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E-Book

Spielend zum Lernerfolg!

Wesen und Bedeutung des Spiels in der Pädagogik

AutorKatja Freiheit
VerlagYOUPublish GmbH
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl200 Seiten
ISBN9783958800687
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Wohl kaum ein anderes Phänomen tritt uns in einem derartig vielschichtigen Zusammenhangsgefüge entgegen wie das Spiel. Über das Spiel der Wellen, dem der Kinder, Sport, Musik das Glücksspiel und vieles mehr begegnet es uns. Seine Einschätzung reicht dabei von überflüssiger Nutzlosigkeit bis hin zur elementaren Lebensäußerung. Es suggeriert uns Leichtigkeit und Heiterkeit, indem wir spielend etwas bewältigen. Die Entwicklung von Lernspielen durch die Pädagogik unterstreicht diese These und gibt zudem den gesellschaftlichen Trend der letzten Jahrzehnte wieder. Hier schließt sich sofort die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der Nutzbarmachung eines Phänomens an. Voran stellt sich die Frage, ob dem Phänomen in seiner Vielschichtigkeit ein gemeinsamer Grundgehalt innewohnt, der es erlaubt, von dem Spiel zu sprechen und aus dem sich pädagogisch, psychologisch oder lerntheoretisch, verbindliche Aussagen machen lassen. Die Grundfragen für die Pädagogik lauten also: 'Was ist Spiel?', 'In welchen Erscheinungsformen begegnet es uns?' und 'Welche Konsequenzen ergeben sich aus seinem reinen 'sosein' für die Pädagogik?'. Antworten darauf soll Ihnen das vorliegende E-Book liefern.

Über die Autorin: Katja Freiheit Mich faszinieren die einzigartigen Eigenschaften jedes einzelnen Menschen und ich beobachte diese gerne in allen ihren Facetten. Dies hilft mir die Stärken in jeder Person zu entdecken. Ich gewinne gerne andere für mich und gehe gerne auf Menschen zu. Sprache ist für mich dabei der Schlüssel zu den Menschen.  Als Geschäftsführerin der Kopf und Hand GmbH begleite ich Menschen und Unternehmen seit mehr als 10 Jahren erfolgreich bei Trainingsprojekten.

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Leseprobe

Die Relevanz dieser Betrachtungsweise


Erst wenn klar ist, was Spiel - rein als Phänomen - überhaupt ist, und in welchen Erscheinungsformen es uns begegnen kann, wird eine Beurteilung und Bewertung der Spielphänomene, was deren Stellen- wert und was deren Möglichkeiten und Grenzen betrifft, möglich sein. Ergänzend zu den anfänglich genannten Schwierigkeiten, sich mit der Begrifflichkeit, also auch dem Wesen des Spiels auseinanderzusetzen, soll das Ziel dieses Abschnittes sein.

Es gilt dabei das Spiel als Phänomen zu begreifen - und seine Erscheinungsformen mit den dazugehörigen Wesensmerkmalen herauszuarbeiten.

„Auch bestimmte Erscheinungen an Festlichkeiten, Kultformen, Künsten und Wissenschaften hoher Kultur sind oft mit Spiel in Verbindung gebracht worden und die gesamte Ästhetik hat es mit Erscheinungen zu tun, die in irgendeinem Zusammenhang mit Spiel stehen.“28

Das Phänomen Spiel


Wer sich nicht nur mit dem Spiel von Tieren, sondern mit dem von Menschen beschäftigt, sieht sich zudem mit zahlreichen kulturellen Schattierungen des Phänomens konfrontiert
Folgt man den Ausführungen Johan Huizingas, ein niederländischer Kulturhistoriker als auch denen Hermann Röhrs, deren Ausführungen hier zugrunde liegen sollen, dann ist der Ursprung des Spiels nicht erst im menschlichen Handeln zu suchen. Huizinga schreibt:

„Spiel ist älter als Kultur; denn so ungenügend der Begriff Kultur begrenzt sein mag, er setzt doch auf jeden Fall eine menschliche Gesellschaft voraus, und die Tiere haben nicht auf die Menschen gewartet, daß diese sie erst das Spielen lehrten.“29

