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E-Book

Transkulturelle Kompetenz

Lehrbuch für Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe

AutorDagmar Domenig
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl576 Seiten
ISBN9783456942568
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis43,99 EUR

Transkulturell – tolerant – kompetent. Ein praxisorientiertes Handbuch zum individuellen, situations- und kontextgerechten Umgang mit MigrantInnen für Pflegende, Hebammen und andere Fachpersonen im Gesundheits- und Sozialbereich in Lehre, Leitung und Praxis

Wie können Pflegende, Hebammen und andere Fachpersonen im Gesundheits- und Sozialbereich auf die Bedürfnisse und Lebenswelten von MigrantInnen situations- und kontextgerecht eingehen? Wie können sie ihre transkulturelle Kompetenz erhöhen? Wie kann die Gesundheitskompetenz von MigrantInnen und ihrem Umfeld gestärkt werden? Wie können Gesundheits- und Sozialeinrichtungen Rahmenbedingungen schaffen, die eine transkulturell kompetente Arbeit fördern?

Antworten auf diese Fragen gibt das ursprünglich unter dem Titel «Professionelle transkulturelle Pflege» erschienene Buch, das in der 2. Auflage in den folgenden Teilen vollständig überarbeitet und erweitert wurde:

- theoretische Grundlagen zu Grundrechten, Diskriminierung und Gewalt
- Konzept der transkulturellen Kompetenz und Kompetenzerweiterung
- transkulturelle Organisationsentwicklung
- leibliche Kommunikation
- soziozentrierte Kontexte
- Pflegediagnosen im Migrationskontext
- Gesundheitsversorgung von Migrantinnen
- psychische Störungen und Krisenintervention

Alter und Migration
In einem zweiten Teil legt das Buch die Grundlagen für eine erfolgreiche transkulturelle Interaktion mit Beiträgen zum Konzept der transkulturellen Kompetenz, zu Gesundheits- und Krankheitskonzepten, zu soziozentrierten Kontexten, zur Kommunikation sowie zur transkulturellen Anamnese. Weiter werden in diesem Teil Handlungsanleitungen und Empfehlungen für die Vermittlung und Implementierung transkultureller Kompetenz in Lehre und Praxis vorgestellt.

Was transkulturelle Kompetenz konkret in unterschiedlichen Lebensphasen und Praxisfeldern bedeutet, wird, wie schon in der ersten Auflage, in weiteren aktualisierten Beiträgen zu Migrationskindern, älteren MigrantInnen, Frauen mit Migrationshintergrund, Migrantinnen in der Geburtshilfe, MigrantInnen in der Psychiatrie, traumatisierten MigrantInnen und MigrantInnen mit Schmerzen dargelegt. Das Buch enthält erneut zahlreiche Fallbeispiele, die Bezüge zur Praxis herstellen, Hilfsmittel für die konkrete Umsetzung sowie Übungen, die zur Selbstreflexion anregen.

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Horizontale Tabs

Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis, Geleitwort und Einleitendes Vorwort zur 2. Auflage
  2. I. Teil Hintergründe zu Migration, Integration und Gesundheit
  3. II. Teil Grundlagen transkultureller Kompetenz in Praxis und Lehre
  4. III. Teil Spezifische Themen aus transkultureller Perspektive
  5. AutorInnen- und Sachwortverzeichnis
Leseprobe

1 Kultur als Begriff und als Ideologie – historisch und aktuell (S. 29)

Jutta Dornheim

1.1 Einleitung
Einige Jahrhunderte lang sind west- und mitteleuropäische, später auch nordamerikanische For schungsreisende in ferne Länder gezogen und haben über die dort lebenden Bewohne rInnen be richtet. Da ist von «primitiven Völkern», «Naturvölkern», «Ureinwohnern», «Wilden», «Stammes häuptlingen» und anderen Bezeichnungen die Rede, denn die westlichen ForscherInnen sahen die fremden Menschen und ihre Gewohnheiten ganz selbstverständlich durch die «getönte Brille», die sie in ihrem eigenen Land erworben hatten.

Der italienische Semiotiker und Kulturwissenschaftler Eco, der hierzulande vielen durch sein Buch und den Film «Der Name der Rose» bekannt geworden ist, hat jetzt den Spieß einmal umgedreht und uns beschrieben, wie ein polynesischer Forscher, den er Dr. Dobu de Dobu nennt, die Mailänder Bevölkerung erleben könnte, und dies liest sich so:

«Der Tagesablauf des Mailänder Eingeborenen richtet sich nach den elementaren Rhythmen der Sonne. Frühmorgens steht er auf, um sich seinen stammestypischen Tätigkeiten zu wid men: Stahlsammeln in den Plantagen, Anbau von Metallprofilen, Gerben von Plastikstoffen, Handel mit Kunstdünger, Säen von Transistoren, Weiden von Lambrettaherden, Zucht von Alfaromeos und so weiter.

