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E-Book

Tabuthema Fehlgeburt

Ein Ratgeber

AutorMiriam Funk
VerlagMabuse-Verlag
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl119 Seiten
ISBN9783863213602
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR
Viele Frauen, die Fehlgeburten erleiden, schweigen und fühlen sich in ihrer Situation allein, denn es ist ein gesellschaftliches Tabuthema, über den Verlust des ungeborenen Kindes zu sprechen. Dabei bleibt oft auch die professionelle, sensible medizinische Betreuung auf der Strecke und die Verarbeitung wird erschwert. Was erleben Frauen bei einer Fehlgeburt? Kennen sie ihre Rechte und Möglichkeiten? Was hilft ihnen, die Situation zu verarbeiten? Die Autorin hat mehr als 400 Frauen befragt und ihre Antworten in dieses Buch einbezogen. Dieser Ratgeber bietet fachliche Informationen rund um das Thema Fehlgeburt und soll Frauen Wissen an die Hand geben, um den Verlust bestmöglich zu verarbeiten. Aber auch Angehörigen, Freunden und medizinischem Personal kann dieses Buch helfen, sensibel mit dem Thema umzugehen.

Miriam Funk ist Medizinjournalistin. Sie arbeitet als Online-Redakteurin, Texterin und wissenschaftliche Lektorin. Ihre Leidenschaft gilt dabei den Themen Frauengesundheit und Gesundheitspolitik.

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Leseprobe

1. Fehlgeburten aus medizinischer Sicht


Laut medizinischer Definition ist eine Fehlgeburt (ein Abort) das frühzeitige Ende einer Schwangerschaft, bei der das nicht lebensfähige Kind mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm und vor der 22. bis 24. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommt. Das bedeutet, dass es ab dem Zeitpunkt, wenn die Frau erfährt, dass sie schwanger ist – also oft in der 5. oder 6. Schwangerschaftswoche –, bis höchstens zur 24. Schwangerschaftswoche zu einer Fehlgeburt kommen kann. Entscheidend für die Begrifflichkeit ist das Gewicht des Kindes. Wiegt es über 500 Gramm, spricht man von einer Totgeburt. Diese Unterscheidung ist dahingehend wichtig, da für eine Fehlgeburt und eine Totgeburt unterschiedliche gesetzliche Regelungen greifen.

Diese medizinische Unterscheidung nach Gewicht besteht bereits sehr lange. Auch wenn in den letzten Jahren immer wieder Änderungen in den Gesetzen vorgenommen wurden, so ist diese Unterscheidung heutzutage zumindest wert, überdacht zu werden. Betrachtet man nämlich im Vergleich dazu den medizinischen Fortschritt, so kommt man ins Grübeln: Heute gibt es bereits einige Frühchen mit 300 bis 400 Gramm Geburtsgewicht, die überlebt haben.

Medizinisch wird als Abort ebenfalls ein künstlich herbeigeführtes Ausstoßen des Embryos/Fötus vor der Lebensfähigkeit außerhalb der Gebärmutter bezeichnet – also ein Schwangerschaftsabbruch. Auf ihn soll in diesem Buch jedoch explizit nicht eingegangen werden.

Formen von Fehlgeburten


Aus medizinischer Sicht ist Fehlgeburt nicht gleich Fehlgeburt. Von der Art der Fehlgeburt ist oft das weitere Vorgehen abhängig. Folgende Arten von Fehlgeburten gibt es laut Definition:

Abortus imminens: Drohende Fehlgeburt bei noch intakter Schwangerschaft (zum Beispiel bei akuten Blutungen).

Abortus incipens: Beginnende Fehlgeburt, bei der die Schwangerschaft schon irreversibel gestört ist.

Abortus incompletus: Unvollständige Fehlgeburt, bei der bereits Teile der Frucht ausgestoßen wurden.

Abortus completus: Vollständige Fehlgeburt, bei der die Frucht komplett aus der Gebärmutter ausgestoßen wurde.