Hermann Röhrs schreibt sogar von einem Urphänomen, welches eines der ursächlichen Faktoren für jegliche Entwicklung des Lebens sei. Zum anderen verkörpert es eine konstitutive Begleiterscheinung alles Lebendigen, die sowohl im Tierreich als im Menschenreich auftritt und das Leben während aller Entwicklungsphasen ergänzt. Zur Wesenserkenntnis gehört es, die Vielzahl von Erscheinungsformen und Variationen auf seine Grundform zu reduzieren. Es scheint dem Spiel nicht gerecht zu werden, es auf seine äußere Nützlichkeit, seine Funktion, zu reduzieren. 30

„Das Spiel als solches geht über die Grenzen rein biologischer oder doch rein physischer Betätigung hinaus.(...) Im Spiel “spielt“ etwas mit, was über den unmittelbaren Drang nach Lebensbehauptung hinausgeht und in die Lebensbetätigung einen Sinn hineinlegt.“31

Huizinga spricht hier von einem immateriellen Element, welches dem Spiel angehört und sein Wesen bestimmt. Röhrs führt seine Ausführungen damit an, daß die Geschichte des Spiels mit dem Urknall begann und seitdem den Lauf der Welt lenkt. Der Urknall brachte das lebendige in Gang, regelnde Kräfte versuchten den Zufall zu bändigen.

Bis heute entsteht alle Aktivität daraus. Ebenso sind Zufall und Regel Elemente des Spiels. Spiel kann sich also in allen Erscheinungsbereichen ereignen:

„Die großen ursprünglichen Betätigungen des menschlichen Zusammenlebens sind alle bereits von Spiel durchwoben. Man nehme die Sprache, dieses erste und höchste Werkzeug, das der Mensch sich formt, um mitteilen, lehren, gebieten zu können (...) die Sprache mit der er die Dinge in das Gebiet des Geistes emporhebt. Spielend springt der sprachschöpfende Geist immer wieder vom Stofflichen zum Gedachten hinüber. Hinter einem jeden Ausdruck für etwas Abstraktes steht eine Metapher, und in jeder Metapher steckt ein Wortspiel. So schafft sich die Menschheit immer wieder ihren Ausdruck für das Dasein, eine zweite erdichtete Welt neben der Welt der Natur.“32

So macht sich der Mensch im Spiel ein subjektives Bild seiner Kultur, indem er sie nachahmt.

„Das Spiel liegt außerhalb der Disjunktion Weisheit - Torheit, es liegt aber auch ebensogut außerhalb der von Wahrheit und Unwahrheit und der von Gut und Böse. Obwohl Spielen eine geistige Betätigung ist, ist in ihm an sich noch keine moralische Funktion, weder Tugend noch Sünde gegeben.“33

Beim Versuch, das Spiel zu fassen es zu etwas hinzuzufügen oder es gar abzugrenzen, tritt immer wieder der selbständige Charakter des Phänomens zu Tage. Huizinga macht allerdings darauf aufmerksam, daß die Begriffe der Ästhetik und Schönheit in vielfältigen Banden mehr mit dem Begriff des Spiels verbunden seien als andere. Ebenso erscheint es sinnvoll in diesem Zusammenhang den Begriff des Geistes mit in die Wesensbestimmung mit einzubeziehen. Ohne auf die genauso vielschichtige Bedeutungsstruktur dieses Begriffes einzugehen, muß sie doch, in welcher Form auch immer, sich auf das bisherige beziehen lassen. Hierbei würde die Übertragung auf das Tierreich schwerfallen. Hans Scheuerl kommt daher in seinen Ausführungen zu dem Resultat:

„Will man also den Tieren schon keinen Geist zuerkennen, so könnte man doch im Spiel eine Vorform des Geistigen vermuten. Um die bevorrechtigte Stellung des Menschen im Kosmos brauchte man bei dieser Sichtweise nicht besorgt zu sein. Es bleiben Unterschiede genug, und nicht einmal nur Gradunterschiede (...) Spiel wäre zwar nicht Geist; es wäre noch nicht Geist; es wäre nicht unbedingt und auf jeder Stufe Geist; aber es stände doch zum Geist in der engsten Beziehung, die sich überhaupt zwischen zwei Erscheinungen denken läßt.“34

Das Wesen des Spiels


Ist Spiel nun nur ein Allgemeinbegriff, der Phänomene von ganz verschiedener Natur abstrahierend zusammenfaßt? Zu einer Wesens- bestimmung zu gelangen scheint daher fast unmöglich. Dennoch scheint es den verschiedenen Wissenschaften gelungen zu sein, das Spiel zumindest auf einen Konsens weniger Hauptmerkmale, auf seine formalen Kennzeichen zu reduzieren.

