Sie sind hier
E-Book

Spiel am Werk

Eine psychoanalytisch-begriffskritische Untersuchung künstlerischer Arbeitsprozesse

AutorTimo Storck
VerlagV&R Unipress
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl369 Seiten
ISBN9783862341047
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis54,99 EUR

Wodurch wird ein Künstler zum Künstler und ein Kunstwerk zum Kunstwerk? Künstlerische Prozesse können als spezifische Beziehungs- und Interaktionskonstellationen aufgefasst werden, in denen künstlerisch Tätige und künstlerische Objekte einander erst zu dem machen, was sie sind – eine Figur, die man psychoanalytisch als Subjektivierung auffassen kann. Dieses Buch blickt aus methodologischer, konzeptueller und methodisch-empirischer Sicht auf die Dynamik künstlerischer Bearbeitungsprozesse. Dazu sichtet der Autor zentrale Konzepte wie Fantasieren, Sublimierung, Übergangsobjekt, Identifizierung und Projektion und bezieht sie auf die Annahme einer künstlerischen Quasi-Subjektivierung des Materials. Die so explizierten Konzeptzusammenhänge hinterfragt er, indem er Gruppendiskussionen unter Künstlern multimethodal auswertet.
Ergebnis ist, dass man künstlerisches Arbeiten verstehen kann als die material reflektierte Auseinandersetzung mit Fantasien über eine sich der umstandslosen Begegnung und Beziehung entziehende Subjektivität des Kunstwerks. Perspektivisch können also epistemologische und methodologische Konvergenzen künstlerischen und psychoanalytischen Arbeitens diskutiert werden.

Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung.



Dr. Timo Storck ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kassel und Stationspsychologe in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums Kassel.

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe
"5. Empirie I: Methodisches Vorgehen, Erhebung und Strukturierung des Materials (S. 153-154)

In künstlerischen Prozessen ist ein Spiel amWerk. Als Spiel weist künstlerische Tätigkeit Aspekte des Als-Ob, der Mehrdeutigkeit und Realitäts-Entrücktheit auf. Als Arbeit bedeutet sie Aspekte von Körperlichkeit, dadurch ermöglichte Lust, die interaktionsbedürftige Materialität des Beziehungsgegenübers, die Notwendigkeit von Fertigkeiten. Insofern beide Elemente aufeinander bezogen sind und einander bedingen, kann sich das Spezifikum künstlerischer Betätigung realisieren: Die material getragene Repräsentation von Beziehung im Kunstwerk, das somit als Quasi-Subjekt erlebt werden kann. Auf diese Weise wird konkretisiert, dass es gerade die reale und bearbeitete Materialität (und seine formale Beschaffenheit) des unbelebten Kunst-Objekts ist, welche es möglich macht, dieses als etwas zu erleben, was es nicht ist, nämlich Subjekt. Dadurch wird es zum Kunstwerk.

Folgt man den im zweiten Kapitel herausgearbeiteten Wegmarken psychoanalytischer Methodologie im Allgemeinen und der psychoanalytischen Konzeptforschung im Besonderen, so ist für die im Folgenden zu unternehmende Hinwendung zur Empirie zu konstatieren, dass gemäß psychoanalytischen Methoden- und Gegenstandsverständnis die empirischen Daten sich in ihrem Verhältnis der Kritik zum theoretischen Konzeptzusammenhang realisieren können müssen (vgl. Adorno 1966, X).

Der Stellenwert der Empirie kann daher weder der einer Illustration des theoretisch Erarbeiteten noch der einer diesbezüglichen Beweisführung sein. Vielmehr kann es einzig darum gehen, mittels psychoanalytischerMethode (und weiterenMethoden; s.u.) einen verstehenden Zugang zu den Beziehungsszenen zu gewinnen, die das Material anbietet und thematisiert, und diese im Rahmen des konzeptuellen Zusammenhangs als verständliche Realisierungen abstrakt-konzeptueller Möglichkeiten erklärbar werden zu lassen. Nicht unberücksichtigt bleiben darf dabei, dass sich psychoanalytische Konzepte im Sinne einer begrifflichen Identifizierung dynamisch unbewusster Zusammenhänge verdächtig machen, wenn es mit dem Verstehen allzu ›reibungslos‹ läuft.

