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E-Book

Spielen macht Kinder stark

AutorChristiane Kutik
VerlagVerlag Freies Geistesleben
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl180 Seiten
ISBN9783772540257
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Christiane Kutiks Darstellung weckt das Verständnis für das freie Spielen und zeigt, wie es gelingt, Spielfreude in den Alltag zu holen. Denn im Spiel gewinnt das Kind bleibende Erfahrungen, Einsichten und Fertigkeiten. Es lernt dabei - absichtslos - mehr als durch Programme und frühen Unterricht. Spielen macht Kinder stark und glücklich. Doch haben sie dafür heute noch genügend Freiräume? Und können sie noch richtig spielen? Wie können wir das selbstständige Spiel ermöglichen? Auf solche Fragen gibt die erfahrene Elternberaterin Christiane Kutik überzeugende und weiterführende Antworten. Sie behandelt alle zentralen Themen rund ums Spiel und bietet viele Spielanregungen für Kinder in den verschiedenen Lebensphasen.

Christiane Kutik ist Erzieherin, Trainerin und Coach für Eltern und pädagogische Fachkräfte. Sie ist Buchautorin mehrerer bekannter Werke, z.B. 'Entscheidende Kinderjahre' und 'Erziehen mit Gelassenheit'. 2011 erschien bereits die 11. Auflage ihres sehr geschätzten Familienhausbuchs 'Das Jahreszeitenbuch'.

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Leseprobe

«Was tust du da?»

«Kochen, waschen, putzen, aufräumen, reparieren.»

«Ich will auch!»

«Dafür bist du noch zu klein.»

«Ich will aber!»

«Dann dauert nur alles länger, geh schön spielen.»

«Das will ich doch – bei dir!»

Vorbild – Interesse – Nachspielen


«Ich will meine Ruhe»


«Was wünschen Sie sich als Eltern?» Auf diese Frage in einer Elternrunde ruft eine Mutter spontan: «Meine Ruhe!» – Alle lachen. – «Nein, nein, so habe ich es nicht gemeint», sagt sie. «Aber ich will zum Beispiel nicht dauernd gestört werden, wenn ich in der Küche bin, oder beim Putzen. Ich erwarte, dass die Kinder auch mal ruhig in ihrem Zimmer spielen können.» – «Und tun sie das?» – «Nein, eben nicht! Sie nerven nur.» – «Wie alt sind sie denn? – «Zwei und fünfeinhalb.» – «Dann sind sie ja noch mitten im Nachahmungsalter.» – «Und da können sie das nicht?» – «Im Nachahmungsalter wollen sie mitmachen und nachahmen, deswegen kommen sie.» – «Aber das kann doch nicht ewig so gehen.» – «Etwa bis die neuen Zähne kommen – so lange ist Nachahmungszeit.»

Das zeigt auch, warum Kinder nicht «hören», wenn wir ihnen nahelegen: «Jetzt geht doch endlich in euer Zimmer, da könnt ihr spielen.» Gut ausgedacht. Doch in der Praxis funktioniert das nicht. Im Unterschied zur weit verbreiteten Erwachsenenmeinung ist Arbeit für Kinder keine Last, die man schnell hinter sich bringen muss. Im Gegenteil. Sie fühlen sich magisch angezogen, wenn Erwachsene sichtbar mit den Händen etwas arbeiten. Das fasziniert sie und regt sie an, selber tätig zu werden.

«Das kann ich bestätigen», sagt die Mutter von Paul: «Früher habe ich meinen Sohn auch immer weggeschickt. Aber geklappt hat das nie. Inzwischen machen wir den Haushalt einfach zusammen. Wenn ich putze, bekommt er auch einen Eimer mit bisschen Wasser und einen Schwamm. Oder beim Kochen gebe ich ihm ein paar echte Töpfe und Kochlöffel. Er liebt das. Und wir haben keinen Stress mehr.»

Hier hat die Mutter von Paul genau beobachtet: Mitmachen ist für Kinder sinnerfülltes Spiel.

Mitwirken dürfen beflügelt und weckt eigene Spielideen


Zusammen mit den Eltern echte Sachen machen, das interessiert bereits die Kleinsten. Sie können schon ab dem Sitzalter beim Kochen dabei sein. Einfach eine Decke auf den Küchenboden, dazu ein paar echte Küchengegenstände, denn diese beeindrucken so einen kleinen Menschen oft mehr als das eigene Spielzeug: «Hier ist dein Platz, hier kannst du spielen.» – Wo es in der Küche zu eng ist: Die Tür offen lassen und in Blicknähe einen Korb mit Material zum Ein- und Ausräumen bereitstellen.

Ein Eineinhalbjähriger mit Mama im Bad. Mama wischt die Fliesen ab. Der Kleine greift – von sich aus – ein Tuch und wischt ebenfalls. Mamas freundliches Zunicken bestärkt ihn in dem Gefühl: ‹Ja, das ist gut, was ich mache.› – «Auch die Waschmaschine ausräumen liebt er», sagt die Mutter, «kaum ist sie leer, ruft er ‹mehr, mehr›. Er will gar nicht aufhören.»

Die Arbeitsatmosphäre ist für Kinder spielanregend

Kinder bewundern das, was die Großen können. Was mein Papa, meine Mama kann, das will ich auch!

«Unser Fünfjähriger war begeistert, als wir das Wohnzimmer gestrichen haben und er mitmachen durfte. Wir haben zusammen die Farbe angerührt und uns Malerhüte aus Zeitungspapier gefaltet: große Hüte für Mama und für Papa und einen kleinen für ihn. Er bekam einen echten Eckenpinsel und durfte damit die Ecken streichen. Da tat er mit Freude, und er war wirklich schon ein guter Helfer.»