Theoretisch konnte man sich einigen auf sechs Wesensmerkmale, die einen relativ einheitlichen Sachverhalt darzustellen versuchen.

Freiheit

Wohl eines der Auffälligsten Merkmale des Spiels ist die Freiheit: Spiel verfolgt keinen außerhalb seiner selbst liegenden Zweck. Kinder spielen nicht weil sie müssen, sondern weil sie an der Wahrnehmung ihrer Freiheit vergnügen finden. Dem Spiel geht kein Nutzen voraus und deshalb ist die Freiheit mit einem rein negativen Sachverhalt besetzt. Innerliche Regeln oder Vorschriften an die der Spielende gebunden sein mag, lassen ihn trotzdem frei von allem sein.

Es ist die weltvergessene Hingabe, die sich beim Spiel des Kindes beobachten läßt.

„Spiel ist frei vom Zwang ungebärdig drängender Triebe, frei von den gebieterischen Nötigungen des Instinkts. Es ist frei von den Bedürfnissen des Daseinskampfes, von der Not des Sich - Wehrens. Spiel ist nicht Ernst im gewöhnlichen Sinne, was nicht ausschließt, daß es mit Ernst und mit Eifer betrieben werden kann. Es ist ohne Verantwortung und ohne Konsequenzen.“35

Um die ganze Dimension des freien Handelns und den Charakter der Freiheit, der in diesem Zusammenhang gemeint ist, bestimmen zu können, ist ein weiteres Merkmal zu nennen, welches unmittelbar mit dem ersten zusammenhängt.

Innere Unendlichkeit

Soll zweckfreies Spiel erreicht werden, vollzieht sich dieses Dahinwenden nicht immer akut, sondern häufig prozeßhaft. Nach Freiheit strebt der Mensch, will er sich der Aufgaben und des existentiellen Drucks entledigen. Hieraus kann ein triebhafter Zwang zur Entspannung entstehen:

„Diese triebhafte Tendenz zum Spiel darf aber nicht mit den Tendenzen des Spiels verwechselt werden.(...) Hält man sich rein an das phänomenal Gegebene , so erscheint das Spiel nicht als Weg, sich von Notdurft zu befreien, sondern als jubelnder Ausdruck dafür, daß man von ihr schon befreit ist.“36

Der Spieltrieb an sich ist nicht auf eine endgültige Befriedigung ausgerichtet.

„Trieb und Begierde wollen Spannung reduzieren, Spiel will Spannung erhalten.“37

Scheuerl kennzeichnet dieses Phänomen im Spiel als „Bewegung von innerer Unendlichkeit“. Das Beispiel des Liebesspiels macht dieses deutlich. Es kann nicht erzwungen werden ohne den Charakter des Spiels zu verlieren.

„Mit Spiel verwechselte, unkontrollierte, d.h. unkultivierte Befriedigung triebhafter Begierden führt zur Übersättigung, zum Ekel, zur Entleerung, zur Flucht in immer raffinierteren Trieb- reduktionformen ohne wirkliche Befriedigung.“38

Tritt etwa ein Reuegefühl, Pflichtbewußtsein oder das Gewissen in das Spiel, so ist dies auf ein Versäumnis außerhalb der Spielwelt zurückzuführen. Das Spiel selbst bleibt in seiner Ebene stets unschuldig und unendlich.

Scheinhaftigkeit

Spiel ist nicht das “gewöhnliche“ oder das “eigentliche“ Leben. Es ist vielmehr das Heraustreten aus ihm in eine zeitweilige Sphäre von Aktivität mit einer eigenen Tendenz. Schon das kleine Kind weiß genau, daß es “bloß so tut“, das alles “bloß zum Spaß“...

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