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E-Book

Tod eines Pferdes: Zirkuslektionen im Fokus

Berichte, Interviews, Satiren, Trainingstipps & Analysen

AutorNicola Steiner
VerlagBooks on Demand
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl144 Seiten
ISBN9783746042749
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis5,49 EUR
Bei einem Zirkuskurs in Leichlingen kam im April 2017 ein Pferd zu Tode - war es wirklich ein Unfall? Den Berichten der Pferdefachpresse zufolge schon, doch dann tauchte ein siebenminütiges Video auf, in dem das Pferd Evita ein Dutzend Mal stieg, sich drei Mal überschlug und sich nach dem dritten Sturz das Genick brach, was die Presse teilweise verschwiegen hat. Der Vorfall wirft eine Menge Fragen auf, die das Buch beantwortet. In Interviews und Berichten beleuchtet die Autorin alle Facetten dieses Unglücks. Das Buch zeigt auf, wie eine seit Jahrzehnten umstrittene Methode zu einer Strafanzeige geführt hat und hinterfragt welchen Stellenwert wir dem Pferd in unserer Gesellschaft geben: Ist es nur so wenig wert wie ein Gebrauchsgegenstand, der funktionieren muss und niemals 'Nein' sagen darf? Neben Satiren und Analysen ist dieses Buch aber auch konstruktiv und zeigt neue und verblüffende Wege im Pferdetraining auf. Die Autorin selbst gibt Horsemanship-Tipps und als Gast-Autorin beschreibt Zirkusikone Eva Wiemers einen pferdegerechten Umgang mit der Fußlonge: 20 Seiten Schritt-für-Schritt-Anleitung mit zahlreichen Illustrationen beweisen: Zirkuslektionen können ohne Zwang so erarbeitet werden, dass sie dem Pferd nicht nur Spaß machen, sondern es auch gymnastizieren. Aber das Buch will nicht so sehr anklagen und lässt auch den Trainer Peter Pfister zu Wort kommen. Die Autorin hat ihn in mehrstündigen Telefoninterviews befragt und druckt auch seine Stellungnahme ab. Des Weiteren gibt es Stellungnahmen von anderen Journalisten, der Equinale und der Reitbeteiligung, der dieser Zirkuskurs geschenkt worden ist sowie ein bisher unveröffentlichter Leserbrief an mein Pferd und das amüsante Statement einer 0815-Freizeitponyhalterin. 12-Oaks-Sammelband Nr. 3

Nicola Steiner wurde 1965 in Hückeswagen geboren und lebt mit ihren beiden erwachsenen Kindern im Bergischen Land bei Köln. Sie arbeitet als Natural Horsemanship-Trainerin und hilft ihren Kunden dabei, das eigene Pferd besser zu verstehen und eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Außerdem reitet sie Turniere im Westernreiten und versucht eine Brücke zwischen dem Turniersport und dem Natural Horsemanship zu schlagen. Trotz langjähriger freier Mitarbeit im Hörfunk ist das Schreiben und das Geschichtenerzählen ihre Leidenschaft. Daher wundert es nicht, dass sie in ihrer Freizeit gleich zwei erfolgreiche Blogs ins Leben gerufen hat. Im Turnierblog erzählt sie während der Turniersaison Turnierkrimis über ihre Tochter Larissa. Die 19jährige wurde Deutsche Meisterin mit der Mannschaft, war zwei Jahre in Folge Beste ihrer Leistungsklasse (LK 1) im Rheinland (2017: Zweitbeste), mehrfach Disziplinensiegerin in der Reining, im Trail, der Westernriding, der Superhorse und der Ranchriding sowie zehn Mal Allroundchampion. Die Presse hat mehrfach darüber berichtet, dass sie mit 'Nur-einem-Pony' für die deutsche Meisterschaft qualifiziert war. Nicola Steiners Horsemanship-Blog bietet hingegen Themenmonate zu allem, was Pferde angeht oder auch was Menschen dabei hilft, nicht nur natürlicher mit Pferden umzugehen, sondern auch natürlicher zu leben.

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Leseprobe

TEIL 1: DER SHITSTORM


Das Telefon klingelt in den Morgenstunden – eine Reportage1


In der Woche als das Video, das die letzten Minuten des Pferdes Evita zeigt, über Facebook kursierte, lag ich eigentlich mit Grippe flach und habe mich zwischen Laptop und Bett schniefend und niesend hin und her geschleppt. Als ich dann endlich mal wieder atmen konnte und die erste Nacht durch schlief, klingelte um halb neun morgens das Telefon, das ich vor mich hin fluchend erreichte.

