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Sie und sie & Er und er. Das Coming-Out als Schlüssel zur Identitätsfindung und Selbstakzeptanz bei homosexuellen Jugendlichen

Das Coming-Out als Schlüssel zur Identitätsfindung und Selbstakzeptanz bei homosexuellen Jugendlichen

AutorYasmin Einloft, Tamara Liebig, Thomas Gerth, Renate Wedel
VerlagScience Factory
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl241 Seiten
ISBN9783656517245
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis34,99 EUR
Schmetterling im Bauch, das erste Mal verliebt - jeder von uns kennt dieses wunderschöne, aber zunächst auch etwas seltsame Gefühl. Homosexuelle Jugendliche plagt die Unsicherheit noch viel mehr, als es bei einem heterosexuellen Teenager ohnehin schon der Fall ist. Machen sich dann in der Schule noch Gerüchte breit oder fliegen Sprüche wie 'Du Schwuchtel!' oder 'Du Lesbe!' durch die Umkleideräume des Sportvereins, fällt es den Jugendlichen schwer, ihre Gefühle zu akzeptieren. Ein selbstbewusstes Coming-Out ist in diesem Umfeld ein ebenso schwieriger wie erlösender Schritt. In diesem Buch wird die Situation schwuler und lebischer Jugendlicher beleuchtet. Aus dem Inhalt: Selbstakzeptanz Phasen des Coming-Out Entwicklung einer schwulen / lesbischen Identität Sexuelle Identität und Orientierung Homophobie Bedeutung des Coming-Out für die Eltern

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Leseprobe

1. Hinführung zum Thema


Mit meiner Arbeit würde ich gerne einen Beitrag zur Erklärung des Coming Outs bei lesbischen Frauen leisten. Zuerst werde ich beschreiben, wie ich zu diesem Thema gelangt bin und wie die Arbeit aufgebaut ist. Zwei Coming Out Geschichten sollen einleitend ein Bild davon geben wie ein Coming Out aussehen kann.

1.1 Einleitung


Während meiner Studienzeit musste ich feststellen, wie wenig das Thema Homosexualität innerhalb der Vorlesungen angesprochen wurde, und dass es nur sehr wenige Diplomarbeiten zu diesem Thema gibt. Daran entstand meine Motivation eine Diplomarbeit zum Thema Coming Out zu schreiben.

Für mein administratives Praktikum reiste ich nach San Francisco, um dort in einer Drogenentgiftungsstelle zu arbeiten. Während meines 6-monatigen Aufenthaltes in San Francisco, der Stadt, die als Mekka der schwul-lesbischen Welt bekannt ist, lernte ich sehr viel über die homosexuellen Menschen dort und ihr Leben kennen. Ich wurde sehr vertraut mit der „Gay-Lesbian-Community“, was so viel bedeutet wie schwul-lesbische Gemeinde, oder Szene. Gegen Ende meines Praktikums hatte ich die Idee, nicht nur eine Diplomarbeit über das Thema Coming Out anzufertigen, sondern einen Coming-Out-Vergleich über die Bay-Area (Gebiet von San Francisco und Umgebung) mit dem Rhein-Main-Gebiet zu schreiben. Die Kontakte zu Organisationen und Lesbenberatungsstellen in San Francisco und Umgebung konnte ich dank meines Aufenthaltes leicht aufbauen, und so die geeigneten Stellen für meine Forschung finden.

Bei meiner Literatursuche versuchte ich so viel wie möglich neuere Literatur zu finden, und auf viele deutsche Quellen zurückzugreifen. Dies war jedoch nicht so einfach, weil eine Vielzahl an Büchern aus dem amerikanisch- und englischsprachigen Raum stammt. Ein anderer Nachteil war auch, dass oft Lesben und Schwule in der Literatur zusammengefasst wurden, und einige Forschungen hauptsächlich über Schwule durchgeführt worden, während Untersuchungen über Lesben geringer sind.

Im Anschluss an die zwei einleitenden Coming-Out-Abläufe möchte ich mich allgemein mit den Begriffen „ Homosexualität“, „lesbischen Frauen“ und „Zwangsheterosexualität“ auseinandersetzen, und auch auf eventuelle Unterschiede der Begrifflichkeiten zwischen Deutschland und den USA eingehen.

