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E-Book

Time Bandit

Zwei Brüder, die Beringsee und der Fang ihres Lebens

AutorMalcolm Macpherson
VerlagAnkerherz Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl320 Seiten
ISBN9783940138170
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Andy und Johnathan Hillstrand sind Kapitäne des Fangboots 'Time Bandit'. Auf der wilden Beringsee vor Alaska trotzen sie und ihre Crew wüten den Stürmen, monströsen Wellen und bleierner Erschöpfung, um Königskrabben zu fangen. Jeder Fehler kann tödlich sein in einem der gefährlichsten Berufe überhaupt. Keine Saison, in der nicht ein Schiff verloren geht. Die Hillstrand-Brüder sind die 'Rocker' der Fangflotte, in mehr als 150 Ländern einem Millionenpublikum bekannt durch die erfolgreiche TV-Doku mentation des Discovery Channels. In der Biografie 'Time Bandit' gewähren sie 'Newsweek'-Reporter Malcolm Mac -Pherson Einblicke in die raue Welt der Fischer von Alaska. Sie berichten vom Umgang mit der Angst, von kurzem Reichtum und ständigem Existenzkampf, von Schlägereien und der Sehnsucht nach Liebe. Vor allem aber von einem Gefühl der Freiheit, das es für sie nur an Bord der 'Time Bandit' gibt. Meister haft übersetzt von Olaf Kanter, Textchef von 'Spiegel online', der die Biografie mit einem Essay über den globalen Erfolg der Serie ergänzt.

Olaf Kanter, Jahrgang 1962, arbeitete nach seinem Studium für die 'Welt', bevor er als Textchef zur Zeitschrift 'mare' ging. Er schrieb als freier Autor für verschiedene Magazine und berichtete unter anderem über die Seelachsfischer von Alaska. Heute ist Kanter, der ein Diplom in Geowissenschaften der Universität von Milton Keynes hält, Textchef in der Politikredaktion von 'Spiegel online'. Er lebt in Hamburg. Malcolm MacPherson, Jahrgang 1943, wuchs in Kalifornien auf. Nach sechs Jahren bei den Marines begann er seine journalistische Arbeit beim 'Time Magazine'. 1968 wechselte er zu 'Newsweek' und berichtete als Reporter aus Kriegsgebieten oder vom Boxkampf Ali gegen Frazier in Kinshasa. Er war Autor mehrerer Romane und Sachbücher. MacPherson starb 2009 an einem Herzinfarkt.

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Leseprobe

Prolog
Im Sturm des Lebens

von Olaf Kanter

Es gibt zwei Arten von Wasser. Weiß ist die Gischt, die entsteht, wenn der Sturm die See so aufwühlt, dass die Wellenkämme brechen und vom Wind übers Meer gepeitscht werden. Schwierig wird es für die Crew aber erst, wenn grünes Wasser über den Bug kommt. Grünes Wasser ist die volle und ungebrochene Wucht der Welle, grünes Wasser reißt die Männer an Deck von den Füßen und spült sie über Bord, wenn sie nicht aufpassen. Johnathan Hillstrand, Kapitän auf dem Krabbenfänger Time Bandit, hat seine Leute im Sturm deshalb immer genau im Blick und wenn er eine Welle sieht, die grünes Wasser bringt, brüllt er ihnen über Deckslautsprecher eine Warnung zu. Dann gehen alle Mann so schnell sie können in Deckung und klammern sich fest. Grünes Wasser hat Johnathans Schiff einmal fast versenkt. Eine mächtige Welle überrollte das Vorschiff und riss einen Container mit gefrorenem Köderfisch aus seiner Verankerung. Der tonnenschwere Klotz rutschte quer übers Deck, der Kahn legte sich auf die Seite – und richtete sich nicht mehr auf. Er lag weit auf der Seite, alle an Bord hielten die Luft an. Gerade erst hatte Johnathan die Crew reingeholt, weil die Bedingungen zu heikel wurden. Kommt das Schiff wieder hoch? Langsam richtete es sich ein wenig auf, und noch ein Stück, bis Johnathan seine Leute rausschicken konnte, um den Container mit dem Köder wieder einzufangen und festzuzurren. Sie arbeiteten so schnell, sagte er später, wie er es noch nie gesehen hatte. So ist das Leben der Fischer auf der Beringsee. Ihre Fanggründe gehören zu den stürmischsten und eisigsten auf den Weltmeeren. Und was die Sache noch schlimmer macht, ist die Beute, auf die sie es abgesehen haben. Johnathan Hillstrand, seine Brüder Andy und Neal und die anderen Männer von der Time Bandit fangen Krabben, die nur im Herbst und Winter in die Reusen gehen, wenn das Wetter in den subarktischen Gewässern der Beringsee am unerbittlichsten ist. Königskrabben fangen sie im Herbst, hässliche Biester, eine Art Meeresspinne auf Anabolika. Man nennt sie auch Kamtschatkakrabbe oder schlicht Monsterkrabbe, und das trifft es eigentlich sehr gut. Sie haben einen stachelbewehrten Panzer und Beine, die fast einen halben Meter lang werden. Sie sind Allesfresser – und bekannt dafür, auch die eigenen Artgenossen nicht zu verschmähen, wenn sie der Hunger quält. Sonst haben sie kaum Feinde in ihrem Reich am Grund, hundert Meter unter dem Meeresspiegel. Nur eben Johnathan und seine Crew, denn das Muskelfleisch in den Beinen der Monsterkrabbe ist eine Delikatesse, für die Feinschmecker viel Geld bezahlen.

