Theorie des Spiels9
3.1 Klassische Theorien des Spiels10
3.2 Die Spieltheorie von Jean Piaget12
3.2.1 Das Übungsspiel14
3.2.2 Das Symbolspiel16
3.2.3 Das Regelspiel20
3.3 Die Spieltheorie von Heinz Heckhausen22
3.3.1 Merkmale des Spiels nach Heinz Heckhausen23
3.3.2 Der Aktivierungszirkel als Hauptmerkmal25
3.3.3 Beeinflussung des Aktivierungszirkels28
3.3.4 Mittlerer Aktivierungspegel31
3.4 Phänomenologische Betrachtung des Spiels31
4. Ausgewählte pädagogische Aspekte des Spiels36
4.1 Kooperationsbereitschaft37
4.2 Kommunikationsfähigkeit39
4.3 Auge-Hand-Koordination42
4.4 Problemlösungskompetenzen45
5. Identität und Spiel47
5.1 Das Spiel als Ansatz zur Identitätsbildung49
5.2 Probleme bei der Identitätsbildung im Spiel51
5.3 Kritische Betrachtung der Identitätsbildung im Spiel51
6. Praktischer Umgang im Arbeitsfeld der Kinderarbeit53
6.1 Die vorgefundene Situation in einer kommunalen Kulturinstitution53
6.2 Planungsphase55
6.2.1 Erstellung eines didaktischen Konzeptes55
6.2.2 Planung der einzelnen Termine57
6.2.3 Entwicklung eigener Spiele60
6.3 Durchführungsphase der Spiele72
6.4 Soziale Anerkennung während des Spiels74
6.5 Reflexionsphase nach dem Spiel77
7. Kritische Betrachtung des Themas79
8. Resümee82
Anhang83
Literatur84

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