Der nächste große Schwerpunkt ist dem Thema Coming Out und die Identitätsfindung lesbischer Frauen gewidmet. Anschließend werde ich auf Probleme und Schwierigkeiten, die sich während des Coming Outs ergeben können, sehr umfassend eingehen. Bestehende Unterschiede innerhalb der Thematiken zwischen den zwei Ländern werde ich erläutern.

Im letzten Teil der Arbeit werde ich meine Forschung innerhalb von Lesbenberatungsstellen im Rhein-Main-Gebiet und in der Bay-Area vorstellen und diskutieren.

1.2 Coming-Out-Abläufe


Die folgenden zwei Geschichten sind die Erzählungen zweier Lesben über ihr Coming Out. Ich habe ihnen zu Beginn dieses „narrativen Interviews“[12] eine dem Thema der Untersuchung entsprechende Eingangsfrage (Erzählaufforderung) gestellt. Ich habe sie gefragt, wie es bei ihnen war, und wann sie das erste Mal gedacht haben, dass sie Frauen lieben, oder lesbisch sein könnten. Ich forderte sie auf, mir ihre Geschichte mit den ihnen wichtigsten Ereignissen zu erzählen. Diese zwei Beispiele sollen einleitend nur ein Bild davon geben, wie ein „Coming Out“ aussehen könnte. Dieser Ablauf gestaltet sich immer wieder individuell unterschiedlich. Alle vorhandenen Namen sind Decknamen. Die amerikanische Coming-Out-Geschichte habe ich in der englischen Originalfassung gelassen, um sie originalgetreu wiederzugeben. Dasselbe trifft auch auf die deutsche Erzählung zu. Sie ist im originalen Dialekt.

1.2.1 Ein Coming Out in Deutschland


Ich habe ja vorher schon gedacht, dass ich ja irgendwie gar nicht so denke, dass ich so der typische Fall bin. Ich habe glaub ich eher das Gefühl, dass bei den meisten, naja eher so ist, dass se so irgendwie realisieren, oh Gott ich bin lesbisch, und dass se dann selber erst mal Probleme damit haben, oder so, und das war bei mir echt gar nit so. Ja, also, ich weiß nich, für mich war das schon ziemlich früh irgendwie klar, dass es theoretisch einfach sein könnte, dass ich mich irgendwann in Frauen verliebe, so, also schon als, was weiß ich, na gut als Kind würde ich nicht sagen, als Kind denkt man das vielleicht noch nicht so. Aber ich hab extra das Buch vorhin geholt, ne Liebesgeschichte, ein Roman mit zwo Frauen, und das hab ich schon echt als Kind so wirklich gelesen, so mit, ich schätz mal schon so mit 11 vielleicht, oder so... .. Ich habs halt einfach so gelesen, wie irgendwelche anderen Bücher, also, es gehört halt meiner Mutter, ja also ... .Ich mein halt der Gedanke, also, dass es einfach sein kann, dass zwo Frauen sich einfach lieben, also, das war mir also relativ, so normal. Und irgendwann hat mir das meine Mutter einfach mal erzählt gehabt, dass sie mal was mit ner Frau hatte, irgendwie... ... oder was, ich weiß nicht wieviel da passiert ist, ich weiß echt nicht, wieviel da passiert ist. Naja, ich weiß halt nur dass se da mal halt sehr verliebt gewesen ist. Das hat se mir aber erst später erzählt. So, das muss ich vielleicht dazu sagen, dass es relativ... so normal für mich war, das es einfach sein kann und so.

Und ne Zeit, wo ich dann ein bisschen älter war, hat ich dann so ne Phase, wo ich es so gewünscht hab so, „oh, hoffentlich werde ich mal lesbisch“, so ungefähr. Weil ich das irgendwie cool fand, glaub ich auch. Da war ich ja auch mit meiner Mutter, und hab mal Filme gesehen, im Kino, z.B. „Two girls in love“, kennst du wahrscheinlich auch. Nach dem Film, das weiß ich noch, hab ich dann irgendwann gedacht „oh, ich will auch ne Freundin haben“, und so... Da war ich 13 oder so was. Ja, ehm, gut und irgendwann danach hab ich mir dann gesagt, „hey komm, du brauchst dir da irgendwie nix einreden, nur weil du das cool findest“, oder so. Wahrscheinlich wirst du so wie die meisten auch, und wirst nie was mit, oder ja, wirst nit in die Richtung gehen, oder so, ich weiß nit. Klar so in dem Alter mit 12 oder 13 oder irgendwas, hab ich mich sicher in Jungs verliebt, so ja aber... da ist nie so was bei raus gekommen, ja so, irgendwie zwar verguckt, und den so ganz toll gefunden, dann... ..ich weiß nit...

