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Tee trinken und das Leben lieben lernen

Ein Ritual für Gruppen - gesehen mit den Augen West-Östlicher Weisheit

AutorKlaus-Werner Stangier
VerlagBooks on Demand
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl168 Seiten
ISBN9783752807325
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Der Autor nimmt seine Leser.innen wie auch die Menschen, die bereit sind, sich auf die Übung einzulassen, liebevoll an der Hand und macht auf diese oder jene Besonderheit am Lebensweg aufmerksam: die Begegnung mit einem Trockentuch z.B. oder die Gebärde der Verneigung, die Handreichung beim Anbieten eines Gebäcks. Die Leser.innen werden geführt, sie machen aber, noch wichtiger, während der Übung und im alltäglichen Leben ihre eigenen Erfahrungen. Der Alltag kann zur Übung werden. Dabei kommen die Menschen auch in Berührung mit der dunklen Seite des Lebens, mit Angst, Langeweile und dem Zwang, alles richtig und besser als die andern machen zu wollen. Die Tee-Übung wird zu einer Leben-Übung. Der Text führt über die Erschließung von Zweck und Sinn des Tuns hinaus in die lautere Freude des Daseins.

Klaus-Werner Stangier, Jahrgang 1938, Studium der Philosophie Theologie und Germanistik. Bis 1979 als Priester, vor allem in der Ausbildung von Religionslehrern, tätig. Anschließend Weiterbildung in Initiatischer Therapie und Zen-Meditation. Mitarbeiter von Karlfried Graf Dürckheim und Maria Hippius-Dürckheim in Todtmoos-Rütte. Seit 1981 Schüler von Yamada Bunryo Roshi. Rinsei ZenSchulung in Deutschland und bei mehreren Aufenthalten in Japan in Kyoto im Fukujo Ji und im Kloster Eigenji, Präfektur Shiga. Am MorenoInstitut Überlingen Ausbildung zum Psychodramaleiter. Lehrbeauftragter des Instituts, Supervisor DGSv. 1989 Gründung und bis 2014 zusammen mit Cornelia Kleijn Stangier Leitung des Meister Eckehart Hauses in Köln. Veröffentlichungen in religionspädagogischen Zeitschriften, verschiedene Bücher: "Schritte ins Freie", Herder, 1993; "Jetzt Bibliodrama im Spannungsfeld von Psychodrama und Liturgie", inSzenario Verlag Köln, 1997 "Den eigenen Weg finden", Herder, 2003, "Das Unsagbare sagen" BoD, 2017

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Leseprobe

2. Grüner Tee


zwei Handelswege, zwei Namen / weit hinab in die Vergangenheit / ein glücklicher Fund / Lebensbedingungen / wachsen lassen und schneiden / ernten / genießen und gesunden

Göttlicher Klang umgibt die beiden Pflanzennamen, die Urformen des Teegewächses, aus denen alle heutigen Teesorten entwickelt wurden: Thea Camellia sinensis und Thea Camellia assamica. "Sinensis" steht dabei für das ursprüngliche Verbreitungsgebiet: China. Die Blätter dieser Pflanze sind klein, eher hart und stark aromatisch, der Ertrag ist niedrig. "Assamica" steht für den indischen Bundesstaat Assam, in dem diese Teeart 1830 entdeckt wird. Ursprünglich hat diese Sorte große, weiche Blätter, ihr Aroma ist nicht so ausgeprägt, sie sind empfindlich gegen Trockenheit und Kälte und liefern hohe Erträge. Eine freie Etymologie könnte aus Thea eine Doppelgöttin machen, eine Göttin mit zwei Gesichtern, Thea Camellia sinensis assamica. Die Pflanze jedoch ist nicht nur göttlich, sie verbindet vielmehr Himmel und Erde, sie vereint Licht und Tau des Himmels mit fruchtbarem Boden, sie ist die gewachsene Einheit von göttlich und irdisch und die gewordene Einheit aus Natur und Kultur. Der Name „Tee“ hat die deutschsprachigen Länder über die Niederlande erreicht und hat seinen Ursprung in einem südchinesischen Dialekt, dem minnanischen. Der Name Tee kam ins westliche Europa, da der Teetransport dorthin meist auf dem Seeweg von Südchina aus erfolgte. Persien, die Türkei und Russland wurden auf dem Landweg vom Norden Chinas aus beliefert, sie haben die Bezeichnung cha, ein Wort der chinesischen Hochsprache, des Mandarin, übernommen. Man sagt, dass der Landweg dem Tee früher besser bekam, da er nicht der salzigen Luft und Feuchtigkeit der Seereise ausgesetzt war.