Wie der Geistesforscher Rudolf Steiner aus geistig geschultem Blick feststellen konnte, lernt das Kind durch solches Nebeneinanderher-Schaffen, «was es im späteren Leben bewusst niemals vollbringen kann. Unbewusst, instinktiv versucht es, sich zusammenzufinden als Einzelmensch mit anderen Menschen … ein Hineinfinden in die menschliche Sozietät … von Mensch zu Mensch.»15

Eltern sollten aufhören, sich selbst zu unterschätzen

Wenn Kinder da sind, brauchen wir in Bezug auf unser Tun ein ganz neues Denken und Handeln, denn der nachvollziehbar tätige Mensch ist das, was Kinder von null bis sieben wirklich interessiert. Genau da wollen sie ebenfalls sein und «arbeiten». Das Grundprinzip in den ersten sieben Lebensjahren ist das natürliche Interesse der Kinder, sich im Nachahmungsfeld aufzuhalten und auch selber zu schaffen. Sie wollen neben dem Erwachsenen selber tätig sein.

Erwachsene sollten daher aufhören, sich selbst und ihre Alltagstätigkeiten zu unterschätzen. Ist doch der handelnde Erwachsene, der äußerlich sichtbar etwas tut, das wichtigste Spielvorbild für das Kind. Wird dies berücksichtigt und dürfen Kinder bei «echter Arbeit» dabei sein, erspart das allseits unnötigen Stress und auch Erziehungsnöte.

Ab drei Jahren können und wollen die Kinder schon richtig mitwirken. Sie können etwas umrühren, Teig kneten, Gemüse waschen und mit dem Schäler schälen, Wäsche aufhängen. Auch beim Reparieren, Schrauben und Gärtnern, wenn der Fahrradschlauch geflickt, ein Möbelstückt montiert oder ein Vogelhäuschen gebaut wird, sind Kinder fasziniert dabei. Das praktisch Erlebte ist Wegzehrung zum Nachspielen

Die Fragestellung ‹Hat ein Kind auch genug zum Nachahmen?› ist daher maßgeblich, ob es auch zufrieden spielt.

Kleine Kinder wollen «spielhelfen»

Die Arbeit des Erwachsenen ist auch oft das Vorbild zum sogenannten Spielhelfen.

Julius’ Mama ist beim Bügeln. Offensichtlich tut sie dies nicht etwa missmutig («Ach, schon wieder …»), sondern gut aufgelegt. Und das motiviert ihren zweieinhalbjährigen Sohn: Das Kind holt sich den Fusselentferner, der auch so einen Griff hat wie Mamas Bügeleisen, und einen Hocker als «Bügelbrett». Bei ihm geht das Bügeln beneidenswert schnell. Während Mama immer noch dieselbe Bluse plättet, hat er schon drei große T-Shirts, zwei Unterhosen und mehrere Socken «gebügelt». «Noch was», ruft er voller Tatendrang. – Ah, jetzt hat er Papas große Jeans entdeckt! Die «bügelt» er auch noch. Er blickt auf den ganzen Haufen, den er geschafft hat. «Fertig», ruft er sichtlich zufrieden. – Mama weiß sein Spielhelfen zu würdigen. «Na, du bist aber tüchtig», sagt sie. Wohlwissend natürlich, dass dieses Bügeln keine echte Hilfe für sie war. Doch darum geht es gar nicht. Eher um eine herzliche Rückmeldung zur kreativen Spielidee.

Mithelfen hat für kleine Kinder den gleichen Status wie spielen.

Bei Gregor ist es ähnlich. Er schaut fasziniert zu, wie Papa mit dem Schlagbohrer Löcher in die Wand bohrt. Das bringt ihn auf die Idee, sich ein Stöckchen aus seiner Spielkiste zu holen. «Ich muss auch bohren!», sagt er. «Drrr – drrr – drrr», bei ihm geht das rasch. «Schau mal, wie viele Löcher ich schon habe!» Anerkennender Blick vom Vater: «Du bist ja schon ein richtiger kleiner Handwerker.» Gregor strahlt.

So ein Moment «Elternsonne» stärkt Kinder und bestärkt ihr Spiel. Doch wollen sie nicht nur die praktischen Dinge im Haushalt nachahmen. Auch das, was Eltern in unserer Freizeit aktiv tun, weckt ihre Nachahmungsfreude.

Nachahmen ist das Spiel der Kinder


Ein Vater hat beim Zeitungslesen immer eine Schere neben sich liegen. Findet er einen wichtigen Artikel, schneidet er ihn aus und steckt ihn in eine Klarsichtfolie. Der vierjährige Sohn beginnt ebenfalls aus «seiner» Zeitung – es ist die vom Vortag – Abschnitte auszuschneiden und in verschiedene Folien zu stecken. Es ist faszinierend, ihn zu erleben, so völlig vertieft in seine Arbeit, so rundum zufrieden. Dabei sieht es so aus, als sei alles ohne Sinn und Zweck, denn die Zeitungsabschnitte sind einfach mitten aus dem Zusammenhang geschnitten. Der Bub kann ja noch nicht lesen.

Was also ist das Bemerkenswerte an dieser Begebenheit? Das konzentrierte Handeln des Vaters löst den kindlichen Nachahmungstrieb aus und zeigt, wie Kinder das, was sie bei den Großen sehen, in eigenes Spiel verwandeln.

«Ich habe doch nur nachgemacht»

Doch nicht alles, was Kinder nachahmen, ist auch willkommen.

«Wie machen...

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