"Steiner", brummte ich und hörte so was wie: "Guten Morgen, hier spricht Peter Pfister und ich wollte Sie fragen, warum Sie auf Facebook so gegen mich schießen. Habe ich Ihnen etwas getan?" Oh nein, dachte ich bei mir, muss ich das jetzt wirklich rechtfertigen? Der glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich jetzt meine Blogartikel lösche. Aber ich kriegte ja endlich wieder Luft und atmete erst mal tief durch, bevor ich um Geduld ringend sagte: "Herr Pfister, es geht doch nicht gegen Sie persönlich, aber ich finde einfach, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, zu erfahren, warum ein Pferd auf einem Kurs stirbt. So etwas darf nicht vertuscht werden." Herr Pfister wollte daraufhin wissen, warum ich denn auch noch das Video mit dem "A genoux" (das Knien, das aus dem Kompliment entwickelt wird) veröffentlicht hatte und ich behauptete, im Brustton der Überzeugung, dass es beweist, dass es kein Einzelfall war.

"Das ist doch aus dem Zusammenhang gerissen und keiner kennt die Vorgeschichte. Und überhaupt: Muss man da so eine Schlammschlacht draus machen?", hielt er dagegen und plötzlich war ich wach und kam in Fahrt: "Wieso Schlammschlacht? Niemand will Sie ruinieren, aber die Öffentlichkeit hat ein Recht auf die Wahrheit. Es ist richtig und wichtig, über die Öffentlichkeit zu kontrollieren, wenn irgendwo in der Gesellschaft etwas schief läuft, damit sich daraus etwas ändert" und so ging es dann über Hölzchen und Stöckchen: Wir haben die Aufgabe der Presse und das Thema Verantwortung durchgekaut und erörtert, was ein Besitzer und was ein Trainer entscheiden sollte und überhaupt: Wo lag der Fehler an dem Tag, als Evita ihr Leben ließ? Und irgendwann landeten wir dann doch wieder beim Thema, ob man das nicht alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit im persönlichen Gespräch klären sollte und ich habe von Bürgerpflicht gefaselt: "Wenn man das anfängt und alles unter den Tisch kehrt, dann haben wir irgendwann wieder eine Diktatur", und ich gestehe - mir rutschte das Wort Hitler raus und es war ein Moment Stille am anderen Ende der Leitung und dann sagte Peter Pfister: "Sie haben Recht", und jetzt war Stille an meinem Ende der Leitung. Ich war sprachlos und das will was heißen: Wow. Allmählich beschlich mich ein klitzekleines Gefühl von Respekt diesem Mann gegenüber, der ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit wie die berühmte Sau durchs virtuelle Dorf gejagt wurde. Trotzdem habe ich immer und immer wieder betont, dass es ein paar Kritikpunkte meinerseits gibt, die ich - komme was wolle und egal, was er mir sagt - auch weiterhin öffentlich vertreten würde, z.B.:

Es geht nicht um Schuld, aber ein Trainer ist der Fachmann und es ist völlig egal, was Besitzer oder Reitbeteiligung sich wünschen oder eben nicht wünschen: Es ist Aufgabe eines Trainers, das Pferd einzuschätzen und zu erkennen, wie es tickt und die richtige Strategie fürs jeweilige Pferd zu finden. "Also ich stelle den Kunden alle meine Strategien vor und lasse den Kunden entscheiden, welchen Weg zur Lektion er bevorzugt", beschrieb Pfister einen Weg, den sich ein jeder Teilnehmer eines Kurses nur wünschen kann. Aber ich war ja gerade so gut in Fahrt und sagte: "Sehen Sie und genau da ist der Hund begraben: Das dürfen nicht die Teilnehmer entscheiden. Die sind ja potentiell die Unwissenden, die von nichts 'ne Ahnung haben und die zu Ihnen kommen, um von Ihnen zu lernen. Da sind Sie derjenige, der sagen muss: Das Pferd tickt so, da haben wir eine Chance, wenn wir es so machen und beim anderen genau andersherum", redete ich mein Gegenüber in Grund und Boden und fragte dann oberlehrerhaft: "Kennen Sie eigentlich die Horsenalitys nach Parelli. Nein? Also, das sollten Sie mal bei Google eingeben. Als ich Evita im Video sah, dachte ich nämlich bei mir >Bei Parelli wäre es ein Right Brain Introvert<, das sind so Pferdetypen, die erst stillstehen und dann explodierten", schmetterte ich Herrn Pfister mein Halbwissen um die Ohren und musste jetzt doch mal kurz Luft holen (ohne geht nur ohne Grippe), während ich 0,75 Sekunden vor mich hin sinnierte und mir auffiel: "Ich glaube, der hat mir zugehört." Nochmal "Wow" und dann sagte er ruhig und ohne Aggression: "Nein, davon habe ich noch nie gehört. Aber damit werde ich mich künftig beschäftigen." Ich will euch jetzt meine weiteren Wows ersparen, aber ich hatte den Eindruck, er denkt ernsthaft darüber nach. Und selbst wenn nicht: Alleine schon die menschliche Größe, dass er von mir in den ersten zehn Minuten des Telefonats nur so mit Vorwürfen überhäuft wurde, dass er sich das alles anhörte, ohne mich zu unterbrechen - das schafft nicht jeder. Aber wenn ich erst mal Fahrt aufgenommen habe, dann kann ich halt nur laaaangsam abbremsen und trat noch ein bisschen nach: "Schauen Sie mal: Sie haben das Pferd falsch eingeschätzt, wollten zu viel zu schnell, bla, bla", nach Luft schnappen, was Pfister nutze um zu sagen: "Aber bis dahin war das Pferd Evita so brav und die Vorübung Plié hatte so gut funktioniert ..." Luft holen am anderen Ende der Leitung, Chance für mich weiterzupoltern: "Das habe ich doch gesagt. Diese Right Brain Introverts (Begriff geklaut bei Parelli) sind nämlich gehorsam und oft sind die zeitgleich in einer Left Brain Horsenality zu Hause, bis halt Druck kommt, der fürs Pferd subjektiv zu groß ist. Ich verstehe ja, dass man das nicht erkennt, eben weil die so lieb und gehorsam sind, aber da gibt es nur eins: Zeit geben." --- "Ja, das weiß ich jetzt auch." Besser spät als nie. Wir haben zwei Stunden telefoniert und so, wie ich es hier beschreibe, ging es nicht weiter, denn spätestens nach diesem Satz, dachte ich: "Jetzt bin ich mal dran mit Zuhören", und das habe ich dann auch getan. Am Ende sogar mit einem dicken Kloß im Hals, als Pfister mir gestand, dass er seit Monaten nicht mehr schlafen kann, ihn die Bilder von Evitas Tod einfach nicht mehr loslassen und in seinen Träumen verfolgen. Mir stiegen Tränen in die Augen: Was für Dramen spielen sich hier ab? Nach außen: Nichts anmerken lassen, nicht dass es nachher heißt, ich wäre eingeknickt2.