Wenn wir mit Tee in Berührung kommen, dann ertasten wir eine feine Ader, die tief in die Vergangenheit zurückführt. Schon 5000 Jahre vor Christus soll die Teepflanze in China bekannt gewesen sein, ein Busch, ein Baum unter vielen zunächst, anonym, voller Aroma und belebender Kraft, verborgen und unbekannt. Bis es eines Tages geschah, dass jemand auf die Blätter aufmerksam wurde, vielleicht ein Zufall. Vielleicht hat der Duft der Blätter die Menschen aufmerksam gemacht. Denn mindestens so bedeutend wie der Geschmack ist der Duft, den die Blätter verströmen. Vielleicht tauchte die Pflanze aber auch im Blickfeld eines neugierigen und aufmerksamen Menschen auf, der Heilkräuter suchte. Eine Entdeckung mit unabsehbaren Folgen.

Das Teeblatt hat einen Siegeszug durch die Welt angetreten, war Zeuge unzähliger Gespräche, Zeuge auch einsamer Stunden, ermutigend, wärmend, tröstend, heilend, beruhigend, voller Hingabe, Einladung zum Genuss und Erwachen.

Was braucht die Pflanze zum Wachstum? Wir finden sie heute in den Hochlagen der Tropen und Subtropen. China und Indien sind die Hauptproduzenten, sie liefern etwa die Hälfte der Weltproduktion. Die Angabe von 3,3 Millionen Tonnen übersteigt jedes Vorstellungsvermögen. Füllt man einen Löffel mit Teeblättern und hört man diese Zahl, dann breitet sich nur noch Stille aus, alle Vorstellungen verdampfen, und die getrockneten Teeblätter beginnen vor Leichtigkeit zu schweben. Sri Lanka und Kenia spielen eine wichtige Rolle, auch in Japan wird Tee angebaut, ebenso in der Türkei. Die Pflanze liebt milde Temperaturen zwischen 18 und 28 Grad Celsius, einen gleichmäßigen Niederschlag und ausreichend Sonnenschein. Scheint die Sonne zu direkt und mächtig, dann werden anderer Gehölze in der Nachbarschaft angebaut, um für den nötigen Schatten zu sorgen. Die Teepflanze braucht ein ausgewogenes Klima, sie scheut die Extreme und schenkt selbst auch Ausgewogenheit und Balance. Liegen die Temperaturen höher oder unter den genannten Größen, sind die Erträge geringer. Die vorgezogenen Pflanzen werden im Freiland angepflanzt. Je besser die Wachstumsbedingungen, umso größer kann der Abstand werden. Vorher aber werden die jungen Pflanzen aus Samen oder Setzlingen herangezogen, in sogenannten nurseries, Aufzuchtbeuteln mit gutem Mutterboden, ungefähr neun Monate lang. Sind sie kräftiger und herangewachsen, werden sie regelmäßig zurück - geschnitten, damit breite Teebüsche heranwachsen. Die jungen Triebe der immergrünen Pflanze werden außerdem heruntergebogen, um die Buschform zu unterstützen und die Ernte der Blätter an den höchstens eineinhalb Meter hohen Büschen zu erleichtern. Drei bis sechs Jahre müssen die Pflanzen wachsen, bis die erste Ernte möglich ist. Auch später werden die Teebüsche dann immer wieder beschnitten, um den Austrieb jungen Grüns anzuregen. Ließe man die Teepflanze unbeeinflusst wachsen, dann würde sie sich zu einem 6 bis 10 Meter hohen Baum entwickeln. Die Wurzeln ragen bis zu einem Meter und manchmal weiter in den Boden hinein. Die „Lebenserwartung“ der indischen Teesträucher beträgt 30 bis 50 Jahre, während die chinesischen Arten bis zu 100 Jahre alt werden können.

Traditionell beginnt die Ernte des Tees im März. Es wird der „weiße Tee“ gepflückt. Das junge Blatt ist an der Unterseite behaart. Es wird nach kurzer Trockenzeit blanchiert und gerollt, sowie später weiter getrocknet. Die Blätter werden, während der Antrocknungsphase ungefähr jede halbe Stunde bewegt. Entweder mit den Händen oder mit einem Bambusrechen.