Ich möchte kurz skizzieren, wie im empirischen Teil multi-methodal und methodisch explorativ vorgegangen wurde, bevor ich eine eingehendere Beschreibung der verwendeten Methoden folgen lasse. 5.1 Darlegung des methodischen Vorgehens Als Datengrundlage der vorliegenden Untersuchung dienen Transkripte sogenannter ›Werkstattgespräche‹ unter bildenden Künstlern und Kunstinteressierten in einer Hamburger Kunstgalerie. Das empirische Datenmaterial lag in großen Teilen bereits vor Beginn der Untersuchung vor. Hierbei handelt es sich umTonbandaufzeichnungen der seit ca. 1984 in einerHäufigkeit von etwa 4 –6x/ Jahr durchgeführten Gruppendiskussionen.

Diese finden bis heute in der Regel vier Tage nach den in der gleichen Frequenz stattfindenden Ausstellungseröffnungen statt und ihre Dauer ist üblicherweise auf 90 Minuten begrenzt. Zu der öffentlichen Abendveranstaltung im Ausstellungsraum der Galerie finden sich etwa acht bis 15 Besucher ein, darunter die drei Kuratoren der Galerie und der ausstellende Künstler. Um den Umfang des Materials zu begrenzen, habe ich mich (mit einer Ausnahme) in der Auswahl der Tonbandaufzeichnungen auf den Zeitraum 2004 –2008 beschränkt. Die zeitliche Begrenzung der Materialauswahl gewährleistet eine genügende Homogenität der Diskutierenden-Gruppe. Zwischen Dezember 2006 und Juli 2008 habe ich an Werkstattgesprächen selbst teilgenommen1."
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt7
Hinweise zur Zitation9
1. Einleitung11
2. Zur Begründung der Psychoanalyse als Wissenschaft23
2.1 Zum psychoanalytischen Gegenstands- und Methodenverständnis25
2.2 Zum methodologischen Verhältnis konzeptueller und empirischer Forschung in der Psychoanalyse43
3. Fantasie und Fantasieren in der Psychoanalyse55
3.1 Einige Bemerkungen zu den Konzepten der unbewussten Fantasie und der psychischen Realität64
3.2 Freuds Der Dichter und das Phantasieren: Entwicklung der Problemlage70
4. Spiel und Arbeit: Der künstlerische Prozess als Objektbeziehung87
4.1 Möglichkeitsraum und Übergangsobjekt88
4.2 Der psychoanalytische Sublimierungsbegriff99
4.3 Künstlerische Wiederholungsarbeit als Grundlage von Originalität112
4.4 Künstlerisches Arbeiten als Subjektivierung120
4.5 Zur Bedeutung der entwicklungspsychologischen Konzepte Identifizierung und Projektion für ein psychoanalytisches Verständnis künstlerischer Arbeitsprozesse123
4.6 Die Opus-Fantasie als Repräsentanz der künstlerischen Beziehung139
4.7 Zum Verhältnis von künstlerischer Arbeit und dynamisch Unbewusstem147
4.8 Zusammenfassung: Spiel am Werk im künstlerischen Prozess151
5. Empirie I: Methodisches Vorgehen, Erhebung und Strukturierung des Materials155
5.1 Darlegung des methodischen Vorgehens156
5.2 Empirisches Setting175
5.3 Entwickelte Kategorien177
6. Empirie II: Auswertung189
6.1 Horizontale Auswertung189
6.2 Vertikale Auswertung287
7. Zur Skizze einer negativen Hermeneutik und eines Missverstehens des Leibes in der Psychoanalyse335
Literatur351

Weitere E-Books zum Thema: Psychoanalyse - Analytische Psychologie

Fehler in der Psychotherapie

E-Book Fehler in der Psychotherapie
Theorie, Beispiele und Lösungsansätze für die Praxis Format: PDF

Nichts ist so lehrreich wie ein eigener Fehler. Das Buch widmet sich erstmalig psychotherapeutischen Fehlern und will diese Quelle der Erfahrung einem breiten Leserkreis zugänglich machen. Auf rund…