Aber der Großteil des Gesprächs verlief sachlich; zu keinem Zeitpunkt wurde mir gedroht wie es viele andere in so einer Situation tun würden. Deswegen war das Telefonat mal ein Austausch, mal eine Art Interview (den ich habe ja auch andere Informanten und es war eine gute Chance mal die Tatsachen abzuklopfen) und dann hat er mir sogar Tipps zu meiner Queenie gegeben, die alles kann: Kompliment, ein (wenn auch schiefes) Lachmal, sogar Sitzen, aber auf Kommando Hinlegen: Fehlanzeige, das blickt die einfach nicht. Sein Ratschlag war gut: Über Kompliment und laterale Nachgiebigkeit - so soll es sein. Und dann hörte ich mich plötzlich sagen: "Das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren. Können Sie sich eigentlich daran erinnern, dass ich Sie mal auf der Equitana angequatscht habe, weil mein Pony Cisco das Steigen nicht lernen wollte? Nicht? Egal - das hat auf Anhieb funktioniert. Danke dafür", und musste eingestehen: "Ein Hochstapler oder Scharlatan ist er jedenfalls nicht." Zumindest nicht im Bereich der Zirkuslektionen, auch wenn er die Chance bei Evita verpasst hat, nach dem kleinsten Bemühen des Pferdes zu sagen: "So das war's für heute. Jetzt muss das Pferd über alles nachdenken". Ihr kennt das ja: "Druck motiviert, aber loslassen lehrt" (ihr wisst schon, wen ich hier zitiere) und dann hat Peter Pfister mir etwas von kleinen Schritten erzählt. Mein Reden (!!!) und weil ich ja so gerne mit Zitaten um mich werfe, habe ich noch eins von Freddy Knie senior hinterher geschossen: "Jeden Tag ein Zentimeter wird auch irgendwann zum Meter", nicht ohne das "Jeden Tag" zu betonen. Es sind so viele Aspekte gewesen, die wir da „durchgekaut“ haben und ich dachte zwischendrin: "Er sollte das, was er zu sagen hat, einer größeren Öffentlichkeit sagen. Alles andere ist unfair", und habe ihm angeboten, dass er ein Statement schreibt, das in meinem Blog veröffentlicht wird und das ich auf Facebook teilen würde. "Ich weiß jetzt gar nicht, wie ich das machen soll", murmelte er und schon wieder hörte ich mich unüberlegt Dinge sagen, die mich am eigenen Verstand zweifeln lassen, denn Zeit ist auch bei mir Mangelware: "Also gut, ich schreib einfach das auf, was wir hier am Telefon besprochen haben." Das kleine Engelchen auf meiner Schulter strahlte über beide Backen und das Teufelchen auf der anderen Schulter klopfte sich gröhlend auf die Schenkel vor Lachen und schnappte dabei nach Luft...

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