Weiterhin können folgende Arten einer Fehlgeburt auftreten:

Verhaltener Abort (Missed Abortion/MA): In unterschiedlichen Stadien der Entwicklung kann es zum Absterben des Ungeborenen kommen. Beim Ultraschall durch den Frauenarzt lautet die Diagnose häufig „kein Herzschlag mehr festzustellen“.

Abortivei (Windei): Von einem Windei ist dann die Rede, wenn sich innerhalb der Fruchthöhle kein Embryo entwickelt. Im Ultraschall-Bild ist dies an der leeren Höhle zu erkennen.

Blasenmole: Bei einer Blasenmole handelt es sich um eine gestörte Embryonalentwicklung, bei der bestimmte Zellen (Trophoblasten) entarten und wuchern, die für die Ernährung des Embryos zuständig wären. Es ist kein embryonaler Herzschlag nachweisbar. Bei einer Blasenmole sollte eine Ausschabung vermieden werden, meist werden Prostaglandine verabreicht und eine Saug-Curettage durchgeführt.

Eine Eileiterschwangerschaft zählt nicht zu den Fehlgeburten, sondern zu den Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter (Extrauteringravidität, EUG). Auch wenn der Verlust für die Frau dabei ebenso vorhanden ist, wird in diesem Buch nicht weiter auf die EUG eingegangen, da sich diese in Diagnostik und Therapie deutlich von Fehlgeburten unterscheidet. Alle Abschnitte, die auf Aufklärung und Umgang mit der Frau abzielen, gelten jedoch für die EUG genauso.

Frühe versus späte Fehlgeburt

Die ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft sind aus medizinischer Sicht das Stadium der Frühschwangerschaft. Auch Fehlgeburten werden darin unterschieden, in welchem Stadium der Schwangerschaft sie auftreten: Passiert eine Fehlgeburt bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche (11+6 SSW), sprechen Mediziner von einer frühen Fehlgeburt. Verliert eine Frau ihr Kind zwischen der 13. und der 22. bis 24. Schwangerschaftswoche, wird es als späte Fehlgeburt bezeichnet.

Die Unterscheidung hängt mit der Entwicklung und der Größe des Kindes und der Plazenta zusammen: Bei sogenannten kleinen Geburten ist bis zur 12. Woche oft keine zusätzliche Ausschabung notwendig, ab der 13. Schwangerschaftswoche hingegen häufiger, da das Risiko höher ist, dass Reste der Schwangerschaftsanlage in der Gebärmutter verbleiben. Auch die Ursachen für frühe Fehlgeburten sind teilweise ganz andere als bei späten Fehlgeburten (siehe „Ursachen für Fehlgeburten“).

Auch wenn eine Fehlgeburt zu einem sehr frühen Zeitpunkt stattfindet, fühlt sich die Frau betroffen. Es ist völlig unangebracht zu behaupten, jetzt sei es ja „noch nicht so schlimm“. Ich habe Frauen erlebt, die sich nicht trauten zu sagen, in welcher Schwangerschaftswoche ihre Fehlgeburt geschehen war, da sie fürchteten, dann nicht ernst genommen zu werden. Denn genauso hatten sie es in ihrem Umfeld erlebt. Frauen, die in den allerersten Schwangerschaftswochen eine Fehlgeburt erleiden, bekommen oft den Satz zu hören: „Sei froh, dass es so früh und nicht später passiert!“ Es wird fälschlicherweise angenommen, dass der Verlust umso schmerzhafter wird, je fortgeschrittener die Schwangerschaft ist. Dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein – es ist immer ein Verlust.