Depressive Erkrankungen

E-Book Depressive Erkrankungen
Format: PDF

Menschen jeder sozialen Schicht, Kultur und Nationalität können an Depressionen erkranken: Jeder fünfte Erwachsene leidet mindestens einmal im Leben unter dieser Symptomatik. Als Handbuch für die…

Psychoanalyse der Lebensbewegungen

E-Book Psychoanalyse der Lebensbewegungen
Zum körperlichen Geschehen in der psychoanalytischen Therapie - Ein Lehrbuch Format: PDF

Die Autoren erschließen hier die leibliche Dimension zwischen Patient und Therapeut psychoanalytisch und -therapeutisch. Dies berührt tradierte Grundbegriffe und Behandlungsprinzipien der…

Katathym Imaginative Psychotherapie

E-Book Katathym Imaginative Psychotherapie
Lehrbuch der Arbeit mit Imaginationen in psychodynamischen Psychotherapien Format: PDF

Lehrbuch der Katathym Imaginativen Psychotherapie (KIP)Die Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP) ist eine von Hanscarl Leuner unter dem Namen 'Katathymes Bilderleben' 1955 eingeführte und seither…

Prüfungsfragen Psychotherapie

E-Book Prüfungsfragen Psychotherapie
Fragensammlung mit kommentierten Antworten - Mehr als 50 neue Fragen Format: PDF

Keine Angst vor der Prüfung! Die schriftlichen Prüfungen zum Psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten stehen an. Und damit auch die Prüfungsvorbereitung mit…

Spiel und Magie in der Psychoanalyse

E-Book Spiel und Magie in der Psychoanalyse
Setting, Rahmen, Regeln Format: PDF

Diana Pflichthofer nähert sich dem Thema der Psychoanalyse auf neuem Wege: Sie erläutert die spielerischen und magischen Elemente, die in besonderer Weise bei der Arbeit in der Übertragung zur…

Weitere Zeitschriften

FESTIVAL Christmas

FESTIVAL Christmas

Fachzeitschriften für Weihnachtsartikel, Geschenke, Floristik, Papeterie und vieles mehr! FESTIVAL Christmas: Die erste und einzige internationale Weihnachts-Fachzeitschrift seit 1994 auf dem ...

Arzneimittel Zeitung

Arzneimittel Zeitung

Die Arneimittel Zeitung ist die Zeitung für Entscheider und Mitarbeiter in der Pharmabranche. Sie informiert branchenspezifisch über Gesundheits- und Arzneimittelpolitik, über Unternehmen und ...

küche + raum

küche + raum

Internationale Fachzeitschrift für Küchenforschung und Küchenplanung. Mit Fachinformationen für Küchenfachhändler, -spezialisten und -planer in Küchenstudios, Möbelfachgeschäften und den ...

Das Hauseigentum

Das Hauseigentum

Das Hauseigentum. Organ des Landesverbandes Haus & Grund Brandenburg. Speziell für die neuen Bundesländer, mit regionalem Schwerpunkt Brandenburg. Systematische Grundlagenvermittlung, viele ...

Der Steuerzahler

Der Steuerzahler

Der Steuerzahler ist das monatliche Wirtschafts- und Mitgliedermagazin des Bundes der Steuerzahler und erreicht mit fast 230.000 Abonnenten einen weitesten Leserkreis von 1 ...

DULV info

DULV info

UL-Technik, UL-Flugbetrieb, Luftrecht, Reiseberichte, Verbandsinte. Der Deutsche Ultraleichtflugverband e. V. - oder kurz DULV - wurde 1982 von ein paar Enthusiasten gegründet. Wegen der hohen ...

e-commerce magazin

e-commerce magazin

PFLICHTLEKTÜRE – Seit zwei Jahrzehnten begleitet das e-commerce magazin das sich ständig ändernde Geschäftsfeld des Online- handels. Um den Durchblick zu behalten, teilen hier renommierte ...

Eishockey NEWS

Eishockey NEWS

Eishockey NEWS bringt alles über die DEL, die DEL2, die Oberliga sowie die Regionalligen und Informationen über die NHL. Dazu ausführliche Statistiken, Hintergrundberichte, Personalities ...