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Therapeutische Heilungsprozesse in diakonischen Einrichtungen an Beispielen aus Chile

AutorMonica Jaraquemada Albos
VerlagBachelor + Master Publishing
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl63 Seiten
ISBN9783955495268
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Ausprägungen und Facetten der Diakonie, wie sie in einigen chilenischen Einrichtungen gelebt wird. Der Grund dafür liegt in den wenig erforschten Auffassungen und Formen der diakonischen Tätigkeit in Chile. Das diakonische Handeln, realisiert durch das Modell der therapeutischen Hausgemeinschaft für Suchtkranke, bildet somit die Basis, auf welcher die vorliegende Studie beruht. Die Hausgemeinschaften thematisieren Heilung in der Beziehungskonstellation zwischen Gott und den Menschen und der Beziehung von Menschen untereinander. Einen Schwerpunkt des Buches bilden daher die therapeutischen Aspekte des Themas Heilung. Die daraus abgeleitete und zu prüfende Hypothese lautet: Heilung, wie sie im Neuen Testament gezeigt und in Chile praktiziert wird, geht über die von Buber und Rogers vorgestellten Heilungsprozesse hinaus. Im europäischen Kontext und nach dem dortigen Verständnis von Therapie sind christliche Einrichtungen mit einer kompetenten Fachberatung und mit finanziellen Ressourcen aufgebaut worden. Im Gegensatz dazu müssen die diakonischen Gemeinschaften in Chile meist ohne ständige Unterstützung von Fachpersonal auskommen und haben oft mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Innerhalb der freien christlichen Gemeinschaft, die etwa 15 Prozent der bekennenden Christen innerhalb der Bevölkerung Chiles ausmacht, sind Hausgemeinschaften als Antwort auf die Existenz- und Lebensproblematik der Menschen entstanden. Diese versuchen Menschen zu helfen, die infolge von Suchtproblemen am Rande der Gesellschaft leben. In der vorliegenden Studie werden einige Aspekte der Heilung durch Beziehung im Neuen Testament berücksichtigt und dargestellt. 'Heilung' beschreibt hier einen Prozess, der eine neue Denkweise verlangt. Die Konstellation der Heilung in den Evangelien ist der Ausgangspunkt, auf den sich das Wirken in den verschiedenen Hausgemeinschaften gründet. Hierbei werden die Heilungen betrachtet, die Jesus zu seiner Zeit bewirkte, unter Einbeziehung des Themas 'Heilung' bei Gerd Theißen.

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Leseprobe
Textprobe: Kapitel Teil II, Der Heilungsprozess durch den Glauben: Jesu Heilungswirken erschöpft sich nicht in Tun und Sprechen, sondern besteht in seinem innigen, vollständigen Gottesverhältnis. In Jesu Beziehung zu Kranken spiegelt sich das innige Gottesverhältnis. Daraus eröffnet Jesus ihnen einen neuen Zugang zu Gott. Durch diesen Zugang eintreten heißt Glaube. Es gilt die Verheißung: 'das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!' (Mk. 1,15). Glauben im Sinn des Reiches Gottes führt zu einer neuen Art der Wahrnehmung, in der die Welt, die Menschen und das eigene 'Ich' neu zu entdecken sind. Das Angebot Gottes an den Menschen kann von körperlicher und seelischer Heilung begleitet sein. 'Heilen ist eine zentrale Intention der Sendung Jesu und so ein konstitutives Postulat der diakonischen Beziehung.' Durch Heilung werden Kranke, Beladene und die Außenseiter der Gesellschaft erreicht. Es ist eine gesellschaftliche Praxis, dass heilende Gotteskraft ausgeübt und verbreitet wird. Hieraus sind Menschen in der Lage, ihren Glauben praktisch werden zu lassen. Ihre Inspiration bezieht sich auf persönliche Erfahrungen, nach denen jeder von Gott angenommen wird. 'Dieser Ursprung macht Diakonie in der Gemeinschaft und in der Begegnung mit anderen Menschen zu einer Lebensform, die dem anderen zugewandt ist.' Diakonisches Handeln kann bildlich in der einladenden Hand, die Jesus Kranken ausgestreckt hat, verstanden werden. Diakonisches Handeln kann nicht nur als einzelne Tat begriffen werden, sondern als handelnde Gemeinschaft. In dieser Gemeinschaft entwickelt sich eine große Vielfalt der Arbeitsformen, durch die diese umso besser auf die verschiedenen Bedürfnisse des Leidenden eingehen kann. Die handelnde Gemeinschaft setzt eine Kraft frei, die sich positiv entwickeln kann und dadurch Heilung bewirkt. Um das Zusammenwirken von Inspiration und Kraft sowie Gemeinschaft und Einzelnen zu präzisieren hilft der Ansatz von Gerd Theißen zur Bedeutung von symbolischen Elementen in der Nachfolge Jesu. 2.1, Annährungen an den Begriff der Heilung bei Gerd Theißen: Nach dem Ansatz von Gerd Theißen, 'Symbolisches Heilen in der Nachfolge Jesu', ist symbolisches Heilen eine Art von therapeutischer