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Sonneberger Spielzeug – Made in Judenbach. 300 Jahre Spielzeugherstellung an der alten Handelsstraße

VerlagWaxmann Verlag GmbH
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl305 Seiten
ISBN9783830973225
FormatPDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis31,40 EUR
Das „Sonneberger Spielzeug“, einst verbreitet in der ganzen Welt, ist ein Sammelbegriff für Spielwaren verschiedenster Art, deren Hersteller in der Regel unbekannt sind. Im Gegensatz zur erzgebirgischen Spielzeugregion, für die in den letzten Jahrzehnten detailreiche Untersuchungen zur Fertigung der Waren in verschiedenen Ortschaften und in einzelnen Familien vorgelegt wurden, fehlten derartige Forschungen im Thüringer Raum, abgesehen von der Puppenindustrie, bisher völlig.

Mit dieser reich bebilderten Publikation wird erstmals die Geschichte der hausindustriellen Spielzeugherstellung in einer wichtigen Ortschaft des Thüringer Waldes von den Anfängen im 17. Jahrhundert bis 1989 untersucht. Dabei spannt sich der Bogen von Holzspielzeug aus dem 18. Jahrhundert, über Pappmachéartikel mit Stimmen, Judenbacher Balgtiere, sprechende Bilderbücher, Osterhasen und Weihnachtsmänner aus Pappmaché und mechanischen Pappmachéspielwaren, bis zu Teddybären, Pelz- und Plüschtieren, Plastikspielzeug und elektromechanischen Funktionspuppen aus der Judenbacher Produktion nach 1970.

Durch die Auswertung bisher unveröffentlichter Quellen können viele Spielwaren ihren Herstellern in verschiedenen Familien Judenbachs und den Dörfern der Umgebung zugeordnet werden. Ein alphabetisches Herstellerverzeichnis mit vielen genealogischen Bezügen erleichtert Museen, Volkskundlern und Sammlern den Einblick in diese Spielzeugwelt. Mit dieser Studie betreten die Produzenten des „Sonneberger Spielzeugs“ erstmals die Bühne der Geschichte.

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Kapitelübersicht
  1. Dank
  2. Inhalt
  3. Vom Nürnberger Tand und den Sonneberger Waren bis zur Spielzeugfertigung im 20. Jahrhundert
  4. Judenbach – ein Ort an der Geleitstraße Nürnberg-Leipzig
  5. Verlag und Hausindustrie – zur Entwicklung wirtschaftlicher Strukturen in der Region
  6. Vom Drechseln zur Plastespritzgussmaschine – Entwicklung und Formen der Spielzeugfertigung in Judenbach und Umgebung
  7. Vom Ich zum Wir: Genossenschaften und volkseigene Betriebe
  8. Der Handel mit Spielzeug aus Judenbach – Vertriebswege und Absatzstrategien über 300 Jahre
  9. Holzarbeiter, Drechsler, Spänemacher, Bossierer, Stimmenmacher ...
  10. Verzeichnis der Spielwarenhersteller, die im 7. Kapitel keine Erwähnung fanden
  11. Literaturverzeichnis
  12. Archivalien
  13. Abbildungsverzeichnis
Leseprobe
Der Handel mit Spielzeug aus Judenbach – Vertriebswege und Absatzstrategien über 300 Jahre (S. 165-166)

Judenbach liegt aus heutiger Sicht abseits von den wichtigen Verkehrsströmen am Südrand des Th üringer Waldes, bedeutsame Verbindungswege gehen heute an Judenbach vorbei. Durch die Existenz der Nürnberg-Sächsischen Geleitstraße war das in früherer Zeit anders. Seit dem späten Mittelalter bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts lagen Judenbach und Neuenbau an einem Hauptverbindungsweg, der Nord-Süd-Route, die die wichtigen Handelsstädte Nürnberg und Leipzig miteinander verband.

Da in den einführenden Kapiteln dieser Arbeit die Anfänge des Handels in der Region Sonneberg, die Bedeutung der Nürnberger und Sonneberger Kaufmannschaft und frühe Quellen zum Handel mit „Sonneberger Spielzeug“ ausführlich beschrieben wurden (siehe S. 9ff .), soll an dieser Stelle nicht noch einmal umfänglich auf diese Aspekte eingegangen werden. Dass der Fernhandel durch Judenbach in früheren Jahrhunderten bedeutsam war, lässt sich u.a. aus folgenden Tatsachen schlussfolgern. 1447 ist ein erstes Gasthaus in Judenbach belegt, das auch ein Braurecht besaß.

Judenbach war Etappenort an der Geleitstraße. Die Judenbacher Kirche St. Nikolai ist erstmals 1529 urkundlich belegt, sie bestand mit hoher Wahrscheinlichkeit aber bereits im 15. Jahrhundert. Der Heilige Nikolaus als Schutzpatron für eine Kirche wurde in dieser Zeit besonders von Kaufl euten bevorzugt. 1564 wurde erstmals ein Hospital für verunglückte Reisende im Glasbachtal unterhalb von Judenbach erwähnt. Die Gründung dieses ehemaligen Siechenhauses schreibt die Sage einem Nürnberger Kaufmann zu, der hier zur Zeit der Kreuzzüge (!) durch den Umsturz seines Wagens beide Beine gebrochen und nach seiner Heilung dieses Werk vollbracht habe.