So dann später eigentlich... .da hat ich irgendwie andere Sorgen, also, als mich in irgendwelche Leute zu verlieben, glaub ich... Und ehm, ... .ja... .da war eigentlich auch mal was... .Ja, doch da war eigentlich auch mal mit einem Mädchen, die ich dann später nochmal getroffen hab, da... ich denke ich dachte dass ich die irgendwie toll fand, ja, im Bus da hab ich die dann auch immer so beobachtet, und so was, ja... .Aber die war auch jünger, ungefähr 3 Jahre jünger als ich, und ich war dann vielleicht auch erst 11 oder so was. Das war dann vielleicht eher so aus Interesse, oder so was, weil ich dass so interessant fand mit ihr, weil die immer so mit so zwei Jungs zusammen war, und ich hab mir immer so die Gedanken über die gemacht, hab die immer so beobachtet und fand die ganz cool irgendwie, aber... ..Ja, so... .das muss ich jetzt mal sagen, weil ich die nämlich später nochmal wiedergetroffen hab so... .hhmm... .Ja gut, aber dann wirklich so... .so das erste wirkliche Erlebnis, dass ich mich so verliebt hab in ne Frau, das war dann, ja so, kurz vorm Abi, das war dann, ja da war ich dann 18, so, ja genau... .Und dann, ja das war dann, ja eigentlich auch ganz witzig, weil es da auch so ne Art Missverständnis eigentlich gab, weil nämlich, die hat da in so ner WG gewohnt, ehm, in so nem Haus halt, so zu dritt oder viert haben die zusammen gewohnt... .Und halt eine Mitbewohnerin, die war, die hatte sich halt grad geoutet, so dass sie lesbisch ist. So grad in der Zeit, ich hatte die aus den Augen verloren, diejenige, die Caroline... .und ehm... .hab sie dann also wieder getroffen, also bin so in diese WG reingekommen, das war also grad als ihre Mitbewohnerin, die war also grad in der Phase, so von wegen „Coming Out“. Bei der war das dann echt so richtig, die war dann echt, naja das hat vielleicht auch andere Gründe, die ist auch wirklich so psychisch abgedreht, aber das war dann total heftig da... also, das war dann ganz komisch, die Stimmung irgendwie in dem Haus... und ehm... und alle waren total auf em Frauentrip da. Es waren ja auch 3 Frauen, die da gewohnt haben, und ja ich weiß nicht wie ich das anders sagen soll, die waren auf so nem Frauentrip, haben ständig alle Frauen, die se kriegen konnten, umarmt, so nach „wir lieben uns alle“... so ungefähr... Das war voll die komische Stimmung... ..Und ich weiß nicht so en bisschen dadurch ist das bei mir dann auch so gekommen, dass ich dann auf einmal so... . irgendwie dann gescheckt hab, dann so, „oh, ich fühle mich verliebt“, oh nein... .obwohl ich die schon viel länger kannte, und sie auch ganz toll gefunden habe... .aber nie irgendwie gedacht hätte, ich bin in sie verliebt. Ja gut, das war, einmal hab ich so kurz gedacht, aber das war eher so en, ja eigentlich sieht die ja voll gut aus und so... .aber das war irgendwie nix. Dann kam es dann aber so durch diese Stimmung da in dem Haus, irgendwie... ..und dann... ..Ja, das war halt auch so witzig... .Ja da hab ich halt das Problem gehabt dass sie halt en Freund hatte, und ehm... .sprich, das war halt alles total hoffnungslos... ..Ich war halt dann total verzweifelt und fertig, und hab dann mit dieser Mitbewohnerin gesprochen, mit dieser Lesbe... irgendwie. Hab dann gemeint „hey du bist doch lesbisch“ und so, ich wollt mal mit dir darüber reden und...

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