Im Winter folgt eine noch härtere Bewährungsprobe: die Jagd auf Schneekrabben. Die kleine Schwester der Königskrabbe, von den Fischern nach ihrem lateinischen Namen Chionoecetes opilio kurz »Opilio« genannt, geht nur im Januar in die Reusen. Das bedeutet für die Crew der Time Bandit Sturm wie üblich und dazu Minusgrade, die die Gischt sofort auf dem Stahl des Schiffs gefrieren lassen. Wenn die Fischer nicht Krabben aus den Reusen holen, klopfen sie Eis. Denn wenn der Eispanzer auf dem Schiff zu schwer wird, droht es zu kentern. Doch das Risiko lohnt sich. Es gibt nur wenige Kreaturen in den Meeren, mit denen sich so prächtig Geld verdienen lässt wie mit diesen Krabben aus dem hohen Norden.

Bei den Ureinwohnern Alaskas standen die Krebse schon seit Urzeiten auf dem Speiseplan, doch die kommerzielle Fischerei hat sie erst in den Fünfzigerjahren entdeckt. Was folgte, darf man getrost mit dem großen Goldrausch in Alaska vergleichen. Ende des 19. Jahrhunderts quälten sich die Abenteurer zu Tausenden im Winter über den Chilkoot-Pass, um am Klondike oder Yukon nach Gold zu schürfen. Wie sie gehen auch die Krabbenfänger ein extremes Risiko ein. Sie müssen in ein Schiff investieren, das den Bedingungen der Beringsee standhält – und ausgerechnet dann rausfahren, wenn alle anderen reinkommen. Auf einem Krabbenfänger kann es allerdings auch der einfache Seemann zu einem wahren Vermögen bringen; wenn es gut läuft, verdient er an die 1000 Dollar am Tag. Diese mythische Formel – »from rags to riches«, vom armen Schlucker zum Millionär – ist ein kraftvolles Leitmotiv der amerikanischen Gesellschaft. Die Krabbenfänger Alaskas bringen es erneut zum Klingen.

Sie zahlen dafür einen hohen Preis. Am Klondike starben Tausende, weil sie nicht richtig ausgerüstet waren für die Auseinandersetzung mit einer gewaltigen Natur. Dasselbe gilt für die Krabbenfänger der ersten Stunde. Viele Schiffe kommen nicht zurück von ihrer Fangfahrt auf die Beringsee, die Gier nach dem schnellen Geld bringt viele Männer um. Schwimmwesten? Rettungsinseln? Überlebensanzüge? Fremdwörter auf den Kähnen der Pioniere, ein Kostenfaktor, der nur den Gewinn schmälert. Erst mal kassieren, Regeln kann man später immer noch aufstellen. Inzwischen sind die Eigner per Gesetz verpflichtet, ihre Schiffe mit allem auszurüsten, was es an Rettungsgerät gibt; und die Küstenwache kontrolliert das vor Beginn der Saison sehr gründlich. Wer die Vorschriften nicht erfüllt, darf nicht rausfahren. Dennoch bleibt die Fischerei im hohen Norden Alaskas ein gefährliches Abenteuer. In der US-Statistik über tödliche Arbeitsunfälle rangieren zwei Branchen ganz oben – die Holzwirtschaft und die Fischerei. Im Schnitt verzeichnen die Holzfäller 117 Todesfälle auf 100 000 Beschäftigte. Amerikas Fischer liegen mit 71 Toten auf dem zweiten Rang. Ein noch dunkleres Bild ergibt sich, wenn man die Krabbenfischerei Alaskas allein betrachtet, wo es fast jede Woche einen Todesfall zu beklagen gibt. Hochgerechnet kommen die Fischer aus dem Norden Jahr für Jahr auf 300 bis 400 Todesfälle je 100 000 Beschäftigte.