1705 erfolgte ein Kirchenumbau und eine neue Orgel wurde angeschaff t. Stiftungen von Kaufl euten aus Nürnberg und Augsburg unterstützten diese Maßnahmen. Seit wann auf der Nürnberg-Sächsischen Geleitstraße auch mit Spielzeug Handel getrieben wurde, ist quellenmäßig nicht zu belegen. Nachdem der Fernhandel auf dieser Route zunächst überwiegend von Nürnberger Kaufl euten betrieben wurde, verschoben sich die Gewichte nach dem Dreißigjährigen Krieg und Sonneberger Kaufl eute erlangten eine zunehmende Bedeutung.

Seit 1740 waren die Sonneberger Kaufl eute den Nürnbergern auf allen größeren deutschen Messen gleichgestellt und genossen wie diese auf der Frankfurter Messe Abgabenfreiheit. Die Kaufl eute aus dem benachbarten Neustadt waren mit den Sonneberger Kaufl euten assoziiert und richteten sich nach einer gemeinsamen Handelsordnung.2 Auf Sonnhoff (1735) gehen erste klare Informationen zum Handel mit Sonneberger Waren zurück. Er berichtet über die Sonneberger Kaufl eute Johann Paul Heublein in Stockholm und die Gebrüder Döberich in Nürnberg, die die Reparatur der Sonneberger Kirche unterstützten. Sonneberger Waren und damit auch Spielzeug aus Judenbach und Neuenbau wurden
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Dank6
Inhalt8
Vom Nürnberger Tand und den Sonneberger Waren bis zur Spielzeugfertigung im 20. Jahrhundert10
Judenbach – ein Ort an der Geleitstraße Nürnberg-Leipzig22
Geographische Lage, Naturraum, Territorium22
Zur Entwicklung der Fernstraße über Judenbach23
Der Ort Judenbach an der Geleitstraße während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit28
Judenbach im 19. und 20. Jahrhundert31
Verlag und Hausindustrie – zur Entwicklung wirtschaftlicher Strukturen in der Region36
Forschungsgeschichte36
Zur Herausbildung von Verlag und Hausindustrie im Raum Sonneberg36
Strukturen der Hausindustrie im Raum Sonneberg während der Hochindustrialisierung38
Reformbemühungen und die Auflösung hausindustrieller Strukturen40
Vom Drechseln zur Plastespritzgussmaschine – Entwicklung und Formen der Spielzeugfertigung in Judenbach und Umgebung44
Holzwarenmacher für die Kaufmannschaft und Holzspielwarenfertigung44
Die verschiedenen Zweige der Holzspielwarenherstellung in Judenbach und Neuenbau Spänemacher, Spanzieher, Schachtelmacher49
Die Drechsler52
Die Spritzenmacher56
Die Schreibzeugmacher59
Holzarbeiter, Holzmacher, Schnitzer60
Die Maler65
Bossierer und Pelztiermacher68
Balg- und Stimmenmacher79
Heinersdorfer Drücker82
Maskenfabrikation in Jagdshof91
Maskenfabrik von Carl Kochniß und die weitere Entwicklung nach 194695
Morgenroth Plüsch GmbH, Jagdshof97
Einzug der Moderne99
Die einzige Fabrik in Judenbach: Holzspielwaren von Andreas Fischer100
Werkzeuge und Maschinen101
Das Spielzeug kommt in Bewegung104
Spieltiere werden abwaschbar – das Plaste-Zeitalter beginnt in Judenbach106
Neues Spielzeug nach künstlerischen Entwürfen110
Vom Ich zum Wir: Genossenschaften und volkseigene Betriebe118
1949-1958: Einkaufs- und Liefergenossenschaft, Genossenschaft des Spielwaren-Hersteller-Handwerks eGmbH und selbständig tätige Privatbetriebe123
„Koppelhund“ – Produktions-genossenschaft des Spielwarenhersteller-und plastverarbeitenden Handwerks eGmbH, Judenbach (Juni 1958-April 1972)128
VEB Plast- und Plüschspielwaren „Koppelhund“ und Werk 2 des VEB „Sonni“134
Produktpalette der PGH und des VEB Plast- und Plüschspielwaren „Koppelhund“136
VEB Mechanische Spielwaren Judenbach, MESJU145
Produktpalette des VEB Mechanische Spielwaren Judenbach153
Gesamtüberblick der im VEB Mechanische Spielwaren Judenbach im Zeitraum von 1952 bis 1968 gefertigten Artikel155
Der Handel mit Spielzeug aus Judenbach – Vertriebswege und Absatzstrategien über 300 Jahre166
Holzarbeiter, Drechsler, Spänemacher, Bossierer, Stimmenmacher ...186
Verzeichnis der Spielwarenhersteller, die im 7. Kapitel keine Erwähnung fanden280
Literaturverzeichnis291
Archivalien304
Abbildungsverzeichnis305

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