Ab Mai beginnt eine weitere Pflückperiode. Nun sind die Teepflanzen, nachts und in den Morgenstunden, mit einem Nebel bedeckt. Diese Tautropfen setzen sich an den Teeblättern ab und verleihen dem Tee ein leichtes Aroma. Im Sommer und Herbst folgen weitere Pflückungen.

Der grüne Tee wird aus der gleichen Teepflanze wie schwarzer Tee hergestellt, allerdings nach einem anderen Verfahren. In Japan werden die frisch gepflückten Blätter zur Herstellung von grünem Tee kurze Zeit über Wasserdampf gehalten. Nach dem Erhitzen werden die Teeblätter gerollt, um die restliche Flüssigkeit an die Oberfläche zu bringen, dann werden sie getrocknet, verpackt und in den Verkauf gebracht. Sie werden also nicht fermentiert, ihre grüne Farbe bleibt erhalten. Die Tee-Ernte ist vielfach aufwendige Handarbeit. Für die besten Qualitäten werden die Blattknospe, die jüngsten Blätter, und die obersten zwei Blätter gepflückt. Ein Arbeiter sammelt bis zu 30 kg frische Blätter pro Tag. Zum Vergleich: Bei der mechanischen Ernte mit dem Einsatz von Maschinen schafft ein Arbeiter 100 kg pro Stunde. Bei der Ernte sollten genug Blätter zurückgelassen werden, um sicherzustellen, dass der Teebusch kräftig und gesund weiter wachsen kann.

In 100 g grünem und schwarzem Tee sind enthalten:

15 g Eiweiß, 7g Fett, 0,8 g Kohlenhydrate, 55 g Ballaststoffe, 5 g Mineralstoffe und ca. 3 g Koffein. Eine Tasse (150 ml) grüner und schwarzer Tee enthält ca. 20 - 50 mg Koffein.

Außerdem enthält Tee eine Reihe von sekundären Pflanzenstoffen, vor allem Polyphenole. Dazu gehören Gerbstoffe (Tannine), Catechine und Rutin. Grüner Tee ist besonders reich an Catechinen, denen gesundheitsfördernde Wirkungen zugesprochen werden. Bei der Fermentation zu schwarzem Tee gehen diese Substanzen zum Teil verloren, so dass die Gehalte hier geringer sind. Grüner Tee hat außerdem einen höheren Tanningehalt, daher ist er herber im Geschmack.

Im grünen Tee ist Vitamin C in einer besonders stabilen Form enthalten, daneben finden sich die Vitamin B1, B2, Beta-Carotin, Niacin und Biotin. An Mineralstoffen kommen Kalium, Magnesium, Zink, Fluor und Mangan vor. In jedem Schluck öffnet sich eine Welt voller Reichtum und Wohlgeschmack. Ein großer Teil des Geschmacks ist der Duft, so befremdlich sich das auch anhört. Aber wenn man in einem Raums steht, in dem die gepflückten Blätter gewelkt werden, also gleich nach dem Pflücken während der ersten Stunden, dann ist die Luft von einem unglaublichen Duft erfüllt. Betörend, und man schmeckt den Duft förmlich auf der Zunge. Gießt man den Tee in der richtigen Weise auf, dann kann man diesen Duft je nach Teequalität erahnen. Beim Hinschauen entsteht der Eindruck, als diene der ganze Trocknungs- und Rollvorgang nur dazu, diesen Duft zu bewahren. Der Duft ist so stark, dass er zugleich Geschmack ist.

Was diese Analyse nicht ans Tageslicht fördert, ist die viriditas der Pflanze, die Grünkraft, wie Hildegard von Bingen sie erfahren hat und nennt. Diese Kraft ist für sie eine schöpferische und heilende Kraft, der Geist Gottes selbst, der sich äußert und belebend und heilend die Welt durchwebt. Sie preist diese Kraft in zahlreichen Bildern.

„O Grün des Fingers Gottes, in welchen Gott seine Pflanzung eingesetzt hat.

In der Morgenfrühe, wenn die Sonne bei ihrem Aufgang sich machtvoll erhebt, um ihren Lauf anzutreten, steht auch das Grün in seiner größten Kraft, ..., dann trinken die Gräser dieses Grün so gierig in sich hinein, wie ein Lamm...

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