So ist der Krabbenfänger zu seinem traurigen Superlativ gekommen: Sein Beruf gilt als der gefährlichste Job Amerikas. »Fisch oder stirb«, hat der französische Journalist Donatien Garnier seinen Bericht über eine Reise mit einem Krabbenfänger überschrieben. Besser kann man das nicht sagen. Die Männer von der Beringsee haben nicht einfach einen Job, sie stellen sich einer existenziellen Auseinandersetzung – es geht um Leben und Tod.

Das Drama hat sich lange im Verborgenen abgespielt, in einer entlegenen Ecke des Planeten. Dutch Harbor, der Ausgangshafen für die Fangreisen in das pazifische Nordmeer, liegt auf der winzigen Aleuteninsel Unalaska. Es ist ein unwirtliches Stückchen Land, karg, felsig und verdammt windig. Wer von Anchorage mit dem Flugzeug nach Unalaska startet, muss jederzeit damit rechnen, dass der Pilot den Anflug abbricht und entweder nach Cold Bay weiterfliegt – noch so ein vergessenes Nest im Nirgendwo – oder gleich nach Anchorage zurückkehrt. Wenn die Stürme Unalaska in den Wolken versinken lassen, ist es zu riskant, die kurze Landebahn anzusteuern. Die Passagiere nehmen es mit stoischer Geduld und reihen sich am Airport in Anchorage in die Schlange der vielen, die auf ihre Weiterreise warten. Nach Dutch Harbor fliegt niemand zum Spaß, es ist ein Ort der Malocher. Hafenbecken, Lagerhallen, Fischfabriken, Werften, Schiffsversorger, Tanklager, viel mehr gibt es nicht. Drei Kneipen, ein Hotel und ein paar sehr rustikale Unterkünfte für Arbeiter und Fischer auf Durchreise. Kein anderer Hafen der USA schlägt solche Mengen an Fisch und Krabben um wie Dutch Harbor. Große Containerschiffe steuern nach einem festen Fahrplan Unalaska an. Wichtigste Ware aus dem hohen Norden ist der Rohstoff für Fischstäbchen – Seelachs. Wahrscheinlich waren sich die meisten Amerikaner der Bedeutung des Außenpostens im Nordpazifik nicht bewusst, bis das Fernsehen ein Fenster in diese entlegene Welt öffnete, diesen letzten wirklich wilden Westen der USA. Der TV-Produzent Thom Beers entdeckte die Fischer Alaskas als Sujet für eine Doku-Serie und der Discovery Channel schlug ein. Gleich der vierteilige Pilotfilm wurde 2005 ein Erfolg und die Serie gehört seither zu den erfolgreichsten Formaten ihrer Art. Das Leben der Krabbenfischer auf der Beringsee läuft nicht etwa als Nischenprogramm irgendwann spät nachts, sondern immer zur Primetime, um neun Uhr abends. Zwischen drei und fünf Millionen Zuschauer schalten ein und lassen sich für eine Dreiviertelstunde auf die eisige Beringsee versetzen.

Die Produzenten haben vier Kameras fest an Bord installiert, die bei jedem Wetter aufnehmen, was an Deck passiert. Den Arbeitsablauf hat jeder Zuschauer schnell verstanden: Köder in die Reuse, Klappe zu, Seil und Markierungsboje an den Stahlkäfig und über Bord damit. Das Schiff läuft in gerader Linie weiter, die Crew schickt einen »Pot« nach dem anderen auf die Reise in die Tiefe. Wenn alle Reusen ausgelegt sind, fährt der Kapitän an den Anfang der langen Bojenreihe zurück und die Crew holt die Pots wieder ein. Boje ansteuern, Sorgleine über die Winsch, Leine einholen, bis die Reuse an die Oberfläche kommt, Kran einhaken, den Stahlkäfig an Bord hieven, Klappe auf, Fang sortieren. Es ist eine eintönige, knochenharte Arbeit. Johnathan beschreibt seine Crew als »Zombies«, die über den Punkt der totalen Erschöpfung hinaus immer weitermachen. Das Hirn schaltet ab, der Körper funktioniert wie auf Autopilot.

Für die spannenden Einlagen sorgen Wind und Wellen – und die zwischenmenschlichen Dramen, die sich in der Besatzung abspielen. Für die wahren Stürme des Lebens braucht es nicht nur Wind, sondern große Emotionen. Und die sind auf dem begrenzten Raum an Bord eines Krabbenfängers garantiert. Wenn es Stress gibt, eskaliert der Streit zwischen diesen wilden Kerlen...

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