Häufigkeit von Fehlgeburten


Es ist schwierig, genaue Zahlen über Fehlgeburten zu bekommen. Allgemein wird von einer Abortrate von mindestens 20 Prozent ausgegangen. Davon sind etwa 80 Prozent frühe Fehlgeburten (bis zur 12. Schwangerschaftswoche). Nachdem eine Schwangerschaft beim Frauenarzt sicher festgestellt wurde (inklusive Herzschlag als Vitalfunktion), kommt es bei ungefähr 10 bis 20 Prozent der Frauen zu einer Fehlgeburt. Die Dunkelziffer an Fehlgeburten liegt vermutlich viel höher, da viele Frauen – vor allem die, bei denen kein akuter Kinderwunsch besteht – eine verspätet einsetzende Menstruation als Variation ihres Zyklus sehen und nicht mit einer Fehlgeburt in Verbindung bringen.

Grundsätzlich geht man bei einer Frau, die noch keine Fehlgeburt hatte, von einem Risiko für eine Fehlgeburt von 11 bis 13 Prozent aus. Allerdings steigt das Risiko für Fehlgeburten mit zunehmendem Alter, da die Zahl der Chromosomenstörungen zunimmt. So liegt das Risiko bei 20- bis 30-jährigen Frauen bei nur 9 bis 17 Prozent, im Alter von 35 bis 40 Jahren steigt es bereits auf 23 bis 45 Prozent. Betrachtet man diese Häufigkeit von Fehlgeburten, wird klar, wie viele Frauen betroffen sind.

Auch nach einer künstlichen Befruchtung ist das Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden leicht erhöht. Der Grund hierfür liegt in einer höheren Rate an Fehlbildungen.

Da Ärzte die jeweilige Art der Fehlgeburt nicht dokumentieren müssen, liegen auch keine exakten Zahlen dazu vor, welche Form der Fehlgeburt am häufigsten auftritt. Bei meiner Umfrage gaben sehr viele Frauen an, dass bei der Untersuchung eine Missed Abortion festgestellt wurde oder dass Blutungen einsetzten und sie ihr Kind dadurch verloren haben (Abortus completus/incompletus).

In der Umfrage verteilen sich die Fehlgeburten auf die Schwangerschaftswochen wie folgt (Gesamtzahl: 430):

Abbildung 1: Angaben der befragten Frauen, in welcher Schwangerschaftswoche ihre Fehlgeburt geschah

Ursachen von Fehlgeburten


Die Befruchtung und Einnistung der befruchteten Eizelle sowie die embryonale Entwicklung bis hin zum lebensfähigen Kind sind sensible Prozesse. Wenn einer dieser Prozesse gestört ist, kann es sein, dass der Körper seinen Fehler korrigiert. So hart es klingt: Es kommt oft zu einer Fehlgeburt, weil der Embryo/Fötus nicht überlebensfähig gewesen wäre. Dagegen sind wir machtlos und müssen akzeptieren, was geschieht. Für betroffene Frauen ist es auch wichtig zu wissen, dass die allermeisten Fehlgeburten unvermeidbar sind. Allerdings gibt es auch Ursachen, die behandelt werden können, wie beispielsweise eine Gerinnungsstörung. 

In den ersten zwölf Schwangerschaftswochen sind häufige Ursachen:

Chromosomenstörungen

Anatomische Ursachen, etwa Myome in der Gebärmutter

Gerinnungsstörungen: Bestimmte Gerinnungsstörungen wie beispielsweise die Faktor-V-Leiden-Mutation können unbehandelt zu Fehlgeburten führen. Frauen mit mehreren Fehlgeburten sollten deshalb unbedingt bei einem Gerinnungsmediziner vorstellig werden. Bei Gerinnungsstörungen können blutverdünnende Medikamente eingesetzt werden.

Hormonelle Störungen

Die häufigste Ursache für Fehlgeburten zwischen der 13. und 24. Schwangerschaftswoche sind Infektionen. Beispielsweise sind hier Röteln, Masern und Toxoplasmose zu nennen.

Die Ursache für eine erstmalig auftretende Fehlgeburt bleibt meist ungeklärt, außer es gibt deutliche Hinweise auf eine spezielle Ursache. Allerdings gibt es bestimmte Ursachen, die je nach Schwangerschaftswoche häufiger beziehungsweise seltener auftreten.

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