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E-Book

Streckenfliegen

Lehrbuch für den B-Schein

VerlagBooks on Demand
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl184 Seiten
ISBN9783743135291
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis17,99 EUR
Das Buch ist der ideale Begleiter während der Ausbildung zur unbeschränkten Überlandflugberechtigung (B-Schein) für Gleitschirm- und Drachenpiloten. Durch den umfassenden Inhalt, der nicht nur die Fächer Meteorologie, Navigation, Luftrecht, Flugpraxis, Aerodynamik, Streckenfliegen, u.v.m. behandelt, sondern auch die Luftrechtssituation, die ICAO Karten der drei Alpenländer Deutschland, Österreich und der Schweiz mit weit über 100 farbigen Grafiken hervorragend erklärt, eignet sich das Buch als Lehrbuch und Planungsunterlage für Streckenflüge sowie als Nachschlagewerk.

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Leseprobe

2 Streckenfliegen


2.1 Flugplanung


Eine gute Vorbereitung ist essentiell für den Erfolg deines Fluges. Sie beginnt spätestens am Vorabend mit Materialkontrolle und Flugplanung. Nicht nur Schirm und Gurtzeug müssen stimmen, auch die Batterien von Vario, GPS, Fotoapparat, Handy und Funk sollten geladen sein. Sind auch Sonnenbrille, Sonnenschutz, warme Kleider, Ausweise, Karten, Geld, Essen und Trinken eingepackt? Dann geht es an die Aufgabenplanung.

2.2 Aufgabe


Zuerst wird ausgewählt, was für eine Streckenflugaufgabe geflogen werden soll. Der Pilot fliegt entweder ganz frei oder er nimmt an einem Wettbewerb, z.B. OLC, teil. Details und aktuelles Reglement auf onlinecontest.org. Beim OLC bestehen unter anderem folgende Möglichkeiten:

2.2.1 Freie Strecke

Eine Strecke auf gerader Linie oder mit Wendepunkt wird als freie Strecke bezeichnet. Der Pilot startet mit dem Ziel eine möglichst weite Strecke abzufliegen. Die freie Strecke wird mit einem Faktor von 1,0 bewertet.

Willst du mit freier Strecke wirklich weit kommen, solltest du die Route so anlegen, dass du mit Rückenwind fliegen kannst. Wenn du Sonne und Wind im Rücken hast, ist es ideal. So werden die vor dir liegenden thermisch aktiven Hänge vom Wind angeströmt. Dann bist du schnell unterwegs, kommst bei Querungen im Luv an und kannst mit verlässlichen Aufwinden rechnen.

2.2.2 Flaches Dreieck / Ziel Rückkehr

Ein flaches Dreieck ist ein Ziel-Rückflug über zwei Wendepunkte, welche mit dem Startpunkt ein Dreieck bilden, bei dem der kürzeste Schenkel weniger als 28 % der Gesamtstrecke umfasst. Diese Aufgabe wird mit dem Faktor 1,21 gewertet.

Einen Ziel– Rück Flug solltest du nur an Tagen auswählen, an denen du mit wenig Wind zu rechnen hast. Ein Rückflug bei Gegenwind ist gleitzahl- und zeitraubend. Du kommst vielleicht auch nicht mehr vor dem Thermikende an.

2.2.3 FAI-Dreieck

Ein Ziel-Rückflug über zwei Wendepunkte, die mit dem Startpunkt ein Dreieck ergeben, bei dem der kürzeste Schenkel mindestens 28 % der Gesamtstrecke beträgt, werden als FAI-Dreieck bezeichnet und mit dem Faktor 1,4 gewertet.

Dreieckflüge wählt man an Tagen mit Windstille und guter Thermik.

2.3 Streckenvorbereitung


Wähle ein erreichbares Ziel. Zu hochgesteckte Ziele werden dir keine Freude machen, im Gegenteil, es wird zum Stress. An einem wirklich guten Flugtag kann mit 6 Stunden Thermik gerechnet werden. Über den gesamten Flug gesehen kannst du bei Nullwind ungefähr 15-18 km/h zurücklegen, also eine Strecke von rund 100 km. Bei jedem Streckenflug sind Talquerungen die große Herausforderung. Über der Talmitte besteht meistens Abwind und es muss eine große Strecke ohne Thermik geflogen werden. Deshalb solltest du die Strecke so wählen, dass sie so wenig große Querungen wie möglich aufweist. Auch sind Tage mit Nordwindkomponente in den Alpen schlecht. Die thermisch aktiven Hänge befinden sich dann im Lee. Zuerst suchst du dir alle meteorologischen Informationen zusammen. Dann planst du anhand der ICAO Karte die Strecke. Trage Schlüsselpositionen ein und merke dir gesperrte Lufträume anhand markanter Punkte in der Landschaft. Die Karte faltest du am besten so, dass der gesamte Flug darauf ersichtlich ist. Trotz GPS und weiteren Helfern leistet sie dir gute Dienste. Je besser du dir die Karte und die Streckenwahl einprägen kannst, desto weniger bist du abgelenkt und kannst dich während dem Flug auf die beste Routenwahl und die Thermik konzentrieren.

Streckenfliegen macht zu zweit noch mehr Spaß. Man kann sich gut ergänzen, Fragen gemeinsam diskutieren und in der Luft hat man mehr Sicherheit. Fliegst du alleine, dann informiere jemanden über das Vorhaben, auch darüber, dass du dich nach erfolgtem Streckenflug bei der Person wieder zurückmeldest.