Gleichwohl liebt der Eingeborene seine Arbeit nicht und tut alles nur Erdenkliche, um ihren Beginn hinauszuzögern. Dabei scheinen ihm eigentümlicherweise die Stammeshäuptlinge zu helfen, indem sie z. B. die gewohnten Transportwege absperren, die alten Trambahngleise herausreißen lassen, den Verkehr behindern durch breite gelbe, auf die Saumpfade gemalte Streifen (mit klarer Tabu-Bedeutung) und schließlich an den unerwartets ten Stellen tiefe Löcher graben, so dass viele Eingeborene hineinstürzen und vermutlich den lokalen Göttern geopfert werden.»

[Eco, 1997, zit. n. Drechsel et al., 2000: 1].
1.2 Das «Eigene» und das «Fremde» – die bisher grund legenden Dimen sionen von Kulturerleben
Wenden wir uns dem Erleben von Dr. Dobu de Dobu zu, fällt auf, wie das, was er sieht, damit zu tun hat, was er zu sehen gewohnt ist: Die Tätigkeit des Sammelns scheint ihm aus seiner Gesellschaft vertraut zu sein, bemerkenswert findet er aber, dass in Mailand «Stahl» gesammelt wird. Da ihm auch Plantagen vertraut sind, erscheint ihm das Aufsuchen der Autos, die auf den Mailänder Straßen und Plätzen geparkt sind, als «Stahlsammeln».

Auffallend für uns, die wir gewohnt sind, zwischen Gegenständen und Lebewesen, also zwischen «belebt» und «unbelebt» zu unterscheiden, ist, dass dieser polynesische Forscher «sieht», wie die MailänderInnen Transistoren säen, Metallprofile anbauen, Alfaromeos züchten und Lambrettaherden weiden. Eine Übereinstimmung zwischen den «Mailänder Eingeborenen» und dem Forscher besteht darin, dass Dr. de Dobu die genannten Dinge als Produkte menschlicher Arbeit identifiziert.

Gäbe es diese gemeinsame Perspektive nicht, würde Dr. de Dobu vielleicht von «Lambretta-Rudeln» oder «Alfaromeo-Völkern» sprechen – wie wir von Wolfsrudeln und Bienenvölkern. Auch Stammeshäuptlinge und ihre unvorhersehbaren Launen kennt Dr. de Dobu so gut, dass ihm die enge Zusammenarbeit der Häuptlinge mit den lokalen Göttern ganz selbstverständlich erscheint, und so kann er die täglichen Mailänder Verkehrsopfer nicht anders denn als rituelle Opferungen verstehen.

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis, Geleitwort und Einleitendes Vorwort zur 2. Auflage7
I. Teil Hintergründe zu Migration, Integration und Gesundheit28
1 Kultur als Begriff und als Ideologie – historisch und aktuell30
2 Von der Assimilation zur Integration: Konzepte, Diskurse und gesellschaftlicher Wandel50
3 Religiöse Hintergründe und soziale Praktiken68
4 Grund- und Menschenrechte im transkulturellen Kontext88
5 Rassismus und rassistische Diskriminierung106
6 Gewalt und Migration122
7 Migration und Gesundheit140
II. Teil Grundlagen transkultureller Kompetenz in Praxis und Lehre164
1 Das Konzept der transkulturellen Kompetenz166
2 Gesundheits- und Krankheitskonzepte192
3 Behandlung und Pflege in soziozentrierten Kontexten206
4 Professionelles Übersetzen222
5 Die Bedeutung des Nonverbalen in der Kommunikation238
6 Die Bedeutung der leiblichen Kommunikation im Kontext transkultureller Pflege260
7 Bedeutung der Kommunikation in der transkulturellen Pflege276
8 Pflegediagnosen und -diagnostik im Migrationskontext288
9 Transkulturelle Pflegeanamnese302
10 Transkulturelle Kompetenzerweiterung als Herausforderung für die Aus- und Weiterbildung312
11 Vermittlung der transkulturellen Pflege in der Aus- und Weiter bildung324
12 Transkulturelle Organisationsentwicklung342
III. Teil Spezifische Themen aus transkultureller Perspektive370
1 Migrationskinder372
2 Alter und Migration396
3 MigrantInnen in der Altenpflege412
4 Migrantinnen in der Gesundheitsversorgung426
5 Schwangerschaft und Geburt im Migrationskontext440
6 Verhütung und Schwangerschaftsabbruch bei Migrantinnen458
7 Frauenbeschneidung oder weibliche Genitalverstümmelung474
8 Psychische Störungen im Migrationskontext488
9 Krisenintervention im Migrationskontext504
10 Traumatisierungen bei MigrantInnen mit Folter- und Kriegserfahrungen518
11 Schmerz im Migrationskontext542
AutorInnen- und Sachwortverzeichnis560
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