Einflussnahme, die durch Worte, rituelle Handlungen und soziale Unterstützung stattfindet. Damit kommt Theißen zu dem Schluss, dass Gebet und Salbung als Akt der Heilung verstanden werden können (Jak 5,14 '.....sie mögen über ihm beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn.'). Ein weiteres Verfahren, das auf der Kraft der Gemeinschaft beruht, bringt Jakob 5,16 mit dem Zusammenkommen der Gemeinde, in der Vergebung geschieht, in Verbindung. G. Theißen versteht die Wirksamkeit der symbolischen Heilung durch den Glauben. Glaube gründet sich in der Beziehung zwischen einem kranken Menschen und demjenigen, der als Heiler - Jesus, ein Arzt - wirkt. Dabei wird der Glaube nicht auf die beiden begrenzt, sondern erweitert sich auf den Kreis der Menschen, die den Kranken unterstützen. In antiken Berichten von Heilungen - wie z.B. bei den Griechen - sind andere Formen des Glaubens Inspiration und Hoffnung für viele Menschen geworden. Was Jesus aber entdeckte, ist einzigartig gewesen und wurde so formuliert: 'Dein Glauben hat dich gerettet'. Der Begriff 'gerettet' kann hier als 'geheilt' verstanden werden. Das kann auch heißen, dass Menschen die die Kraft des Glaubens berührt haben, die Gelegenheit haben einander zu retten bzw. zu unterstützen. Die meisten neutestamentlichen Heilungsberichte konzentrieren sich auf Jesus als Wundertäter. Heilung geschieht durch helfende Kraftübertragung: 'Daß (sic!) die Berührung im NT vor allem therapeutischen Charakter hat, erhellt nicht nur aus dem bevorzugten Haftpunkt dieses Motiv, aus seiner Nuancierung als helfender, Kraft ausstrahlender Geste, sondern auch aus seiner Motivverbundenheit: Wo Berührung geschieht, wird die Heilung durch Demonstration von Aktivität unter Beweis gestellt.' Die Heilungserzählungen sind nach einem bezeichnenden Formschema gegliedert. Im Fall des Motivgefüges von Mk. 2,1-12 kann man Folgendes beobachten: In der Einleitung kommt der Wundertäter an, eine Menge Menschen mit Kranken treten auf. Danach erscheinen Stellvertreter und es folgen die Hilfsbedürftigen. Daraufhin wird die Krankheit beschrieben. In der zentralen Mitte der Erzählung kommt es zur Heilung bzw. Austreibung (im Fall eines Besessenen). Am Schluss erhebt sich eine Kritik, auf die ein wunderwirkendes Wort folgt. Andere Wundergeschichten haben als Motivgefüge noch den Faktor Berührung (Mk. 1, 41) und in einigen Situationen kommt ein heilendes Mittel hinzu (Mk. 8,23; Joh. 9,6). Die Erzählungen (Mk. 1, 39-45; Mk. 2, 1-12) legen Wert darauf, dass die Heilungen geschehen, ohne dass der Mensch besonders gläubig war. 'Nicht die Beseitigung des Unglaubens, sondern die Anerkennung und Vollendung des angesichts unüberwindlicher Not angefochtenen Glaubens ist die Pointe dieser Wundergeschichte' Trotzdem rechnet Jesus die Wirkung der Heilung den Kranken zu und nicht sich selbst. Dementsprechend sieht Theißen, dass der Mensch die Dynamik des Glaubens selbst aktivieren kann (Mk. 5, 25-34). Glaube ist das Vertrauen an den Gott, der die Auferstehung Jesu bewirkte. Demzufolge wirkt der Glaube an Gott wie die Abbildung eines Lichts in der Dunkelheit. Das Heilungsgeschehen im Glauben ist mit Gott verankert. Dadurch entsteht die Beziehung zu Gott als ein Ort des 'Geschehens', in dem Gott sich als der Heilende offenbart. Theißen kommt zu folgender Erkenntnis: Die Tätigkeit Jesu 'war charismatisches, symbolisches, rituelles und soziales Heilen. Charismatisch und symbolisch sind die psycho-somatischen Aspekte der Heilung, rituell und sozial seine sozio-somatischen Aspekte.' Wenn man auf die Seiten der Wundergeschichten im Neuen Testament geht, sind dort Berichte von konkreten Heilungen, die durch Symbole eintreten. Der Begriff 'Wunder' deutet - nach heutigem Verständnis - auf imposante Ereignisse hin, die die Naturordnung durchbrechen und keine wissenschaftliche Erklärung haben. Demgemäß widerspricht der Wunderbegriff unserem rationalen Denken. Das Weltbild des heutigen Menschen ist sehr anspruchsvoll und lässt keinen Raum offen für Wunderglauben. Das Leben des Menschen ist durch Beziehungen vernetzt und so ist er in der Lage sich in diesen Beziehungen zu entfalten. Demzufolge ist er in seiner Persönlichkeit auch nicht an den einzelnen Situationen erkennbar, sondern an den Beziehungen, die er aufgebaut hat. 'Denn was ein Mensch ist, zeigt sich nicht nur in der Folge verschiedener Lebensstadien, sondern ebenso sehr in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen.' Grundlegend ist, dass sich ein Beziehungsprozess auf einer Vertrauensbasis etabliert. Auf diesen Aspekt möchte ich mich im nächsten Abschnitt beziehen.
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