Am Morgen des Flugtages werden die Wetterinformationen nochmals abgeglichen.

2.4 Am Startplatz


Als erstes, sei frühzeitig am Startplatz. So früh, dass du genug Zeit hast, die lokale Situation zu analysieren. So, dass du auch die beginnende Thermik, den Wind und allfällige Tal-Inversionen werten und die ersten Thermikquellen nach dem Start bestimmen kannst. Das heißt, spätestens eine Stunde vor dem geplanten Start am Startplatz eintreffen.

2.5 Ab in die Luft


Der Startzeitpunkt ist meist entscheidend. Pulsiert die Thermik und entwickelt bereits kontinuierlich genug Aufwind, dann startest du beim Beginn der Phase genau dann, wenn du sicher bist, dich halten zu können. Bei kontinuierlichem Aufwind ist der Zeitpunkt einfacher zu bestimmen. Nach dem Start nutzt du jeden Aufwind und erarbeitest eine erste Sicherheitshöhe. Der unzufriedene Pilot, der immer nach dem noch Besseren sucht, wird sich schnell am Landeplatz wiederfinden. Solange du steigst, oder mindestens einen Nullschieber hast, bist du auf der sicheren Seite. Versuche bereits jetzt auf die maximale Höhe aufzusteigen. So kannst du gleich in Startplatznähe die Thermik und den Wind überprüfen und entscheiden ob es überhaupt und ggf. wann es weiter geht.

2.6 Thermiksuche


Für den Streckenneuling ist es nicht leicht, sich auf das Fliegen, die Thermik und dann noch auf das, was kommt, zu konzentrieren. Streckenfliegen heißt aber auch Vorausdenken. Du musst noch während des Steigens in der Thermik darüber nachdenken, wo sich die nächste Thermik ablöst und anschließend zielstrebig dorthin fliegen. Abrisskanten sind z.B.: Geländesprünge, Bergspitzen, Geländeeinschnitte, die Schneegrenze, Waldränder, Flüsse. Aber auch ein vorbeiziehender Wolkenschatten kann die Thermik am Boden ablösen. Weiter gilt es, den Untergrund nach möglichen Entstehungsquellen für Thermik abzusuchen. Dunkle und trockene Flächen heizen sich schneller auf. Helle Flächen reflektieren einen großen Teil der eingestrahlten Energie und erwärmen sich dadurch nur langsam. Feuchte Flächen verwenden die aufgenommene Energie zunächst dazu, Wasser zu verdunsten, ohne dass sich dabei die Temperatur erhöht.

Im Flachland sind aus der Luft kleinere Geländeerhöhungen, an denen Thermik sich zumeist verlässlich löst, schwer zu erkennen. Entscheidender noch als Entstehungsflächen für die Thermik sind im Flachland Abrisskanten an Seen, Flüssen, Straßen und Waldrändern oder auslösende Momente, wie z.B. Züge. Aber auch dichte Bebauung oder ein geteerter Parkplatz können schon weiterhelfen. Mancher Pilot konnte, nachdem er schon den Landeplatz ausgesucht hatte, über einer Thermik produzierenden Fläche wieder Höhe machen und den Flug fortsetzen. Bist du dringend auf eine Thermik angewiesen, suche das Gelände mit Rückenwind ab. So kannst du einen viel größeren Bereich befliegen und damit die Wahrscheinlichkeit etwas zu finden deutlich erhöhen. Nicht zu vergessen ist natürlich bei jeder Beurteilung der Thermikquelle der Windversatz. Machst du hier Fehler, dann fliegst du der Thermik plötzlich nur mehr hinterher, statt sie zu nutzen.

2.7 Thermik zentrieren


Steigen andere, so wirst du auch eine Thermik finden. Fliege dorthin, wo du diese erwartest. Vor dem Einfliegen in die Thermik wird man oft schneller und sinkt. Der unerfahrene Pilot dreht dann um, im Abwind und verliert viel Höhe. Richtig ist, leicht zu beschleunigen, um den Abwind schneller zu durchfliegen. Fliegst du dann in den Aufwind, hast du gleich noch den Vorteil eines kleineren Anstellwinkels. Thermik gefunden?

Jetzt die wichtigste Regel: Drehe auf die Seite, auf welche es dich anhebt. Kippt es dich im Sitz nach links, dann drehst du nach rechts ein. Steigst du und kannst keine Seite ausmachen, so fliegst du geradeaus, bis das Steigen nachlässt, und drehst dann auf deine Lieblingsseite ein.

Abb. 2.1: Thermik zentrieren

Sinkst du nun plötzlich wieder stark, dann bist du aus der Thermik rausgeflogen. Dann gilt die Drehrichtung beizubehalten und so wieder zurück in die Thermik zu fliegen. Sobald es wieder steigt, geradeaus etwas tiefer in die Thermik hinein fliegen und wenn das Steigen nachlässt, erneut eindrehen. Mit dieser Technik kann man sich langsam in die Mitte der Thermik arbeiten. Ist das Zentrum groß, dann mit großem Radius fliegen und den Flügel flach drehen. Ist das Zentrum klein, dann engere Kurven fliegen. Aufsteigende Thermik hat oft eine Drehrichtung, die man manchmal ganz gut an sich drehenden Wolkenfetzen am Rand der Wolke erkennen kann. Optimal fliegt man in der Thermik gegen diese Drehrichtung.

2.8 Fliegen am Hang


Über dem Grat beschleunigt der Wind immer (Venturi Effekt, s. Seite...

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